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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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EatzeS wohl nicht zu zweifeln. Da« gibt zu denken. Da« Elfab ist von dcr Natur gesegnet, wie nur irgend ei» Lind in Europa. Handel »nd Industrie sind hoch entwickelt, und doch soviel jüdisches «Proletariat." Und obendrein find diese Juden frei und ungehindert in jeder Bewegung und Thätigkcit seit fast drei Generationen! Daraus läßt sich nur Ein« schließen, wa« auch wohl schon von Ändern ausgesprochen ist, daß e« für die deutschen Juden ein «Segen von oben" gewesen, daß die Gleichstellung von ihnen i>^ harter Arbeit und schwerem Kampf errungen werden mußte,"ihneu nicht in den Schooß gefallen ist; Bildung ist Reichthum! — Wir habeu jedoch noch hinzuzufügen, daß Spach an jenen Satz ei» volltönendes Lob der Wohlthätigkeil seiner israelitischen Landsleute knüpft und die Wohlthätigkeitsanstalten namhaft macht, sowie daß er am Schluffe sagt: «wir sind jetzt Zengen des hoben Aufschwung«, den die Israeliten der Gegenwart in Wissenschaft, Liicralur, Kunst- und Großhandel nehmen; ein mächtiger, wenn auch nachträglicher Protest gegen die Verfolgungen des Mittelalters ." Krakau. Einer der reichsten Juden Galiziens, Barnch, Besitzer von Fabriken, Gütern u. s. w., starb 81 Jahr alt. Bierundzwanzig Stunden vor seinem Tode wurde er lutherisch getauft und so begraben, weil er fürchtete, daß die Juden seinen Erben zu hohe Grab- und Beerdigungskosten absordern würden. — Jeder von uns weiß, daß Juden den Armen wie den Reichen nur kostenfrei begraben, daß man daher von den Reichen nehmen muß. Wer noch nach dem Tode Korach fein will, der ... . — Beiläufig: auch dcr «Israelit" kennt dies unabänderliche Sachverhältniß, hat aber doch der Wiesbadener Gemeinde einen schweren Vorwurf daraus gemacht, daß sie im vorigen Sommer sich für Beerdigung eines, doch jedenfalls woblhabendcn, Israeliten aus Rußland anständig bezahlen ließ.*) Der «Israelit" behauptete kühn, eine onhodoxe Gemeinde thue das nicht; fällt einer solchen das Geld für die Armen vom Himmel zu? Oder nimmt sie nur Vermögende auf? Hat man in Wiesbaden das Geld des Ruffen verzecht, wir das wohl bei Andern geschieht? Oder ist man dort nicht mitunter rn dcr Lage, einen armen verstorbenen Kurfremven umsonst zu beerdigen? Man muß das Alles in Mainz bester wiffen, als mir hier; wem aber leidlicher Menschenverstand gegeben ist, der kann auch Dinge beurtheilen, die er nicht gerade sieht. Pest. Herr Michael Lang, Pfarrer der hiesigen evangelischen deutschen Gemeinde, ist am 31. Januar in einem Alter von 71 Jahren in ein bcffereS Jenseits hinübergeschlummert. Beseelt vom Geiste der Milde und Toleranz, ivar er von Allen, die ihn kannten, geachtet und geliebt. In den Jahren 1848 und 1849 wirkte er nur im versöhnenden Geiste. B»i den damaligen Jndcnversolgungen trat er, so weit es ihm möglich war, für die Verfolgte» ein, wofür ihm die hiesige isr. Gemeinde später als Anerkennung und Andenken einen werihvolleu silbernen Pokal, niit paffenter Inschrift versehen, zum Geschenke niachre, den er seinen Freunden und Bekannten oft mit Stolz zeigte. Auch nach der Katastrophe von 1849 verwendete er sich mit Erfolg für Viele. Bei feinenl Leichenbegängniffe zeigte es sich erst recht, wie sehr er in allen Schichten der Bevölkerung verehrt und beliebt war. Tie Seelsorger und Tausende von Angehörigen aller Äonseisioneu haben demselben mit pietätvoller Thcilnahnie angewohnt. Ehre seinem Andenken! Paris. Es ist so höchst erfreulich, wahrzunehme», wie reiche Spende» svr verschiedene Wohllhätigkeilvereine in jeder halbnionatlichen Nummer der beiden jüdischen Blätter sortlausend verzeichnet werden. Bedenkt man, daß nach ZeiluugSbertchlen