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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 39. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 39.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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©ton, unb diesen bethätigt« er auch sonst im Leben. Sein Tod raubt vem Judenthu« einen warmen Bekenner, seiner Gemeinde eia für da» Gemeind-noohl eifrig besorgte- Mitglied, und seiner Familie einen edlen Gauen und sorgsamen Bater. Ehre seinem Andenken, möge seine Seele wallen unter den Ewiglebenden! Oesterreich. Pest. Di« „Wiener D utschc Zeitung" brachte dieser Tage folgenden Artikel: „Alder italienische Meister-Präsident mit der Bildung des Kabiuets beschäftigt war, hieß eS eine Zeitlang, daß der venezianische Abgeordnete Maurogoaato, ein ebenso braver Patriot wie ausgezeichneter Finanzmann, das Finanzministerium übernehmen würde. Da beschwor der Abgeordnete PaSqueligo von Lonigo de» König :m Interesse der Dynastie und deS Landes, die Finanzen Herrn Maurogonato nicht auzuvertraueu, weil er ein Israelit wäre. Dieser verzichtete übrigens auS Familienrücksichten auf die Ehre, und die Presse überging deu Fall mit Stillschweigen, nur der „Diritto" brachte einen Artikel gegen dadie Israeliten betreffende Borurtheil, und Herr PaSqueligo noch eine Entgegnung, in welcher er deu Patriotismus und die Jntelligeirz der Israeliten anerkennt, st« aber von der Verwaltung der höchsten StaatSämter ausgeschlossen wissen will. Da findet er auf einmal in dem bekannten ungarischen Reisende» ArminiuS Bambäry einen Secundauteu, der in einem an die Redaction des „Diritto" gerichteten Briefe erklärt: daß er die Israeliten aus weilen Reisen bei vielen Völkern, welche auf den verschiedendsteu Kulturstufen ständen, studirt und dabei gefunden habe, daß die Israeliten immer und überall die nämlichen find, und daß sie auch vou den verschiedensten Völkern gleich beurthcilt werden. Sie gelten demnach in der Regel für fleißig, betriebsam, beharrlich, nüchtern und sparsam, aber auch für habsüchtig, falsch, iulriguant, betrügerisch und für Menschen, die ihren Prioaivorthell über das Wohl des Staates setzen, unter dessen Schutz sie leben, und sie werden deshalb mit Recht von den höchsten StaalSämtern ausgeschlossen. Der „Diritto" entgegnet darauf, wenn die Juden in den von Herrn Bambäry bereisten Ländern so übel berufen wären, so sei daS jedenfalls weniger ihre Schuld als die der Gesetze und Verhältnisse in jenen Ländern. In Italien, wo die Israeliten vollständig emanzipirt sind, nnterscheiden sie sich nicht mehr von den Staatsbürgern. Sie treiben nicht blos Handel und Gewerbe, sondern sie erwerben Grundrigenthum, legen Fabriken an, werden in di« Kammern gewählt, zu Senatoren ernannt, und e» ist kein Grund vorhanden, sie von den Miiirflerftühle« auszuschließen. Wenn aber die öffentliche Meinung in ihnen di« Gleichheit vor dem Gesetz« versagt, so ist e« die Pflicht gebildeter liberaler Schriftsteller und Reisenden, di« Vorurtheile gegen di« JSraeliten zu bekämpfen, nicht aber sie aufrecht zu erhalten. Den treffenden Ausführungen de« italienischen BlatteS wollen wir nur noch hinzufügen, daß Herr Bambäry allerdings mit einiger Berechtigung rin so baNeS Urtheil über die Juden fällen konnte, denn er selbst ist ein getaufter Jude und hieß Weinberger. Allein er thvt Unrecht, von dem Einzelnen auf di« Gesamintheit zu schließe»" Hieraus richtet nun Professor Bamb^ry — wie 'vir dem „P. L." entnehmen — an da» italienische Journal „Jl Diritto," nachstehende» Schreiben: Pest, 17. September 1873. Herr Redakteur! In den ungarischen Journalen find« ich eineu „Bambäry über die Juden" überschriebeuen Artikel al» Uederfetzung eines Origiimlartikel», den Ihr Journal jüngst während meines Aufenthalte» in Triest von mir erhalten zu haben angeben soll. Gestatten Sie mir zu konstatiren, daß ich nicht der Bersasser jener in Rede stehenden Zuschrift bin, daß ich bi» zur Stunde kaum eine oder zwei Nummern Ihres schätzbaren Journal» gesehen habe, und daß e» jetzt schon