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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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teut d«« Hamagid, Herrn L Silbermann in Lyck (Preußen), ist per Postkarte zu beschleunigen. Erschiene in diesem Jahre auch weiter nicht«, al« eia Theil de« angekündigten Commenlar« und ein Band de« „Pachad Jizchak", so wäre der Preis von 2 Thlr. doch noch ein enorm billiger, wenn man die Gediegenheit dieser Original-Werke mir den dieSjährigeu d«S „Laeratur-VereinS" (für denselben Preis!) vergleicht. Stargardt. (Westpreußen.) Im Nordbezirk der Stadt bestand der Wahlvorstand am 28. Oct. aus folgenden Mitgliedern: deul Bürgermeister (Meister vom Stuhl der Freimaurerloge), dem katholischen Pfarrer, dem evangelischen Pastor, dem jüdischen Rabbiner (Dr. Braun), und dem Mennonilen-Aeltesten. Psalzburg. Der Rabbiner B ig art hat an den verflossenen Feiertagen mehrere Predigten in franz. Sprache gehalten, und ist dafür von der deutschen Regierung scharf getadelt worden. Man hat ihn, scharfe Ahndung augedroht, wenn er in Zukunft in einer andereil als der deutschen Sprache predigen würde. (So berichten französische Blätter — wir glauben vorläufig an der Correclheil der Erzählung zweifeln zu muffen.) Wien, 28. Oct. (Or.-Corr.) Der in den nächsten Tagen zujammentrelende „directe" Reichsrath wirb gegen fünfzehn unserer Glaubensgenossen zu Mitgliedern zählen, unter denen die meisten Iioiniues novi sind. Ei« werden wohl sämmtlich zur Verfassung-Partei gehören, wenigstens wollen wir hoffen, daß das Gerücht, welches dein Abgeordneten der Krakauer Handelskammer, Bankier Mendels bürg, vorausgeht, und daS ihn als einen Anhänger der Nationalen bezeichnet, sich nicht bestätigt. Der Schwerpunkt der Thäligkeit des küifftigen ReichSralheS wird ohne Zweifel in dem Gebiete der interconfessiönellen Gesetzgebung liegen. — Mil ziemlicher Gewißheit kanil ich Ihnen ntittheilen, daß daS Ministerium eine Borlage, die Eubventionirung der böhmischen Rabbiner aus Staatsmitteln betreffend, vor den Reichsrath bringen wird'. Die böhmischen Rabbiner in de» Landgemeinden verdienen diese Berücksichtigung, da ihnen kein LandesmaffafondS, wie in Mähren, zur Verfügung steht, und die Gemeinden durch Uebersiedelung der reicheren Mitglieder in die Städte immer kleiner werden. Mit Recht soll auch die Etaatshilse, ivelche das Loos d«S katholischen Klerus zu erleichtern beflissen ist, nun auch den Rabbinern Böhmens zugewendet werden. Pest. Dir hiesigen Blätter veröffentlichen eilten Erlaß der EulkuSministerS, di« Förderung der Rabbiner-Seminar- Angelegenheit betreffend. (Wir bringen ihn in nächster Nr. Red.) Wien. Jüngst erschien bei einem der hiesigen iSrael. Prediger ein alter, gebrochener Greis, der kauni auf den Füßen stehen konnte und bat denselben flehentlich, ihn in den Lchooß dcS Judenthuni« aujzuuehnlen. Er gab an, daß er Ignaz Fillenz heiße, in Temenau bei Lundenburg. in Mähren wohne, 87 Jahre alt, verheiralhet und Vater von 8 Kinliern sei. Er sei vor 40 Jahren durch den Druck der damaligen Verhältniffe, auf directe Veranlaffung des Pfarrers ,on Temenau, gezwungen worden, sich laufen zu lassen, daS Gewissen habe ihn während der ganzen Zeit gepeinigt, und er sei in seinem Innern stets Jude gewesen, habe sogar als Ehrist im Geheimen die Gebote und Vorschriften deS JudenihumS beobachtet, nun stehe er bereits mit einem Fuße im Grabe, und da er feiner Auflösung entgegensetze, so wolle er als Jude sterben und bitte uni Aufnahnie in den Verband d«S Judenlhums. Nachdem sich der Prediger von der Wahrheit dieser Angaben überzeugt hatte, „ahnt er die Converlirung deS Grerses vor. (Jüd. Gem.