Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Et«e bald nach dem Lode de» Kirchrnrath vr. v. Maier izngerrgte „Sttftuug zum Andenkenan ihn, deren Zinsen eux jährlichen Prämiirung der besten Schüler der Rellgion»- schäfle Stuttgart verwendet werden sollten, ist wegen zu geringer vetheilignng nicht zu Stand« gekommen <!); nicht einmal 30V fl. sollen gezeichnet worden sein! Die arg herabgekommene Religionsschule muh sich trösten: n^JCTI PTTi “in* Dlpöö O’Trr1? Tior- Wir wollen da« Veste von der «Lchstcn Zukunft hoffen! Oesterreich. Raab, Ende Oktober. (Or.-Corr.) Die hiesigen Gemcindeoerhältniffe bilden höchsten« in den inländischen Blättern zuweilen den Gegenstand der Besprechung, nach dem Auslände dringt selten eine Kunde der Dinge, die sich im Kreise einer jüd. Bevölkerung von nahezu 3000 Seelen zulragen. Und solch« Nachrichten könnten doch de« Lehrreichen so viel barbieten, wenn auch nicht gerade, indem sie den Begriff einer Mustergeuleinde vervollständigen helfen, so doch durch di« ernste, eindringliche Warnung vor ähnlichen Mißgriffen, wie sie ini ganzen Lande leider nur zu oft begangen worden und. All di« traurigen Zustände aber, die unglückselige Verwirrung der Anschauungen, die angeblich im Dienste der Religion bi« zum Wahnsinn gesteigerte Verfolgung«- und Verketzerungssucht, und der beklagenswerlhe, dumpfe Glrichmuth sind in einer größern und gerade in der hiesigen Gemeinde, welche seit länger denn dreizehn Jahre ohne geistlichen Führer sich allein überlassen ist, zum Mindesten leicht begreiflich. Wa« ab-r kann al« ErklärungSgrund dienen für eine Erscheinung, die dem Schreiber dieser Zeile» in dem südlichen Theil: Ungarns begegnet ist, wo eia kleiner Ort an den Ufern der Donau, I t l o k mit Namen, kaum 60 israelitische Familien zählt und dennoch zwei Gemeinden beherbergt, die erbgesesiene alte Vereinigung unter einem Rabbiner aus der ulten Schule und eine separatistische Gemeinde, die aus etwa 20 (!) Mitgliedern besteht. Da wäre denn doch für derlei Slörefried-Anwandlungen in Raab mehr Spielraum und vielleicht auch mehr Anhalt geboten. In größern Städten gibt eS immer Mehrere, w.lch« das Bestreben haben, ihre eigenen Wege zu gehen, und ist nuil überdies ein durchgcf allener Vorstands- oder sonstiger Ehrenamtskandidat vorhanden, so ist im Handumdrehen ein religiöses Bedenken herauSgetüstelt und die Sache res „orthodoxen- JudenthumS in voller Blüthe. Auf diese Weise ist es hier vor zwei Jahren den Bemühungen mehrerer ehrsüchtigen Leute gelungen, eine Schomre-hadalh-Gemeinde zu bilden, welche allerdings kaum niehr als 50 Mitglieder zählt, aber an Riihrigkeit und Opfermuth ihre Gegner weit übcrtrifft. Binnen Kurzem war ein dem Bebürfniffe angenleffenes Bethau« errichtet, das mit der Bimah in der Mitte jeden Skrupel ängstlicher Seelen beseitigen soll, und seil einem Jahre ist ein Rabbiner fortwährend bemüht, die sogen. „Orthodoxie" als alleinseligmachendes Judenlhum zu proclamiren, jede andere Richtung dagegen mit dem strengsten Anathem zu belegen. E« muß diesem Herrn denn auch zu großer Befriedigung gereichen, sein Beispiel der Unduibsamkeil von den Schafen seiner Heerde nachgeahmt, ja selbst übertroffen zu s.hen, so daß die von verschiedenen Seiten angebahnten Versuch« zu einer gütlichen Vereinigung scheitern müssen, natürlich zum Vortheile des sonst in seiner Stellung gefährdeten Rabbiner«. Ein Vorfall aus der jüngsten Zeit macht viel von sich reden und ist auch wirklich bezeichnend genug, nm dar Gebahren der ungarischen Religionshelden in dein gehörigen Licht«: erscheinen zu lassen. Am Montag der vorigen Woche wurde in deren Belhause einem Kohen der Zutritt zu der Lhora beim Verlesen verwehrt, weil derselbe :vähread der letzten Feiertage „drüben" das heißt in dem Tempel der Multergemeinde den Priestersegen verrichtet hatte. Er