Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 41.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 333 Das Hefte an der Sach« ist, daß heute der H«rr Bischof selbst di« Bilder sur sein Leben gern entsernen lieft«, allein die Repräsentanz — oie jüdischen Mitglieder voran — protestiren dagegen und erklären: Wen» Sr. Hochwürden die von ihr selbst bestellten Bilder nicht mehr gefallen, so möge er sich andere male» taffen — aber auf eigene Koste«. Da» aber möchte der Bischof denn doch am allerwenigsten, loenn in Veldsachen sind Se. Hochwürden — „selber Einer", und somit ist die beste Hoffnung, daft man in BudweiS noch lange Zeit vor den armen Juden den Hut abziehen werde. (Resorra.) Araukretch. Pari». Dem MonatS-Bericht der Alliance J«r. Univ, für September entnehmen wir zunächst die Angabe, daft 81 neue Mitglieder angemeldet find, darunter 39 au« Deutschland. (Wir bemerken, doft wir die Zahlen stet« den französischen Berichten entnommen haben, die deutsche Ausgabe difserirt in den Summen für die Monate natürlich nur durch anderweitige Mrtheilung) Die Berichte betreffen hauptsächlich die Schulen im Orient. Herr Bloch theilt mir, daß der Oderrabbinervon Adrianopel ihm empfohlen hat, die Gründung einer Schule zu Sophia zur Sprache zu bringen, da die i»raelilische Gemeinde daselbst zahlreicher ist, al« zu Samacow, und ihre Talmud-Tora-Anstalt nicht weniger al« 600 Zöglinge zählt. — Wir führen die« darum an, weil daran« hervorgehk, daß die gewiß höchst orthodoxen Rabbmer der Türket viel vernünftiger sind, al« viele ihrer Evllegen etwa in Ungarn, und gar die Clerisei in Palästina, «»eiche in Wuth geräth, sobald sie von „Schulen" hört. — In Betreff der im vor. Berichte erwählen Juden in M,roc:o heißt ti im vorliegenden: Herr Cohen au« Tanger übersendet neue Nachrichten über die in dem muselmännischen Bade zu Fez überfallenen drei Israeliten. Diese Unglücklichen, die 35 di« 40 Jahre alt sind, heißen Jusa Elcalafi, Abraham Mehul und Metr Bensusau. Sie sind nach einein anderen Gefanznisi gebracht worden, da« noch übelriechender al« da« erste ist, und erwarten hier, in Kelten geschloffen, ihr Urthcil, Im« erst nach der Rückkehr de« Sultan von der Residenz gefällt werde» soll. H. Tiffot, bevollmächtigter Minister Frankreich« zu Marocco, an den sich da« Comiie in Angelegenheit der Israeliten von Fez gewendet halte, antwortet, daß er in Betreff der Borfälle, üoer welche sich mehrere algierifche J-rneliten zu beklagen hatten, officiell intervenirt habe; in Betreff d.r S Israeliten jedoch, die ivegen ihre» Eindringen« in ein Badehaa« nlißhaudelt loorden, hätte der Bezir erklärt, daß die Sache sich nicht so zugetragen habe, wie man sie dem C.-Comite erzählt hat. H. Tlffvl fügt hinzu, daß der Sultan nächsten« seinen europälsch gekleideten israelitischen llnterthanen erla eben wird, ihr« FußbeÜeidung zu behalte». Se. Exc. Don Sanljago Soler, Minister w» Aeußeren von Madrid, an den da« C-Eomite gleichfalls in Angelegenheit der Israeliten von Marocco geschrieben hatte, antwortet, daß er denselben seine rollen Sympathien widmet und dem spanischen Minister zu Tanger bereit« Instructionen ertheilt habe. Pari». Au« einem Artikel de« „Journ. des fbed.," welcher „die Befürch.ungen bespricht, di« all« erleuchteten und der Freiheit zugelhanen Geister an die Wiederaufrichtuirg de« von den Jesuiten getragenen Legitimismus knüpfen müssen," mögen einige Sätze hier Platz finden. „Bon allen Freiheiten, welch« unsere Bäter,grunzen haben, wäre kein« von der zweiten Restauration mehr txdr oht, als die Gewissensfreiheit. Es darf also nicht überraschm, daß auf die geräuschvolle Kund« von der bevorstehenden Ankunft jenes neuen Messias, der sich einstweilen noch in seiner Froksdorser Zurückgezogenheit aufhält, Alle, welche mir Leib und Seele an dem Fortbestände dieser Freiheit ein F,'.