- und Schulzlg.) Prag. Der Humpoletzer Kaplan Mikulesch hat sich lonfessionSlo« erklärt, heirathet ein Judenmädchen und wird Buchhalter in einer Brauerei. Eine größere Veränderung im Lebenrlouf« eine» katholischen Priester« ist kemtn deukb-!. Prag. Die von Ihrem Eorrcspondenten Ihnen gemacht« Mittheilung über Betheiligung eines jüdische« Hauptmann« der reitender Bürgercompagnie an der Prozession ist unrichtig. Der Betreffende ist nichts weniger als Hauptmann, sonder» ein wirklicher „Gemeiner", so daß kein Mensch hier von seinem Thur oder Lassen Notiz nimmt. Er ragt nur al« „Flügelvian r" hervor. Die Prozession fand auch nicht zum Wenzelfeste, sondern znm 900jährigen Jubiläum deS Prager BiSthumS statt. Krakau, 27. Oct. Von der Handelskamuter wurde Bankier Albert Mendels bürg in den ReichSralh einstimmig gewählt. Krakau. Die jüdischen Wähler haben wieder einmal den Werth polnischer Treue schätzen gelernt. Da» unwürdige Coutöbienspiel, welche» mit ihnen von den Führern der Nationalen zerrieben wurde, wird ihnen daS Gefühl der Demüthigung und Reue über die gegen ihre Lemberger Glaubensgenosse,, geübte Untreue noch nachträglich verdoppeln. Mit welcher Emphase erklärte doch vr. Zyblikiewicz in einer Krakauer Wähleroersamnilung, daß er, uni einea, jüdischen Reichsrath-Candidaten Platz zu machen, auf ein Mandat verzichte! Und in der Thal wußten es die Herren so einzurichlen, daß bei der Probe-Abstiinmung der Israelit 0r. Warschauer einen Vorsprung vor Zybliekiwicz gewann. Bei der entscheidendet Abstimmung aber, al» die Juden nicht mehr zurück konnten, kehrten die polnischen Stimmen allesantmt wieder folgsani in die Krippe de» 0r. Zyblirtiwicz zurück, und vr. Warschauer samml seinen Glanbentgenoffe» hatte da« Nachsehen. DaS ist die k'ickvs polonie», von welcher selbst der Dziennik PolSki sich nicht entbrechen kan», zu sagent „Man muß bekennen, daß Krakau ziemlich jesuitisch verfahren ist Au« Galizien. Ueber den Terrorismus, welchen di« polnisch-resolationistische Partei in Galizien gegen Juden und Ruthen«» anwendete, gehen der „N. F. Pr." vielfache Berichte zu; w.r hebe» nur Einzelnes heraus: In Stryi, wo e« zur engeren Wahl kam, wurden nach Privat-Telegcamnie» bei dieser engeren Wahl die jüdischen Wähler mit, elft Gendarmerie vom Wahllocale entsernt gehalten. I» Brzezan erfand man folgende« Mannöver. Auf den LegiliinaiionS-Karteu waren nämlich die Namen politisch angegeben; sobald sich also ei» „Mojsicz" (Mose«) u. s. w. meldete, so f.agte man uni den Vornamen, und wurde dieser deutsch ober im jüdische» Jargon ailgegeben, so war der Wähler nicht derselbe! Drohobycz, 25. Oct. Gestern und vorgestern Nacht»- durchzoge» fanalii'irle polnische Wählermaffe» unter großem Lärm, verbunden mit Einschlagen von Fensterscheiben jüdischer Häuser uitd Schlnipfrufe gegen die Israeliten ausstoßend, die «Stabt. Wilna. Al» vor Kurzem die Stadt KraSne von einer großen FeuerSbrunft heimgejucht worden, sandte» die Jsraeliten von Revas Kowitz sofort Brod für die Abgebrannten unter dem ausdrücklichen Befehle ab, daß daffelde an alle Beschädigten, ohne Unterschied der Eonfession, vertheilt werde .. Da die meist:» Abgebrannten Christen waren, so kam auch der größte Theil de« Brobe« den Bekeilnern dieser Eonfession zu. Auch ein, Unterstützung an Geld schickten sie dahin. Von dieser Thal echter Humanitäl hörte der Statioitsoerwalter, Hr. v. Mack, in Wilna und sandte edenfall» S00 Rudel zum selbe» Zwecke mit der gleichen Bestimmung. (Hamagid.^ London. Der „literarisch« Nachlaß" de« verstorbencn Emanuel Deutsch wird demnächst hier in Druck erscheineu. Agra«. Da» Gesetz über die Emancipation der Judenwird proinulgirt.

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