Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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V. niTT» mS< rinn mpn — (Di« natürlich dem «ürt. Staarßgesetz« entnommene Beschränkung stimmt auch nicht meht zu den neuen, nur Reich »bürger ftnnenben, Reichsgesetzen. Red.) -k«Gla«d. (Jüdische Eolonien im Kaukasus.) Gegen Ende des rorige» Jahrhundertermuthigte die russische Regierung die Einwanderung in di« weüen schlecht bevölkerten Gegenden Neurußland», indem sie den Colonisten günstige Bedingungen stellte. Israeliten t «nutzten diese Privilegim und gründeten ganze Dörfer, welche nur von Juden, etwa 900 Familien, bewohnt waren. (Sie führten hebräische „Flamen Reweh Schalom" u. dgl. wie längst bekannt. Red. d. I. W.) Mil der Zeit dehnten sich die jüdischen Eolonien aus, und 16 neue Dörfer wurden bevölkert. Tie Ländereien, welche Sie vom Staate gratis erhalten hatten, betrugen 236,462 Joch. Aber durch kaiserl. Utas wurden die Juden vollständig isolirt und hatte» keine B eziehungen zu ihren Mitbürgern. Ein Decret von 1847 schafft» dies Gesetz ab, und die Anwesenheit deutscher Einwanderer verbesierte die Lage unsrer Glaubensgenossen sehr, indem sie von Liebe ihnen zur Arbeit und die Ausdauer, die den Deutschen eigen ist, lernten. Mt diesen Resultaten zufrieden, denkt die russische Regierung nun daran, die unbewohnten Gegenden des Kaukasus durch persische Juden zu bevölkern, und wie gerüchtweise verlau et, sollen bereit» Maaßregeln ergriffen sein, um jedem Israeliten aus dem persischen Reiche die Einwanderung in jene Gegenden zu erlcühtern. Ta die neuen Einwanderer bereits Glaubensgenosien, mit denen sie verkehren können, vorfinven, so würde ihnen diesnr Umstand großen Vorschub leisten. (Ung. Ll.) Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin. An der Börse kursirte heute ein Schriftstück, das bei Weitem höher in KnrS stand als Quistorp, Lauci und etliche andere Papiere. Dasselbe rührt von dem Correspondenten einer hiesigen angesehenen Bank her und war durch seinen komischen Inhalt allerdings sehr geeignet, die düstere Stimmung unserer Jobber für einen Augenblick aufzuheitern. Der junge Correspondeut und Börsianer hatte bei einer anständigen Familie ei» Ziuuner gemiethet, erfuhr aber, noch bevor er dasselbe gezogen, zu seinen« nicht geringen Schrecken, daß diese Familie mosaischen Glaubens sei. Daraushin schrieb er an das weibliche Familienoberhaupt de» an der Börse kursirenden Brief, dessen Eingang wir hier ohne Kommentar rcproduziren wolle»: „Geehrte Frau! Nachdem ich nicht mehr zweifele, daß Sie niosaischer Religion sind, kann ich mir nicht verhehlen, wie die Verschiedenheit unserer gegenseitigen Gebräuche und Anschauungen kauni zu eineni angenehmen Verhältniß zwischen Ihrer Familie und meiner Person als Christ führen dürste und sehe ich mich daher veranlaßt, Sie höflichst zu ersuchen, mich von der getroffenen Vereinbarung gefälligst entbinden zu wollen." Schließlich proponirl dieser Mann oes 19. Jahrhunderts der Frau eine zugemeffene Entschädigung. Die Frau konnte in der That nichts Richtigeres lhnn,. a!S diesen Brief an der Börse kursireu zu lassen. (V. Z.) Hannover, im Oct. 1873. Am 7. Rov. d. I. sind es fünfundzwanzig Jahre, daß die hiesige Bildungsanstalt für jüdische Lehrer inS Leben getreten ist. Es war gewünscht' und beabsichtigt, an diesem Tage eine entsprechende, officiclle Fe-cr zu veranstalten. AuS dringenden Gründen hat indeß davon Abstand genommen werden müssen; wobei jedoch selbstverständlich auüermeitige Beweise der Theilnahme für die segensreich wirkende' Anstalt und ihre Lehrer nicht auSaeschlossen sind. — 8e»t<rg. Der vom isr. Ccntral-Wahlcomite aufgestellte Eandrdat Ma nsch ist bei der Wahl gegen Sniolka unterlegen. — In Jaroslau siegte ebenfalls der pol», Haydtdak