Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 5 (1874)
- Issue
- 5. Jahrgang Nᵒ 4.
- Date
- 1874-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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I *•»> tttCMtxn Lob««, wenn wir sei» Leb«« und wirken mit d« Wort« schlldirn: wir Malrachi (ll, 8 und 7) un« den Priester vorführt, so wandelt« er zeitlebens in unserer Mitte, wie «in Heller Stern am Firmamente unserer Zeitgeschichte — gesegnet bleibe sein Andenken für und für! M H»»d»rg, den 14. Januar. (Or.-Corc.) Gestalten Sie «tr, zu dem von Ihnen bereit« verkündeten Ergebniß unserer Gemeinde-Repräsentanten-Wahlen einige Erläuterungen zu geben. Obschon die vollständige Trennung der Gemeinde- und Cultusverhältniffe bei un« nun schon «in« Zeit lang vollzogen. obgleich der unentgeltlich« Nießbrauch der der Gemeinde gehörigen Gotteshäuser rmd di« sonstigen cultuellen Zwecken dienenden Einrichtungen der Synagogengemeinde verbliebe», obgleich notorisch fast zwei Drittheile der Gemeindesteuer au« dm Kaffen der Reformer fließen, ist man dennoch auf Seitm unserer Orthodoxen pur excellence so un< dnldsam. Jenen die geringste Berechtigung zu versagen, über dt« Gemeindeangelegenheiten mitzureden. Wir bedürfen keiner Gemeinde! ist ihre Devise, mag die Gemeind« sich in eine beliebige Anzahl Ehewrau« aufläsm! — Die« zeigte sich deutlich bet der jüngst vollzogenen Wahl der Gemeinde-Repräsentanten. — Einige, wiewchi der strengfromme« Richtung angehSrige, aber dennoch unparteiische Mitglieder der Gemeinde waren bemühet,- einen Wahlaufsatz zu Stand« za bringen, der auch der liberalen Richtung eine gering« Vertretung sicherte, doch vergeben«; auf einen früher» Sieg stolz, lehnte man jede Vermittelung ab. Doch hatte «an sich diese« Mal verrechnet; selbst ein Theil der strengreligiö« Lebenden hatte, unwillig über die Statuten de« Synagogen-Lerbande«, sein« Stimme der liberalen Liste zuge- »andt, und diese ging durch. Mägen jene Eiferer eine gute Lehre darau» ziehen und »icht weiter auf die Zertörung der Genieind« - Verhältnisse hi narbet len. — Neuerding« hat eia jüngere« Mitglied der unterlegenen Partei gegen die Wahl einen notariellen Protest erhoben, Begründet ist derselbe damit, daß der Vorstand eine Wahl von IS Personen, von denen S nöthigenfall» al« Ersatzmänner eintret«a können, angeordnet hat, während angeblich »ach den Gemelnde-Statuten nur 10 Repräsentanten noch zu wählen Gewese» wären und die etwa nSlhigen Ersatzmänner au« «iatz getrennten direkten Dahl hätten hervorgehen müssen. — Unser Zweig-Verein der Alliance J«realite hat bereit« 1« de« wenigen Wochen seit seiner Reorganisation eine Mit- Gieder-Zahl von 300 erreicht; — gewiß ein sehr erfreuliche« ResuUat I — Am jüngsten SabbatI» hielt der hier an dek Stelle de« ta »origen Jahre verstorbenen Rabbi Sottlieb angestellte Klausner Rabbi Mos. Frirden an« Komorn in Ungarn seine NutrütAred«. I» unserer Nachbarstadt Altona ist da« Lhanukafest in diese« Jahre zuerst am ersten Abende auf Beranlaffung de« Rabbiner vr. Löb auf eine sehr einfache, aber würdige Weise gefeiert worben. Vor dein Sbendgortesdienste hielt derselbe tu der festlich erleuchteten Synagoge, bei gefülltem Hause, «tu« sehr geistvolle Predigt, welche über eine Stunde gewährt, »ud sehr angesprochen hat. iv,Oerreich. Prag, 4. Januar. L>i« zu Wien erscheinmd« »Deutsch« Zeit.- dringt von hier folgende Ortg.-Lorr. mit der Leberfchrtft: .Sie «tue orthoiwxe Judengemeinde confesfionslo« ■wtbt.