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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1874-01-01 · 5. Jahrgang Nᵒ 2. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
5 (1874)
Issue
5. Jahrgang Nᵒ 2.
Date
1874-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 12 — und an den folgend,» Abenden ward mit Hilfe einiger Gendarmen weiteren Exzessen vorgebeugt, doch wiederholten sich Ebicanen aller Art, wie Fenftereinwerfen rc. fast täglich, insbesondere Sonntag-. E« geht da» Gerü-bt, zu Sylvester habe man wieder einen Hauplcoup vor. Oefterretch. — n. Prag, 22. December. (Or-Eorr) Der vorgestrige Eabbath gestaltete sich in unserer Gemeinde zu einem besonders festlicden Tage durch eine Feier, die richtig bezeichnet, eine Feier der Prager iSr. Gemeinde genannt werden tau«. An diesem Tage fiel nämlich der siebzigjährige Ge bnrtStag des auch in Deutschland rühmlichst bekannten Herrn E. St. Frankl. Bruders des hochgelehrten Seminar-Direktor« Dr. Z. Frankl in Breslau. Die Mitglieder unserer Geuieind« ergriffeir mit Freude diese Gelegenheit, dem um da» hiesige Gemrindewesen viel verdienten, sehr verehrten Manne, der als Borsteher vieler hiesiger V.reinc, besonders aber als Mitglied der Gemeinde-Repräsentanz, welche« Ehrenamt er schon rin Viertcljahrhundert bekleidet, und als Mitvorstcher de« Tempelvereines so wohlthätig und mit rühmenSwerther seltener Hingebung gewirkt, und durch seine ausgezeichneten Leistungen sich die Hochachtung Aller erworben hat, den Zoll tiefgefühlter Dankbarkeit und ungetheiller Anerkennung zu entrichten. Scho» am Freilag begaben sich Deputationen von den WohlthätigkeitSvereinrn und Einzelnen in die Wohnung de« Jubilar», ihm ihre Glückwünsche zu dringen; daS Grober Gratulanten aber erschien am Sabbath nach dem Gottesdienste, und Alle«, was Prag an Intelligenz und hervorragende» Persönlichkeiten besitzt, war vertreten. Von Seite der Repräsentanz wurde dem Jubilar eine Adresse überreicht, in welcher die großen Verdienste de« langjährige» Vorstandsmitgliedes drr altehrwürdigen Prager Gemeinde hervorgehoben wurden. Eine ebensall» prachtvoll auSgestattete Adresse überreichte der Tempelverein dem Jubilar und sehr verdiente« Vorsteher, welch« durch dessen würdigen College» im Ehrenamte, Herrn G. Fcigl, mit einer paffenden, tiefgefühlten Ansprache übergeben wurde. Ein Zögling de« iSr. jknabenwaisenhausrS drückte in kindlichen, gemülhvollen Worten die Gefühle der Waisenkinder für »den hochgeehrten Vorsteher diese» Instituts und den zweite» Vater drr ariueu Kinder, der mit liebreicher Sorgfalt für chr leibliche» und geistiges Wohl bedacht ist/ aus. Die anderen Ansprachen, Glückwünsche u. s. w., hebe ich gar nicht hervor, und die bloßen Ramen der Sprecher zu nennen, würde zu viel Raum beanspruchen; wir Alle kennen ja die Verdienste des würdigen Manne», und Alle wünschen wir, daß er noch eine lange Reihe von Jahren zum Besten unserer Gemeinde wirken möge. Die siebzigjährige GeburlSfeier de» Herrn S. St Frankl war eia Beweis, daß wahrer Würdigkeit und wahrem Verdienste die Anerkennung nicht versagt wird. (Schluß folgt.) Italien. Ro». Während in Turin die Einweihung de« Monument» von Massimo D'Azeglio, dem eifrigen Verfechter und edlen Vorkämpfer der Juden-Emancipation, gefeiert wurde, hat die diesige Gemeinde im Tempel einen feierlichen Gottesdienst zu Ehren des Dahingeschiedenen großen Dichter» und Denker» abgehallen. Die Theiluahme war «ine außerordentliche und legte ein beredtes Zcugniß ab von der dankbaren Verehrung, welche die Juden Italien» und Rominsbesondere dem theueren Andenken de» edlen Vertreter» ihre Rechte zollen. Di« beiden hiesigen Rabbirer Eo«n und To«cano schickten Überbit» am selben Tage ein Telegramm an den Bürgermeister vou Turin ab, und der Dichter David Levi feierte da« Andenken D'Azeglio'« durch Veröffentlichung eine» Lobgedichte» auf denselben, welcht« den Beifall der Presse gefaben hat. — Einen neuen erfreuliche« Beweis, daß die Juden auch in den Länder», wo sie schwach verlreten sind, mit regem Eifer