gegen den verfcflunqstreutn D;:.' M. Landsberger. — Hu mysl erhielt Rabbiner Dt. Löwen stein 496, der pol». Gegencanditat 910 Stimmen. Die Juden und Ruthen«» habe» Protest «»gelegt, weil die Wahl de« Letzteren durch illegale Mittel bewirkt worden. Broich. Hier wurde Dr. Joachim Landau zum Abgeordneten gewählt, in Kolonie« der Advocat vr. Hönigsmann in Wien. (Aus Tornow, StaniSlau und Tarnopel fehlten beim Schluß dieser Rr. noch die Wahlergebnisse.) Saalburg. Am 13. September fand di« feierliche Einweihung unsrer nenen Synagoge statt. Hr. Rabbiner Bigard aus Pfalz ourg (derselbe, der während der Belagerung auf drm Friedhöfe von einer Kugel getroffen und getvdtet worden sirn sollt«: — Red.d.J. W.) hielt eine sehr beredte Predigt. Er erinnerte daran, daß die Gemeinde Saarburg vor vierzig Jahren nur zehn Familien zählte, jetzt deren fast hundert hat und nun einen prächtigen Tempel besitze. Aber was unser ehrwürdiger Geistlicher nicht gesagt hat, das ist, daß wir dieses schön« Resnltat ihm, seiner eitrigen religiösen Sorgfalt und seinen unablässigen Bemühungen verdanken. (Un. Isr.) Pest, im October. (Versöhnt und bekehrt). Die Tochter eite» belaiinten hiesige» Branntweinhändlers — schreibt dar „R. P. I." — hatte vor einiger Zeit mit eine»« subalternen Beamten -.in zarte» Verhältntß angekuüpft, das, wie dies in ähnlichen Fällen ichon vorzukominen pflegt, durchaus von den Augen des sittenstrenge,« Vaters keine Gnade fand u. zw. umsoweniger, atS ker junge Man», dem da» junge Kind seine Liebe zugcwandt, nicht nur unbemittelt war, sonder» auch dem katholischen Glauben angehorte, während da« junge Mädchen Israelitin war. Unsere Heldin tonnte aber trotz beständiger Vorwürfe und Vorstellungen von dem Gegenstand ihrer Zuneigung nicht lassen, und eines Tages verließ sie das elterliche Haus und folgte beut Geliebte» iit die Fremd-. Sie trat zum latholljchen Glauben über und vermählte sich mit dcni Manne ihres Herzens, der inzwischen Herrschaff scher Jspan geworden war und in der Nähe von Komorit. lebte. Ärw siensdlffe peinixten aber die junge grau inmitten ihres Glücken; sie konnte es sich nlcht vergeben, das elterliche Haus verlasen und ihrem Vater so viel Kummer bereuet zu haben. Unl> am Vorabende de» diesjährlgeu israelitischen „Versöhnungslages" erschien sie in dein elterlichen Hause und flehte um Verzeihung. Der gekränkte Vater wollte aber von seiner Tochter nichts mehr wtffen, und nur den oereiulen Vorstellungen der Mutter der jungen Frau und der gerade anwesenden Verwandten gelang cS, die Vergebung de» VatcrS zu erwirken. Derselbe gewahrte sie jedoch nur unter der Bedingung, wenn seine Tochter und sein neuer Schwiegersohn zum mosaischen Glauben übertreten wollte». Di« junge Frau versprach dies und wie aus eiuem vor einigen Tage» aus Komorn ciugetroffenen Briefe hervorkeht, hat sich die Bekehrung auch jdioii vollzogen. Run wird auch die Vermählung des liebende» Pärchens nach israeliltjchem Ritus bald flaltfiuden. Gens. Der hiesi/e Oterrabbiner Wertheimer ist zu,n Professor der Philologie an der hiesigen philosophischen Facultät ernann: worden und wird in den Hallen lesen, in denen das Echo der Vorträge Eallvin« einst wiederhallre. (Un. Isr.) London. Bon Herrn Oberrabbiner Or Adler erscheint in Bälde ein Eommenlar zum Targum Onkelos, der eine Zierde der rabbinischeu Literatur bilden wird. (Iew. Ehr.) ‘ Nev-Aoi k. Äui 12. September ist eine neue Synagoge der Genieinve „Ansche Cheaed" cingeweiht worden. Es ist dieselbe, an d:r bisher Herr vr. Mielziener. nunmehr I. M.. Wife fungirl. Die Baukosten belaufen sich auf 260,000 Dollars. „Der Verkauf der Sitzplätze fand Sonntag den 14. d. M. an die Meistbietende» statt, und wurde solcher dsfrch den Präsident:» Herrn S. Hermauu selbst geleitet; dieser faf*