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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 4. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 4.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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zwanzig Jahre — wo der Frankfurter Judezu den meßbesuchten Glaubensgenossen aus dem umliegenden Städte» und Städtchen sagt«: „WaS wollt Ihr klagen? wir haben hier nicht nur Tuch und Kattun, wir haben hier auch da» Rischu» «u gros" — zurückdenkt, der weiß, wie die Zeiten sich geändert haben. Freilich ist der Stamm der alten „Franforter Borjer,* welche „Judde, Fremd« und andere» Lumpengesindel^ zusammenstellten, auch seitdem durch Zu^gler überfluthet. — Auch Johann Jacody und vr. Wolfsoha stehen auf der engeren Wahl; «rsterer in 3 Wahlkreisen. Trssa«, 12. Januar. (Or.-Eorr.) Bei der am 8. d. M. startgehabten Wahl eine» Abgeordneten zum auhaltischeu Landtage ward für den Wahlbezirk der Stadt Dessau an Stelle de» Abgeordneten von Basedow, welcher sein Mandat wegen Uebernahme de» Syndikat» im Landtage niedergelegt hat, der Borsteher der hiesigen israelitische» EnltuSgemeiade, Herr B. Hagelderg, mit der überwiegenden Majorität von 67 gegen SV Stimmen, welch« auf einen Juristen fielen, gewählt. — Diese» Resultat ist um so erfreulicher, da Hagelberg neben dem Fabrikanien I. Herz, der vor einem Jahre in Jeßnitz gewählt wurde, der zweite Israelit ist, dem di« Ehre geworden, mit der Vertretung unsere» Ländchen» im diesmaligen Landtage betraut zu werden. Obige Wahl, vom intelligentesten Theile der städtischen Bevölkerung vollzogen, legt Zeug- «iß ab, daß religiöse Borurtheile hier bereit» geschwunden, und man offen und ehrlich da» anerkannt Tüchtige nicht allein zu schätzen, sondern auch würdig zu veriverlhen weiß. Di« Energie und Arbeitskraft de» neuen städtischen Vertreter», verbunden mit fester unverbrüchlicher GrsinnungStüchtigkeit und gesundem fortschrittlichen Streben, ist und bleibt den Wählern di« sicherste Gewähr für die so uothwendige liberale Vertretung gegeuüber den christlich-germanischen konservativen Bemühungen der Regierung und ihrer im Landtage nur leider zu stark vertretenen Partei. .d. B. Z. Breslau, 14. Januar. (Or.-Eorr.) In unserer von äußere» NützlichkeitSrücksichten so sehr beherrschten Zeit kan» e» nicht befremden, daß die wenigen Jünger, dir sich noch dem Studium der jüdischen Wiffenschafl hingeben, zumeist jene« unbemittelten Kreisen, die ohnehin nur bescheidene Ansprüche an da» Leben stelle«, angehören, und wenn jemals, so gilt heute d>rs alte Wort: erraff. 0"» '»2 mn min- Welche Verlegenheiten und Bedrängniffe dierelbe» oft zu überwinden haben, kann nur der ermeffen, der sie einmal selbst au sich erfahren hat. Stolz und Selbstachtung verbieten es in solchen Lagen, sich aiidern al» nur Freundeskreisen anzuvertrauen, und sollen dieselben sich auch al» Freunde in der Roth bewähren können, so müssen sie aus gegenseitige AuShllse und Unterstützung ernstlich bedacht sein. Bon solchen Anschauungen geleitet, gründeten im Jahre 1856 die Hörer de» hiesigen jüd. theol. Seminar» den Verein I-irrjatkOlieu, und stellten, wie wir au« § l seiner Statuten entnehmen, al» dessen Grundprinzip auf: »Mildthätigkeit zu üben innerhalb seine» Wirkungskreise».* Diese schöne Tendenz wird zur Ausführung gebracht, indem dürftigen Hörer» de» Semmar» theil» Unterstützungen, thell» Darlehen gewährt werden. In nur höchst beschränkter Weise konnte der verein seine Thätigkeit beginnen; doch mehrten sich von Jahr zu Jahr di« Mittel, und mit ihnen auch die wohlthättgen Leistungen derselben. Der Verein, der unter dem Protektorate de» Herrn Direktor vr. Z. Kraakel steht, zählt jetzt zu seinen beitragenden Mitglieder» fast alle au» dem Seminar hervorgegangenea Rabbiner, die ihre Zngehörigkeit zur alma mater in edler, zartstuniger Weis« bekund«,. Aber auch in weitere» Kreise» besitzt der Verein zahlreich« Freunde, indem nicht blo» an» Br»«la» selbst, sondern auch an» Prag, Wie«, Pari»», s.w. edelgesinnte Män«r, denen di« Fsrdenmg der jüdische» Ms- , senschaft a« Herze» liegt, de« vereine al» bettragend« Mitglieder «uigehgr,».! Die am 80. Juni 1873 verstorbene Frau DtrectoeRosa;. Frankel bedachte den verein mit einem ansehnliche» Legate.