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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 40. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 40.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— S25 — dem Fürsten, daß die Deputation gekommen sei, von Er. Hoheit die Gleichstellung der serbischen Juden zu erflehen. Der Fürst: E« fällt mir schwer, Ihre Bitte direkt zu beantworten. Ich bin hier ketne«weg« in der Eigenschaft de« Fürsten von Serbien, sondern al« ein einfacher Priuatniann, der die Reise aurschlteßiich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit unternommen hat. Uebrigen« wird e« Ihnen nicht unbekannt sein» daß Serbien eine konstitutionelle Regierung-- form hat, und daß sonach die Abänderung eine« jeden Geste?«« dem Votum der Volksvertretung untergeordnet ist. Gleich nach meiner Rückkehr werde ich dir Frage von meiner Regierung prüfen kaffen, und wir werden alsdann überlegen, ob ein Gesetzentwurf zu Gunsten der Juden der Skuptschina unterbreitet werden soll. Hierauf sagte Herr Rosenfeld: „Fürstliche Hoheit, wir danken Ihnen für diese Worte, aber Euere Gnaden Mägen un« zu bemerken erlauben, daß in derartigen Angelegenheilen di« Meinung der Regierung und zumal de» Staatsoberhaupt«« von großem Gewicht« 'ist. Ich bin in Oesterreich geboren und spreche au« Erfahrung. Der Fürst: Ja ich weiß e« wohl, Oesterreich hat die Juden emanzipirt, aber Oesterreich ist ein alter Staat, der mehrere Jahrhundert« zur Erreichung diese» Resultate» in Anspruch nahm, wogegen Serbien ein junge»' Staat ist, dem man Zeit lassen muß, sich auf die Höh« anderer Staaten emporzuschwingen. Her»: Albert Lohn: Ew. Hoheit mögen auch bedenken, daß Oesterreich 8 Millionen J«raeltten zählt, und daß die vollständize Emanzipation der dortigen Israeliten eine soziale Frage von sehr großer Vedrulng war. Diese Frag« kann jedoch i» Serbien kein so große« Jntereffe haben und mithin auch keine so bedeutenden Schwierigkeiten darbieien. Denn e« gtebr kaum 6000 Juden in den Staaten Tw. Hoheit. Der Fürst: vielleicht ist deren Anzahl noch geringer, aber man hat gegen dieselben Borurtheile. Altert Lohn: Jndeh werden Ew Gnaden zuzugeben geruhen, daß dl« Juden ihren übrigen Mitbürgern nicht nachstehen. Ich »var vor mehreren Jahren in Serbien und glaube mich von dieser Thatsache überzeugt zu haben. Der Fürst: Rein, di« Juden stehen gewiss auf keiner niedrige» «« Stufe, al« di« übrigen Selber. Aber man erhebt gegen dieselben mehrere tadelSwerth« Beschuldigungen. zumal die, daß st« bei der letzten Belagerung nicht in Belgrad geblieben stnd. Alixrt Lohn: Da« Vorgehen der knvölkerung hat ste vielleicht gezwungen fortzugehen. Wie dem auch sein mag, »vir danken Ew. Hoheit für die versichert» teu. welch« Sie un« al« Antwort aus di« von un» an «w. Gnaden gerichtet« Bitte zu Gunsten der serbischen Jude« zu ertheilen geruhten. Der Fürst: Wohlverstanden, Hab« ich mich zu nicht« anderen verpflichten können, al« diese Frage prüfen zu lassen, und wird man später sehen, welche Me ßnahrrrn in dieser Richturg angemeffen sein werden. Ich wiederhole e« noch einmal. Alle« hängt von der Skuptschina ao. Uebrigen« genießen di« Juden in Serbien alle politischen Rechte, nur di« bürgerlichen Rrnhte fehle» ihnen noch. Albert Lohn: Ohne Zweifel, aber die politischen ohne dl« bürgerlichen Rechte stnd rein illusorisch. Hat Ew. Hoheit selbst je einen Juden »um Beamten ernannt? Da« einzige Mittel zur Beseitigung der peinlichenaAurnahmSstellung unserer Glaubensgenossen liegt in der Gleichheit vor dem Eftsetz«, und »venn Ew. Höhest glauben, daß wir zur Erhebitng der serbischen Juden mit unserem geringen Einflüsse beitrage» können, so stellen »vir un« ganz zu Ihrer Verfügung. Der Fürst: Ich dankt Ihnen, meine Herren, »oie ich Ihnen bereit« gesagt habe, die Frage »stich gleich nach meiner Rückkehr geprüft werdeu.* Xfefei. Tmtßatinupü. lieber di« in R». 37 kuq erwähnte Audienz de« Lomite der Allianc J«r. Univ. bei dem Großvezier und!