>reffe haben, 'ich beunruhigen und zur Wehr fetze«. Da» „ilniverS" wundert sich z. B., daß die Protestanten und J-ra«liten öffentlich ihre Besorgntffe und ihr Mißtrauen gegenüber dem Syllabu« aussprechen, der sich vor ihnen aufrichtet. In einem kürzlich er chieuenen „Slusruf a« die Protestanten" hat man an den Äidrrrus de« Edict» von lautes und an die Dragonaden «rinneni zu dürfen geglaubt, und auch die „Archive» i»raelites" haben in ihrer Rümmer vom IS. Sept. ans di« Gefahren hingewiesen, mit welchen die Wiederherstellung einer dem heiligen Stuhle unbedingt ergebenen Monarchie alle außerhalb der römischen Kirche Lebenden bedwht. Da« „Univer«" entrüstet sich auch über die an geblichen Feinde der Kirche, welche, wir e» sagt, „dieselben C-ründe hccken, auch die Feind« de« französischen Königthum« zu fein." Da» klerikale Blatt irrt sich. Weder die Protesta ntm, noch die Israeliten, noch selbst tie Deisten (Pantheisten» und Freigeister sind die Feinde der Kirche; sie sind nur bin Freunde und.nörhigenfall« die Bertheidiger der Gewissensand Eultus-Freiheit. Kinder der Freiheit und von ihr allein l:benb, haben die abweichenden Bekenntnisse durchaus keine Feindschaft gegen die Religion der „Mehrheit der Franzosen;" sie verlangen nur ihr Recht, nicht mehr und nicht weniger, und eben weil sie einigen Grund zu der Bejorgnift haben, daß das Königthum de» Syllabu« an diese« Recht Hand anlegen körnte, suchen sie diese Gefahr zu beschwüren. „Sie wissen — agt das „Unioers" — daß man die J-raelüen und Pro tes unten ebenso wenig zwingen wird, sich zu bekehren, als die Protestanten, zur Beichte zu gehen." Wir wollen es hoffen. Al>er wir erinnern uns doch der Zeit, da tie Rectoren der Akademie die Prosefforen mittelst Rundschreibens „einluden", in die Mese zu gehen, und da Einer von ihnen dieselben ein ein in sein Cabinet, wie in einen Beichtstuhl, rief, um sie wegen ihrer Ansicht über di« Existenz Gottes unt über das künftige Lben auszufragen. Eine Anekdote mag ans ^u den Betrachtungen, mft welchen wir begonnen, zurückführen. Zur Zeit der kl nstkalen Reaction, welche im Jahre 1850 die Wiederherstellung de» Kaiserreichs vorbereitete, hatte ein dem israelitischen Bekenntnisse angehöriger Professor der Philosophie sich in seiner Eigenschaft als Staatsbeamter für verpflichtet gehalten, in der Capelle seines Lyceums der Heiligen-Geist-Messe beizuwohnm, zumal er zu dieser ossiciellen Ceremonie mit allen seinen College» eingeladen war. Als der Bischof der Diöcese von der ijafy erfuhr, erließ er einen Hirtenbrief, in welchem er in einet Oberhirten nicht eben würdigen Ausdrücken erklärte, daß die Capelle, „da sie durch die Gegenwart einet schmutzigen Juden besudelt worden sei, für den Cultus geschloffen bleiben müßte, bi) sie wieder gereinigt worden wäre." Das Ende war, daß der Professor, da der Minister ihn im Stich ließ und aufforderte, den Lehrstuhl der Philosophie au-zugeden und sich auf t ie Literatur zu beschränken, genöthigt war, aus dem UnterrichlS-Körper auszutreten, dem er mit seinen Talenten und Arbeiten zur Zierde ge eicht hätte. Bon diesem ebenso lächerlichen als gehässigen Recime wollen wir nichts wissen, und alle Liberalen ohne Unter,chied de« Glaubens werden sich vereinige,um seine Wiederkehr zu verhindern. Die Bersprechungen lie» „Univers" werden fü nicht einlullen." Vermischte und neueste Nachrichten. J. Hannover, den 15. Oktober (Or.-Corr). Dem Oberlehrer der BildungSanftalt für jüdische Lehrer, Dr. FrenSdorff, ist von sem CultuSminister Falt in Anerkennung seiner Leistungen für die Textcritik des A. T. (Massora) das Prädica» „Professor" verliehen worden. Die Urkunde, nebst einen: feine foiistige amtliche Wirksamkeit in warmen Worten anerkennenden Schreiben, wurde chm von dem Borsitzenden de» Provinz' alschuicollegium« und dem Reg. R. Spieker persönlich überbrocht. Diese für jüdisch-gelehrte Leistungen nicht zu häufige Auszeichnung hat allgemeine freudige Theitnahme erregt. 8'*«. ^Jüdische Feiertage.) Eine hiesige Gymnasial- Direclion hat bezüglich de« Dispense», der den Schülern