lvar mit Namen aufgerufen worden und eben auf die Bimah getreten, al« ein Vorsteher e« wagte, il,n aus solche Weis« öffentlich zu beschämen und durch unerhörte Frechheit zum Verlassen de« Almemor zu zwinge». Und der Rabbiner, der fo sehr auf seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit pocht? Der schwieg und blieb während de« ganzen Vorganges ruhig, obgleich ihm doch bekannt sein mußte, daß ein Aronidr unter allen Umständen selbst zum Priestersegen zugelassen werden muß, e« sei denn, er habe einen Mord begangen, — obgleich der angeblich so hoch gehaltene Schulchan aruch die Würde der Kohanim auf so mannigfache Weise zu hüten bemüht ist. (S. besonder« Ocach Ehajim 135.) Er schwieg, weil er sich nicht getraute, den gestrengen Vorsteher, einen Emporkömmling, der seine Rohheit und Nnwiffenheil durch Frömmelei zu verdecken sucht, der groben Ignoranz zu zeihen, weil er e« für rath frm hält, die Wirkungen seiner eigenen Unduldsanikeit nicht voreilig zu unterdrücken. Vielleicht erkennt er selber, was jeder Unbefangene rinsieht, daß siüche Gewaltsamkeiten den Bestand eine« Gemeinwesens am ehesten untergraben, und daß, wie daS taimudische Sprichwort sagt, in einem leeren Gesäße auch die kleinste Münze Geräusch verursacht. Gerade derartige Vorfälle fördern die gute Sache der Einigkeit und der Frieden«, weil sie zeigen, wie weit die Parteisuchl und blinde Versolgungswuth von der wahren Religion und Sittlichkeit entfernt sind. Portugal. Lissabim. ES ist interessant, den Einfluß zu bemerken, welchen der Versöhnungstag auf die Gemüther von Personen auSübt, die für sich und seit mehreren vergangenen Generationen fast jet« Bekanntschaft mit der israelitischen Religion verloren haben. In den entfernten Provinzen Portugals leben noch Nachkommen derjenigen Juden, welche zu Ente des fünfzehnten Jahrhunderts zur Auswanderung oder zur Taufe gezwungen wurden. Seit jener Zeit und bis heute nennt man sie Neuchristeu, und manche beobachten noch eine Art von jüdischen Oiebräuchen. In der Regel sehen sie «Ke auf den von ihnen sogenannten „großen Tag" und erkundigen sich bet dessen Herunnahen nach demselben bei einem de, zuerst in Lissabon cngesiedelten Juden. Dieser Herr benachrichtigt un«, daß seit fast SO Jahren, solange er nämlich in Lissabon wohnt, alljährlich diese Anfragen an ihn ergangen sind. Andere von diesen heimlichen Juden kommen besonders nach Lissabon, um in der Synagoge am Jom Kippur einige Stunden zu verweilen; ist verhalten sich ehrerbietig, wie es sich in einem Tempel gczicmt, verstehen aber offenbar von dem iSottesdienste nichts. _ ie zeigen auch selten Lust, mehr zu erfahren, sie zeigen nur eine große Ehrfurcht vor dem großen Tuge. (I. 'World.) Frankreich. PertS. Der Herr Grandrabbin Zadok Kahn veröffentlicht ein sehr zweckmäßiges Reglement in Betreff der Barmizwe-Knaben. Dieselben haben sich vor dem betr. Sabbath einer Prüfung zu unterziehen und zwar 1) iin hebräischen Lesen, 2) im Uebersctzen ausgewählter Stücke des Pentateuch (besondere der laufenden Sidra) und der Hauptgebete. 3) in der Geschichte des jüdischen Volke» bis zur Zerstörung des zw.i ten Tempel» und über die Hauptpunkte der jüdischen Religion. Die eiligen Knaben, die ungenügendes Wissen in den genannten Fächern bekunden, können mit ihrer Barmizwa- Feicr aui 3—6 Monate zurückgestelll werden. (Zur Thora, aufgerufen müssen sie doch aber zur Zeit werden! Red.) Vermischte und neueste Nachrichten. -yk!. Mit dem Druck des unter den diesjährigen Echriften des Metize-Nirdamim-BereinS befindlichen Eommenmr« zum Tamiud Jerufchalmi vom Direktor vr. Frankel ist bereit« begonnen; alle dem entgegeuftehende» Nachrichten find falsch. Abonnement« auf die m diesem Jahre erscheinenden Schrift«a de« gen. Verein« werden noch angenommen; die Einsendung de« BrttageS — nur 2 Thlr. — an den Rrdac-