Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 43.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Stamnbmrn beftefcenb*« ganz obscuren ®m«inb«H abgesehen, .«ohl feine einzig« im Sinne der Herren Lehmann »md Hildesheimer orthodoxe Gemeind« existirt. Wir wollen hier «nr einige gelegentliche, beiläufige Bemerkungen machen, und habe« et auch nur mit den verderblichen, die Religio» geradezu zerstärenden Folgen der freien Concurrenz zwischen dem in einer Stadt bestehenden Synagogen, resp deren Cullusbeamten zu thun, die in Nordamerika immer schroffer zu Tage tritt. Kommen wir also auf den erwähnten Artikel de» „Israelit." E« wird dort von der Einweihung der neuen Synagoge der Adaß JiSroel (Rabbiner De. Hildesheimer) erzählt und »der die Schwierigkeiten berichtet, mit denen jene ßlemeinde zu kämpfen hat. Dieselbe habe «S weniger mit de» Neologe» zu thun, „als mit den indifferenten sogeil. frommen Juden Berlin»." Die» wird so auSgeführt: „So lange mcn Adaß (siol), Heidereuter Synagoge, Schochare Hatov und mehrere Synagogen, resp. deren Gemeinden und Vereine, für die sie ja der Ausdruck und Repräsentant sind, in eine Kategorie stellt, blo» weil diese, ähnlich der Adaß-JiSroel-Synagoge, kein« Orgel, die Gebete gar nicht, oder doch nur wenig reducirt haben, weil so ziemlich der alte Ritu» beibehalten worden; so lange man noch mit Interesse den geistreichen Gesetze«erklärungen eine» Hildesheimer zuhört und dann mit gleich großem Interesse an den phraseureichen, aber gehaltlosen Reden eine» Rajchär sich erbaut und mit Aufmerksamkeit den gegen da» GolteSgesetz ankämpfenden Predigten eine» Geiger und Aub folgt, so lange wird auch eine Abaß JiSroel hier picht gedeihen. Und daß oft sehr engherzige, egoistische Beweggründe mit im Spiele sind, die ein feste» Aneinanderfchlleßen störe», ist eine traurige Wahrnehmung. Der Eine möchte e» gerade so gehalten wissen, wie er e» von Jugend an auf irgeiid einem unbedeutenden Dörfchen gewohnt gewesen. Der Andere war Lehrer, Eanlor oder gar Prediger ia einer kleinen Provinzialstadt, und möchte hier auch eine Roll« spielen, möchte auch hier in der Residenz seine Talente und Fähigkeiten glänzen lassen und verwenhcn, möchte nicht uufgeden die Süßigkeit seiner Stimme und seiner Rede gewaltigen Zauber, die da der Hörer Herz erfreut und begeistert. Dethalb wird ein besondere» Betlocal eingerichtet, wenn e» noch so bescheiden und klein sei,« mag, so daß e» kaum die erforderliche Minjanzahl fassen kann. Andere wiederum, die zwar „fromm" sind, wollen sich deshalb der Adaß nicht anschließen, weil diese doch gar zu engherzig und rigoros, gar „zu fromm" sein will und auf ihre Fahne stricte» Festhalte .» am p" p geschrieben. „Da» geht nun einmal in Berlin nicht!" Wieder Ander» finden, daß die Ataß nicht „fromm genug" ist u. s. w. u. s. w. Daher rührt die auffallend« Ericheinung, daß vor lauter „Frommen" hier eine wirklich fromme Gemeinde nicht recht gedeihen will." So weit der „J»raelit." Zunächst wird hier also bestätigt, wa» wir schon so oft behauptet haben, daß bei vollend» erleichterter und geförderter Separation nicht etwa zwei Gemeinden, eine orthodoxe und eine reformiere, in Großstädten entstehen werden, sondern viele. Denn wa» hier geschildert ist, da» beruht auf realen Verhältnissen und wird in deu nächsten Jahrzehnten nicht ander», nicht besser, sondern «her schlimmer werde». Wa» sollte denn auch ander» werden, wie sich bessern? Er giebt Leute, die Hildeshei ner und Rafchär mit gleich großem Interesse hören. Wir wo len die» noch berichtigend verstärken: die Raschär lieber hören, al» Hildesheimer. Für unsere Person machen wir zwischen den Reden, den Personen und Charaktere» dieser beiden Herren einen sehr großen Unterschied; aber was liegt hier an unserer Person oder an der de» Berichterstatter» im „Israelit"? Das Sachverhältniß ist richtig; e» giebt Leute, viele Leute, die an „phraseureichen, gehaltlosen," dabei aber glänzend vorgetragenen Reden mehr Gefallen finden, al» au „geistreichen GesetzeSeiklärungen," die sie nun einmal weder versuchen, noch