Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 46.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 372 — Familienverba«» auf genommen wurde, die beiden anderen zur Stütze der Hausfrau in achtbare Familien eintraten. An Stelle der Ausgeschiedenen traten drei neue Waisen ein, so daß die Zahl der Zöglinge auf 20 verblieb. Bon diesen besucht ein Mädchen die Oberklasse der Königin-Angustaschule, 16 die höhere Töchterschule des vr. Möbu», 3 find der Schule bereit» entwachsen. Ein Mädchen will im nächsten Jahre ihr Lehrerin- Examen machen, ein zweite» wird im Eonservatorium be» Professor Kullack zur Klavierlehrerin au-gebildet, ein dritte» bereitet sich zum HandarbeitLlehnrinexamen vor. Der Sesundheit»zustand war ein so vorzüglicher, daß auch nicht «in einzige» Kind erheblich erkrankte. Die Bibliothek de» Hause» zählt jetzt 1250 Bände. Der Vorstand ist ernstlich bestrebt, die Zahl der Pfleglinge auf 50 zu vermehren, dazu bedars e» aber eine» größeren Neubaue», für welchen die Mittel erst durch freiwillige Gaben aufzudringen find. — In den 30 Jahren de» Bestehen» der Anstalt wurden 69,589 Thlr. für die Erziehung und Aurbtldung der WaisenmSdchen verausgabt, ein unantastbare» Vermögen von 86,027 Thlr. erspart und außerdem noch neben den bereit» auSgezahlten Summen und außer den Sparkaffenbüchern der Zöglinge 23,304 Thlr. als EigeMhum der Waisen niedergelegt. Die Einnahmen de» letzten Jahre» betrugen incl de» Kaffendestande» von 867 Thlr. und 1700 Thlr. au» gekündigten Anleihen zusammen 10,545 Thlr., die Ausgaben dagegen, einschließlich 2073 Thlr. für angekauste Fond», 9405 Thlr., so daß ein Kaffenbestand von 1140 Thlr. daar verblieb. Der in Hypotheken und Effecten angelegte eiserne Fond beziffert sich auf 84,887 Thlr., die Summe der Spareinlagen der Zögling» auf 4393 Thlr. — Ta» Knaben-Waisenhau» beherbergt gegenwärtig 50 Zöglinge. Berlin, 14. Nov. (Or.-Eorr.) Hr. Vr. Simon Sach» hat da» ^berühmte allegorische Drama Mos. Eh. Luzzatto'S „Lajeschartm Tehilla — de» braven Manne» Lob und Prei»" « metrischer Uebersetzung herausgegeben. Gehört auch eiue Besprechung dieser Arbeit nicht in diese» Blatt, so entspricht es doch dem Zwecke desselben, ein Wort über den Verfasser zu sogen oder, um e« gleich richtig zu bezeichnen, für ihn einzulegen. Hr. vr. Simon Sach«, welcher eine Reihe von Jahren hindurch ai» Prediger in mehreren jüdischen Gemeinden suugin hat, ist längst durch Nervenleiden und Asthma genöthigt gewesen, auf praktische Amttlhäligkeit zu verzichten, und hat sich auf ein ganz andere» Gebiet geistigen Schaffen» begeben, nicht ohne Erfolg, aber — ohne Glück. Ich bitte Sie daher, nachstehenden Bericht aufzunehmen, welcher in der Rational- und der Boff. Zlg. gestanden hat: „Biele unserer Leser, und namentlich diejenigen unter ihnen, die zugleich Freunde de» Schauspiel« find, und welche die Entwickelung unserer dramatischen Literatur verfolgt haben, werden neben den Namen der am häufigsten genannten dramatischetl Dichter fc* Gegenwart auch sicher demjenigen de» vr. Simon Sach» au» Glogau ein freundliche» Gedenken bewahrt haben, der vor nicht langer Zeit unter den Pseudonym Max Werver oder Arthur untere Bühnen mit einer Airzahl kleinerer und größerer Dichtungen beschenkt hat, die nicht allein von großem draotatischen Geschick und scenischer Eewandthest, sondern ebenso von wahrhaft dichterischer Begabung zeuge», und aller Orten, wo sie zur Ausführung gelangten, sehr beifällige Ausnahme fanden. Wir wollen hier nur an da» größere Drama: „Die alte und die neue Zeit" ermnern, mit welchem der Dichter zuerst au» seiner Anonymität hervortrat und da« sehr günstige Erfolge errang, auch von der General-Intendanz der hiesigen Hosdühne zur Aufführung angenommen wurde. Bon gleichem Erfolge war auch du» dreiactige Schauspiel „Ehre verloren und wieder gewonnen" begleitet, iu welchem Simon Sach» uu» eine de« Heldenfinne» Gustav Aldolph» würdige That in lebendiger Sharakterisirung und streng auf geschichtlichem Grund ruhend, vorführt. Unter