>ann bet dem Schah von Perfirn berichtet „Levant Herald" ausführlich. Die Beschreibung der Audienz beim Schah dürfte wohl unsre Leser tnteressiren. E« scheint, und e« ist ganz natürlich daß der Schah sich in Lonstantinopel mehr st soll aise gefühlt hat und daher auch freui.tzlicher gewesen ist, »l« in den christlichen Residenzen. „Die Israelitische Deputation wurde tm Palaste Beglerbeg vom Schah empfangen. Die Herren wurden durch einen Känmerling in die Zimmei' de« Großvezier« geführt, welcher ihne». entgegentrat und sie durch eine Galerie in den großen schönen «mpfangSsaal de« Schlöffe« führte. Plötzlich öffnete sich die riesige geschnitzt« Pforte wie durch einen Zauberschlag, und ein wirklich imponirende« Bild bot sich dem Blick« dar. Mitten in dem weiten Saale stand der Schah, die Hand auf ein Marmortischchen gestützt, in schwarzem -leide, ohne jeden Schmuck, i>:n Kopf hoch und den Blick stolz, aber durchdringend. Tiife« Schweigen herrschte. Im Hintergründe und in den &!«» de« Saale« standen «in Dutzend Kämmerlinge und einig« hohe Würdenträger, unbeweglich wie Bildsäulen und auf die geringste Bewegung ihre« Herrscher» achtend. Sanfte« Licht herrscht« tm Saal«. Draußen hörte man da« Rauschen der Meere«wogen, welche an die Mannorquadern de« Kai schlagen. Ein sanfter Wind vom Bo«pcrn« verbreitete köstlüb« Kühlung. Raffr-Eddin Schah halte da» Haupt erhoben und di« goll , e Brille, »velch« er gewöhnlich trägt, adgenomrien, al« die vom Großvezier geführt« Deputation an der Thüre anhielt. Huffetn Khan trat drei Schritt« vor und verb.-ugte sich tief, dann wieder drei Schrille und eine Verbeugung. Rach der dritten blieb er steherr. Die Deputation that ganz ebenso. Der Großvezier wollt« eben die Vorstellung beginnen, al« der Schah - t>» - Schah dir Hand erhob und di« Deputation näher heran winkte. Sie stand dam etwa fünf Schritte von dem Herrscher entfernt. Darauf stellt« Mirza Huffein Khan sie vor, inbtm er sagte, daß die tSrarl. Allianz in Lonstantinopel, ebenf» wie di« Deputation derselben in London und Pari«, Sr. Maj. eine Adreffe, betreffend die Juden in Persien, zu überreichen wünsche Ritter Sftntztant la« die Adresse vor, der Großv.'zter übersetzte sie wörtlich in« Persische. Rach kurzem Schweigen antwortete Raffr-E'idin mit kräftiger Stimme und wohlwollendem Lächeln: „Die Lage der Israeliten in Persien ist duräzau« nicht so, wie sie ulehrer« europäisch« Journal« in übertriebener Mise geschildert habe». Im Grgrntheil, Unsre Untei thanen mosai scher Rrligioa haben immer Unsre kaiserlich« Gunst genossen, und un. einen vewei« zu haben, braucht die oerehrliche De putatioit nur dorthin zu blicken (Raffr-Eddin zetgte mit der Hand c uf einen seiner Kämmerlinge) und sie wird in diesem unseren Diener ein Mitglied ihrer Religion erblicken* In der Dhat sahen di« Deputaten, daß einer der bi« dahin unbeweglichen Kaunnerditner eine Bewegung macht«, al« wollte er die Worte seine« Herrn bestätigen. Der Schah -iri- Schah schloß mit den Worten, daß sein Reich eine dem Fori fchrttt« unsre« Jahrhundert« entsprechend« Ungestaltung erfahren daß der Unterricht in großem Maßftabe eingefühn werder, und daß di« JSraellten, wie all« feilte Unterrhanen jeder llteligion davon Ratze» ziehe» würde». Ihe iSrael. Alliarcz können also über da« Schicksal ihrer Glaubensgenossen voll kommen beruhigt fein. Er wiederhole, wa« «r den Deput, tionen in London und Pari» gesagt Hab«. U. s. w. kZeniziaui dankte zugleich tm Namen de« in Pari« te fiudltche» Präsidenten der orientalischen Sektion der Allianz, de« Eftafen Lamondo. Rach weiterer kurzer, aber wohlwollender Unterhaltung wurdcn di« DeputiNe» entlassen.* s„Univ. J«r.* hat unlängst ganz treffend bewerft, daß man die Worte b*» Schah durchaus nicht für wissentliche Alläugr.ung richtiger Thatsache» zu erväreu brauche. Oriente. Usch« Herrscher wissen wirklich nicht, wa» im Laude geschicht, »ich wa» ihre Beamte» thun. Jener alt« Schah, Aha«veru,i, ist über Esther'« Klagen ganz verwundert — nicht« berechtigt

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