Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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naunb'. C# soll», Personen fein, die sich dem höhere» Lerw«ltung»fach« widmen und bereit» im vorigen Jahre einen ähnlieden Exzeft gegen eine Dame verübt haben, der aber damal» todtgescbwiegen wurde." (Die Sache klingt «mm» myiteriö»; wir haben in preuß. Blättern nicht« darüber gelesen. Die Unterfuedung wird wohl Stäher»« ergeben, ilied/l An« Aüchr» brachte die „Mn. Zeit." vor einiger Zelt folgenden Auszug au« dem jesuitischen Blatte „Echo »er Gegenwart" : „Seit unser», ersten Bericht über die heurige Sommeroper" wohnten wir noch den bei den beide» MoutagS- Borstellungen voriger und dieser Woche bei und trafen dadei zufällig aus die beiden Tendenz-Opern „Jüdin" von Halevy und „Hugenotten" von Meyerbeer, welche diese beiden Juden in Verbindung mit ihren „liberalen" Librettisten zur Zctt au«gedacht und mit dem raffinirtesten Glanze in Scenr gesetzt haben, um im Widerspruche mit der wahren Geschichte dte Katholiken zu beschimpfen, dagegen Juden und Protestanten mit einer gewissen Glorie zu umgehen. Unter Mithülfe der „Liberalen" aller Länder sind dies« Opern auf alle» Llhcatern unzählige Mal gegeben worden und haben ihrerseit« mit dazu beigetragen, alle die Ungerechtigkeiten vorzuber,iten, unter de nen die Katholiken heut« zu leiden haben. Und di« städtische Verwaltung von Aachen ist mehr oder weniger mitschuldig a» dieser Korruption, welche ein von ihr subventionirte« Theater verbleitet." Danach zu urtheilen, sollen Meyerbeer und Halevy quasi da« Fundament zu den neuen Kirch, »gesehen erlassen haben, und ist, wie die „St. Z." hinzufügl, die Möglichkeit nicht aiiSgelchlossen, daß bei der Composilion unsere« Stadtrathe« resp. de» daran« hervorgegangenen Theater So - mite« diese beiden Opern al« nicht opportun in heuriger Zeit von der Regie unserer Bühne verschwinden; ein schönere» Testimonium könnten sich unsere Römlinge gewiß nicht auSftellen. Au« Württemberg. An, Freitag bin 12. Sepibr. den 6. Etui wurde die neuerbaute Synagoge in Ulm emgeweiht und dem öffentliche» Gebrauch« übergeben. Die Einmeihung«- feier verlief in schönster Ordnung, unter Theilnahmr der Sivii- und Militärbehörden; die Festrede hielt BezirkSrabbiner Balder; die i«rael. Oberkirchrubehörde war durch Oberkirchcnvorsteher vr. Adolph Levi venreten. Die Synagoge steht inmitten der Stadt auf dem Weinhof, sie ist .m maurischen Style von Baurath Wolf in Stuttgart, den, Erbauer der Synagoge in Stuttgart und Rürr.berg, entwo.fen und erbaut. lieber dem Mittelbau erheben sich vier Thürme mit reich verzierten, vergoldeten Kuppeln. Da« Innere ist dreischissig, zu beide» Seilen die Frauencmpore, im Bieste» die Gallerte für Orgel und Synagogenchor. Die Stuckatur, Maler- und Schnitzarbeiten sind reich und kunstvoll auSgesührt. Da» Ganz« wirkt jedoch durch seine Pracht zu sehr auf die Phantasie und stört uiehr durch Zerstreuung die frrmmr Andacht gemüthtuher Beter. Di« Raum« sind fast jetzt schon zu eng sur die Gemeinde, die während der Baujahr« sich nahezu verdoppelt hat. Der Sultu» wird nach der Stuttgarter Gottesdienst- und Gebetordnung mit Orgel und Gesang abgehalten. — Von dem iorarlitische» L«seoerein in Ulm wurde euer Festschrift „Geschichte der Juden in Ulm" von Professor ür. Friedrich Presset herauSgegeöen. Die Schrift constatirt, daß Inden in Ulm seil dem elften Jahrhundert ansässig waren; der älteste Grabstein, den man entdeckt, ist vom Jahre 1263. Al» di« Stadt Ulm ihr Münster erbaute, verwendete sie in rmczoi-om dei gloriam di« Grabsteine de» israelitischen GoUesackers al« Werlsteine beim Bau. Die sogenannte Festschrift ist die historische Zusammenstoppelung von Judenoersolgungen „in Ulm, um Ulm und um Ulm herum;" da» ist nicht *77«^ niLM-sondern -77^ njp- Die Juden wurden zu Ende de« 16. Jahrhundert« von Ulm »««getrieben und ihrer Habe beraubt Seit 180» haben sich wieder in Ulm Juden angesiedelt, die eine Ftlialgemrind« von Lauphetm bildeten. 