de« früheren dramatischen Arbeiten, durch welche sich der Dichter unter dem Namen- Rax Werder zuerst vortheilhaft bekannt «achte, mögen hier nur noch genannt »eiben: da» einactige Lustspiel „Einsilbig", welche» lange^jett hindurch Repertoirstück i« Wallner-Theater war. * f.». u. s.». Wenn wir heute an den Namen und die verdienstvollen Dichtungen von Max Werder oder Simon Sach» erinnern, so geschieh die» leider nicht, ohne zugleich an die traurige Wahrheit zu gemahnen, daß da» Loo» deutscher Schriftsteller und namentlich deutscher Theaterdichter, mit wenigen Au»nah«eu, noch i inner ein nicht beneidenSwerthe» ifl Auch vr. Simon Sach» gehört nicht zu diesen vom Glück begünstigten Ausnahmen. Die Früchte seiner Arbeit hat bisher nicht der Dichter genossen — immer da» alte Lied und da» alte Leid." Nähere» über letzere Andeutung ergibt dann nachstehrnden Ausruf: „Herr vr. Simon Sach», au« Glogau gebürtig, der Familie de» verstorbenen vr. Michael Sach» sehr nahe verwandt, seit 1836 in Berlin, al» Theater- und Musik-Kritiker, »te al» dramatischer Dichter durch Geist und schöpferische Befähigung au-gezetchnet, auch im Gebiet der jüdtsch-rrbbintschen Ltteratur nicht nnbekannt, ist durch mehrjährige» nervöse» Leiden zu jeder andauernden Thätigkeit unfähig ge» morde r. Bereit» an der Schwelle de» Sreiseualter», wünscht er Aufnahme in die jüdische AlterversorgungS-Anstalt. Da ihm inbeß noch einige Jahre zu der statutarischen Berechtigung - fehlen, so sprechen wir Die Hoffnung au», daß sich ein wohlhabenxr Glauben«genoffe de« hilflosen Schriftsteller» rud Gelehrten freundlich annehmen und ihm die MügiichkeU darbieten werde, schon jetzt in der genannten Anstalt ein Asyl zu finden, deffen er so dringend bedarf! Vr. I. Klette, Vr. F. Zadel, die Ehef-Redakteure der Bossschen und »er Rational-Zeiturig." (Wir haben nun nur noch hinzuzufügen, daß da» oben erwähnte neueste Merkchen im Selbstverläge erschienen »ind von dem Berfaffer (RathhauSslr. 4, Berlin) zu beziehen ist. Wir bieten auch unsre Vermittelung an. Red.) Ick Hamburg, 7. November. (Or.-Eorr.) Da» von mir viel besprochene neue Statut de» Synagogenverbande« tu der hiesigen deutsch-israelitischen Gemeinde ist Ende September d. I. dem größer» Thell der Gemeindeglieder zugesandt worden, und wird wohl demnächst in« Leben treten. lim betreff» dieser Statuten Ihre Leser zu orientiirn,. bedarl e» wohl der Erörterung, wie unsere Gemeindeverhältniffe :n culrueller Beziehung vordem beschaffen waren. In Bezug auf den Gottesdienst, und wa» dahin gehört, bestanden hier bi» zum Jahre 1868 faktisch zwei Eulluögemeindeu, die der Synagoge und die de» neuen israelitischen Tempel». Bon diesen ward die Synagoge einzig und allein ai» ofsiciell behandelt; ihre Einnahmen stoffen in die Gemeindekaffe, au» welcher ebenfalls die Ausgaben für sie besinnen wurden; ihre Beamten wurden von dem Vorsteher-College»« der Geiueinde angestellt und besoldet, und die cultuellen lkiurichtungen standen unter der Oberleftung de» Borsteher-Uollegium»; — der Teutpel hingegen erhielt nur einen jährliche» Zuschuß au« der Gemeindekaffe, verwaltete aber seine Angelegenheiten selbstständig, und die Wahl feiner Beamten war unabitängig von dem Gemeindevorstande. Außer den gottesdienstlichen Institutionen gehörten noch ferner zum Reffon der Synagoge: da« Rabbinat, die cultuellen Einrichtllngen für den Fleiich- und den Mazzol-Eon noc und!>a» vadehau«. — Al» unabhängig vom Culm» bestand die Vertretung der Gemeinde nach außen, Berwaltnng de» Gemcindevermögen» und der Legate, insofern sie nicht i:ein cultuell sind, Unterstützung der Armen, Berwaltnng der UnlerrichlSanstaite» und Sorge für die vegräbnißplätze. Da» ungleiche Berhältniß zwischm Synagoge und Tempel, und da» vermeintliche (7) Unrecht gegen Diejenigen, welche beide» fern stehen und doch dafür steuern mußten, hatte eine > Unzufriedenheit heroorgerufen, die durch eine radikale Beiänderurg beseüigt werden mußte. Zufolge der unter de« 4. ' November 1867 von unser« Senate betätigten (Gesummt-)