*) , Me alljährlich, so fand auch am letzte« Ehannkafeste di« . Generalversammlung statt, welcher der Vorstand den Jahresbericht vorlegte. Ohne auf die einzelnen Posten desselben ein- - zugehen, wollen wir nur hervorheben, daß t« verfloffeuen Jahre im Ganzen 786 Thlr. 19 Sgr. 8 Pf. theil» al» Unterstützung, theil» al» Darlehen verausgabt wurden. Diese erfreulichen Erfolge glauben wir in diesem Blatte um so mehr veröffentlichen zu müssen, al» viele Leser desselben sich für da» Gedeihen de» Verein» lebhaft interesfire». Möge der Verein, der den Jüngern dieser Anstalt die oft harten Kämpfe um die alltäglichen Bedürfnisse in diskretester Weis« erleichtert, ein« immer regere und allgemeinere " Thetlnahme finden! z. Eßl», im Januar. (Or.-Eorr.) Au» besondere« Familien-Rückfichten können wir erst heute eine Pflicht erfüllen, die wir dem Andenken eine« außergewöhnliche» Manne», de» selige» BenjamtnRubensohn, schulden, indem wir Kunde bringen von dem Verluste, den durch sein tzinscheiden da» Gesamnitjudenthnm erlitten hat. Di« Worte, mit welche» sein rreuer Freund und Verehrer, der Rabbiner vr.^Schwarz, die unter einer Fluth von Thränen gehaltene und ebenso von allen Anwesende» vernommene Trauerrede eingelettet hat: narr nxm mal? .-602 irni narre vergegenwärtige» uns ganz treffend da» Bild de« Entschlummerten, der nach noch nicht erreichtem 64. Lebensalter seine fromme Seel« am Donnerstag, den 16. Marcheschwan, sanft und schmerzlo» auSgehauch:, un» aber den Schmerz, ihn verloren zu haben, zurückgelassen hat. Rubensohn lebte bi« vor einigen Jahren, woselbst er mit seiner Familie hierher übersiedelte, in seine« Geburt«- orte Beverungen an der Weser, doch die israelitische Gemeind« Eöln erkannte auch in ber kurzen Zeit, seit welcher sie ihn den ihrigen nennen durste, vollkommen seinen Werth und betrauert ihn gerade so wie die ganze Provinz Westfalen ^2X3 Trr. Dem Gelehrtenstande ursprünglich geweiht und für denselben durch gründliche wissenschaftliche Studien vorberettet — er war auch einer der ausgezeichnetsten Schüler de« seligen Oberrabbiner» Jakob Sttlinger und hört« mehrere Jahre hindurch in Mannheim dessen talmudisch halachischrn Vorträge — mußte er diesen später mit dem Kaufmannstand« vertanschen. Doch wenn er sein Tagewerk vollbracht, saß e» bi» in di« späte Nacht hinein vor seinen Foliaten, und so kam e», daß er in der ganzen jüdischen Literatur, in der biblische« wie in der rabbinische» Bescheid wußte. Eine groß« und seltene Bibliothek, Erde seine» ebenfall» sehr gelehrten Vater», stand chm zur Verfügung, und unter all de» Hunderten von Bänden, die sie umfaßte, ist chm keiner fremd geblieben. Nicht unbedeutend war die Zahl seiner in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze, Berichte und Monographien, doch wollte der geistreiche Autor seine» Namen dabei nicht nennen, seine Bescheidenheit gab'» nicht zu.**) Den» so kind» . , lich rein wie seine Gottesfurcht war seine Selbstlofigkett und Saaftmuth, so lauter wie seine Menschenliebe, der Adel seine» Eharakter». Sprüchwürtlich ist seine Rechtlichkeit und Geradheit geworden, und die Erwähnung seine« Namen« genllgte im Kreis« seiner Geschäftsfreund« al» eia vollgültige» Zechgniß der Wahrheit. Ein ]HB2 Teil? war er zugleich ein ubv *]*m, und mit so rigoroser Streng« er auch wie ein morn pnat alle religiösen Vorschriften und Satzungen be» trachtete, die Theorie von der alleinseligmachende» Treaanng nnd T Heilung der Partheien perhorreSkirt« er «tt alle» Energie. ttzewiß, wir überschreiten nicht da« Riaaß de» ihm ge- •) 8o«l. JahreSSericht M st», theol. Cm» tri 1871. f **) Mit seine» Komm erschien in Hirsch'« »Jeschur»» ISS» -in» Xdhenrin», «ater die vtla»«» der «lte» JSruettte»*, »etch» mf »«t»' <*' mm «rite» inehr «kMMONl «er M* grtft Maift, «M «ench»S kaMw . t.? erschien«»« Bnch. (Mk) .

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