Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 48.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Ctffmebfe. —n Prnz, 27. November. (Or.-Lorr.) Der 2. Derbr., all der JubiiäemStag der 25jährige» Thronbesteigung de« Kaiser«, wird auch tu den hiesigen Synagoge, durch Festgottetdienst mit Predigt fetertich begangen werden. Die osficielle Feierlichkeit, welch« von der EultuS-Repräsentanz veranftaliet wird, wird dirtmal im Tempel am Vorabende de« Acstlage« statlfindeu, und auch der Statthalter mit de, Spitzen der Behörde» wird sich sicherem Bernehmen nach an der Feier i« Tempel betheilige«. Bon Sette der Gemeinde-Repräsentanz wurde eine namhafte Summe zur Berrhellung an Arme «» diesem Tage autgesetzt. und auch die Privat-Wohlthätigkeit«- vereine «erden am Jnbiläumötag« mtt rühmlicher Freigebigkett ihre Liebröweck üben.*) Ja der Prager Gemeinde, da« dars zu chrem Lob« hervorgehoben »erden, herrscht ein sehr reger Wohlthätigkeitösinn, namentlich wird bei jeder festlichen Gelegenheit Anlaß zur vethätigung desselben genommen, doch sollte auch hier mehr praktischer Sinn vorherrsch«,». Di« jüdisch-wissenschaftlichen Borträge im Afike-Jebudavereine haben am 22. d. M. begonnen, Herr Prof. Kämpf hielt den ersten Bonrag über die Pflicht der Selbsterhaltung «ach Bibel und Talmud. Auch ist diese Woche der Jahreederlcht de« Benin« erschiene», au« welchem wir entnehmen, daß der Benin mtt 500 Gulden Subvention an der von der LuttuSgemeind« erhaltenen Talmud-Thoraschule sich bethriilgt. An dieser Schul« wirken vier Lehrer, und wird in der oberen Klaff« auch Talmud unterrichtet. Bon, Vereine wurden auch kleine« Beiträge als Stipendien für fleißige Schüler dieser Anstalt au«gesetzt. Im vergangenen Winter wurden daselbst acht Vorträge gehalten, und zwar ein Bortrag vom Dr. Stein, zwei von L. Wolf, drei von Dr. Grün, je einer von Dr. Back und Dr. Tauber. Line energischere Leitung wäre dem Vereine zu wünschen, er könnte dann segen«reicher für die jüdische Wissenschaft wirken. Die meisten jüdischen Zeitschriften liegen auch im BcreinSloeale auf. Einem längst gefühlte» Bedürfniß soll nun endlich in unserer Gemeinde Genüge gerhan werben. Die Gemeinde besitzt nämlich eine sehr reichhaltige, über 5000 Bände umfassende jüdisch« Bibliothek, die durch Schenkungen in ihr Eigeuthum überging. Darunter befindet sich auch die an seltenen Werten sehr reiche Büchersammlung de« seligen Rappaport. Dieser Schatz war bisher unter Schloß und Riegel iu Kisten verpackr in ungeordnetem Zustande. Die Gemeind« Repräsen» tanz beschloß nun, im Frühjahre die Bibliothek behuf« öffentlicher Benutzung ordne» zu lassen, und wurden di« Herren Dr. R. Grün und M. Stark mit dem Ordnen undLatalogistreu betraut. Die Arbeit ist jetzt vollendet, und werden wir hoffentlich nicht mehr lange auf die Eröffnung warten müsse«. Daß unser Gemeindevorstand dadurch '«in« sehr verdienstvolle That zum Nutzen und Frommen der jüd. Wissenschaft schafft, bedarf keiner weitern Ausführung, in unserer Zeit ist die Errichtung einer solchen Stätte für da« Studium der jüdischen Wissenschaft von besonderer Wichtigkeit, und sollt« ein solche« Institut in keiner jüdischen Gemeind« fehlen. In der KläuSsynagoge soll die Lantorstelle neu besetzt werden, und e« werden allsabathlich schon seit dem Sukkothfestr Probevorträge angehört. Wie wir vernehnlen, soll endlich zur Wahl geschritten werden. Der Prager hält sehr viel auf einen guten Lhasa«, dem zu Liebe er Alle«, auch Predigt, opfert. So sind die Besucher der Altneu-Synagoge überglücklich in der Person eine« polnischen Lhasa»«, der ,» nicht verschmäht, die Melodien einer Operette einer Kednscha auzupaffrn, ihren Borbeter gefunden zu haben. In der Borstadtgemeind« Smichow, wo an de« großen Feiertagen alle Piuttm mit Orgelbegleitung gesagt wurden, soll nun noch eia!