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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 50. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 50.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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um dtk «Sglühkeft gewöhn »irt, fofteU er Gewissdus- oder eit&nt Bedeute» häk, nicht an de» Geistliche», sonder« a, dirje» letzteren Beamte» sich zu ioe»d«», fo Kinn di« Bestiminiiug de» 4 6 sachliche Nachtdril« nicht zur Folge bade». Se darf die» u« so weniger angenommen werde», als im Regierungsbezirke Wiesbaden zufolge einer RegierungSoerfugung vom 30. September 1817 und im Laudbezirke des ehemals Frankfurter Gebiete» ähnliche, znm Theil weitergehenkx Eiurichtungen bereit» bestehen und sich praktisch bewährt haben " Wir haben bereit» in Rc 46 gesagt, daß die Einrichtung i« ehemaligen Herzoglhum Nassau eine ganz andere gewesen ist, und für da» hier Jutendirie nicht den geringsten Anhalt gewährt. Die bürgerliche Verwaltungsbehörde stellt da die TrauungSerlaubniß au», der betreffende katholische, evangelische oder jüdische Geistliche vollzieht die Trauung rechtskräftig, stellt darübe', «inen Schein au», und einer der C rtSgristtrcven — der älteste oder der der Majorität — macht auf Grund des Scheine» den Eintrag in da» von ihm geführte, allgemeine Cioilregister. Dieses sollte aber nur von Einem für Alle geführt werden, ganz so wie da» Kirchenbuch in jeder Parochi« von eitlem Geistlichen geführt wird, auch da, wo mehrere Prediger an derselben Kirche fungiren Berlin, 10. Decbr. (Or.-Corr.) Die von-dem hiesigen Vorstände veriandte Peliiion und Denkschrift in Betreff de» zu erwartenden Gesetzes über die Synagogen-Gemeinden zeigt eine bewuildernswerlhe Naivität. Die gottesdienstlichen Einrichtungen bilden, ihr zufolge, die alleinige, ausschließliche Streftsrage, und diese seien in Berlin in den Synagogen der Heidcnreutergasie und Kaiserstraße so orthodox, wie sie die HtldeSheimer'sche Gemeinde zu erstreben vorgiebt. Weiß Herr Makower, (dieser wird wohl nicht mit Unrecht für den Verfasser der Denkschrift gehaften) wirklich nicht, daß da» altgläubige Judenthum noch andere Einrichtungen erfordert, al» Ehnagogen? Wenn aber solche Einrichtungen unter Aufsicht eine» Rabbinal» gestellt werden, dessen Mehrheit da» rabbinisch« Judenthum bekämpft, ist da» kein GewisienSzwang für di« tteuen Befolge! de» jüdischen Gesetze»? Wenn die Religionsschule unter Leitung eine» Manne» steht, der die heilige Schrift al» Rhth« erüärt, wenn an ihr Lehrer fungiren, die mft dem Judrnthum auf gespanntem Fuße stehen, können religiö» gesinnte Eltern diese Institution benutzen? Wenn man einen Geiger in der, jetzt also osfiiziell al» orthodox anerkannten, alten Synagoge seine Giftpfeil« gegen da» überlieferte Judenthum abschießen Ififet, ist da» nicht eine Berhöhnung der dem letzteren treuen Glieder. *) Ob da» Judenthum Dogmen hat, bleibt eine offene Frage, „Geistliche* sollte e» freilich nicht haben; aber Vorschriften hat e». Gesetze und Lehren; und die Gemeinden haben di« Aufgabe, Rabbiner, d. h. Lehrer zu wählen, die durch treue Befolgung dieser Vorschriften und Lehren sich de» Vertrauende« Volle» erfreuen, die Gesetz« und Vorschriften erklären und die Ausführung überwachen. Wenn aber nun eine Gemeinde, wie die» die Berliner gethan hat, Männer als Rabbiner wählt, die diese Vorschriften für obsolet erklären, sie al» götzendienerisch (!> bezeichnen, tief in» Familienleben eingreifend« Bestimmungen über Eheschließung, Scheidungen und fthaliza Willkürlich ordnen, — ist e» dann nicht GewisienSzwang, wenn glaubenstreue Israeliten gesetzlich gezwungen werden, einer solchen Gemeind« anzugehörrn? Hr. Makower meint, daß die Klage de» GewiffenSdrucke» eine völlig grundlose sei, da ja Niemand gezwungen werde, dem Gemeinde-Gottesdienste deizuwohnen, und private Gebet-Versammlungen nicht verboten seien. — Nun unser Gemeinde - Vorstand oder vielmehr der Mephisto, der ihn am Seile führt, hat den vr Geiger am •} Dt« ifingfu Satbathpredigt des Hin. vr. Nt. in der alte» Cf« »H*S* «mt fo 00» gistzeschwolene» Haff« ß«yn bat, «M« jtb«m glaut«»Mx«a«a Jude» heilig ist. erflillt, dah «4 auch de» Ruhigste» empürrn »uht«. Gr »aßt« es» durch sein« gehLsfig«» Deutuage» da« >»»«ntea unsere« Patriarch«» Jacob und seiner nähet, mit deren Namen mir ■ajm «tatet («j«*», ja sch»»»«». 