nahezu dreizehn Jahr« find, daß ich nicht in Triest gewesen bi». Ich bedaur« unendlich, da» Opfer ein« solchen Mystifikation gewesen zu sein, unb in der Voraussetzung, daß auch Sie e» nicht gleichgilt.g hlnnehmen werden, von irgend Jemand dupirt worden zu sein, bitte ich Sie, Rachsrwschunge» anstreben zu «ollen nach jenenl Individuum, welches die unerhörte Unverschämtheit hatte, meinen Namen unter «ine Zuschrift zu setzen, die ich nicht geschrieben hatte. ' Armtniu» Bambäry, der orientalischen Sprachen an der kln. Unioerslitt in Pest. Lemberg, 22. Sep». Die Wahlbewkgung hat endlich auch bei un« da- Stadium der Vorbereitung überschritten, und werden bereit« die für bestimmte Wahlbezirke seiten» der einzelnen Parteien ausgestellten Candidaten namhaft gemacht. Zum Behufe der Feststellung der Eandidatenliste hat auch gestern vr. Juliu« Kolischür die Mitglieder de« Central-Wahlcomite« der Juden Galizien« zu einer Sitzung einberufen. Bei der sofort vorgenommene« Ballotage drang vorläufig nur die Candidatur der Herren: Gemeindevorsteher vr. Heinrich Gottlieb, Rabbiner Bernhardt Löwenstein und Gemeinderath vr. Joseph Kohn durch. Obwohl «in diesbezüglicher förmlicher Beschluß de» israelitischen Eentral-Wahlcomite» erst adzuwarten ist, so wird Prediger Löwenstein im Eiädtewahlbezirke PrzemylS-Grodek und vr. Kohn im Städtewahlbezirke Tarnopol-Brzezan unter allen Umständen candidiren, da Beide von den Wählern der bezeichnet«» Bezirke hierzu aufgefordert wurden. Die Wahl de« Diener Advocateir vr. Oswald HönigSmann ist unter allen Umständen gesichert, er wird noch im Laufe dieser Woche vor den Wähler» de« Wahlbezirke« Kolomea-Buczacz-Sniatyn, die sich für dessen Eandidatur einfür allemal entjchieden haben, erscheinen und sein politische» GlaubenSbekenntniß ablegmi. In der wahrscheinlich schon morgen Abend« stattsindenden Sitzung de« israelitischen Central-Wahlcomite« wird die Kandidatenliste endgiltig festgestellt werden. Au» dem ikzechenlant«. Die „R. Fr. Pr." erzählt folgende Episode, die in einenl böhmischen Dorfe sich ,«getragen: „Sonntag früh weckte un« der Bater mit dem Rufe: „da« Magazin brennt," und lallt schreiend stürzten wir auf die Straße, denn schon schlugen dir Flammen au« den Fenstern de« ersten Stocke» und enzündeten da« Dach. Auch auf der anderen Seite brannten schon da« Comptoir, ein ,weite« Magazin und das anstoßende Hau«, welches ebenfalls unser Eigenlhum und vermiethet war. Rach drei Stunden war da» Dach de« Wohnhäuser weggebrannt, von den übrigen Gebäuden standen nur noch die kahle» Mauern. An» Löschen war nicht zu denken, e« nar kein Wasser da, und die Feuerspritzen waren ebenso müßig, wie viele hundert Menschen, welche au« den benachbarten Dörfern hrrbeiströmten; außer wenigen HanSleuten rührte sich kein Mensch, rettend beizustehen. Die Mutter, die Geschwister schleppten Kleider, Velten, Kisten auf die Straß«, unt> unsere ganz« Habe lag aufgehäufl auf dem Feld« vor dem brennenden Haus«. Ru» drängte sich die Menge heran, um zu stehlen, und trotz aller Wachsamkeit ging Biele« verloren. Doch e« sollte noch ärger kommen. In dem vernlietheten brennenden Hanse war eine Branntwein-Niederlage, da schlugt» nun di« Lente die Fenster ein, stießen di« Pipen au» den Fässer» und tranken auS großen Kannen den Branntwein, und bald ward die ganz« Menge ein trunkener Pöbelhaufen. In meiner Wuth riß ich Manchem di« Kanne, die er von der Spritz« geholt, und statt mit Wasser mit Branntwein -füllt hatte, au» den Händen; doch damit zog ich mir nur Dri hungen und Flüche zu. Der ganze Haufe näherte sich plötzlich dem brennende» Wohnhaus«, stürnlte die Treppen hinauf, und begann wahrhaft vandalisch zu wtrchfchafle«, indem er GlaSthüren, Fenster »nd Einrichtungsstücke zerschlug, die d>»S Feuer wohl verschont hätte. Sie werden sich da« Schrecklich; unserer Situation vorstellen können, al« rohe, trunkene Grellen Rufe »»«stießen, wie: „Werst den Juden in« Feuer" u. s. ». So ist e« in Böhmen auf de« Lande mit dem Feueil-schwese» bestellt.

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