* Sie haben vor wmigeu Tagm unter de« Tüel: »Luch «tu Grund, sich coufesston« o« zu erklären", »ach einem htestpm Louruale die wundeisamr Geschichte erzählt, wie die MÜeitttsche Gemdude Mühlhausen t« südliche» Bäharm Ach emchefstouälo« erklärt«, um einm ihr mißliebige» Rabbiner mSzumoitde». Di« Sach« war tudeffm tu dem von An«, Akffi ßUMttst Wfggi borfldU&L bctfe nun U (cttt Utk ao — versucht fühlen können» dt« genannte Judengemetnd« al» ri»e» Aurbund von Frrisinntgkeit zu preis«». I» d«r Wirklichkeit hat sich aber dir Geschichte ganz ander» zugetragen und läßt die Judengemeind« Mühlhausen in einem ihrer «eit und breit bekannten orthrdoxrn Engherzigkeit mehr entsprechende» Lichte erscheinen. Der interessante Sachverhalt ist nämlich folgender: Di« Gemeind« von Mühlhausen (im südlichen köhmen) acceptirte vor einigen Jahren eine» Rabbiner, der außer den Predigten auch die Leitung de« Unterricht« an der itiraelttischen Schule zu besorgen hatte. Hierbei hatte ihm der Borbeter, auch Eantor genannt, zu helfen. Anfang« ging Alle« gut, und die Gemeinde war mit den Leistungen de« Rabbiner« zufrieden. Namentlich wurden seine Erfolg« al« Lehrer von allen Seiten anerkannt. Al« er nach einiger Zeit festen Fuß gefaßt zi« haben glaubte, faßte der Rabbiner — ein freisinniger Mann — den Plan, die Gemeinde zu reformiren. Er begann die Rejorm mit freisinnigen Predigten, mit Seseititigung abergläubischer Gebräuche und mit Weglassung von Gebetstellen, welch« mit den jetzigen Verhältnissen im krassesten Widerspruche s ehen. Nun begann der erste Sturm gegen ihn sich zu regen. Di« Gemeind« theilte sich in eine orhodox« und eine frriflr nig« Partei. So lange Die freisinnige Partei die Leitung der Gemeinde- Angelegenheiten inne hatte, war di« Stellung de» Rabbiner« noch eine haltbare; bald jedoch gewannen die Orthodoxen di« Oberhand; e« ward au« ihrer Mitte ein neuer Vorstand gewählt, und >ieser kündigte dem Rabbiner den Vertrag, sperrte ihm den Gehalt, um ihn zum Weggehen zu zwingen. Der Rabbiner, gestützt auf seinen Vertrag, protestine dagegen, und oa die G,m«ind« kein« genügenden Gründe an führen konnte, weßhalb sie die Kündigung vorgenommen, «urlre der Proeeß, nachdem tv zwei Jahre lang alle Administrativbehörden durchlaufen, vom EuttuSministerium dahin entschieden, daß die Gemein»« dem Rabbiner nicht kündigen könne, sich jeder Eigenmächiigkeit zu enthalten und allen ihren Beipflichtungen demselben gegenüber nachzukommen habe. — Der Vorstand, mit einer Zähigkeit, wie sie nur orthodoxen Juden eigen ist, recurrirte abermals, indem er behauptete, in Mühllmusen bestehe gar keine israelitische EultuSgemeinde, sondern nur ein Privat-Verein. Dieser Recur« wurde zurückgewiesin, da dadurch, daß in Mühlhausen seit Jahren eine Synagoge und eine israelitische Schule bestehen und daselbst eia Rabbiner und Lehrer angestellt sei, der faktisch« Bestand einer israelitischen Eultu-gemeind« nachgewiesen erscheine. Mit diesem eargiltigen Bescheid« nurd« zugleich die Zahlung de« Rückstände« und de« laufend:» Gehalte« abermal« aufgetragen, widrigenfalls das Vermögen der Gemeinde exequirt werden würde. Nun stand der orthodoxe Vorstand rathlo« da, er wollte um jeden Preis t«n freisinnigen Rabbi loswerden, und so blieb ihm nicht« Andere« übrig, al« — sich konfessionslos zu erklären. Also au« Freifinaigkeit ist dieser Schritt nicht gethan worden, da« muß nach d:m Gesagten Jedermann «inleuchten. E>> galt einzig und allein die Befriedigung der Rache an dem Rabbiner. Kein Zweifel, daß der Vorstand den jesuitischen Plan hegt, nach Auflölung de« Vertrage« sich nicht nur wieder al» israelitische Gemeind« zu constituiren, sondern auch wie zuvor den alten orthodoxen und abergläubische« Satzungen anzuhängen. — E« bleibt noch zu erwähnen, daß der so arg verfolgte Rabbiner Vater von vier kleinen Kindern ist und eine kränkliche Gattin hat. Ra» kann sich nun leicht vorflellen, in welchem Elent« er uud seine Familie sich befinde» «tlffea, da chm feit beinahe drei Jahren der Gehalt gesperrt und noch dt« Zukunft unsicher gemacht ist; auch von dieser Seite lernt man de» Jesutltsmu» de« .konfessionslose« Loifiandes" kennen. N. G. ««I Ulfen, 8. Januar. (Or^Eorr.) Di« stommisfion für da« t»i eröffnendeRabbiuerseminar i» Pest wandt« sich dieser Tag« m de, Pest« Stadtüch «ege» Ueberlaffnng et«» tu der Rät» der iftstuerfität ftbgnai Bauplatz* fftc di« Anstelle, «irkwürdi^rweise ««fco» sich »ach Borle-