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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton. Unsichtbare Kessel». - " Original-Hovell« von I. R. Lichtenborg in Rew^irk. (Fortsetzung.) Bertha wagt« aufzublicken und erschrak über den Zorn ihre« Geliebten, der sie mit sprühenden Augen maß, doch dacht« sie zugleich: „Wie schön ist er in seiner Entrüstung, doch er wirb nie, nie mein sein," und ihre Thränen flössen auf'S Neue. „Daß ich Dich voll Liebe heute umftng, da ich daS schrecklich« Geheimniß wußte, ist schon ein Verbrechen, aber auch das schwerste, dessen Du mich anklagen kannst, aber dennoch, deilnoch kann ich nie die Deine werden," flüsterte Bertha. Moritz ließ zornig di« Hände Bertha» lo» und wandelte einigemal« rasch im Zimmer aus und ab. Dann trat er etwa» ruhiger wieder vor Bertha hin und sagte diliend: „Bertha, Dn weißt e», welch« Prüfungen wir in einem Jahre bestanden, Du allein fühlst auch, wie ich Dich lieb«, Du weißt auch, daß mich Dein Verlust schon da» erste Mat beinahe wahnsinnig gemacht, diese» Mal würde e» niir da» Leben koste»», darum sei barmherzig, barmherzig gegen mich und Dich und laß un» nicht so leiden, vertraue mir Dein Geheimniß an und erwarte nicht, daß ich Dich darum vertaffen werde, und sei es noch so schrecklich, noch so uner- «arle», so lange Dich kein Fehler trifft, wirst Du, so wahr Gott lebt, niein sein und bleiben." „Montz," sagte Bertha, „e» giebl Begebenheiten, Zufälle, Geheimuiffe in» Leben des Menschen, vor deren Enthüllung sich di« Zunge sträubt, und die ein Mädchen, um den Preis ihrer Glückseligkeit selbst, nicht dem Manne, der sie liebt, verrathen kann." Moritz wurde wieder bleich und fragte rasch: „Weiß der Vater varum?" Bertha bejahte schweigend. f „So werde ich iy„ auffordern, e« mir mitzutheilen," sagt« er" entschlossen. Moritz drückt« einen Kuß auf die Stirn de» Mädchen» und sagre: „Sei getrost, ist diese Stirn rein und frei geblieben, und hat der Spiegel Deiner Seele nicht gelogen, wirst Du meii» sein." Er verschwand durch die Thür«, ohne daß Bertha gewagt hält«, ihn aufzuhalren. „Ich konnte ei »hin nicht sagen," murmelte sie, „ich ^ann meine Zunge nicht zwingen, da» Schreckliche auSzujprechen." Sie kniete wieder nieder und erhob flehend die Hände: „Gott! Allmächtiger! sprach sie, laß nur die» eine Mal noch Drin« Gnade walten, und schenke mir da» Glück, um das ich so schiver gekämpft und gelitten. Laß ihn sein Herz nicht von mir wrnten, nachdem ich ihn wiedergefünden." So betete Bertha inbrünstig unter Thränen am Abende diese» heiligen Festtages, und erwartete auf ihren Knieen, die Hände gefallel, wie eine Verbrecherin die Entscheidung ihres Schicksales. Wie lange sie so in dieser Stellung verharrt, wußte sie nicht, da flog plötzlich die Thüre aus, und Moritz trat freüdeirrahleud wieder ein. Bertha wagt« nicht aufzujehen, bis sie de» ttiaug der lieben Stimnie vernahm: „Komm an mein Herz! Du meine Theure, mein einziger Engel, tomin ruhe Dich au», von Deinen Schmerzen an meiner Mannesbrust und sei glücklich." Und mit unwiderstehlicher Gewalt fühlte sie sich in die Höhe gezogen und von Moritz fest umschlungen. Ei« wagte seinen innigen Kuß zu erwidern, und er konnte nicht satt werden, ihr wiederholt seine Liebe zu beiheuern. Bertha