Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 49.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— SS« - «ähre. Dt« ersterwähnte Thatsache selbst ist richtig, d«ch ist. »t« »ns jetzt von »nterrichteter Seite «itgetheUt «ird, die Lbweisnng de« Hätfefnchrnden t» Abweieaheü des dirigire«de« Anftaltsarztes ,»d aus Grund der vo» de« Einlaßdegrhreude« gemachte« Angabe hi» ersotgt, daß sei» Leiden unheilbar sei. (Unheilbar Krank« find nach Satzung des HoS pitals »an der Aufnahme in daffelb« ausgeschlossen.) Trotzdem, und obgleich sich diese Angabe in der Thal als begrün det ermiese«, hat man de» hilfsbedürftigen Glaubensgenoffen am nächsten Morgen ausgesucht und in das Hospital geschafft, ihn daselbst 14 Tage lang gepflegt unv ihn erst dann entlass««, als er sich wesenrlich gestärkt und zur Fortsetzung seiner Reise befähigt gefühlt; auch hat man ihm dann die durch Sammlung ausgebrachte Summe von 25 Francs als Zehrgeld «itgegrben Die Annahme, daß die Verwaltung des Hospitals zwischen franzöfischen und deutschen Juden einen Unterschied mache, kann nachweisbar als durchaus irrig de zeichnet werden; nicht die Rationalität, sondern lediglich die Hülfsbedürfligkeit der Aufnahme suchenden Glaubensgenossen lontmt jetzt wie früher für die Verwaltung de» Hospital» als maßgebend in Betracht. (Metzer Zeitung.) Oefterreteh. Die Feier des fünfundzwanzigjährigen Regierungsju biläumS Sr. Maj. deS Kaisers kann von keinem Theile der Bevölkerung des Staateinniger, aufrichtiger und freudiger begangen worden sein, als von den Israeliten. Der ganze ricfige Umschwung in den Berhältniffen der österreichischen Juden hat sich unter der Regierung Franz Joseph'S vollzo ge». Wer die früheren Zustände auch nur vom entfernteste» Hörensagen oder etwa auS den Ghenonooellen der östreichijchjüdtschen Schriftsteller kennt, weiß, daß vor 25 Jahren der mittelalterliche Druck »och mit fast ungenlinderter Wucht auf den Juden d«S KaiferstaatcS lastete, und jetzt ist ihre Gleichstellung nach jeder Richtung hin eine vollständige. Mögen manche Bolkrstämme Oesterreichgrollen, mag man über die gewaltigen Schwankungen, welch« die innere und äußere Politik der verschiedenartigen Ministerien durchgemachl hat, strenger oder gelinder urtheilen, niag die Regirrungszeit Franz Joseph'S in mancher Beziehung keine für den Staat glückliche «nd glorreich« gewesen sein — die Juden Oesterreichs können nur mit heißem Dank, mit innigster Befriedigung auf die letzten 25 Jahre zurückdlicken. Wenn daher in allen Gemeinden, Synagogen, Vereinen ». s. w. der österreichischen Jude» der Tag festlich begangen worden ist, so ist dasicherlich mehr als eine Formalität, eine loyale Demonstration. Wir können aber selbstverständlich Beschreibungen solcher Feierlichkeiten nicht zum Abdruck bringen, es würde alles Maß überschreiten; darum können wir auch mit der von dem Vereine Schomer Israel in Lemberg begangenen keine Ausnahme mache». Die Betrachtungen welche unser Herr Eorresp. an den Empfang der Deputation jene» Vrrcins knüpft, wollen wir jeooch unser» Lesern nicht vorenthaltrn. (Das tharsächlich Wichtige über jene Audienz ist im vor. Bl. mitgetheilt.) Lemberg, 6. December. Zu den Erfolgen, welche der Lerein Sch. Jsr. bei den letzten Reichsrathswahlen erzielt hat, haben wir nun noch da« Ergebniß der besonders freundlichen Aufnahme, di« unsere Verein»-Deputation bei Sr. Majestät hatte, hinzu,«zählen. Die Worte, die der Kaiser an unsere Deputation richtete, find inhaltsschwer und nicht mit andern herkömmlichen Phrasen diplomatischer Art zu verwechseln. Der Kaiser von Oesterreich ermahute die Juden Galizien» in der Schomer Israel- Deputation, „an Er. Person, Seinem Hause und den« österreichischen StaatSgedanken festzuhalten", und schärfte ihnen diese» zu wiederholten Malen ei». Da» will so viel sagen crl«: ich anerkenne euch, meine jüdischen Bürger, und weiß <!UT' Verdienst«, die ihr dem Reich« und dem Kaiser geleistet,;« schätzen. Der Wink, de» Er. Majestät unserer Deputation , gegeben, wird nicht verfehlen, die Situation, di« bis