1 perWitzewm Jo» kippur dref»al in der HWWWWDWW > seine Rffsiowbpredigteu halte» lasse», und huntt NiewaAd M Stande sei, die Adendpredigt zu versäumethat solche »st nach dem EinleitungSgebet Kol Nidr« stattgesunden. Die Mitglieder, denen dies nicht paßt, konnten ja, wie Hr. v. Bleichröder, sich in ihrem .Hause ein Minjan machen; Gewiffenszwang wäre nach Hrn. Makower nur dann vorhanden, wenn man sie wie weiland in Rom mft GeuSdarmen zur Predigt triebe. Wahrlich. Niemand, der c» ehrlich mit seinem Judenthum meint, kann sür Spaltung und Trennung schwärmen; wenn aber alle Forderungen de» Rechts und der Billigkett hintenangesetzt werden, wenn die Minorttät recht- und schutzlos der religiösen Willkür überliefert wird, so ist Trennung das einzige Mittel. Nicht durch Denkschriften und Petisionen wird der Borstaitd sie verhüten, sondern nur durch Gerechtigkeit auch gegen die Anhänger des überlieferten Judenthum» kam» Spaltung vermieden werden. Die Reformfreunde haben die prachvolle neue Synagoge, mögen sie darin nach Belieben reformiren und erperimentiren; sie sollen aber den „Alt-Juden* weder ihre Rabbiner noch ihre Gebetbücher aufdrängen. Möge der Vorstand nach dem Vorbilde Hamburg» eine Regelung der Gemeinde-Verhältnisse anstreben, da» ist der einzige Weg, Trennung und Auflösung zu verhüten. Der Vorschlag aber denjenigen, welche einen Separat-Eultu» errichten, ein Viertel der Gemeindesteuer zu erlasien, ist einsach lächerlich und verdient keine Erwiderung. Hr. M. will schließlich noch Eapüal daraus schlagen, daß die Zahl der Separatisten doch nur gering sei. Es ist von mir schon früher in diesem Blatte darauf hingewiesen, daß daraus nicht Anerkennung der Gemeinde-Einrichtungen zu folgern ist, daß es vielmehr ander» lein würde, wenn die Adaß-Jisroüi-Gemeinde nicht hinter die Einrichtung«» des seligen vr. Sachs zurückgegangen wäre. ... 0 v Berlin, 14. December. (Or.-ftorr) Gestern Abend fand die Versammlung de» hiesige« Zweigvereiv« der „Alliance J»raelite Universelle* statt, behuf» Neuwahl de» ft* mite'» In der jüngsten Lersamutlung (im Rai), welche sehr erregt war. hatte der größt« Theil der ftoniiteinitglieder sein Amt niedergelegt, und die Verbleibenden hatten erklärt, die Verwaltung provisorisch bi» zur Reuconstitulrung des ftomitr's weilerznsühren, inzwischen aber die Beiträge für 1873 einzuziehe», und, so weit solche hier nicht verbraucht werde», an da» Ernlralcomite abzuführcn. Der Vorsitzende, Herr Sanitättralh vr. Reumann, rröffnete die Sitzung und stattete zunächst Bericht über die Thätigkeit de» provisorischen ftomitr» ab, er hob hierbei besonder» die aus Anregung der Londouer Association of British J«w»d nachgesuchte und erhaltene Audienz beim Schah »0» Persien zu Gunsten seiner bedrückte« jüdischen Unterihaue« hervor. Es könne angezweiselt werde«, ob davon «in unmittelbarer Geivinn^sür unsere leidenden Brüder erzielt worden, doch resultire daraus jedenfall» ein drcif lcher Nutzen: ersten», daß e« den deutschen Juden klar werde, wie dringend nöthig «» sei, sich der großen Zahl der leidenden GlaudenSgenoffe» in den uncultivirten Ländern anzunrhmea; zweilen«, daß die persisch« Regierung sich überzeugt, daß man in Europa auch über ihre Handlungsweise gegen die jüdischen Unterthanen wach«, wa« bei den; Wunsche, auch brr despotischen Regierung, in den Eulturländern eine günstige Benrtheilung zu finden, nicht ohne Einfluß ist; dritten», daß di« persische» Juden sich dann aufrichtea und erheben werben, wenn sie sehen, daß ihre bester gestellten Brüder sich ihrer annehmrn. Herr Vr. Reumann hob weiter hervor, daß die ThäUgkeit de» hiesigen ftomite'S naturgemäß »och immer auf Besserung der Lage der russischen Jude« gerichtet sein müffe, daß es aber nicht angemessen erschein«, dazu ledigtzch die hier eingehenden Mtttel zu verwenden, und daß, um einen besser» Erfolg z» erzielen, dafür auch weitere Kreise i»leresstrt «erbe» müssen. Der moralische Erfolg, der bei den Inden in Rußland hierdurch erzielt werde, sei viel-höher auzuschlagen, als der i« Berhälttriß zu der große» Aufgabe nicht bedeutend« materiele.

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