goutiren. Wa« ist dagegen zu mache,?! E» giebt Leut«, die an den Traditionen der Jugend, an deu Bräuchen ihrer Heimath, ihre» „Dörfchen»" hängen, da» will der „J»raeiii" tadeln?? E» giebt Leute, denen die Ldaß zu rigoro», andern, denen sie nicht fromm genug ist — ja, so gebe un» der „Jtraelit" da« Rezept, mit dem man „Alle unter einen ßut dringt", so „wollen wir ihm sein« Kleider in» vadehau» tragen" E» sind in Berlin viele ehemalige Lehrer, Canwren, Prediger, welche noch ferner predigen oder vorbete» wollen. Wenn sie ein Publikum fiuden, denen sie genügen oder gar gefallen — wer will e» denn ihnen, wer dem betreffenden Publikum wehren oder auch nur oerargei»?! Uno ist diese» betreffende Publikum, ist da» für seinen Gotterdienst eingerichtete Betlocal klein — wie kommt t«r „I » raelit" dazu, darüber wegwerfend zu reden?? Ist ihm doch sonst überall die Minorität die Elite! Endlich giebt e» in Berlin noch andere — wir setzen berichtigend hinzu: noch viele — „Ntbeiisynagogen", in denen der überlieferte Rktu» unverändert beibehalten ist; wer diesen und nur diesen sucht, ist md>i in großer Verlegenheit. Aber da» Alle» ist nicht die Maß". Also e» giebt nur eine Adaß, und nur Einer ist, wenigsten» in Berlin, der Wahre. Nicht eher kann e» besser werden, bi» Alle, die nicht zur „Reform" gehören, zur Adaß und zu ihrem Rabbiner schwören. Alle anderen, Synagogen nie Rabbiner, mögen sie auch noch so orthodox sein, müssen beseitigt werden; wären sie auch noch orthodoxer al» die beregten, >tnd e» giebt solche, sie sind nicht die „wahren". Da» wäre also der langen Rede, au» der wir ja etwa die Hälfte weggelaffen haben, kurzer Sinn. Man sucht, der Correspondent de» „Israelit" ahnt und sieht die Gefahr der „Concurrenz", jener Au»- und Mißgeburt amerikanischer Verhältnisse — er möchte sie beseitigen, kurzer Hand, indem man die Concurrenten insoweit tc-dt macht, daß nur noch Zwei auf dem Platze.bleiben, die dar.n einander nicht mein genureu. Geiger — aber warum gerade Geiger? jevseit» Geiger giebt e» auch noch Leute — oder Hildesheimer (— ebenso —) nur keinen Dritten oder gar Vierten u. s. w. Allerding«, „dann ginge c»." Aber, man verzeihe die Trivialität, da» geht eben nicht! Wie beim? In Gemeinden von 20,000 und mehr Seelen wird e« viele Synagogen, Prediger u. s. w. geben müssen, die Letzteren werden in regen. Wetteifer wirken, das ist uiterläßlich und förderlich. Auö> vor Jahrhunderten hat in Großgemeindeu der Eine diesen, der Andere jenen Oliooan, Maggid u. w. vorgezogen; so lange die Gemeinde sich Gill» fühlt, ist da» ebenso unabänderlich, wie unschädlich. Aber von einer Alleinseligmacherei hat man dither im Juventhum iticht» gewußt, und so furchtbar verderblich auch die amerikanische Concurrenz ist, der Alleinseligmacherei würden wir, auch s i« noch vorzieyen! tGanz ebenso freuen wir un» der in Berlin neu erstaudenen Rabbinerfchule, wünschen, wie schon oft gesagt, daß zu de» drei noch recht viele kommen und frequeirlirt werden möge»; aber al» alleinseligmachend möge sich keine geriren, dann wird auch diese Concureenz nur nützen.) Mägdeinrg, 28. Oct. (Or.-Corr.) Heute, am Tage der Wahlen, kommt mir ein Artikel „die kirchlichen Wahlen" in Nr. der Kreuzzeirung zu Händen, in welchem die Worte fett gedruckt zu lesen sind: „die Duldiamkeit und Verträglichkeit, die ihr — die «. Z. redet ihr- Gegner au — fordert, ist Herabdrückung de» Christenthum» aus die Stufe de» Juventhum». Für solchen Fried..» können wir nicht eimrelen." Wir danken der „K. Z." für da» Coirpliment, da» sie gegen ihren Willen in vielen Sätzen dem Judenthum macht, für das ihr entschlüpfte Gcständniß, das. da» Juventhum — im Gegensatz zum Christenthum — die Duldsamkeit und Verträglichkeit sei. Da» echte Christenlhum würde sich erniedrigen, wenn e» diese Tugenden zn diu seinigen machte, seine Parole bleibt: Unduldsamkeit, Unverträglichkeit, meint — di« «reuzzeitunK. Im Gegensatz zu dieser an Klarheit nicht» zu wünschen lassenden Aeußeruug der „K.-Z." führen wir eiu anderes Geständniß eine» bedeutenden christlichen Gelehrten hier an.