noch vor 1 Knrzrm nicht ga« geklärt war, zu läutern. Unser» den und zu den Polen hinschtelende« vereinsmitglieder» »erden jene „Worte des Monarchen" de« rechte« Weg zeigen, den Treuen und Sesinnungstüchligen verhelfen, auf der betretenen Bahn auezuharre» und für da« Wohl chrer Glanbrnsgeuoffeu mit verstärkter Kraft zu wirken; endlich »ird dieses schöne ehrende Zeugniß, das der Monarch de« Vereine Schomer Israel gegeben, sehr viel beitragen zur Lereiuignng aller galizischen Gemeinden und zur Erstarkung des Vereines. — Groß ist die Freud« der galizischen Jude» Über den so ausgezeichnete» Empfang de» Vereine». Man fühlt fich gehobener als je und gestählter, den Kampf mit den Judenfeinden aufnehmen zu können. Das Bewußtsein, den Monarchen auf stiner Seite zu haben, kam gerade zur rechten Zeit, wo der polnische Judenhaß unverschämt sein Unwesen zu treibe» beginnt. So z. B. hat der polnische LandesauSschuß alle« jüdischen Mautpächlern ohne Weitere» die Mautpacht entzogen, den Straßenschöller-Unternehmern diese ihre Unternehmungen gekündigt — um sie an polnische Emigranten zu vergeben. Wir hoffen aber, daß wir nicht lange warten werden, um die polnische Herrschaft im Lande und im Landtage radikal zu brechen, wenn nur der Verein Schomer Israel »nd mit ihm die galizischen jüdischen Gemeinden den Kampf mit Ernst und ungeschwächter Energie sorlsühren werde. Ans Kral«« wird der „R. F. Pr." geschrieben: Grflern wurde hier ein Geistlicher in Folge eine» auf ihn fallende« Verdachte» verhaftet, der geeignet ist, eine ähnlich« Slrafoerhandlung hervorzuruse», wie sie vor ung.sähr zwei Jahre» gegen den Geistlichen Brzechwa stattgefunden hat. — Das Verbreche», dessen der Letztere als schuldig erkannt wurde, war folgendes: In einem Hotel starb eine» Tages plötzlich ein durchreisender Pole, au» dessen Notizbuch seine Verwandten die Ueberzeugung schöpften, daß der Verblichen« i« Augenblicke seines Ableben» im Besitze vo» Werthpapieeen war, die viele tausend Gulden betrugen. Der Verdacht fiel auf den Hotelier T., der auch eingezogen wurde. Als bald daraus der Geistliche Brzechwa in einem hiesigen Comptoir mehrere Obligationen einwechseln wollte, die in Folg« der quästionirlen Nummern als gestohlenen erkannt wurde«, s« ward auch er in Haft genommen. Dieser hat damals zu« allgemeinen Aergeruiß hartnäckig behauptet, daß er die betreffenden Obligationen von einer Frau während der Communio» zu irgend einem wohlthäligen Zwecke unter dem Geheimnisse der Beichte erhalten hätte, das er nie und »immer, selbst vor dem Gerichte nicht, brechen dürfe. Nichtsdestoweniger wurde der Geistliche sammt sein-m Mitschuldigen zu 3 Jahren schweren Kerker» vcrurtheilt. In diesen Prozeß war auch der Eingang» erwähnte Geistliche verwickelt; es gelang ihm aber damals fich au» der Affaire zu ziehen. Nachdem verjelbe gestern vier Stück Obligationen im Nominalwerthe von 4000 Fl. zwei jüdischen Wechsler» verlaust und 3000 Fl. darauf erhallen halte, machte der Bankier Eibeaschütz di« Wahrnehmung, daß die Nummern dieser Werthpapiere amtlich qnästionirt seien. Bei dieser Gelegenheit wurde die Erinnerung an die Thalsache rege, daß jener Geistliche in dem erwähnte» Prozeß Brzechwa verwickelt war. Der Schrecken der Wechsler stieg umsomehr, als sie ihn nirgends finden konnten, u« ihm die 3000 Fl. wieder abzunehmen. Erst in später Abend» stunde fand man chn in einem Hotel, von wo er auf die Polizei geführt wurde. Don suchte er anfangs die Indent^ tät der ihm vorgezeigten Obligationen mit denen, die er 5e» ' Wechslern verkaufte, in Abrede zu stellen, mußt« aber bald - in Folge der ihm gelieferten Beweise diese Methode des LengnenS aufgeben. Hierauf wurden ihm die 3000 Fl. abverlanat; er behauptete, sie nicht mehr zu besitzen. Polüei - Commiss« Engel begab sich mit dem Geistlichen in dessen Wohnung, nahm hier eine Revision vor, hat aber den Geldbetrag nicht gefunden. Erst heute Morgens gelang e» dem Zureden »ich . dem Vorgehen de» Polizei-Commiffär» die 3000 Fl. von da» . Beschuldigten in Empfang zu nehmen. Ja wiefern dieser rr-;