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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 43. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 43.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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txl Prof,ff«» Frohschammer in München. Dieser sagt in seinem «eneften gegen Straub' „der alte und der neue Glaube" gerichteten Werke „da» neue Wissen und der neue Glauben", nachdem er (im 3. Adjchn.) von Propheten und Religionsstiftern gesprochen. Folgendes: „Da es nun aber nicht in unserer Lischt stcht, einen religiösen Genius oder Propheten in der Gegenwart austreten zu lassen, auch die Verhältnisse moderner Orthodoxie einer- und Bildung andererseits für ein« eigentliche Religionsstiftung nicht im Mindesten günstig erscheinen, so erübiigt der Verkommenheit und Unhaltbarkeit des modernen kirchlichen ReligionSwesens gegenüber nichts andres, als die Quelle veS Christenthums selbst wieder auszusuchen" und diese Quelle ist nach ihm nichts anderes, als die Grundlehre deS jüdischen Gesetzes: „DaS Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, das doch von Christus selbst als Erfüllung des 0üd.) Gesetzes und als das Wesentliche seiner Lehre bezeichnet wird, bleibt das religiöse Ideal der Menschheit." Wir geben diese beiden Aeußerungen oder richtiger Geständnisse ohne jeglichen Commenlar. Wolseubuttel, 21. Oct. (Or.-C.) Heute, am 100jährigen Geburtstage des ehemaligen Leiters der Eamson'schen Freischule, E. M. Ehren berg, fand in dieser Anstalt un engen Kreise der Schüler, Lehrer und Verwandten des längst Heimgegangenen eine Erinnerungsfeier statt. Ein zu Ehren deS Tages gedichteter Fcstgesang eröffnele die Feier, ihm folgte die Feilrede des Direktors vr. Rosenstock, welche sich über das Thema „E. und seine Zeü" verbreitete und nachwies, daß der Verdienst des Jnspectors um so höher anzuschlagen sei, alS seine Bestrebung zur jüdischeit Volksbildung von den danialigen Zeitverhältnissen nicht genügend unterstützt wurde. Bei dem darauf folgenden Festmahle herrschte die fröhlichste Stimmung, und am Nachmittage bekränzten die Lehrer und Schüler der Anstalt das Grab des verdienstvollen Mannes. S. R. Ehrenderg, welcher pädagogische Begabung mit tief gelehrtem Wissen »und echt humaner Gesinnung verband, führte zu Anfang dieses Jahrhunderttrotz schwerer Hindernisse und Kämpfe neben dem Lerne» die Erziehung in den Schulen ein. Er wußte in hohem Grade die Eigenschaft deS Lehrer» mir der de« Vaters zu verbinden, so daß die Kinder neben der Lehr« das Vaterhaus wieverfande». Vierzig Jahre der segendringenden Thätigkeit, gehanbhabt im Geiste Pestalozzi'«, lassen das Andenken des verewigten Jnspectors Ehrenberg ein nimmer erlöschendesein. Schon ist sein im Sinne des Vaters fortwirkender Sohn, vr. PH. Ehrenberg, fest 2 Jahren aus dem Amte geschieden, dem er freudig seine Kraft und sein Wissen gewidmet, aber da- Andenken an Vaier und Sohn wirb in vielen dankbaren Herzen unauslöschlich bleiben. Unter dem gegenwärtigen Director, vr. Rosenstock, hat, den Zrirforderungen gemäß, die Samsonschule im Sinne der Stifter und der vorerwähnten würdigen Dirigenten, noch immer mehr an innerer Bedeutung und äußerer Entwicklung gewonnen; die Zahl der Schüler hat, dem entsprechend, von Jahr zu Jahr zugenonlmen. Die Fächer des Wissen« haben den Umsang einer Realschule, bis in die höhere Ordnung hinein, erreicht, so daß neben den Freischülern das Institut immer mehr von Pensionären von nah und fern besucht wird; bei solcher Progejsion steht es in nicht ferner Zeit zn gewärtigen, baß die Berechtigung zur Prüfung für den einjährigen Dienst, wie einer ählichen Anstalt, der Jakobsonschule zu Seesen, auch der Samsonschule zu Wolsendüttel werde verliehen werden können. (Die Frequenz der Samsonschule ist seit zwei Jahren um das Doppelte gestiegen, und sie genießt durch ihr« Leistung bereüs ein so hohe« Vertrauen, daß ihr Pensionäre aus allen Gegenden Deutschlands zugeführt werden. Das umfassende Wissen der zu Ostern aus der ersten Klaffe emlafleneu Zöglinge läßt eine Seitens des Staates zu ertheilrnte Berechtigung zur Qualification zum einjährigem Dienste in Kurzem erwarten und so empfiehlt sich diese Anstalt ganz besonders der weitesten Beachtung jüdischer Kreise.) . 