Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-5935020-5935729--1850-5371400
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 306 BeMu. Offizw» schreibt man: »©* ist in hiesigen Blätter» Mchrsitth zur Sprache gebracht wordenbaß am 2. Sept. am Fuße br? Sirgesdenknuu« wohl die christlich«, nicht aber di« jüdisch« GeistlichLit vertrete» gewesen sei. Es versteht sich bei dem Gerechtigkeitssinn de» Monarchen wie den die Regierung beberrschenden Grundsätzen von selbst, daß diesem Umstände keiuertei Übficht, sondern lediglich ein bedauerlicher Jrrtdum zu Grund« gelegen hat. Nichtsdestoweniger wollen wir den letzteren hierdurch noch ausdrücklich und mit dein Hinzufügen coustatiren, daß die Ursache desselben nur darin zu suchen ist, daß bei der Einladung der Vertreter de» Rabbinal» mehrere Behörden bethelligt sind, von denen jede der Meinung war, daß die andere die betreffend« Einladung erlaffen hätte. Berlin »Hebr. Leader" berichtet, daß Herr Ezechiel, ein junger jüdischer Künstler auS Eincinnati, den Michael Beer'- fchen Preis für Eculptur durch di« Berliner Königl. Acabcmre erhalten hat. Bisher waren Ausländer nicht zur Mitdewerduag zugelaffeu worden, in diesem Falle wurde beschlossen, von dieser Beschränkung Abstand zu nehmen. Ezechiel hat seine Studien in der Berliner Akademie gemacht oder doch vollendet. Das preisgekrönte Werk ist ein Relief, 8 Fuß breit, S Fuß hoch und stellt »Israel auf der Wanderung" dar. Tiefes wir» durch eine, die Mille des Bilde» einnehmende, kräftig« männliche Figur dargeftellt, welche in klagender Stellung di« Blicke gen Pimmel richtet, während der rechte Fuß auf da» zerschmetterte goldene Kalb tritt. Ans Beschreibung der übrigen Figuren der Gruope — Jerusalem, Gesetz und Poesie, durch Moses und David dargeftellt, u. m. a. — können wir hier nicht eiugehen, müssen jedoch bemerken, daß tz. Ezechiel der herrschenden Religion (wir wollen nicht sagen: den Preisrichtern) doch eine mit dem Bekenntniß eine» Inden ganz unverträglich« Conceffion gemacht hat. Wir überg>hen dies mit Stillschweigen; es scheint aber, als ob in der Thal da- Judenthum der Bildhauerkunst nicht günstig wäre, oder richtiger, daß letztere sich schwer in die durch jenes gezogene Schranke fügen kann. Es versteht sich, daß wir dabei nicht bloße Portraitsculptureu «einen und von der Zulässigkeit gewisser Bildhauerarbeüen. «ach der Strenge des jüd. ReligionSgesetze« überhaupt hier abjehen. K. Au» Thünuge» (Or.-Sorr.) Ist «» zwar Seinem «in Grheimniß, daß selbst in den gebildetste» Kreisen de« christlichen Bevölkerung da» wahre Wesen de» Judenthum» seine volle Würdigung noch immer nicht gefunden hat, so ist e» doch immer von Neuem interessant, wenn auch bedauernSwerth, Zeichen und Beweise der einfältigsten Auffassung über das Judenthum zu begegnen. Gestern erhielten wir auf unserem kleinen Laadstädtchen durch die OrtSbnchhandlung die allwöchentlich wechselnden Journale und unter diesen auch »die Grenzbolen", auSgegebe» am 7. März 1873. I» unserem Keinen an Intelligenz arme« Städtchen beschränk sich der Leserkreis diese« interessanten Journal» auf Wenige und gehört da»selbe bei der idyllische» Ruh« de» sonstigen geistigen Leben» mit zu de« erfrischenden Abwechselungen, di« nicht ohne Einfluß bleibe«. Bi» jetzt fanden wir nur in den Grenzbotrn fast gar keine irgendwie bemerkenSwerth« Erwähnung de» Judenthum«. Di« oben erwähnte Nummer aber bespricht S. 3S4 bi« S. 40V die Sitzung de« preußischen Abgeordnetenhauses vom 24. Februar und vorzüglich den Allgriff gegen die Ausgaben für de« Oberürchenrach. Der Verfasser de» Aufsatze», ersichtlich ein Protestant und de« Anscheine «ach der freieren Auffassung de» Protestantismus zngethan, wendet sich ganz besonder» gegen die damalige» Au»lassungen