Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 9.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 9. - 1874. Isrsrlitifch» 5. Jahrgang. Wochen-Zchnft Ar die religiösen und sorialen Interessen des Judenthnms. MtcheaU. 1—11, «•*«>. «r<M tacl. „t*>. Literatur»!/«>/, eiertet. tUri. toi i4ai totatatera a. NuchtantiaaHia. Vtrecte Zaseatmt«: ta Deattchlaa» 10 Mark, nach OeflcrrctR « *, a. ssranlreich 1« «re*., *. ■■tritt *>y, CaL t**tl. prlaaauraaka. keraiiiwoeiticher Redakteur und Herau»s>e!»er 3a|t rate ■ertoa mit * t|r. ftr Me kretaeiaaltrat Rabbiner vr. A. Treueufel» in Stettin. - totttietic ator torea Raaai torechn-l. tot Blrtortoiaaim Ra tote. — Sie M* «aaatai (rtt tot tot OpKWttaa ta «UgHtari eia» treffeatoa ftatoa ta tor aHchtea Itaanacr Kulnatate. CtltkitlM der gsr «»ch*»1chrt1t 1« M»§d«durß. Magdeburg, 26. Februar. «fie toa Bachtzaatet: Raten «riefe ta tot»,t» Inhalt. PetteR»« «rUkel r Zur Wanderarmm-Fragt. — Bericht« «u» «orr«fpsu»«A»«», D rutscht and: Stettin. verlin Bo« der Slte Kattowitz. München. Lu« der Pfaz. — Oesterreich: Krakau. — Italien: Lncona. Florenz. Lleffandria. Padua. La« Asien: »u« Japan, Lu« Eeplan. — Bermifchte ««» «eueft« RetchrichleR, verlin. Hamburg. Lachen, Elsaß. Krakau. Pest. Pari«. Bukarest. Pest. geutNetoRi Meier Hirsch.— NKi«eeNe«r RumLntsche SchulzustinLe. — Inserat«. Aur Wauderarmeu-Frage. E« wird'nicht an Türstigen fehlen im Lande. b. Rose IS. 11. SDu Vorgesetzte Spruch hat sich bi» jetzt bewahrheitet, e» wird auch so bleiben; der J«raelit, welcher Purim nach Vorschrift halten will, wird daher auch wegen der dritten Satzung de« Feste«: Gaben den Dürftigen zu reichen, nicht t» Verlegenheit gerathen. Da« Thema von der Armen- »nirrstützung ist beim Beginn de« Monat« Adar, vor dem Purimfeste, nachdem un« schon am Sabbath Schekalim die Mahnung: „rin Jeder soll geben," vorgelesen worden, zeitgemäß. Aber «» ist doch nicht diese Jdeenverbindung, die «»« heute auf die in der Ueberschrift genannte Frage dringt, sondern «in« fast noch einfachere und näherliegende. 9tÜ dem Scheiden de« Winter«, mit de« Frühling« Nahen, noch v o r den Lerchen und Schwalben, werden auch die Wanderbettler wiederkommen; viel später erst beginnt für die Begüterten die Saison der Reisen. Setzen wir also jene« Thema «ur immerhin wieder auf die Tagesordnung. E« wird nicht an Dürftigen fehlen, auch die Wohlthätigkeit wird nicht aufhören; aber wir möchten sie gern in rechter Weise üben, nur Würdige unterstützen. Gilt e« den Armen im Ort« oder den au« der Nachbarschaft, so wird die Prüfung der Würdigkeit nicht allzu schwer fein, aber auch der wandernd« Arme wird unterstützt werden müssen; hundert Verhältnisse, deren Erörterung hier nicht nörhtg erscheint, wirken zusammen, um die Wanderarmuth nicht ganz schwinden zu lassen. Wie unterscheiden wir den Würdigen von dem U nwürdigen, ja N i ch t «würdigen? — Wie wir nicht daran denke«, diese Frage gründlich beantworten, da« Thema erschöpfend behandeln zu können, so verzichten wir auch auf logische Gliederung unsrer Bemerkungen und sprechen sie in aphoristischer Weise au«. Bor Kurzem erließ die Württembergische Regierung ein Lircular in Betreff „polnischer und ostpreußischer jüdischer Bettler", «Ich« im Land« umherziehen und die Einwohner belästigen. Der Vorstand der Syaagagen-Grmeirlde zu Lyck > veröffentlicht! hierauf eine Erklärung, de» Inhalt«, daß au« I Ostpreußen leine Juden bettelnd umherzögen. Wir lassen da» gelten. Wie steht e« aber mit Westpreußen? Die würltembcrgifchen Behörden haben nur die ganze Provinz Preußen al« Ostpreußen bezeichnet; ein nicht sehr erheblicher Jrrthum. Hierzulande bezeichnet man di« fraglichen Bettler (oder richtiger: Strolche) mit dem Gattungsnamen: „Flatower", obgleich sie nicht gerade fämmtlich au« Flatow stammen. Flatow aber gehört zu Westpreußen, desgleichen Krojanke, Tütz, Hammer - stein; au« ter Provinz Posen kommen di« Wanderbettler au» Neudruck, Filehne, Tirschtiegel u. s. w. Sie sind von da gebürtig, dort zuständig, oder sie n e n n e n die One al» ihr« Heimath. tk« ist un« wohlbekannt, daß die ehrbaren, sauberen Mitglieder der genannten Synagogengemeinden jede Gemeinschaft mit jene» ihren (angeblichen?) Gemeindegenossen von sich weisen, sie auch wohl wirklich nicht zur Gemeind« rechnen. Nun desto besser; e» sind auch alle« in allem nur ein paar Dutzend Familien, welche diese Landplage und diesen Schandfleck bilden, und die sollten wir nicht unschädlich machen können?! Schon di« HeimathSgegend ist b«z«ichnend, e« ist di« altpolnisch« Grenze; wir verweisen auf da« im heutigen „Literaturblatt" in der „Bücherschau" über die Schrift Rr. 7 Gesagte und Angedeutete; e« gilt un« al« sicher, daß wir in jen:» Familien die Rest-Nachkommen jene» höchst anrüchigen G:enz-G«sind«l» haben, welche« mit manchem Galgen Bckanntschilft gemacht hat. In Süd-Deutschland, wohin diese« Volt erst seit neuester Zeit kommt, hält man wahrscheinlich manche von diesen Leuten für Polen, d. h. russisch-polnische Juden, weil man den Dialekt (die Aussprache de« Deutsche« wie de« hebräischen) nicht so genau kennt, und weil manche von jenen Individuen, besonder» seitdem 1869 die west-russischen Jüdin soviel Mitleid erregten, sich für Russen au«gebe,r und deren Dialekt nachahmen. Man nennt dort brkanntsich alle „hinter Berlin" Wohnenden Pollaken. Wir wissen aber, daß die russischen Bettler mit jenen preußischen durchaus nicht nach gleiö-em Maßstabe beurtheilt werden dürfen. Leiter« Leute hier: und anderswo haben fchou die Großeltern jener jetzt uucherziehmden Bettler al« solch« gekannt. Man thut ihnen