9trtaim (ostpreuß.) Der Vorstand der Synagogen» Gemeinde Hut einen Aufruf zur Einsendung von milden Spenden für ein hochbetagte» Ehepaar versendet. Wir theile» den thatsächlicher Inhalt hier mit: „Den 16. November d. I. werden die Handelsmann Abraham und Henriette geb. Victor Lehmann Eliasschen Ehe- . leute in Gcidauen ihre goldene Hochzeit feiern, sie find 79 Jahre alt, ta sie 1794 geboren und den 16. November 1823 in hiesiger Stadt von dem mosaischen ReligionSlebrer Joachim Moses getraut sind, wie die» die hier geführten Geburt»- und Trau-Registir beweisen. Mit N>th und Armuth haben sie schon seit vielen Jahren zu kämpfen, da sie arbeitsunfähig sind, besonder» ist die Frau schon seit drei Jahren bettlägerig und auch vorher schon immer kränklich gewesen, daher sie schon seit langer Zeit von der Gemeinde Armen-Unterstützung empfange« haben, welch: aber selbstverständlich nicht reicht, auch nur die nothwendigst.'n Lebensbedürfnisse zu befriedigen." Gaben sind an die Adresse deS genannten Vorstande» zu senden. Die Bitte bedarf an sich gewiß keiner weiteren Befürwortung. Wäre es aber nicht besser, in solchen Fällen nur die Gemeinden der Umgegend oder der Provinz anzurusen? Die Nachbarn fühlen sich eher verpflichtet etwa» zu thnn, wenn man sich nur an sie wendet, und di« Entfernten sigen sich, daß «S doch llicht nöthiq fei, um einer gar nicht erbeblichen Summe willen, die Mildthätigkeil aller deutschen Juden anzurufe», und so wird ein Zuviel leicht nachtheilig. X Aui> Württemberg, 30. Oktober. (Or.-Corr.) > Wie Jedermann seil längerer Zeit mit Bestimmtheit vermuthete, ist nun endlich Herr vr. Wassermann zum „theol. Mitglied« der isr. Obeckirchenbehörd« und zugl. Rabbiner in Stuttgart" ernannt. Jit den ersten Novembertagen wird derselbe sei« neues Aint cmtreten, nachdem gestern in seinem bisherige» Wohnsitze eir AbschiedSessen gezeigt hat, wie sehr Herr vr. W. nicht nu> bei den Gemeinden seines Bezirks, sonder» auch bei der gesarrmten Bea»itenwelt nnd de» sonstigen „Honoratioren" von Tübingen bi» Roltweil in Ehren und Achtung steht. Besonoers die Gemeinden bedauern den Verlust dieses ManneS, der nun 36 Jahre in seinem bisherigen Bezirke wirkte, auf'S Lebhafteste. In Stuttgart rüstet man sich, wie ich au» zuter Quelle höre, zu einem würdigen Empfange des neuen Rabbiners, dem man mit vielen, vielen Hoffnungen, aber auch mit viel Vertrauen entgegensieht. I» der Thal erwart, t den Herrn eine nicht geringe Ausgabe, den» es soll gar Manche» faul sein im Staate — Württemberg und Stuttgart. Später vielleicht mehr davon. Auch Herr» vr. W. ist der Titel „Kirchenrath" (auf der 7. Rangstufe) verlieben worden. — Was Ihr Herr Corr. au» Böhmen in Nr. 42 schreibt, ' ist prinzipiell gewiß richtig — doch leben wir in Württemberg nach unfern Gesetzen. Man konnte zum theol. Mitgliev der Ob:r-Kirchendehörde nur einen Mann brauchen, der mit den jüdisch-kirchl. Gesetzen in W. und chrer Entwickelung genau vertraut ist; ein AuSländera der wäre auf diesem Gebiete längere Zeit völlig leistungsunfähig geblieben. Die Gemeinden sind bei unS in der Wahl ihrer CultuSdeamte» freilich „beschrärckt," insofern sie überhaupt nicht zu wähle« habe»; die O -K.-Behörde stellt einfach an, ohne Mitwirke» der Gemeinte. Ausländer sind übrigens „gesetzlich" nicht ' , ausgeschlossen, und thatsächlich find' ja gegenwärtig 6 von " ’ unfern 11 Rabbinalen mit Richtwürttembergcrn besetzt. — Die Petition unserer sog. Orthodoxen au» dem Jaxktrelfe, welche verlargte, daß die Stelle detheolog. Mitglied» der O.-K.-Behörde und de» RabbinatS in Stuttgart künftig nicht * vereinigt bleiben sollten, scheint einfach ad acta gelegt zu sein. Der Wunsch ist sehr natürlich und auch von dem zu > billigen, der nicht gerade auf orthodoxem Boden fteh«; in den höhere» Regionen findet er übrigen» durchaus keinr"^ Gnade und wird« schließlich am Kofteapuntt scheitern müsse». -7- _,?j

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