die Geschäsls- und Erwcrbsverhältniffe in Paris zur Zeit nichts weniger als glänzend liegen, so macht diese Wohl- *) Au» daß die» prSauweemiäo gefordert würde, eMfvricht dem, rinfer« Wiffen», allgemein üdlich-n Verfahren dcr Lhenroth, selbst Smheimischen gegenüber. , thäligkeit unseren dortige« Glqyhinsssenoffen um so mehr Ehre. ' Die für die «Gemeindekafse" gezeichneten Beiträge,, ergebe» ' z. B. bi« Ende Januar (und überkanpt erst seil November v. I.) schon über 84.06» FrcS; daß die von Rothschild gleich < J? in der constitnirenden Versammlung gezeichneten 100,606 Fr«. nicht eingerechnet sind, versteht sich von selbst, wir wolle» .'-i, aber sagen, bifj die 84,000 Francs auch nicht von lauter „Rothschilds" gezeichnet sind. - — Wir sind verpflichtet, zu berichten, daß der Hr. Re» ■* dakteur des „Univ. Israel" sich in Hinsicht aus die neue * Militär-Kirchenordnung (wie wir daS Gesetz in Deutlchland ) nennen würden) und speziell die augeordnete Kniebeugung jübischer und protestantischer Soldaten vor dem katholische« Sanctissimum eine- Befferen besonnen hat. Freilich feagen wir ihn, den Talmudkundigen: 7120,? 'K2 H^nno. wenn er die bonibastische Phrase des Generals Gnillemaut: «in der Armee giebt cs keine Katholiken, Protestanten, Juden, der Patriotismus, die DiSciplin, die Toleranz einigen un« Alle" niagnisique fand. — Wie dem sei, er findet jetzt die Sache bedenklich, ungereift, das von den Generalen angegebene Mo» tiv: der Soldat im Dienste sei nur Maschine, folge dem Kommando, gleichviel welchem, sophistisch. Ganz richtig! Wir bedauern — aber unser Hr. College weiß ja, daß man nicht immer das Erscheine» der nächste» Rümmer abwarlen kann, die Leser verlangen Neues rasch, sonst hätte auch er seine Post - Scriptum - Nachricht bester zu erwäge» sich Zeit genommen. Mehr aber »och bedauern wir, mit ihm, daß diejüdischen Depulirten geschwiegen haben, während die Protestanten Andrä und Preffensä den beireffendin Paragraphen bekämpften. Bukqrest, 14. Februar. Bei der gestrigen Beralhung des neuen KomniuiialgesctzcS durch die Deputirlenkammer wuree von d« Opposition die Streichung eines Artikels beantragt, der den im Lande geborenen Jude» unter gewiffe» Beschränkungen kommunale Rechte verleiht. Der Antrag wurde aber von der Majorität abgelehnt. Pest I» das Lchrercollegium für da« hiesige Rabbinerscminar sind von der ständigen Commission gewählt worden: Die Hrn. Rabbinatsasseffor I. Fleißig in Wien und Rabb. David Oppenheim in Gr.-Bezkerek für die eigentlichen rabbinischeu Fächer, die DDr. F. P. Frankel und Ad. Schwarz — vom Breslauer Seminar — für die Gymnasialfächer und einige theol. DiSciplinen; ferner Hr. Dircctor Deutsch und die Proseffore» Kleinman», Kohn und Goldzieher in Pest für Spezialfächer. (Wir dringen in nächster Nr. einen ausführlichere» und geiiaueren Bericht «aus Ungarn" über diese Wahlen, sowie manches damit Zusammenhängende. Red.) Feuilleton. Meier Hirsch. (Fortsetzung.) Eine andere Schilderung verdanken wir dem Geheinien Oberregiernngsrath Johannes Schulze, der lange Jahre im Kultusministerium der Förderer und Beschützer hilfsbedürftiger Gelehrten gewesen. Es war an cinem schönen Sonimcrabend dcs Jahres 1863, als. der Verfaffer dieser Mittheilungen dem rüstigen Herrn aus der Pankower Chaussee vor dem jüdischen Gottesacker begegnete. Die Rede kam auf Meier Hirich. „Von dem weiß ich zu erzählen", sprach er lebhaft, «folge» Sie mir." Eine einsame Laube deS Schultheiß'jchen Vorgartens nahm uns auf, und hier erzählte er mit dem Ausdruck frischester Erinnerung: «Deni Minister Altcnsteiu, meinem unvergeßlichen Freund«, konnte ich kein größere« Vergnügen bereite», als wenn ich ihm Gelegenheit gab, einem verdienstvollen Gelehrten, hex sich -

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