Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 44. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 44.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5369809-5935020-5935739--1909-5371452
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 358 — Lursu» durchgemacht und die LbgangSprüfung bestanden (davon allein in den letzten 7 Jahre«, von 1867 bi« 1873 incl. 53) und zwar 17 „lehr gut", 57 „gut" und 35 „genügend". Bon diesen Lehrern find mehrere später zu Hörern Studien übergegangen und fungiren als Docenten, Rabbiner und Prediger. Da uns trotz öffentlicher Aufforderung von den meisten näher« Nachricht nicht zugegangen ist, so können wir nur aus anderweitiger Renntniß mittyeilen, daß. soviel hier bekannt, 34 noch in der Provinz Hannover als Lehrer im Amte sind; 25 in den andern Provinzen der Monarchie und 18 in den andern LLickern des deutschen Reichs." — Der Bericht constatirt dann weiter, daß die finanzielle Lag« der Anstalt den heutigen Bedürfniffen nicht mehr entspricht, da die Besoldung der Lehrer ungenügend ist und zu öfterem Wechsel derselben führt. Da» Lehramt überhaupt bietet jetzt des Lohnes zu wenig, um Jünglinge dieser Laufbahn zuzuführen. Die Anstalt zählt jetzt nur 16 Zöglinge, und zwar meist der Unterstützug während der Lehrzeit bedürftige. Der Bericht sagt deshalb am Schluffe: „Wir dürfe» daher die dringende Bitte an alle Betheiligten richten, unserer Anstalt wiederum, wa» seit Jahren unterblieben, freundlich gedenken und ihr freiwillige Beiträge zuAenden zu wollen. Namentlich an die Synagogengemeinden der hiesigen Provinz, für welche die Anstalt zunächst bestimmt ist und in deren Mitte sie — gewiß nicht zur Unehre — wirkt, wie an die einzelnen Mitglieder derselben, ergehet die dringende Mahnung, „den Fortbestand der Anstalt durch einmalige oder fortlaufende jährliche Gaben ermöglichen und gegen die Wechselfällt der Zukunft sicher stellen zu wollen." Ein Begetiren oder gar Eingehen der Anstalt würde die heiligsten Interessen der Eynagogen-Gemeinden auf da» Schwerste schädigen und den Fortbestand der Gemeinden selbst, denen mit den Lehrer« auch die Leiter de» Gottesdienstes fehlen würden, ernstlich gefährden. Selbst wenn e» gelingen sollte, wa» noch sehr fraglich ist, di« Anstalt zur EraatSanstalt zu erheben, würde doch da» Bedürfniß für die Unterstützung der Z ö g l i n g e fortbestehe»." — Eil», 23. Sept. Tie Cölner Synagogengemeinde, welche bekanntlich mit den Deutzer Israeliten gemeinschaftlich einen im Deutzer Geblete belegenen Begräbnißplatz besitzt, hatte vor einiger Zeit an die Könige Verwaltung den Antrag gestellt, den Friedhof, der ihren jetzigen Bedürfniffen nicht mehr entspricht, um rin Terrain von sieben Morgen vergrößern zu dürfen. Nachdenr derselbe abgewicsrn worden, halten Verhandlungen mit der königl. Regierung stattgefunden, welche «inen für die Antragstellerin günstigen Erfolg hatten. Darauf hatte die Gemeindevertretung der Stadt Deutz Rekurs an den Oberpräsidenten ergriffen und in demselben heroorgehoben, daß «ine Gemeinde nicht verpflichtet werden könne, die Unaunehmlichkeüen einer andern zr trage», daß Deutz kaum so viel Israeliten als Cüln Tausende zähle, und daß bei herrschenden Epidemien die au» letzterer Stadt über die Brücke kommenden und durch Deutz gehenden Lcichenzüge für die Einwohner dieser Stadl gefährlich werden müßten. Der Oberpräsident überwies diesen Rekurs der königl. Regierung zur Entscheidung, welche zu Gunsten der Synagogengemeinde ausfiel. In seiner gestrigen Sitzung beschloß da» Stadtverordnete« «ollegium, wiederum Rekurs au den Oberpräsidenleu zu ergreifen, damit dieser selbst in der Sache entscheide, und, fall» von dieser Seite auch für Vergrößerung de» Friedhofes entschieden werde, sich an den Kultusminister und an den Minister d,S Innern zu wenden. — (Silit. Ztg.) Bayreuth. Ueber di« Sitzung der protestantischen General-Synode vom 15. Oclober wird von hier berichtet: „Ein nicht uninteressantes Thema hatte die Dyözesan-Synode Grüfenberg angeregt. Selbe hatte nämlich Antrag auf Abschaffung de» sog. Judenneujahrgeld«- gestellt, einer gesetzlich geforderten Steuer, di« die Juden dem protestantischen Pfarrer alljährlich entrichten müssen. Bei dieser Gelegenheit wurde erwähnt, daß die Juden au» alter Zeit her, aber unter voller RechlSverbindiichkeit an protestantisch« Pfarrer und Rirchei diener verschiedene Gebühren zu entrichten haben, so u. a. sogar für die Führung der EtandeSbücher. Die Synode beschloß mit allen gegen drei Stiinmen, an da« königltche Oberconsistorium da« Gesuch zu richten, e» sei ausHAdlösung aller dieser Gebühren hinzuarbeilen." Oesterreich. 