1845 gestattete dt« St israeiitische Oberkirchenbehörde in Ulm einen KlllalgvtteSdienst. Seit 1856 hat tte Filialgemeinde Ulm von der Muttergemeinde Laupheivl sich getrennt und bildete von da ab mit Ministerialgenehiuigung eine eigne Kirchengrmeinde, mit 30 Gemeindemitgliedern. Die Zahl der gegenwärtig in Ulm wohnenden Israeliten beträgt 187 Familien. — In Heild ronn wird anch 1 ine neue Synagoge erbaut. Die „Reckrrzeitun-" bringt folgenden Bericht: „Heill'ronn, 17. Sept. Bei der Zahl der hiesigen töraelitischen Gemsindeglieder war e« schon seit einigen Jahren schwierig, ja nahezu unmöglich, während der hohen Festtege dir Besucher de« Gottesdienste« in die engen Räum« de« Local» in der Kasern« unterzubringen. dazu gesellte sich heui-r die Befürchtung, e» möchte bet dem gegenwärtig hier herrschenden gestörten (Gesundheitszustand gewagt sein, ein, solche Menge von Mensä en, wie sie an den hohen Festtagen sich zu versammeln p'lrgt, während der Dauer eine« Vormittag«, oder gar eine« ganzen Tage« in die beschräntten Räum; de« Betlocal« einzuzwLngen. Da» Kirchenvorsteheramt beschloß daher einen zweit:n Gottesdienst abzuhalten und hierzu ein geeignete» Local ausf noig zu machen. Man wandte sich zunächst an den Herrn Director de» hiesigen Zellengefängntffe», um die Kirche (?) de» bisherigen Zuchspolizeihause« zu diesem Zweck zu erlangen; mit danken »werther Bereitwilligkeit wurde fetten« je.ier Behörde da» genannte Local zur Verfügung gestellt, zugleich aber bemerkt, das, ein Theil der Kirche zur Aufnahme von wegen der Cholera Evacuirten zu dienen beftimmr sei, weshalb hiervon Absta ü> genommen werben mußte. Da wurde e« bekanitt, daß die SchwurgerichlSsitzungen für diese» Quartel ausfallen sollten; die Nähe de« chwurgericht-saals bei der Synagoge mußte den Gedanken erregen, sich um Einräumung oe» Schwurgerichtssaal« zu bemühen. Der Herr Director oe« hiesigen «rei»gerickt«hof» sagte zu, die Angelegenhett sofort mit seiner Befürwortung an da» K. Justizministerium berichte« zu wollen. Heute nur. kam schon ein Erlaß de« Directoriunr» de« tzies. KreiSgeriöstShof« an da« Kirchenoorsteheramt, worn demselben die Gewäyrung de« SchwurgerichtSsaal« zur gotte«dienstlichen Feier während de» Neujahrsfestes und am Ber ShnungStage angezeigt wurde. Die hiesige i«r. Gemeinde ist dcn genannten hohen Behörden zu großem Danke verpflichtet unl> hocherfreut über die Liberalität, mit der man ihr entgegenkam." In Heilbrou» starb in der ersten Woche de« Sep tembers »Herr Rechtsanwalt Vr-. Moritz Kallmann", 57 Jahr« alt. Derselbe ftubitt« in seiner Jugend mosaische Theologie, war Schüler de» seligen Jakob Ettlinger, als derselbe noch in Mannheim an der Clause viele Talmudjünger um sich versammelt hatte. Von Mannheim trat er in da« Gymnasi-cm nach Stuttgart über und bezog 1835 die Universität Tübingen. Da er al« Rabbinatscandida. keine Aussicht auf Verwendung in Württemberg halte, wandte er sich dem Studium der Recht-wiffenSschast zu. Seine poetische Begabung und sein feiner Humor erwarben ihm viele Gönner und Freunde. Er und seine israelitischen Studiengenoffen Pf laue», der al« Oberjustizprocurator in Ellwangeu starb, und der selige in Bunzlau als Rabbiner verstorbene ür. Güldenstein mit dem Oberlehrer Alexander Esässer bildeten einen eigenen Club, um jüdisch-wissenschaftliche und jocielle Frager, zu erörtern. Manches fliegende Blatt wurde in die Zeitschrif ten und Tageblätter von diesem regsamen Jünglingsquartettc hinausgesandt. De« Leben« Ernst stellte sich aber bald bei ihm ein, denn nach glücklich bestandenen Staatsexamina lies; er sich al« Rechtsanwalt in Hellbronn (1844) nieder. Ec errang sich eine schöne Rechtspraxis, und in bürgerlichen Kreisen fan!» sein cordtale« humoristische» Wesen, gepaart mtt strengen RechtSsinn, allgemeine« Wohlgefallen unii hohe Achtung. Er wurde auch mehrere Male in das städttsche Collegium al« Stadtroch gewählt. — Bei der Grürümng b<x israel. Gemeind« in Heübromr war er eifrig thättg und sungitte al» «Uglte!» de« Kirchenvorsteheramt«» bi« zu seinem Tode. In seinem Familienleben — er war mtt einer edlen Gattin, ged. Leeser au» Fulda, verhettathet — waltet« Msch religiöser