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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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70 «s vcrziehen, ihre »«glücklich«» Kind« lieber in christliche« Anstalten erziehen zu lasten? S« genüge diesmal dieser Hinweis. Lntttwitz (Oberschlefien). Der hiesige Rabbiner vr. Lohn wurde bald nach seinem Amtsantritte in unserer Gemeinv« Anfang» 1872 von der königlichen Regierung zu Oppeln zum Revisor der jüdischen Communalschulen ernannt. Al« solcher glaubte er sich berechtigt und verpflichtet, »in seine Aufnahme in die städtische Schuldeputatian nachzusuchen, in welcher auch die Revisoren der katholischen und evangelischen Stadtschule Sitz nnd Stimme haben. Er wurde wohl bei diesem Anträge von der Erwägung geleitet, daß einerseits dein Revisor im Jntereffe der ihm anverlrauten Schule Gelegenheit gegeben sein muffe, an den da» städtische Schulwesen betreffenden Beralhungeu Theil nehmen und bei deuselben sein Volum abgeben zu können, sowie daß andererseits dem Vertreter der jüdischen Schule da« gleiche Recht, wie den Jnspecloren der christlichen Schulen zustänv«. In voller Würdigung der Berechtigung dieser Forderung wandte sich der hiesige Magistrat um Bewilligung derselben an die Provinzialregierung, von der die Mitglieder der Echuldeputationen zu bestätigen sind. Die Regierung beschied dar Gesuch abschlägig mir dem Hinweis darauf, daß die gesetzmäßige Zahl der DepulalionSmilgiieder, unter denen in der Regel zwei technische sein «ollen, bereits vollzählig sei. Der Rabbiner wandte sich hierauf selbst in einem Schreiben an die Regierung unter Auseinandersetzung der Gründe, di« ihn im Jntereffe der Schule zur Wiederholung de» Anträge» vrranlaßten. Die Antwort der Regierung lautete wiederum ablehnend Der Revisor habe Kraft seine« Amtes keine Berechtigung in die Echuldeputation -inzutreten; e» stünde jedoch der Deputation frei, ihn bei Brrathungen, welche die jüdische Schule beträfen, hinzuzuziehen, auch dann aber habe er nur ein konsultative» Volum. Da» betreffende Gesetz' über die Zusaminensetzung der Echuldeputationen, auf welche» die Regierung sich bezieht, datirt vom 26. Juni 1811. Es scheint keinem Zweifel zu unterliegen, daß da» Gesetz, wenn e» von zwei technischen Mitgliedern spricht, die evangelische und katholiiche Consession iin Aug» hat, da in jener Zeit von einer Berücksichtigung der Juden in dieser Beziehung nicht die Red« war und auch die jüdischen Schulen der Aufsicht de» Staate» noch nicht unterstanden. Die Parität aller Staatsbürger vor dem Gesetze verlangt iu diesem Fall eine Aufhebung dieser Beschränkung. Da» betreffende Gesetz selbst erinnert im ß. 3: „In Städten, wo er Schulen verschiedener Eonfession glebt, die alle städtischen Patronats sind (die hiesige jüdische Schule ist eine städtische), ist bei Zusammensetzung der Schuldeputation hieruuf Rücksicht zu nehmen und da» gehörige Verhältnis zu beobachten." Wenn sich auch dieser Paragraph zunächst auf bi« Eonseision der Deputarionsmitglieder überhaupt bezieht, so sollte doch um so mehr bei den technischen Mitgliedern auf bie Schulen der verschiedenen Confessionen Rücksicht genomnien werden. Abgesehen von Allem ist die erwähnte Beschränkung durch ein spätere» Gesetz ausgehoben. Eine Verordnung der königlichen Regierung zu Oppeln <1. ä. 1. März 1873 bestimmt im §. 3: „Der Lokaljchulinspektor ist als solcher zugleich Mitglied de» Schulvorstande»." Es handelt sich bei diesem Falle ebenso sehr um Wahrung eine» wichtigen Prin cip», wie de» Jntereffe» der jüdischen Volksschulen, vr. Cohn ist Willen», die Sach« beim Cu'tusministerium zum Auslrage zu dtingeil. (Jüd. Pr.) Münch», 2. Febr. Die Beförderung de» BezirkSgerichtSaccessisten Beriin von Furch zum Affeffor de» k. Stadtgericht» Nürnberg giebt den» „katholischen Volksfreund" Anlaß zu einer sa genden Auslaffung: „In Nürnberg wurde ein Jude (der erste in Bayern) alS Richter angestellt. Wir wundern un» darüber nicht mehr, daß Jude« zu Richtern über Christen gesetzt werden. Ei» Jude ist unS zuletzt noch lieber als ein Heide. Und Heiden haben wir um« unsere» Beamten eine