machte sich endlich au» seiner heftigen Umarmung los und sagte zu ihm:' Roritz, mein Theurer! Jetzt fühlst D» Dich glücklich, weil ich jung und nicht häßlich bin, wirst Du ab<w immer »m Stande 'ein, mich so zu lieben, ohne daß Dir je Reue über den heutigen Abend kommen würde, ohne daß Du den Tag verwünschest, an welchem Du ein Weib an Dein Herz gelegt, daS nach den amerikanischen Begriffen so tief, tief unter Dir fleht?" „Meine Begriffe vom Menschen hängen nicht rom Lande ab, in welchem ich wohne, Gott hat alle Menschen geschaffen und will nicit, daß ein Bruder den andern unterdi ücke. Ich liebe Dich, wie Du bist, ich liebe Deine Seele, Dein edle», große» Herz, einerlei, woher Du stammest und wer Du bist. Und sei eS vir zum Tröste gesagt, fuhr Moritz pedantisch fort. Einer, rer sich zu den Classikern zählt, hat ja behauptet, wir Juden stammen alle von Negern ad. „Wirst Du mir schwören, mein Geliebter, mich nie, nie iin Zorn, vier war auch vorfallen mag, an mein« Abkunft zu erinnern, oder mir diese zum Vorwurfe zu machet,?" fragte Bertha voll Schaan». „Möge der Tag, an dem ich so Unwürdiges mir beikommen lassen würde, mein letzter glücklicher gewesen sein. Aber kannst Du nur so etwa» von »nir vermuthen, hast Tu nicht mehr!8ertrauen zu mir?" „Verzech' niir meine Aengstlichkeit, mein« Zweifel, Geliebter, Du weißt nicht, wie unglücklich mich da» Erkennen diese» schrecklichen Geheimnisse» gemacht hat. O, jetzt verstehe ich da« herrliche Gedicht de» großen Schiller: „Das verschleierte Bild zu Sai»," erst ganz, setzte Bertha bücht schauernd. „Doch Du wirst mich ewig lieben, Moritz? ewig! schwöre e» nochmals." „Ewig l" sagte Moritz feierlich, „und nie soll ein harte» Wort über meine Lippen kommen, da» Dich kränken könnte Ich bin da« den Manen einer Unglücklichen schuldig, di« meinethalben gestorben ist — setzte er leise hinzu (Schluß folgt.) Die erste Ballgesellschaft. (Datum ti« Dialog«: Sonnabend, den 3» Dct. Parsch Roack.) Meyer. Hätte die heutige Sidra nicht vor einem halben Jahre gelesen werden Wimen? Da hätte ich mein Geld behalten. Hirsch. Wa« hat di« Sidra mit Deinem Geld zu thun? Meyer. Hast Du „Baugesellschast?" Ich brauch« nicht erst zu fragen, ich weiß. Du bist auch damit hereingefallen. Hirsch. Nun meinetwegen, aber die Sidra? Meyer. Siehst Du, hent steht geschrieben, daß die Baugesellschaften von allen die faulsten sind. Gleich die <\,U ist pleite geivorden. Wa» steht geschrieben? „Al» sie zogen von Osten, fanten sie eine Ebene in Schinear und sagten: wir wolleu eine Stadt bauen." — Weil sie gckominen sind von Osten, sind sie doch gezogen nach Westen, also haben sie „Westend" baue»: wollen. Hirsck>. Ah, Du meinst die Leute von, Thurm zu Babell Meyer. Nun wen sonst? Also siehst Du, sie haben eine Stadt bauen wollen und einen Thurm. Da» war die erste Ballgesellschaft. Hirsch. Da hast Du Recht, und die erste ist pleite geworden. Meyer. Und wie pleite! Sie haben aufhören müsien zu bauen. Hirsch. Also wenn man da» bedacht hätte, hätte man sich mit „Ballgesellschaft" nicht eingelaffen unv sein Geld behalten. Meyer. So ist et. Aber vor einem halben Jahre hät- , t«n wir das bedenken müffe». Ja, ja; es geht doch nichts über unsere heilige Thaur«.

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