Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 5. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 5.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5935028-5935756--2004-5371538
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Heil» per Post, Heil» «U de« „Israelit* Wahlbrtef« mit der «ttigate» Empsehlmg der La»kr?schen Wahl an di« Rtt- Hlieder der Rettgionsgrsellschaft geschickt. In einer Winkel« Synagoge soll sogar der Schammrs nach Beendignng de» Gsttesdieustrs au«geruf,m haben: „Der Ras hat matter ge- »ese«, vor Haftola zu stimm««.* Die religiöse Partet-Diseipltn war aber gegen tic politische machtlos, und die orthodoxe Deirikratie sendete ihrerseits Wahlausforderungen sür Sonnrmann mit den» «örtlich,» llitat Kohel 4, 9. IO. Da sicherlich >»och in keine»! Wahlbriefe hebräisch« Verse in Gebra«ch waren, so lege ich Ihnen, Herr Redacteur, eine» solche« Wahibrief als Zeichen der Zeit sür Ihr Archiv bei. (Unser Blatt hat Iber den Wahlkampf zwischen den beiden Candidaten und dei» von ihn«» vertretenen Parteien kein Wort zu sagen. Wenn aber Rabbiner Hirsch sür Lasker agittn hat oder agitireu ließ, so liegt die Absicht der Captatio beneroleniiae in der bekannten Angelegenheit klar auf der Hand. Der Gegenaufiuf hebt mit Recht hervor, daß eine RelHionsgesellschast als solch« nicht gut daran thue, wenn sie sich in politische Parteikämpf« misch«; di« Privat inter- «sse» der Religionsgesellschafr sind es aber auch da, die etngehenderülaßeu da» Vlotiv bilden. Wir tadeln da« nicht, glavben aber — abweichend von der Ansicht unsere« geehrten Herrn Korrespondenten — daß es sich demnach bei der Abstimmung der fraglicher! Partei gar nicht so sehr um politisch« Motiv« gehandelt hat. Die Leute würde», znm Tbeil, «ich sür einen Ultramlintanen oder Urconservativen gestimmt habe», wen» er ihnen ihr« Sacbc zu vertrete» versprochen hätte. Wrr theilen jedoch den „Wahlbrief* selbst mit:) P. ]?. Am Borabend der ersten Wahl erschien ein von fünf der angesehenste» Mitglieder unsrer Religionsgesellschaft Unterzeichnete» Circular, «,rin dieselben zu eifriger Betheiligung am Wahlakt zu Künsten Lasker» aussorderren. Hatten die Herreu auch nicht ihren Namen di« Eigenschaft als Vorsteher unserer Gesellschaft beigefügt, so konnte da» Circular doch mrt als von der Gesellschaft ausgehend betrachtet werden, da es lediglich an unsere Mitglieder versandt wnrde. Wir haben inzwischen Gelegrnheit gehabt, den Eindruck zu beobachten, welcher: dieses politische Auflreteu einer rein religiösen Gemeinschaft (welche sich bisher klugerweise vom Streite der Parteien fern gehalten hatte) in de» verschiedensten Kreisen gemacht hat, und wir bedauern, sagen zu müfien, daß ein derartiges Vorgehen allgemein mißbilligt worden ist. Jede» einzelne Mitglied hat da» Recht und die Pflicht, nach seiner Ueberzeugung abzustimmen. Wohin aber das geschlossene Auftreten einer religiösen Genossenschaft führen kann, das sehen wir jetzt an dem Kampf, der zwischen der Regierung und den Ultramontanen entbrannt ist. Wir müssen deshalb den fünf Unterzeichnern de» Aufruf» allein die Verantwortlichkeit sür alle au» diesem Schritt« möglicherweise erwachsende» Folgen überlasten. WaS die Herren überhaupt eigentlich veranlaßt hat, für Herrn Lasker auszutreten, ist uns in keiner Weise klar geworden. Mag auch Herr Lasker versprochen haben, für unsre religiösen Partei-Interessen wirksam zu sein, so ist solche» doch bei Herrn Sonnemann gleichfalls selbstverständlich, da von ihm ja der Antrag aus vollständige Trennung der Kirche von» Staat gestellt wurde, welcher die von unserer Gesellschaft gewünschten Freiheiten »n weitgehendstem Maße verbürgt. trist uni so unkluger, in dieser Weise grgen Hern» Sonnemann anfzutreten und ihu sich zum Feiudr zu machen, als er in seiner Eigenschaft als Parteiführer in der Stadtverordneten- Bersammtung di« Möglichkeit in Händen Hai, uns zu schaden und zu nützen. Ferner ist. Herr Sonnemanu Mitglied de» Comite's der Allicuico Iara41ite und stet» persönlich sowohl, wie durch sein« Zeitung eisrigft bemüh» gewesen, für die Intarsien der