Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 9. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 9.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/5369809-5935028-5935760--2039-5371569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nicht önfei&t, tbrftii man jetx ihnen gewährte Lnterstütznrz I len, daß gar manche Kunden sich im nächsten Sömni« für eine Sünde erklärt. Sie stehen in sittlicher Beziehung de« wieder einstellen werden. Luch der TBoljlUJliflflr ermüdet/ Zigeunern gleich. In früherer Zeit besaßen sie noch eine gewisse äußerliche Främmigkeit, welch« sie von manchen Schänd» lichkeiten abhiejt; jetzt Haien ste sift dpa^i ziemtich weit emanzipiri. Wir wollen unsre fallen nicht dadurch besudeln, daß wir näf#t anfDhreu» wa^ wir von de« Gelichter misten, geht»» HSieu tud leider ^laMn chüste». tS Hm». wie gesagt, wenige Familien, weiche diesejüdische Zigeunerlhuui bilden. Zugegeben, daß wir die ältere Generation derselben nicht mehr bessern und auch nicht verhungern lasten können, aber eS zieht schon die dritte, vierte Generation umher, junge Männer uud Weiber, mit eigene» und freuiden Lindern, schamlos; muß dem nicht endlich ein End« gemacht werbe»? Ratürlrch wird sich an den einheimischen Eta«« der AuSwurf der freuiden Bettler anschlicßen, jener sich aus diesen rccrutireil. Wir könne» un» leicht denken, wie diese Banden da» südwestlich« Deutschland durchstreifen, welchen Thillut Haschem sie dort machen; denn in den uorvöstlichru Provinzen kennt mau sie, sie erhalten schon seit Jahrzehnten nicht» au» den Lrmlnkrst,«, «nd der Einzeln« fertigt sie mit «in paar Pfennigen ad, wenn er sie nicht ganz abweisen mag — aber in Oberdeutschland blüht ihr Gejchäft »och. — Bor 25 Jahren hat der hiesig« Vorstand versucht, diese Bettler fern zu halten; er hat sich mit den Behörden ihrer Heimalh-orte in Verbindung ges.tzt, Unterstützung für di« ihin al« wirtlich arm zu Bezeichnenden versprochen und gebeten, den Vagabunden keine Paffe mehr «rtheiten zu wolle». Da» ist fruchlio» geblieben, eine einzelne Gemeinte vermochte nicht», auch brauchen di« Leui« keinen Paß mehr — aber e« wäre eine wichtige Lufgade für den S,m.ind«bnnb, durch genaue Ermittelung über Kamen und Wohirorl der Richl-würdige» und dann durch scharfe Maßregeln, d h. durch Lnrufen der Behörde, dem Gräuel ein Ziel zu setzen. Wer hier von Mitleid. Rachamouuß oder Mitzwah, sprechen wollte, der uiag ebensogut au« Mitleid dem Diebe, der einstetgen will, die Letter halten, damit «r TH nicht falle. Drg gen wird e» unmöglich sein, den Zuzug von Armen an» Prien und Galrzien gänzlich zu hindern. Der größte Theil dieser Personen ist wirtlich arm und hülfebedürftig. Die Zaht der Armen ist bort selbst in manchen sehr groß, n Gemtlnde» so groß, daß sie an Ort und Stell« kein« Hü.fe finden könue«. Der Redakteur de» „Hamagid" bat schon vor tangerer Z-ii ganz richtig bemerkt: „Der Kaiser von Ruß. laud kann trotz eme» Lordon« von hunderttausend Kasack, n nicht verhindern, daß jene Leut« über di« Grenze komiiic», wie wollt ihr denn da» inhidiren? l* Die Einrichtung vo» Armentaff.n und Verhinderung dn HauSbetttiei ist sehr zu empfehlt», wird aber auch nicht ganz au»reich«n, um d.m U.dei zu steuern. Die „Mittheilungen vom Veuirtnd.du.ide" <>. Rr. 47 v I ) klagen darüber, daß gewiffe Sroßgemelnden Suzichungepunkte für die Bettler bildeten, daß diese di« ktcinen und mittlere» Gemeinden heimsuchen, um zu jene» „Goldgruben" zu gelangen Da» ist sehr wahr, aber wie wäre e» möglich, z. B. in Berlin die Lbfertlgung der fremden Bettler in «>ne Hand, an ein« Stelle zu