Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 41.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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al»Iich Eie jettuiTS gesehen. Earatoga scheint Jhwm gut bekommen^ zu frtnV" «Ich tonte ftf Ihre Schmeicheleien/ versetzte Bertha, «ja, in Earatoga war e« schön, und wir sind letzte Woche erst wieder hierher zurückgetehrt. «Sie haben sich doch hoffentlich -einen dort angeschafft?" fragte Bärchen lauernd. «Lassen Ei« Are losen »«gezogenen Witze, oder ich werde böse/ erwiederte Bertha, ohne jedoch im Geringsten böse au* zuschauen. «Da» war kein Witz, Fräulein Bertha, denn ich möchte <« gern wissen, da ich selbst auf Freier» Füßen gehe." «Eie «erden doch keine Absichten auf mich halxn? sagt« Jen« lächelnd. «Wer weiß? so viel steht fest, daß ich Eie lieber haben möchte, al« irgend eine Andere, wenn — da» heißt — wenn Eie mich wollten." Bertha lacht«, gab aber dem närrischen Mensche« tein« Antwort. «Da« heißt," fuhr Bärchen fort, «wenn Sie nicht« mehr um de« verschwundenen Doetor geben." Bärchen bereu» beinahe, diese Wor» gesagt zu haben, denn die Berllnderung im ganzen Wesen Bertha«, ivar ebenso rasch, al« anstrengend. Bleich wie der Tod, erhob sie sich und sich Bärchen nähernd, legte sie ihre kleine Hand fest auf seine Schulter und sagte zu dem Verblüfften: «Bärchen > Ich habe Eie für einen spaßhaften, närrische« Menschen gehalten, sehe aber, daß Sie ein boshafte» schadenfrohe« Geschöpf sind, da« sich nicht scheut, die Wunden Anderer aufzureißen und behaglich tatt« zu sonderen. Eie haben mir weh, sehr weh gethan." Sie zog ihr Taschentuch hervor und sich di« Angen trocknend, verließ sie rasch die Küche. Aber anstatt daß Bärchen über sein Benehmen Trauer gezeigt, lächelte er stillvergnügt und sah der weinenden Bertha behaglich noch, setzte sodann sein« Mahlzeit fort, al» ob «r da« Angenehmste von der Welt gesagt und erwider: bekommen hätte. Später wurde er auch der Frau Stonehill, einem anspruch«losen liebenswürdigen Weibchen vorgestellt, und wußte sich durch einige witzige Einfälle, auch diese zur Freund:» zu schaffen. ‘ Bei Deermoore selbst erkundigte er sich nach dem Frosche und erfuhr zu seiner großen Befriedigung, daß sich dieser noch nicht wieder haln blicken lassen. Nur Bertha ging ihm de» ganzen Nachmittag au« dem Wege, und e« gelang ihm nicht, auch nur noch ein einzige» Wort an st« avzubringen. «Bet der habe ich e» schrecklich verschütt," sagte er, sah aber nicht im Geringsten unglücklich dabet au«. Der Abend nahte heran und Alle begaben sich nach der Synagoge, nur Bertha und Belah waren zu Hause geblieben, velah war noch in der Küche beschäftigt und Bertha saß mir einem Gebetbuch« in der Hand im Parlor. Da« naseroeise Geschwätz Bärchen« hatte sie aufgeregt und anstatt zu beten, simulirte sie. Wie ähnlich war doch dieser Neujahr» ibend dem letzten und doch wie verschieden. Wa» hatte sie Alle» im letzte« Jahre erlebt und gelitten und war sie glückliänr jetzt al« im vorigen? Nein! Eie konnte nie, ui« wieder so glücklich «erden, al« sie damal« gewesen! Die am vorigen Neujahrsabende, saß sie heute wieder mit dem Gebetimche in der Hand, damal» erwartet« sie Niemand, aber er war gekommen, sie hat» ihm da» beste Neujahrsgeschenk geinacht, da« sie vergeben konnte, ihr Herz, und sie war glücklich. Und heu» erwarte» st« anch Niemanden, deMmr, der kommen sollt«, war jg picht gekommen und kam amff^lie wieder, und das Herz, das sie ihm damals geschenkt, laa zerbrochen in ihrer Brust. Die heiße» a$rtMn fielen E.chr Gebetdich jn. ihrer Hand, und Je «alt, sich mit