Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 5.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Lesen Sie gefälligst »ach. nu« dieser Christ in de» Srnndjigtn der bibl. Theologie S. 37« über die Gottessohnschaft Christi sagt, daß hier „weder ein metaphysischer Begriff »och eine physische Vorstellung zum Grunde" lieg», sondern daß „ohne Zweifel eineder Prädikate de- Messias" hiermit gegeben ist. Haben Sie ferner uiemal» von den zeitgenössischen christlichen Profefforen der Theologie Schenkel und Keim, niemals von einem christlichen Geistlichen Lang u. A. gehört, die in dem SobneSoerhältniß Christi zu Gott kein metaphysische- Geheiuiniß feine» Wesenerblicken, sondern da» rechte religiös-sittlich« Verhäliniß erkennen, in da» auch jeder Christ zu dem Vater treten kann und soll? Werde ich nun, der Jude, nicht ebenso über die GotteSsohnschaft Christi denken dürfen, wie die christlichen Profefforen und Geistlichen darüber gedacht haben? Ich zumal, der Jude, dem diese Bedeutung von einem SohncSoerhälrniß zu Gott, in Bezug auf Israel wenigsten-, schon von Hau» auS gar nicht fremd fei» kann? (2. M. 4, 22, 23; S. M. 14. 1; Jes. 63, 16; 64. 7; Jer. 3, 4, IS; Hos. 11, I; Ps. 2, 7. 89, 26 u. a. m) Doch ich elle zum Schluffe. Wenn Sie nur Kränkendes für mich haben, so ist mir da- Don, welche- „wahre Christen auch der Juden treue Brüder" mir zugesender, wahrhaft erquickend gewesen. Diese schreiben: „Glaubt» Eie nur, daß nicht Alle, welche „Herr, Herr" rufen, wahre Christen sind, soud.rn die in Liebe leben und wirken. Verwechseln Sie unmit Jenen nicht, wir reichen Ihnen und Ihren GlaubenSgenoffen die Hand zum Gruße." Der LandeS-Rabbiner 0r. C o h n." Fürth, den IS. Januar. (Or.-Corr.) Heute bin ich in der angenehmen Lage, von einem bedeutenden Fortschritt in der Gleichberechtigung unserer GlaudrnSgenoffen berichten zu können, bi« erst« Ernennung eine» Inden zum Richter hat de» letzte» Brnchtheil mittelalterlicher Frffrlu in Bayern fallen lassen. Nachdem in fast allen Zweigen de» öffentlichen Leben- Jude» zur Verwendung gekommen waren, hatte da» Justizministerium sich zwar bei der Besetzung der Advokaturen und Notariat« über jedekonfessionelle Vorurtheil erhaben gezeigt, doch vom «igenllichcu Justizdienst die J-raeliten noch immer ferngehalten In Ermangelung einer anderen gesetzlichen Grundlage hatte man sich darauf gestützt, daß die für Richter vorgeschriebe«« Eidesformel für Juden nicht statthaft, diese aber nur ar.f verfassungsmäßigem Wege geändert werden kann. ES geschah die» erst im Jahre 1869, indem bei der Einführung einer neuen Civilprozeßordnung die Schlußformel diese» Richtereides, di« kürzere Faffnng: „So wahr mir Gott helfe" erhielt. Run war nur noch die Geduld und Beharrlichkeit nothwendig, daß ein jüdischer Priester der Gerechtigkeit alle Anerbietungen, chn zum Notar oder Rechtsanwalt zu befördern, ausschlug und auf ein Richteramt aSpirirte. Da» Lerdienft, diese» Opfer gebracht und von dem glänzend bestandenen StaatSconcur» bi» zur Anstellung eia volle» Deceanium und »och darüber auSgeharrt zu habe«, gebührt Herrn Max Berlin von hier, fnt heute Affeffor am königlichen Stadtgericht in Nürnberg. Er halt« seine» Stolz darein gesetzt, der erste jüdische Richter in Bayer» werden zu «olle« und hat auch dem Principe zu« Siege verholfe». Heidelberg, im Dec. Seit einigen Wochen weilt hier 1» seiner Vaterstadt unser GlaubenSgenoffe Herr vr. Beffel«, der rasch berühmt gewordene junge Nordpolfahrer. Herr Beffel» ist vor drei Jahre» von hier nach den Bereinigten Staaten gegangen und wurde dort von der Regierung an di« Spitz« einer Expedition gestellt, welch« di« Aufgabe erhielt, die Polarländer wissenschaftlich zu erforsche» Er ist dann »tt seinen Schiffe» weiter al» all« frühere» Reisend«» gegen Norde» »orgedrungen, de»» er gelangt« über de» 82. Grad > nördlicher Breite hinau». Leioer hat er die »lffenschaftliche Ausbeute der Fahrt, die in reich.