schöne Menge. Oder ist etwa derjenige »och ei» Christ und **e.y I nicht, vielmehr rin Heide, der ganz« s fahre hindurch mit In»» nähme de« KvnigfesteS in keine Ktrcki« geht? Ist derjenig« noch ein Christ und nicht vielntthr rin Heid«, der mit Dar» win und Häckel an di« Abstammung von Affen glaubt? Wenn solche Leute zu Beamten und Richtern taugen, warum nicht auch Juden?" An» der Pfalz, 21. Jan. Die Ministerial-Sntschließung vom 29. August v. I. über die Volksschulen sprcht blo» davon, daß die confeisionell getrennter christlichen Volksschulen einer Genieinde in confessionel gemischte umgewandelt werden können, und daß Da» ernstlich gemeint ist, daß also die israelitischen Elementarschulen von der Vereinigung durch di« geitannte Entschließung auSgeschloffen sein sollen, da» wurde sofort in Kaiserslautern, wo zuerst die Einführung der Communalschule nach dieser Entschließung besch'offen wurde, praktisch bethätigt. DaS hat nun bei de,» Israeliten der Pfalz böses Blut gemacht, zumal au» früherer Zeit schon Current' schulen hier bestehen, in welchen auch die JSraeliten durch Lehrer wie durch Schüler vertreten sind. Die Sache hat noch ihre besonderen Folgen für die israelitischen Lehrer; denn wenn die Communaljchulen blo» für die christlichen Bekenntniffe da sind, kann an denselben natürlich kein israelitischer Lehrer angestellt werden, wenngleich den israelitischen Kindern natürlich nicht verwehrt ist, sie zu besuchen, wie sie auch iu den consessionellen christlicheil Schulen bisher zugelaffen waren. Eigene Lehrer aber werden sich, Mangel» der Mittel, nur sehr wenige israelitische CultuSgemeinden halten können, als» würdx der Bedarf a» israelitischen Lehrer» künftig auf ein Minimum sich reduciren, selbst dieses Minimum aber bald nicht mehr beschafft werden können, weit unter solchen Umstäubeu kein JSraelit mehr Lust habe» würde, sich dem Lehrfach zu widmen. ES wollen nun nächste» Sonniag die israelitischen Lehrer der Pfalz in Neustadl zusammentommen und beralhen, wie dem abzuhelsen wäre, etwa durch eine Bitte an die Abgeordneten-Kammer, um geeignete Abänderung der fraglichen Ministerial-Entschließung zu wirke». (I. B) Oesterreich. Krakau, im Februar. Bekanntlich haben bei den allge» »leinen ReichSrathwahlen in Ostgalizirn die Juden, von denen ein großer Theil au» fanatischen Altgläubigen oder Hassidim besteht, im Bunde mit denjenigen Ruthen«», di« von den Swjentojurzen beeinflußt werden, gegen die Polen Front gemacht und fast überall die polnischen Candidaten au» dem Felde geschlagen. Die natürliche Folge davon war, daß auf polnischer Seite «ine heftige Erbitterung gegen die polenfetndlichen Juden Platz gegriffen hat. An der Spitze dieser Streiter gegen die anlipolnisch gesinulen Juden steht die Lemberger „Gazcta Narodowa", deren Ehest edacteur der gewandte, im'ülbt kannte, mit den gewundenen Gängen der Revolution trefflich vertraute I. DobrzanSki ist. BrreitS haben die Anu-uiger Dobrzanstl's in Lemberg zw<i Siege erfochten und die Juden zweimal aus dem Felde geschlagen, obwohl letztere .ne Niederlage durch angebliche geringere Belhliliguag bei >u Wahlen zu oerluschen suchen. Bei der Ergänzungswahl zuat ReichSrath siegte DobrzanSki'» Kandidat, der Univerfi- .aisproseffor Vr. Czerkawski, ein talentvoller Redner, et« polonisirterRuthene, gegen den vom demokratischen Polenclub ausgestellten und vom Leinberger Kabbln« Löwenstein warnt enipfohlenen Advokaten vr. ZbyszeioSki Bei den Wahlen zum Lemberg« Stadlrath ist gleichfalls die ganze Dobrzantkische Eandidatenliste mit einer Majorität von 200 Stimmen durchgedrungen und dadurch die Anzclhl der jüdischen Sladträthe der galizischen Hauptstadt sehr gelichtet worden. D« hiesige „CzaS", ein Blatt, das trotz Zeines höchst prononcirten Ultramontauismus doch an anständigem Ton uns besonnenem Wesen festhält, spricht sich sehr tadelnd au» gegen da« von d« „Gazeta Narodowa" und deren Anhängern in Scene gesetzte Treiben, da durch diese anliMische „Tromtadrarte" nur d« Glaubenshaß gefördert und dadurch ja da» Gemeinwohl stark geschädigt würde. (Schl. Z.) :

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