8:mberg, Ende Oktober. (Or.-Eorr.) (Rach der Wahl. Scheinbar unscheinbare Wahlerfolge der Juden in Galizien.) Eh« Nlch diese Zeilen an die Redaction gelangen, werden di« Wahlr« sultate aus Galizien durch die politischen TageSblätter bekannt sein, minder bekannt aber jene Bortheile, die unsere- GlaubenSgenoffen durch chr unzweideutiges politische» Auftreten errungen haben. Di« galizische Judenschasl hat durch ihren Anschluß an die rntheilijche, verfaffungStreu« Partei der österreichischen eine namhafte Verstärkung von über 20 Abgeoidneten zugefügt. Da» Ansehen der polnischen Juden, welche« bislang kein sehr vortheUhafteS war, hat sich hierdurch bedeutend gehobelt. Wie nach oben gewannen wir auch nach unten an Einfluß. Die jüdische Solidarität, die sich so glänzend manisestine, wird bei der einen wie bei der andern Partei ein Faktor, der ebensosehr von unfern Feinden gefürchtet, wie von unsern Parteigenossen gesucht wird. Selbst das Schäumen und Rasen de» hiesigen polnischen Organ« „Gazeta narodowa", zeigt eben, daß dte polnische Partei an der vemiunddarslen Stell« getroffen wurde; hingegen haben wir ein zweites polnische» Blatt „Dzienntt polSkie", da» nutzt austeht, die Wahrheit offen einzugestehen: daß nämlich die Polen selbst an ihrer Riederlag« in Westgalizien Schuld find. Weidlich war e» zu sehen, wie rulheuisch« Domherren, di« vielleicht vor nicht gar langer Zeit keine desonberen Indenfreund: gewesen, offen in Schrift und Wort für unsere jüdischen Eandilalen einzustehen sich bemühte«. Durch da» Zusammeilg«- hen mit dem Landvolke, welche« noch immer von der Gristltchkeit beherrscht wird, haben wir den zahlreichen auf den Dörfern ansässigen Glaubensgenosse», die al» GutSpächter, Schanker, sogar al» Ackerleute ihren Erwerb finden, de» besten Dienst erwiesen. Fürderhiit wird der Landgeistlich« nicht inehr gegen den Jude» Hetze«, >° daß der int Judendorre wohnende Glaubensgenosse ruhig schlafe,t wird. Der Hetzariikel der „Gaz. narodowa"/ die Juden auS Galizien auszulreiben, und zwar auf die An, daß die polnische» Herrschaften keinen Juden zum Poffeffor, oder zu sonstigem Erwerbe aus den. Laude zulasseu, wird schwerlich jemandeit mehr beunrithigen, insbesondere da man i» Galizien die mißliche Lage »er Polen kennt; daß e» ihnen eine Existenzbedingung ist, en.en Hosjuden zu besitzen, der ihnen Geld für die Pachtungen vorausbezahlk, die Wälder ausbeutel u. s. w. Ging« r» sogar tlach dem TollhäuSler Dobrzaneti, de»i modernen Hamait, so dürste er die Austreibung der Juden auf dem flachen Lande nicht erleben, da jeder einzelne polnisch« Ezlachac auf Jahrzehnte voraus Geld beim Juden genommen hat. Möge die österreichische Regierung die Anstrengung der jüvischen oerfassungstreuen Bürger zu belohneit versieyen, indem sie au hört, die Polonisirung Galizien» zu p.otegireu. Zur Ergänzung meiiie» Berichte» will ich ei» Danlfchreiben erwähnen, da» einen Bewei» liefern dürfte, wie man in Regiei ungskreisen über di« Juden Galizien« denkt. Der Herr Ministe rialrarh, Ritter von Erb, Preßleiter im österreichische» Mulff eriunl, hat «in Dankschreiben an unser Eentralwahlcoulil« ixr Jude» in Galizien gerichtet; dort heißt e« Uiiter Anvetiil: Obschon ich aus Gründen, die näher anzuführe» h:er nicht am Platz« ist, nicht gewählt wurde, kann ich nicht umhin, dem geehrten E. W. E. für sein« Unterstützung zu danke,!. Ich leb« der Urberzeugung, daß die Israeliten Galizien« die zuverlässigste» Träger de» österreich. Berfaffung»- gedarsten» sind, und die unzweideutigen Stützen desselben. Obglech ich nicht gewählt wurde, werde ich fonfahren, di« Interesse» Ihrer Glaubensgenosse» war« zn verthvidigen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.