und aurgezcichnetem Erfolg« an den Bestrebungen und \ Leistungen der Cultur und Industrie, der Kunst und Wissenschaft thcilnehmen,' liefert da» Verzeichnis der auf der Wieiter Weltausstellung prämiirten italienischen Firmen. Unter de« ca. 1600 Prämiirten befinden sich A4 Juden. Hätte» di« iialien. Juden sich nur nach ihrem nuinerischen Verhälrniß zur Gesammt-Einwohnerzahl betheiligt, so würde» schon zwei ans sie entfallende Auszeichnungen genügt haben, um da» richtige Verhältniß zwischen beiden ausrecht zu erhalten. Der Zahl von 34 prämiirten jüdischen Ausstellern mußte aber nach dem thatsächlich bestehenden Verhältnisse der itatiea Juden zur Tosalsumme der Bevölkerung die beträchtlich« Ziffer "ou ca. 23800 prämiirten Aussteller» überhaupt euljprecheu, während in Wirklichkeit die Zahl der zuerkannlen Diplome und Medaillen ungefähr den 15. Theil hiervon betrug. Wo Zahlen so deutlich spreche», bedarf e» keine» weiteren Belege», um darzuthun, daß auch die iial. Jude» da» Ihrige und mehr als dies beitragen, wo cs sich um die Hebung und Förderung des geistige» und niatcrielleu Wohl« ihre» Vaterlandes handelt. Bercelli. Die Rabbiner von Vercelli, Easale, Asti, En« neo, Florenz, Acqui und Trino haben gegen die im Schooße der Turiuer Genieinderepräseutanz beantragte allgemeine Absümmung der Juden Italien» über die Abschaffung de« Zusatztages zu den Neumond»- und hohen Festlagen (exclus. Roscli hascliana) Protests«, und ihren Protest iu zahlreichen Exemplare» in de» Äemelnven Italien» verbreitet. Die Unterzeichneten verwahren sich gegen die Einführung einer so durchgreifenden religiösen Neuerung auf solchem Wege, da ein durch di« Jaardundert« geheiligter Ritu» nicht von de« Erfolge einer Abstimmung abhängig geinacht werden dürfe, der ja schon an» Mangel an der entsprechenden lalmudischeu Sachkenutuiß keine genügeiid« Autorität zu Gebote stünde; ein solche» Vorgehen könnte in vieler Beziehung verhängnißvoll für da» Judenthum werden. (Evue. Jtr) Rußland. H. Warschau, End« December 1873. (Or.-Sorr.) Wenn da» nächste Frühjahr mit seinen Blumen und Blüihen uns wieder grüßen wird, dann ist für unsere hiesige Gemeind« die Hoffnung vorhanden, daß auS diesem Frühling-vräagen auch für sie «ine religiöse Blume erblühen werde: di« Grundsteinlegung zu dem neue» Tempel. Der Plan zu der neuen Syuogoge, deren Herstellungskosten zunächst auf 250,000 Rudel veranschlagt siuv, ist bereit» fertig und angenommen, tue Grundstücke in einer sehr glücklichen Lage, fast i« Mittelpuntie der Stadt, sind schon seit Jahren acquirirt, und so hat da» Eomite, welche» mit dieser Angelegenheit betraut ist, die Absicht, gleich nach Ostern den Bau beginnen zu lasse«. Vielleicht wird dann mit diesem neuen Heiligthum ein neuer Geist in unsere Gemeinde einziehen, vielleicht wird da» Gotte-licht, welche» davon au»strahlen wird, vermögen, den Re« bei und da» EhaoS, welches auf unseren Verhältnissen hier lastet, zu verscheuchen und neu,« Leben zn spende» Denn bi» jetzt bieten unsere Gemeludezustände ein unerquickliches Bild dar. Bei Ihnen iu Deutschland girbt e« in jeder Gemeind« einen oder mehrere Rabbiner oder Prediger, und wen« sie auch nicht mit dem Niinbu» christlicher Sirchenhirten umgeben sind, so sind sie doch immerhin dl« Fahne, um die stch die Parteien gruppiren. Hier aber, in der größten Gemeind« Europa'», giebt e» keinen Rabbiner, dessen Prin» zipieir als Basis für irgend ein« Partei dienen möchte». Hier stufe» sich die Parteieil in unzähligen Schaltirungen ad. Und sowie i« äußeren Leben, so fehlt auch in Hinsicht de» Gebet» cultu« jede fest« Norm, jedes leitend« Prinzip. In jeder Stroh« fast findet man hier rin oder mehrere Bethäuser, di« nur insofern iniponire», als man auf ihre Besucher da» W«rt anwenden kann: »Die zahlreiche Versammlung ist «iu Schmuck für den König." Sonst haben sie nicht» Gefällige», in manchen steigt sogar da» Gebet zu Gott buchstäblich B*p&98B »au« der Tiefe" empor, denn die Kellerwohnung ist hier zu« i i 1 4

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