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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 42. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 42.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 343 — ‘kirnte j*ef$Mte Diktator wußte durch den «erkauf de» hohe» Eitrag.von Doll. IAO,000 }u erzielen." So berichtet ein Rcw-Norkor Blatt und führt dann eine ganz specificirte Äste der Käufer der Sitzreihen (Faniiliensitze) und bi« hinunter zu den Erstehern von bloßen Doppelfitzen nebst ver Sumnie de» Auktion-Preise« an. Die beiven erste» Familiensttze wurden mit je 4100 Doll, und so hinunter di« 650, die Doppelsitze out 200- -500 Doll, ersteigen. Ist nun die« ta« Erwähnm-wertheste bei der ganzen Sache, so sind wir freilich schon an die Großartigkeit amerikanischer Geldverhältnisse gewöhn:, nach der guten wie nach der sch.inimen Seite. Riesige Summen für Eultu«, Wohithätigkeil, alle« Edle nnd Gute, — riesige Schwindeleien und Diebereien. Und wirklich, ein amerikanisch-jüdische« Blatt sangt selber' an, die Sache, diese ganze Entwickelung de« jüdischen Sultn«wesen« nach der Seite der Pracht, der Eoncurrenz, auch wohl ein wenig de« Prahlen« (e« geht ja nach menschlicher Natur nicht ändert) bedenklich zu finden und schreibt einen Leitartikel über „kostspielige Religion." Die offenbar richtigen, wohl drastischen, aber keineSweg« übertriebenen Schilderungeu lassen un« erkennen, baß der alte Satz König Salomo'»: „Recchthum und Arinurh gied mir nicht!" auch in Beziehung auf israelitische Gemeinden und die Summen, die sie » auf ihre Synagogen u. i. w. verwende» können, wahr, sehr wahr ist. Ein seltsame» Gegenstück zu den pompöser und jedenfalls imponirenden Synagogenweihen wird aus Chicago berichtet, wo eine „polnische Synagoge" eingeweiht worben ist. Die ay«sührliche Beschreibung läßt unschwer erkennen, daß wir e» mit einem Ehajsidimlrupp zu lhun haben. E» ist. |u beklagen, daß solche Scenen in Amerika ausgeführt werden und den Spott der Christen herauSsordern, indessen in einem „Lande der Freiheit" muß am Ende auch der Shassid da« Recht haben, Unsinn zu treiben und etwa noch während fragltcher Feier nach der Melodie der „schönen blauen Donau" zu tanzen. Feuilleton. Unsichtbare Fesseln. Original'XovtUe von I. 9i. Lichtrndrrg in Viewport. (Fortsetzung.) Bertha lauschte jede« Wort von Moritz Munde, und die beiden Liebenden verachteten an diesem Abende die irdische Speise vollkonimen. Aber wie die Epyptier ein Skelett oder Lodtmkopf bei ihren Festgelagen aufstellleu, um nicht überniülhig zu werden, so lauschte auch schon da« Skelett hinter dem Stuhle Bertha«, «m ihr wieder den erste» Abend de« ungetrübtesten Glücke« zu »erbittern. „Run, lieber Moritz," begann Bertha, „erzähle un« Deine Fahric» und Abenteuer zu Wasser und zu Lande," bemerkte sie scherzend. Moritz ließ sich nicht lange bitten und erzählte mit Feuer und hinreißend seine Erlebnisse auf der Planlage La belle Gabriele. Schon, al« er de« Süden« Erwähnung that, wurde Bertha ängstlich, sie schien eine aufsteigende, unangenehme Erinnerung zurückdrängen zu wollen. Weiler und weiter erzählte Moritz, und alle waren von seinem Thema so eingenommen, daß weder er» noch die Tischgesellschaft die Veränderung im Benehmen Bertha» gewahrte. Al« er zu der un« bekannten Episode der jungen Herrin der Plantage mit der unglücklichen Quavrone kam, artete die Angst Benha» in einen förmlichen panischen Schrecken au». Daß Moritz ihr unglückselige« Geheimniß nicht kannte, und sie e« selbst i» ihrem Enthufia-mu« ganz vergessen, stand jetzt schrecken«»oll vor ihrer Seele.