-» Sruilnage» *oa Pflanzen, Thieren mit» Miner ilirn, i-t Pläne» bestehend, hoch im Norden an einem gesicherte» Orte zurücklaffe» mllffen- Wunderbar ist e» schon, daß er selber alle» Gefahre» einer solchen Reise glücklich entgangeu und trotzdem, daß da» Schiff, auf dem er sich befand, scheiterte, nun wohlbehalten in seiner deutschen Heimath angelangk ist. Um den» niuthigeu und hingehenden Streiter im Dienste der Wissenschaft ihre Anerkennung au-zudrücken, haben in diesen Tagen zahlreiche Mitglieder der Universität und angeschen« Bürger der Stadt ih« zu Ehren ein Fest veranstaltet. Hierbei wurde neben Herrn vr. Beffelauch die Mutter desselben, die al« ehemalige In« stitutSoorsteheri» in weiteren jüdischen Kreisen bekannte Frau Wittwe Beffel», wegen ihrer Opferfähigkeit in schönen Worten gefeiert. (J»r.) Oesterreich. Wir». Im Jahre 1873 weisen die amtlichen Register der israelitischen CultuSgemeinde 321 (2S weniger al» im Jahre 1872) vollzogene Trauungen nach. Der jüngste Bräu« ttgam war 2V, der älteste 66 Jahre alt. Die jüngste Braut zähl.« 16, die älteste 44 Jahre. Durch den Tod wurden 3S, durch Scheidung 7 Ehen aufgelöst. Eine Scheidung wurde im ersten und eine im sechSzehnteu Ehestandsjahre vollzogen. Den Geburtsregistern gemäß wurden im Jahre 1873 1889 (im Vorjahre I" ' uuD 1871 nur 1393) lebende Kinder israelitischer Cm. t n geboren, und zwar 1013 Knaben und 876 Mädchen. In obiger Sesammtzahl sind IS ZwillingSgeburtcn inbegriffen. 51 Knaben und 42 Mädchen kamen todt zur Welt. Gestorben sind im Jahre 1873 in Wien 976 Israeliten (im Vorjahre 942); S2S waren männlichen, 4SI weiblichen Geschlecht». Der älteste Mann war SS, di« ältest« Frau 96 Jahre alt. An Cholera verstorben SO Männer und 30 Frauen. Todesfälle in Folge von Verunglückung sind 6 (3 Männer und 3 Weiber) und Selbstmorde S (4 Männer und 1 Weid) zu verzeichnen. Der jüngste Selbstmörder war 22, der älteste 80 Jahre alt. Wie». Der bisherige Hofrath ini auswärtigen Amte, vr. Carl Weil, hat mit einer kairrrlichen Auszeichnung die nachgesuchte Versetzung in den Ruhestand erhalten. — So berichtrt die Köln. Zeit, und gibt einige Notizen über den LebenSgang de» au» dem Staatsdienste Ausgetretenen, welch« jedoch mehrere Jrnhümer enthalten, die wir zu berichtigt» Anlaß nehmen. Zuerst ist der Name so wie angegeben zu schreiben, nicht „Weyl," wie dort geschieht. Hofralh Weil — oder o. Weil, wie er nach österreichischem Sprachgebrauch seit schon früher erhaltener Orden»au»zeichnung genannt wurde — war a«S Hrffen-Kaffel (nicht au» Württemberg) gebürtig; er war ein jüngerer Bruder de» vr. Jakob West in Frankfurt a. M , und bekleidete da» Amt eine» Sekretär» bei der israelitischen Oberkirchenbehörd« in Stuttgart. Schon dort publicistisch thätig gewesen, redigirt« er dann ein Blatt in Mannheim. Da» Weiter« ist a. a. O. richtig angegeben. Der Artikel hebt am Schluffe hervor, daß Well stet« dem Glaube» seiner Väter treu geblieben ist und trotz de« ultramontane» Regiment«, welche bald nach seiner Uebersiedelung »ach Wie, herrschend wnrd«, in seiner Carrier« nicht gehemmt wurde. JtnUeu. Re», 2. Januar. (Or.-Corr.) Wen» auch die Polemik über da« Thema, ob ein Jude zu« Minister sich eigne oder nicht, sachlich wenig Reue» bietet, so dürften doch einzeln« sie beglestend« Rebenumftänd« auch für di« Leser Ihre» Blatte» nachträglich »och von Interesse sein. Der Depulin« Patqnaligo, der so lebhaft für die Rtchtzulaffung eine« Jude» zu« Rinistertffche eingetrete» ist, ei» sonst anerkannt«« und sogar hervorragender Journalist, Hat — gründe gesagt — di« Unvorsichtigkeit begange», in feftier geharnischten Anklageschrift gegen di« »echlheü M jüd. Pa-