>emischter Ehor in» Leben treten, der Lantor wünscht e«, und et» Will« geschehe. •) «ehnllche« wird <mf de» meist» ltrmütisch» «kmixfe, Oester- «ich, taUttet (**.) — IW «Hk«, «. vacewber. ffcffrjf««,«! etwa« die Ermattung der Kr^tt erkennen «nn, der Mische Geist einst in J«rael waltet«, so ist ««.her Mo», gel au neuen Gemeindebildungen. I« Orte», wo kein Jude sich blicken lass,» durfte, haben durch di« Gestattung der Frei« zügigteil zahlreich« jüdische Familien sich niedergelassen, die i» ihrer Gesammtheit oft eine stattlichere Gemeind« bilden könne»,. al« e» heule viele der ältesten in unserer Mitte find. Aber e« find dann eben in diesen neue« Ansiedelungen nur Jude^ - ein« neue jüdisch« Gemeinde giebt «» damit noch nicht. Sie * haben aus der Muttergemeiud« nicht da« lebhaft« Strebe» mttgebracht, sich aneiuauderzuschließea und zu eine« starke, - Bereine gemeinsam zu verwachsen. Und selbst wen» fl« e« zu «ine « Ansatz von Gemeindebildung glücklich gebracht habe», dann ficht e« uieist so kraftlo« und schlaff au« in ihrer Mitte, e« fehlt an jegliche, kräftiger Regung, von einer Schaffen«? «*• digtett und Thatkrafl ist kein« Spur. Sie führe» im «igeut» lichsten Sinne ei» Leben, in dem nicht« oorgeht, e« giebt kein höhere« Interesse, kein Ziel, da« di« Gemeindeglieder vereiut und aneinander schließt, sie bleiben Einzeln« nach wie vor» die sich den Name« Gemeinde beilegen, wicwohl sie nichts mit einander gemein haben. Wen« <« aber auch wahr ist, daß in den Einzelne» kein Bedülsniß nach einem echten Ge« meindelibe» vorhanden ist, so ist drnnoch in jede« Juden eine Spur davon vorhanden, und e« bedarf nur eine« stack» Willen«, eine« kräftigen Entschlüsse«, um di« auSeinderliegeude» Glieder zu einem Ganzen zu vereinigen. Dies« vemerknag«» gelten ron den meisten Gemeinden, die in Nähre» in neue» rer Zeit sich gebildet oder auch nicht gebildet habe». Ein Mtttel gäbe e«, in jeder Ansiedelung von Jude» «ine« Krr» zu gründen, um de» die Einzeln»« sich sammeln könnte«, da« ist die jüdische Schul«. Aber mit dieser fleht e« heut« selbst in den alten Gemeinden >o bitter traurig au«, daß man den Ruth verliere» möchte, von tu n neuen hierin etwa» zu hoffen oder gar Ansprüche an dieselben M stellen. Jeder Schrttt zur Ordnung, den die österreichisch« Volksschule gemacht hat, war bisher für di« jüdisch« Schule ein Schritt zum Untergang. Jetzt, wo an» den alten, schwankende» und fließenden Verhältnissen geordnete, feste und tüeibeude werde» solle», der Lehrer ein Beanuer de« Staate« wird, ist e« nur die Sorge der Geureinden, im eigenen Fleisch zu wühle», Prozesse gegen di« Lehrer auzustrengen und di« Schulen zu sperren. Gi ist auch erstaunlich, zu sehe«», in welcher Weise der Fluch aller Ucbergang-zeiten an den jüdischen Schulen Mähren« sich geltend gemacht hat, «vie erschrecklich die Leistung«» de« jüdische» Unterricht« von ihrer eheuraligen Höh« herabge» sunkei« sind. Während früher der Kuab« au« der Schul« auötrat, mtt einem tüchtige,» Schatz hebräischer Kenntnisse und di« Bekaniitschafl mtt dem größten und wichtigsten Theü» der gesa mmten Bibel in« Leben hinau»nahu>, ist da« Erlern» von heur« so dürftig, daß jüdisch« Knaben beim verlasse» der Schule kaum mit der heilige» Schrift bekannt sind, ein« Thatsache, di,! in Mahren früher zu den Unglaublichketten gehört haben würde. E» ivären noch sehr viet« Züge beizubringen, um da« Bild der Traurigkeit jüdischer Gem, indeoerhättniss« in Mähre» zu einem vollständigen zu machen. Ader e« giebt denn dcch hin und wieder ein Freudige» zu melde», m Lichtpunkt in all dem Düster, so sei denn lieber von einem solchen gesprochen. Reulitschein, ein« gewerbefleißig« Stadt im Kuhländchen Mähren«, ist berett« seit Jahren der Sitz zahlreich«» ,' jüdischer Familien. deren Zahl durch fortwährenden Zuzug in einen, demerkenSwerthen Steigen begriffen ist. Wen» a»ch . . «in« Stau« genieinsamer Andacht da« Zeichen dttdet«, da» hier Juden sich niedergelassen, so konnte man sonst »e»ig von de» Zeichen «ine» frisch aufstrebenden und sich entwickeln» den Seuieindeteben« wahrnehmeu. Für jüdischen Unterricht, war gar nicht gesorgt, wie e« um di« Kenulniß de« erstehen- - de» Geschlecht«« von dem Jndeathu« seiner Bäter bestellt sei» werde, schien nicht den Gegenstand sorgliche» Rachde»ke««. »« bilde». Ader anch hier zeigte« sich, da» es »ar aa einemU y