der «ollust des Schmerze« jene» Rofch^hisihmws Abend In Men Gedanken nochmals an». Die kannte st« den Schlag de» Klopfer» an dir HauSthüre, wie zmudig durchbeb» sie e» jede» Mal, wenn sie ihn hörte und besonder» an jene« Abende, fiel ihr da r cht jeder Schlag des Klopfer» auf da» Her»? Doch w»S ward«? War sie so tief ln ihre« Sin« verloren gewesen, daß ihre Phantasie ihr den wohlbekannten Laut Vorspiel le, doch nein! Bertha erbleichte, da ertönte schon der Klopfer zum zweiten Male. Bertha hatte kaum die Kraft fich von ihrem Eitze zu erheben, sie wankt« nach der Thürr, das Sebetbnch entfiel ihrer Hand. „Gott!" murmelte sie, und begann an Gespenster zu glaub m, „sollte es am heiligen Rosch-Haschonoh-Abend sein Geist sein, der mich mahnt." Zitternd zog sie die Feder an dem Thürschloss,: zurück, die Thüre flcg auf und mit einem Freudenschrei stürzte Bertha in Moritz Arm«. Laute» Schluchzen verkündete da» Glück de» armen geprüften Mädchen», während Moritz sie fest in seinen Armen hielt und ihr,» Mund, Wangen »nd Augen mit Ktffen bedeckte. Nachdem der erste Freudenrausch fich etwa» gelegt, traten Beide in den Parlor ei« und nahmen Hand in $anb auf dem Eopha Platz. Aber Moritz verschwendete nicht mehr die geistreichen Phrasen an Me Geliebte, wie vor Ihrer Trennung, Iwid« waren geläutert durch Schmerz und Entsagen, und «Itre Liebe war eine seelenvollere, al» die erste. „Erzähle mir, Geliebte, wie es Dir ergangen, und was Du gelitten ohne mich," sagte Moritz, die vollen Wangen Berthastreichelt», „Bärchen hat mir zwar schon «tirlge» erzählt, laß «» mich jedoch au» Deinem Munde oernetzmen." Anstatt zu antwor»«, fragte Bertha: „Hast Du denn Bärchen schon gesehen?" „Würde ich denn gewagt haben. Dich in mein« Arm« zu schließen, die ich al» da» Weib eine» Andern wähn»?" „Wo »isst Du Bärchen denn?" „Weit im Westen," versetzt« Moritz, „und ich kam ja den ganzen Weg von Kairo mit Bärchen zusammen bi» hierher." „Der bjse Mensch," sagte Bertha schmollend, „daruur hat er niir heute so weh' gethan, er wollte «eine Liebe zu Dir erprober." „Wir hatten verabredet, daß ich Dich überraschen, und nüch selbst am heutige» Abend Dir ais Neujahreä-efchenk bringen sollte. Der Nachmittag, Geliebte, wurde mir aber länger, alta» ganze Jahr, da» ich in der Verbannung zugebracht." „Wo warst Du denn dies« ganz« Ewigkeit? und wie erging e» Dir in der Fremde?" fragte vertha mit weiblicher vesorgniß. „Ich habe bitt're Erfahrungen gemacht," «ntgekmte Moritz, «nd seir. schöne« Gesicht mnwölfte fich, doch, Da» werde ich Dir späwr erzählen. Jetzt sage mir nur vertha, hat Bärchen wa>»r gesprochen? Wird der Vater nicht« gegen uns'« Verbi ldung etnzuwenden haben?" „Nicht da» Mindeste, Geliebtet, der Vater hat sich beinahe so viel über Dein Verschwinden gegrämt, al» ich." Al» Deermoore und seine Freunde von dem Gottesdienste nach Haus« kamen, war die Freude und Ueberraschung groß und Bertha weinte, wie im letzten Jahre, an dem ^»alse ihre» Vater», nur waren diese» Thränen, die der gute Deermoore wohl verstand. Er umarmte Doktor Moritz herzlich uud redete ihn mit dem traulichen „Du" an. Daß man Moritz nicht mehr fortließ, läßt sich denken, und da» heiterste Mahl, dem Moritz je deigewohnt, fand an dt^em Abende im Hanf« Deermoore« statt. Moritz erzählte, von Bährchen oft unttrbrocher, wie er diese» in Kniro getroffen und von ihm erfahren, daß chm in New-Kork ei« Stück blühe, von dm» er nicht« geahnt, und da Barchen ansvorkauft, und sich für die Feiertage nach R«w- DüTlegäli, veklietz PH tyü bftsM JWHb.'KHniij dort nicht» »Rk hier aller fesselte." (Fortsetzung folgt.)