Juden iw Allgemeine», und speciell der Frank- TOti» Jaden zu purst:» (wir. erinnern nur an seine vemüh- »Mf» iit der Emanzipationsfrage.) " , Herr Lqsker fjt oereits t* Meiningen gewählt. Unseren Jntereffen kamt es nur förderlich seist, wen» »sch ei« .Israelit de« Reichstag angehürt, von de« wir wisse», daß tv gleichfalls für unsere religiösen und Prtvatinterrffen wirke« wird. Sollt« dagege» Herr Lasker in Frankfurt gewählt werden und alsdann, wie zu erwarte«, in Meiningen adlehnen, so wird für Um 1>ort ein Ersatzmann gewählt, der fichetlich für unsre religiöseit Interessen keinen Sinn hat, während wir so zwei mächtig« Fürsprecher in der Mitte des Reichstags haben werden. VN '2 .V^LVV 21V "12V on*? sr “ick TnKnp V'ZC.1 arsic •m'prö ’JC ]*K Sb'C 1NKN 17"K11-I2N tdK v'p' 1NK7» ivv' Wir glauben deshalb nur im Interest« unser,» Religionsgesellschast zu handeln, wenn wir Sie auf's Dringendste bitten, bei de, am Samstag stattfindenden Stichwahl Ihre Stimme Herrn Leopold Sonnemann zu geben. Einige wahrhaft für das Interest« der Israelitischen Religionsgesellschaft besorgte Mitglieder. Aus Meiklenbnr,-Schwerin. Die in vor. Nr. kurz erwähnte Entgegnung de» LR. l)r. Cohn auf das judrngehässige Wahlpamphlet bringen wir nunmehr, da sich «in weiterer Federstreit, so etwas wie eine zweit« Auflage des Lavater-Mendelssohn'schen, allerdings iit Duodez-Format, daran knüpft, nach ihrem Wortlaut in der Rostocker und Meck.enburger Zeitung: „In einem anonym erschienenen Flugblatt«: „Wen wählen wir itt de« deutschen Reichstag? Ein Wort zur Aufklärung für da» mecklenburgisch« Bolk*, werden die Gründe auseinandergesetzt, warum da» Bolk konservativ und nicht liberal wählen solle. Da ich mit der Politik nicht« zu schaffe» habe, so würt« ich da« Pamphlet gleichgültig bei Stiic gelegt haben, wenn es nicht eine so gistgeschwollene Sprach« gegen meine Glaub«nsgenosten führt», daß man glauben müßte, in den Zeiten tn» finstersten Mittelaller« zu leben. Ich «erd« mich aus keine weitläufige Erwiderung einlaffen, nur so viel sei dem anonymen Bersaster gesagt, daß ich ihn so lange für einen gemein, a Lügner erkläre, als er für den Satz: „die Juden basten das Christenthum eben so grimniig wie ihre Väter unser» Herrn Christum**) keinen Beweis einbringl* u. s. w. Hierauf brachten die feudalen „Mecklenburger Anzeigen* ein Inserat, unter^ichnet „ein Christ*, welch«« dem Landes- Rabbiner die Pistole auf die Brust setzt. Da« Christeuthu«. so wird dort urgirt, ist da» Bekenntniß, Christus sei der Sohu Gotte«, also muß da« Christenlhum einem wirtlichen Jude» als die furchtbarste Gotteslästerung erscheinen. Siwr Gotteslästerung aber muß jeder gotteSsürchtige Mensch Haff««. Ru» wird da« Dilemma solgenderweis« zugespitzt: „Satuwder Sie sind ein rech er Jude und hasten diese „Gotteslästerung* — wie aber wo len Sie denn mit Ihrer Anklage bestehen? oder Sie hasten di« „Gotteslästerung* nicht und sind van» — kein Jude, Herr Landes-Radbiner!* u. s. w. Aber anch dieser erneu:« heimtückische Ausfall wurde zurückgesch lagen. Die „Meckl-nburger Zeitung*, das Organ der Liberalen, bracht« Tag» darauf folgend« Erwiderung: „A n „e i n C h r i st!* „Wer da saget, daß er im Licht« sei und hastet seinen vruder. der ist ,i« jetzt in der Finsterniß* 1. Joh. 3- 9. Sie wolle» mir lurchauS Haß gegen da» Christenlhum imputiren. Ich beneide -Sie fürwahr um diese« traurige, grausavre wollen nicht. Fahr;» Eie immerhin nur so fort, es wird Ihnen doch nicht gelingen. Sie haben in Ihrer wenig saptaritischen Barmherzigkeit nur ein aut — aut mir enlgegenjut,alten und nun meinen Sie tvrtium non clatnr. Ader muß ich denn über die Goitesjohnschaft Christi durchaus so denken wie Sie? Wird es mic, dem Juden, nicht gestattet sein, hierin Anderer Auffassung zu folgen? Anderer, nicht der Jaden, sondern der Christen Austastung? Haben Sie denn z. B. von einem christlichen Profeffor der Theologie v. Crusiu« gehört? *) Da« Priorititsrecht auf dicken «atz gebührt »ckaMUÜch de« «onsistarimn. dem vohda des vaelin« Philosoph« Heget. (Red.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.