Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 42.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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ausdrücklich, daß wir nicht nur v»n Jedem der dort Unterzeichnete«, sonderu auch von Jedem der Geschäftsführer der Sammlungen für Palästina, also der Herrn vr. Hildesheimer, Hirsch und Lhren glauben, er sei „rein an Händen und lauter am Herzen." *) Allein die unbegrenzte Hochachtung für di« Frömmigkeit, die Sittenreinheit, den Wchlthätigkeirsfinn, resp. die Gelehrsamkeit der Herren, hii.dert nicht, et auLzusprechen, daß sie in ihrer Thätigkeit für unsere palästinensischen Glaubensbrüder falsche Weg« eingeschlagen habe», daß durch ihr Verfahren die Zustände »ichl besser, sondern schlechter werden — nicht dloS in materieller, sondern auch in staatlicher Beziehung, — und daß ihnen der Vorwurf nicht erspart bleiben kann, den der Prophet den geistigen Führern seiner Zeit macht (Jerem. 6, 14. 8, II): „Sie nehmen eS mit der Heilung des Schadens meines Volkes zu leicht, indem sie sagen: „GS ist gut, et ist gut, und eS ist doch nicht gut." E» ist dahin gekommen, daß mau bet dem Lesen wahrheitsgemäßer, unbefangener Berichte über die Zustände JerusaleinS an die Worte erinnert wird, welche der Prophet in heiligem Ingrimm über diese Stadt au-ruft (Jesaia I, 21. 22.); daß man bei der Kenntnißnahme ron der Beschaffenheit der verschiedenen wohlthätigen Institute ein« Empfindung hat, wie sie der Prophet Ezechiel haben mußte, al» er im Geiste in den Tempel zu Jerusalem versetzt wurde, und die göttliche Stimme, wenn er sich über de» Anblick der Greuelthaien entsetzte, ihm zu wiederholtem Male zurief: „Du wirst noch Grauenhafteres srhen."(Ezech. 8, 6. 13, 15). ES ist durch die Plan- und Systemlosigkeit, mir der dt« Pietät für die heiligen Stätten in Anspruch genommen wird, von Jerusalem auS zu einer planinäßige», systematischen Ausbeulung dieser Pietät getonimen, die der niedrigsten Gewinnsucht dient, die nur diejenigen Jnstitutionm willkommen heißt, deren Verwaltung und Bewirthschaftung im Dunkel gehalten werden kann, während Alle«, wat mit e»ner von Europa ausgehenden, ralionelleir und geiotffeuhaflen Verwaltung droht, unter den nichtigsten Vorwänden abgewiesen wird. Rur iver in solche Verhältnisse eindrtngen kann, wird «» begreifen, wa« für den ferner Stehenden unglaublich und unverständlich ist, daß «in Mann von so unzweifelhafter Glauben-treue wie Herr Vr. Hildesheimer, ein Mail», der lange Jahr« für die Armen Palästina'» mit unermüdetem Elfer gewirkt, daß ein solcher Mann auf di« Nachricht hin, daß er zur Gründung von Waisenhäusern für da» heilige Land — die NB von Europa auS verwaltrt werden sollten —mitwirke, mit Schimpfwort,» öffentlich beworfen wurde, die wir wiederzugeden un» scheuen. Und e« ist bezeichnend für de« TerrortSmuS, der von dorr au» geübt wird, daß der genannte Rabbiner bei der lebendigen Ueberzeugung, seine Hülfe einem gutem Unternehmen dargeboten zu haben, sich schrecken und zum Rücktritte bewegen ließ; et« TerrortSmuS, der so weit geht, baß einem für ccnseroativ geltenden Rabbiner anonyme Briefe zugingen, in denen er für seinen Beitritt zu jenem Comit« getadelt wird, und daß Ander« nur mit bedenklichem Zagen jenem Comit« beigetret«« find. Da wir auf jede» Zeugniß der „GlaubenStreue" von Seiten de« „Israelit" und seiner Parteigenossen verztchr-a; da wir un« überhaupt nicht von den Stimmsührer i jenrc Partei sagen zu laffen brauchen, wo» Judenlhum sei; da wir nicht Jeden für einen Ip'OT NV12 Hallen, ler an der Heiligkeit der Herren Meier Anerbach, Selig HauSdorf u. s. «. in Jerusalem zweifelt; so haben wir kein Bedenken, der Oeffentlichkeit zu übergeben, wa» uns von zuverlässigen Berichterstattern mitgetheilt wird. Al» einen strebsschaden, der an den palästinensischen Zustäaden nagt, bezeichnen wir di« AuSsendung von Voten znr Einsammlung von Gaben für Palästina. Schon L. A. Frankl in seinem Buche „Rach Jerusalem" hat auf bä» Unwesen dieser Sendboten hiagewiesen. Möchten doch unser« 1 »Mi einem de» taMi daß M« »rnm. (M4 Kneifet hie»,» mm t*t Mn* fUM