Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Mchcheit feUer »»»so« Wir de» a»ch sei — er »acht »»1er« Glaubensgenossen keine Ehre. Lnflatt, «ie t* ihm ««»glich genxf« wäre, frne RoftiUe durch Luttb»«g feine» Heöidwerk« j« ernähre«, überließ er e», sich einer völligen ünthäthigkeil hingelund, der Privatwohlthättgkeit, für ihn zu fvegen. Nunmehr hat er feit vor eine« Jahre feine Famiiti »erlaffen, «« an den versch'redmstm Orten, wie er auch fchv« früher gethan, die Mildthätigkeit uuserer SlaubenSgeuossen zu »«ßbrnuch«, «röhrend feine arme Familie sich in bitterer Roth befindet. Bor Knrzem wurde er in London ge» sehen, woselbst e# chm gelang, unter de« Lorgeben, daß er «tu zu» Judenlhu« ütergetretener Gras Potoczki an« Warschau fei, viele nt täuschen. Uüsett dNngende Bitte an Unsere Glaubensgenossen geht dahin, den genannten Fischer nicht hu» Zwecke feine» zwecklos« Herumwandern« ju unterstützen, Vielmehr dahin zu wirke:», daß'er zu feiner darbenden, trau «rndeu Familie znrückkehre." Ich vermuthe, daß dieser Schwindler auch schon hier, in Stettin, gewesen ist, e« dürfte aber schon länger al« ein Jahr her sei»«. Derselbe hatte schwarze Haare und Bollbart, hatte uwhl etwa« Militärische« in feiner Haltung, war etwa 50 Jahre alt und gab sich für einen Proselyten, einen ehemal« rusfischen Offizier von hohem Adel au« — ob er sich gerade Potochki genannt, weiß ich nicht mehr. Ich habe seinen Erzählungen keinen Glauben geschenkt, konnte aber auch nicht weite« nachforschen. Fall« obige Personalangabe nicht auf den Fischer paßt, so wäre Mittheiluug wünschrnSwerth, damit nicht ei« vielleicht Unsämldiger verdächtigt «verde. Rheidt (im Sieakretse), 8. Jan. Dem durch die Judenbegräbniß-<Seschichte bekannten Bicar Hadeler hier ist am 31. Dvcemt. 1873 durch da« Bürgermeister-Amt schriftlich mitgetheilt worden, daß ihm gemäß Verfügung der königl. Regierung der Religion«-Un-erricht in der Schule untersagt sei. An« Reckleudnrg wird jetzt eine Flugschrift der Eonservatlüen in Tausenden von Exemplaren verbreitet, in welcher auf da« Heftigste gegei, die Eivilehe losgezogen wird. Die Schrift ist iu Schwenn gedruckt, und daß sie von den großherzoglichen Domauialämtern verbreitet wird, deutet auf chren officiös«» llrsvrung. Die darin enthaltene Hetzerei gegen die Judäu, von denen gesagt »vird, daß sie da» Ehristenchu« ebenso grimmig Haffen, wie ihre Väter Herrn Ehristu«, hat Veit «Uldes-Rabbiner Lohn in Schwerin veranlaßt, den ano- «Umftl Verfasser der Schrift wissentlich für einen gemeinen Lugitek zu erklären. West. Da« von dem i«r. Lehrer und Schriftsteller Hrn. Ignaz Reich herauigegebene Jahrbuch »Beth-Lechan" hat, wie demselben durch da» ft. ft. Hofkämmereramt mttgetheilt witzs, Aufnahme in die PrioaLidliothek de« Kaiser« Franz Joseph gesunden. (Der Verfasser thellte un« die« mit der Bemerkung „bog 7>2V m" mit. Red.) Tnrin. wie „Edncator-", so protestirt auch „Evrriere J«r." gegen da« Vorgehen de« Turiner Vorstandes «ud seine« Rabdinen Olper in Betreff de« zweiten Feiertag«. Beide Blätter sind durchaus nicht »orthodox", e» herrscht aber, wie letztere« berichtet, überall tu Italien Entrüstung über die Frechheit, wir erfahren auch erst jetzt da« Monströseste, daß ftt Betreff der auf 1«, 10. ». M. augesetzt gewesenen Abstimmung bekannt gegeben war, „alle Richtstimmenden sollten als Brjc-Hende angesehen werden!" (Durch einen Schreibfehler ist in Rr. ü von einem Snffrage aller Juden Italien« die Rede, et handelt sich blo» um die Tririner.) Ltdertzvol, is.j-umar. Sest dem l. Stzrll v. I. ist an »nserer israel. Lulturgemeinde Herr 0r. Stern, früher in Linz in Obersstekretch, als Obermntor und Prediger (bliüiatvr) angesteäl. Derselbe hat sich hier iu kurzer Zeü die allgemeine