concenlriren? Da» ved.r«rß «ine» jeden liebet» brtngt aber di« Heilung von fettnr mit sich. Dt« Lrnl« der «lmosen wird, der Maffe der ViUrndkn wegen, inMr geringer; «» dürfte sich hrnrnästel- und Beispiele, daß Bettler, welche gar keine besonder« E« pfehlung hatten, Summen von 100, 150, 208 Thaler Nett»» Ueberschuß jnsamnengrdracht haben, werveu^wohl selten «erden. Bisher war da» gar nicht seiten, uud mutzt« na- "*J lürlich zur Nachahmung anregen. - . Sehr nöilhig erschÄut Ntibahnniig »eriutttstiger Oh»h» . regeln in Betreff reisender armer Kranken. Auch diese über» < fluchen un» jetzt au» Rußland u. s. w. Die EommunicationSmittel ermögliepen e«, der Arzt eoipfiehtl da» Bad oder de» Curort, den seine Wissensch.fl indiciri; ob der Kranke die ' Mittel hat, sich aus die Reise zu begebe», kümmert den Arzt natürlich nicht. So kommen denn Kranke, welche ganz füglich zu Hause behandelt werde» könnte»;und während e» in jeder deutschen Geuieinde Personen giedl, denen eine Badereise recht nützlich wäre, die aber nicht daran denken, sie zu - unternehmen, weil sie nicht vermögend genug sind, macht sich der russische Jude ruhig auf den Weg.*) Daher hat z.B. ' da» Eomite zur Errichtung eines jüdischen Curhospiial» in Eolberg beschloffen, daß die Anstatt nur für dentiche Juden bestimmt sein solle. Eine Beschränkung, die sonst nicht im Wesen israelitischer Wohlthätigkeiisansialten liegt; auch - würde gewiß keine Seele daran gedacht haben, einen sranzdfischen oder holländischen Kranken fern zu halten, aber im Hinblick auf die Nähe Polen» war jeder uderztugt, daß die Anstalt ohne jene Elausel im Keime erstickt, ja von der Ort»- ' ' polizei inhidirt werden würde. Aber selbst die Humanität gebietet, da» Reisen «in «w,-y nig zu erschweren. Wie sehr oft erblicke» wir Brustletdrnd« in ziemlich weit fortgeschrittenem Stadium d.r Kiankhett, jck den Tod auf den Lippen, aber sie retien. Eie reisen, in vierter Wagenklafle, schlecht bekleidet, Zehrung von Ort zre Ott erbettelnd, am Badeorte wohnen und effeu sie dmsligst, oder sie kommen im Spätherbst, oft bei schon schauriger Witterung von Äm», Warmbruun, Eharloitenvrunn wieder, und nun zur See nach Kvnigtberg zurück, ivenn schon die A>qutnoclialstürme loden. Wen» da» Bad Wunder über Wunder gewirkt hätte, muß nicht die Krankheit «ödtend wied.tt.hr,n * Ein Knabe begreift'». E» ist nicht Wohltha«, e» ist grausam, unler solchen Umständen Kranke reisen zu taffen; wir wissen ireiUch, daß e» nicht da» Eine und nicht da« Ander« ist, e» ist Gedankenlosigkeit, aber kann dies« nicht auch Wahnstunig«» üben? Wir schweigen von den Bielen, die die Krankheit und-> da» ärztlich« Attests) nur al» Bettelmiitel benutzen. W.r glauden, e» wäre zweckmäßig, wenn man durch Bertrauensmänuer Mit von den Russen besonMr aufgrsuchlen Aerzt.n in König»- ÄH berg und Berlin die Sachlage vorstellen ließe, um fl« kahin zu bestimmen, daß st« nur solche Kranke in Bäder n. s. xo. ihi - i: H *) 6s tarn erst vor einige» Stoche» ei« Pol« mtt sein«« Jtnatc* 'rj so» öetl.n zurück, reo et „Mim Docior" gereesen war. Der «nabe hat»« Drüsengeschivar«, der Arzt hatte lhm Leberthran verordnet, uno darum «int Stets« von 300 Utile» für unser kiekd, reelche« sür menche» ««heimische» Ehrmmann bester zu verwenden nUlre > Die« «t» ««.spietsür tzunbert. -j **) Ketten >«ug kommt Einer damit »» den Unrechte», wie u»g eüernal ei», freUich >«z gemeiaet Kchndrrer ei» AUeft prüsenürt«, besagend, daß Inhaber «n «eohott».«, leidet Wie »ramhem hatte «r'Ä! rntzl schon Optv. 4» Um Mf Utff* (itttft «NRMt -■ -i st. 4 V \ ■-«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.