- - Mit eine» laute« Aufschrei, daß alle sich entsetzten, spreng Ae ans »nd verließ laut weinend da« Zimmer, ne stürmte die Treppe hinauf, und man hörte sie die Thüre de« Parlor zuschlagen. Deernoore und Stonehill warfen sich einen Blick de« Einverständniffe» zu, und letzterer, sowie Belah und Jutta, erhoben sich. um d-m Mädchen zu folgen. Aber Deermoore sagte befehlend: „Ihr bleibt Alle hier!" Zaudernd gehorchten dieseund Deermoore wandte sich an Moritz, der, rathl»« vom Sitze aufgesprungen, schon de«. Thürknopf gefaßt hielt. „Moritz!" sagte Deermoore zu ihm, „in Dünen Schutz habe ich heute Abend meine Tochter gegeben, Dir allein geziemt e«. Dich zu ihr zu begeben und zu hören, wa« mit ihr vorgeht." Moritz öffnete den Mund zur Frage, doch Deermoore schrütt ihm da« Wort ab. Ich weiß, warum Bertha un« so hastig verlassen, und Du mußt e« erfahren. Wir hatten e« leider alle in unserem Glücke vergessen. Gehe! und höre." Moritz eilte die Treppe hinauf, die Brust wollte ihm zerspringen. Schwer athmend trat er in den schwach beleuchteten Par.or ein. Da lag Bertha auf den Knie:», da« Gesicht in bc« Sophakiffen gedrückt und seufzte herzzerreißend. Mor.tz stürzte zu ihr hin und versuchte sie unter den süßesten Schmeichelworten aufzurichten, e» gelang ihm jedoch nicht. „Sieh mich nur ein einzige« Mal an," bat er geängstigt „meine Theure! sieh mich nur in da« Gesicht." „Ich kann nicht, ich darf Dir nicht mehr in da« Antlitz schauen, denn ich habe Dich betrogen," jammerte Bertha. „Du mein Engel! Du mich betrogen? „Nein Kind, da« ist ncht wahr! Allen Betrug, den Du je in Deinem jungen L-:ben an mir oder Andern verübt, will ich auf mich nehmen." „Dc« kannst Du nicht, mein Geliebter!" sagte Bertha, sich noch immer da« Gesicht mit den Händen bedeckend, „da« kannst Du nicht. Geschehene Dinge können nicht ungeschehen gemacht werden. Ich kan» nie, nie die Deine werden!" Und Benha sitzN in tiefster Seelenqual hinzu: „flieh'! flieh'! Geliebter, verlaß mich uud kehre nie zurück. Wollte Gott, Du wärest je:}t nicht wiedergekommen." Moiitz' Angst steigerte sich bi« zu Thränen, und «r versuchte nochmal« die Geliebte von den Knieen aufzurichten, jedoch nur die Hände konnte er von ihrem Antlitze entfernen und hielt sie fest in de» seinen, aber Bertha'« Auge blieb zu Boden gesenkt. „Soge mir um GotteSwillen, geliebte« Mädchen, wa« fällt Dick an? Sprich schnell, oder ich komme um den Verstand." „Ermnere Dich de» AbschiedSbriefe«, dm ich Dir schrieb, und den ich beim Wiedersehen ganz vergaß," muroielte Bertha. , Moiitz stieß einen Seufzer der Erleichterung au«, und zog Bertha mit Gewalt von den Knieen auf, und zwang sie, sich neben ihm auf dem Sopha niederzulaffen. „Ist da« Alle«? meine einzig Geliebte," sagte er beinahe erfreut, „darüber darfst Du keine Thräne vergießen. Du bist nicht Schuld an dm Sünden anderer und sollst sie nicht entgelten. Du bist mein und wirst mein bleiben, wa« vor un« war, da« kümmert un« nicht, wie un« die Zukunft nicht kümmern da>1" Aber Bertha schüttelte vemeinend da» Haupt und sagte leise: „Nein, Moritz, Du weißt nicht«. Du kannst nicht» wisse«, sonst hättest Du Dich schon mit Abscheu von mir gewendet." „vcrtha!" rief jetzt Moritz drohmd, „spiele nicht mit dem Herzen eine« Manne«, e» kann viel ertragen, ehe ei sich bäumt, ober wen» die Leidmschafte» einmal entfesselt, ist kein Meister, der sie bannt. Hast Du etwa« verbrochen, wa» Dich Unwerth mache» würde, von eine« bravm Manne geliebt zu sei»? (Forts, folgt.)

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