gMMfM, sen- Herren «aemntzt eine» -«»eigne Ment tznten GlauIrenSbrüder aller Orten t» sich ein für alle Male zum Grundsatz« machen, d esen Sendboten da» Lau« zu »erschlte- , ßen, chne jegliche Ausnahme, mögen sie mit noch io vielen^ noch so elegant und prunkvoll stylisirten, noch so kalligraphisch - schön auSgestatteten Attesten, und diese mit noch so vielen und noch so großen Stempeln und Siegeln versehen sein. > Tie Unmöglichkeit einer Controle über die Einnahmen und AuSgrben dieser Sendboten ist eine natürliche Quell« von Mißbräuchen und Unredlichkeiten und führt auch gewöhnlich nach deren Rückkehr j,u de» ärgerlichsten Zänkereien. Einer dieser Sendboten hat vor einige» Jahren Europa bereist, um für Pilgerhäuser (NLNV '712) zu sammeln; er hat bald nach der RüÄehr sich ein stattliche» Hau» in Jerusalem gebaut, außerdem drei Pilgerhäuser hergestellt, die man eher für Hundehütten als für menschlich« Wohnungen halten sollte. „Roch immer beffer, als wenn di« Armen auf der Straß« liegen müffea" bemerkte der Sammler, als ihm ein Reisender darüber Vorwürfe machte. — Die von dem vr. Hildesheimer u. s. w. erbauten Pilgerhäuser werden zum Theit von Leuten bewohnt, die eigne Häuser in Jerusalem besitzen, welche diese ihre Häuser vermirthen und selbst in jenen für Arm« bestimmten Häusern roohnen. Diese Thatsach« ist so notorisch, daß wir die Namen dieser Hausbesitzer auf Erfordern nennen können. Ueber die Unger.'chtigkeiten bei der „Chaluka" (Bertheilung der von Europa für die Armen gesandten Gaben) ist schon so oft gesprochen werden, daß wir über diesen Gegenstand nicht» hinzuzufligen haben, at» daß man sehr i« Irrthum ist, wenn man glaubt, daß bei dieser Bertheilung nur Arme, oder alle Arne bedacht werde». In Jerusalem liesteht eine Art Volksküche, in welcher für 15 Eentime» eine magere Suppe verabreicht wird, die auch -ür diesen Preis herzustellen ist. Dabei bestehen in vie« ~ len Städten Rußland» Frauenvereine, welch« BeUräg« für diese Rüche einsenden. Von einer Rechnungslegung hat man noch nie gehört. lieber dle Zustände der Talmud-Tora wollen wir die un« bi« jetzt zugkgangrnen Nachrichten erst ergänzen und veroolständigen laffen, eh« wir sie veröffentlichen. Jedenfalls find sie derart, daß sie den zahlreiche» Beitragende» eine unangerehme Ueberraschung bereiten werden. Dasselbe müssen wir auch in Betreff eine» andern Punkte» un» Vorbehalten. Unser Berichterstatter schreibt un» wärt-' lief»: „Schädlicher fflt die hiesigen Zustände sind dt« vertrauensseligen, al» dt« Pfiffigen. Bor einiger ZeU schickt« der . Rabbner RaltschertnThorn 1200 Thaler zum Ankauf eine« Grundstück» für eine künftig« Colo nie. Ran hat in de« Zeitungen bekannt gemacht, daß da» Grundstück 'gekauft sei, aber diese Siachricht ist falsch. Wa» au« de« Geld« geworden ist, weiß ich nicht." Dieser Bericht, daß eine Summe mm 1200 Thal, unsichtbar geworden, erscheint un» selbst für d e jerusalemischn Verhältnisse so ungeheuerlich, daß wir . , ihn nur unter allem möglichen Vorbehalt mittheilen und wettere Tetail» «inholen »»erden. Wir hätten diese Rachricht gar nicht mitgeiheilt, wenn nicht eine eigenthümliche Combination — für jetzt gelte sie nur al» eine solch« — ihr einem erschreckende» Anschein der Wahrheit gäbe. Unser Correspondeut fährt nämlich wörtlich fort: „Wenn der Name dieser Leute - nach Außen hin etwa» compromitttrt erscheint, so führen sie '* ein« neue Persönlichkeit vor, die sie der Welt al» eine» Rau» von d«r größten Heiligkeit darstellen. Geht man oer Sach« auf drn Grund, so ist e« entweder ei« Dummkopf, oder er j, steckt mit ihnen unter einer Decke." — Au demselben Tage, _ al» «ir diesen Brief erhielten, lasen wir in der aenanuie» ■ '* Rr. 37 der „JSraeUiischen Wochenschrift" in de» Leitartikel. daßHr. Ralischer in Thorn,den wir übrigen« al» höchü; j achtbaren Mann verehren, 1200 Thlr. an de» frühere« Rav- ■■ Man i» Lonstauttnopel, Jakir Jfak Gero», jetzt t» Jerusalem «ohulmft, geschickt Hab«. Plötzlich ertuuerte» wir «u», «via '7, vor etwa einem Ach,« der Anzug dieses Mal Gero« t» gv- . rufalem, als eine» zauz besonders gvehe«, gelehrte» Mfc'