Liäe und Hochachtung i» hohen Grade erworben. Seine Wredigb-n gefallen recht sehr und erhielt er von der Oemeftibe MrH9VMmm(fR«9C| |tt fftm Uv lOMlIt1 Ach dafür, dost«, Uchmvohl er «« «fl «ch I» »vnat« «r»! pflichtet war, schon jetzt nach « Monaten in englischer Sprache predigt. Feuilleton. Ei« Jo« ttippmt t» Owwi Ayres. t»as \<m „»vaeatore J«e»»ltta" Rsersetzt ». F.) Himmlisch schön verlief diesmal die Feier de« Jom Kippur in Bueno« Ayre«. Einige Zeit vorher hatten einige englische Juden, die zu ttnem Eomite zusammengetreten waren, «in Circnlär an ihre GlaubenStzenoffen in der Hauptstadt ergehen lassen, worin sie darauf aufmerksam machten, daß d-r Jom Kippur diesmal auf den 1. Oktober fiele und an alle diejenigen, die an der Feier desselben Theil nehmen wollten, dir Einladung richteten, zu diesem Zwecke am 30. Sept. um 4 Uhr Aachm. in de« von ihnen provisorisch in einen Tmrxl nmgewandelten Lecal Lahe 25 de Mayo Rr. 37 sich einzustnden. „Zur Deckung der Kosten" — fügten sie hinzu — »und da nD Alle in brüderlicher Gemeinschaft vor und nach dent Fasten ihr Mahl einnehmen können, wird jeder, der unserer Einladung rlge zu leiste» gesonnen ist, hiermit ersucht, die SüwrUe von Pfund Sterl. hierfür zu entrichten." Sirbenundfünlztg «tfprachen der Aufforderung und fanden zur festgesetzten Z»Ü und Stunde im bezetchneten Local sich ein. Küsse und brüderlichc Grüße wurden gewechselt, und man setzte sich zur Tafel, die in einem »n den Betsaal anstoßenden Salon haaerichtet war. Rach ««(gehobener Mahlzeit legten Alle die we-ßen Gewänder (Sterl «etteider) und den Betnümtel an. und mü de« Gebetbuche in de: Hand traten sie um */,6 Uhr, in althergebrachter Weise der gewöhnlichen Fußbekleidung «tlüiigt, in den Betsaal. Derselbe, obwohl so ziemlich improoisirt, bot dennoch da» Bild eine« recht hübschen, kleinen Tenqul», vte Wände waren mit weißen Tapet« bekleidet, die Befeuchtung war eine prä htige, und die heilige Lade enthielt zwei herrliche Thora-Rollen, die vor einiger Zeü au» England hierher gebracht und mm einem deutschen Juden im eigenen Hcmse ansbewahrt worrm waren. Die Feier de« AbendgottiÄdienste« währte bi« D-itternacht, und schon um 5 Uhr Morgen» wurden die heilig« fjuncttonm wieder aufgenomuten, um bi» 9 Uhr Abend» ununterbrochen fortgeführt zu werden. Nachdem de« Schofar'« Ton dreimal (?) sich hatte vernehmen lalsen, verließen Alle den Beisaal und setzten sich wieder gmemschaftlich zu Tisch-, ganz gehoben und innerlich befriedigt von der feierlichen und weihevollen Art und Weise, in welch« sie den Festtag s» heilig und andächtig begangen hatten, al« hätten sie der frümnsten Gemeinde Astend angehört. Der Kern dieser glanben»trenen Juden bestand au« Engländern, Den lschen, Polen und Türken. Unter den Engländern bemerkte nur» dm commandirendm Eapitain de« engl. Schiffe« „Reva", der, um der Feier beiznwohnm, die Erla-ttmiß sich erwtrft hatte, am 2. Oktober von hier abzuseaeln, während «rsprüngllch der 30. Sept. al« AbfahrtStag festgesetzt war. Da von der Summe der etngegaugmm Beiträge, nach Abzug der Kosten, »er Rest von 81 Pfund Sterl. übrig bleb, wurde derselbe dar gen. Capitata übergeben, um dafür « Averpool baldigst zwe. silberne (Kronm) und dm dazu, gehörig« sonstig« Zbrrrath für die beidm obenerwähnt« Thora-Roll« ansertigm z i lasse«. Zur Erinnerung an die fieberundfünfzig beitragendm Mttgltcher «erd« der« Ramm in dan silbern« Thoraschmuke, dm sie gespendet haben, eingravirt werden. Welch' süßer Trost mußte da tu» Her, jener!lln»gaoandertm sich {jefenlt haben, die, so fern va» Aaterlaub mck Eltern han«, sich rusanunenfandm in jenen de« GckSä ßewahtm Stunden, irbrünstig zu Sott betet« in einer und berselbm «ebetsx rache, mü gleichgestimmte» Sentttthe!