Lirchowh. Dieser berühmte Redner verlangte bekanntlich di« Abschaffung jeder allgemeine» Krchlichen Behörde und behauptete unter Hinweis auf da» Judenthum, daß e« zur Erhaltung einer Kirche einer gemeinsamen Oberbehürdr nicht bedürfe. »E« könnt« die katholisch« Kirche ohne Papst und die evangelische ohne Oberkrchenrath existiren." Diese Birchow'sch« Behauptung glosfirt der Verfasser folgendermaßen: "»Rau traut feiuer: Ohren kaum. Da» Judenthum — »«xc wüßte da« nicht — war nicht eine bloße GlaubenSrich- »tung, sondern eine Nationalität, und »war eine bei allen »Böllern, in deren Mitte e» sich niederlkeß, unterdrückte und »hart behandelte Rationalität. In seinem Glanben fand da» »Jnde-uhum nicht nur ten Schutz seiner Rationalität, sonder» »auch da» Mittel einer besonderen socialen Organisation, die »ihm aufgedrungen wurt«. well e» nirgend, bis auf die jüngste »Gegenwart herab, da» Bürgerrecht der Einheimischen erlan- »gen konnte. Und weil unter diesen seltensten Verhältnissen „der jüdisch« Glaub« ohne einen de» Staatsbehörden coordinir- »ten, in die Augen fall» »den centralen AmtSorganiSuul« sich »behauptet hat, daraus lchließt Herr Lirchow, dasselbe werde »der Fall sein mit jeder ander« Glaubensrichtung, welche »nicht gleichzeitig von RaceiilUstinK und von dem Bedürfniß »socialer Rothweht getragen wird? Mit solchen elenden »Gründe«, für deren Wrrthlofigkeit e« keine« parlamrntari- »schen Ausdruck giebt, lnhandelt dieser Redner di« folgenschwersten Fragen." So weit die Grenz boten. Welch' irrige und einseitige Auffassungen sind doch in diese» wenige» Worten enthalten! Zunächst wird da« Judenthum al» GlaudenSrichtung angesehen, bei welchen! Termin«» man ja zunächst an Dogmen denken müßte. Mari kann doch ein« Religio», die von ihren Bekenner» vor Allem Thaten, sittliche« Thun, fordert, wohl nicht ein« Glauben«richtung nennen. Der Verfasse: muß die Unzulänglichkeit gefühlt haben, und darum behauptet er, da» Judenthum sei eine Rationalität. Wir wollen ihm diese» nicht bestreiten, da wir auf die volle, wortgetreue Auffassung de» BTHp D9 nicht verzichten. Aber Rationalität ist jenem Verfasser doch etwa« Andere», al« unser BAip DP. Er sieht in dem ganze» Ringen und Kämpfen de« Judenthum» nicht« Andere» al» da» B streben »ieine Rationalität zu schützen und sich unter dem Druck der Berhältniffe eine besondere Organisation zu schaffen. Und zu diese« Streben fand «» in seinem Glauben ein gute» Mittel." Also nicht der Gottesdienst, die Erhaltung der heiligen Lehre und dre volle Verwirklichung derselben, sondern dir Rationalität zu schützen war der Zweck de» israelitische» Leben», und der Glaube war nicht höchste« Ziel, sonder« Mittel zur Erreichung rein materieller Wünsche! Da« kann «» »och Irrigere» geben al» da«! Dian möchte auSrufen: ES fehlt manchen Menschen factisch die Kraft, da» Judenthum zu verstehen! Wenn wir auch nun gar nicht läugnen wollen, daß, wie der Berfaffer e» thut, wohl gezweifelt werden darf, ob auch der Katholizismus und der Protestantismus ohne central« Leitung sich erhalten könnten, so könne» wir ch« wahrlich nicht zustimme», wenn er da« Wunder der Erhaltung de» Judenthum« durch Raceuinstinkt und sociale Rothwehr ervärt. Wir haben dafür schönere Bezeichnungen. Nicht Raceninstink, sondern da» jüdische Herz, nicht die sociale Rothwehr, sondern der Heilige mit seiner Wundertraft hat un« erhalten. tvesterretch. Lrmberg. »Ein Vierteljahrhundert ist verflossen, seitdem Rabbiner Abraham Kohn, der hier zuerst die deutsche Predigt einführte und eia« deutsch« Sch rl« in'« Leben rief, da» Zeitliche mit dem Ewige« oerwechsell hat. Di« Tempelverwaltung meinte den 25stchrigen Sterbetag besonder» au»- zeichnen zu müssen und ver rnlaßt« daher eine große Gedächtnißfeter, an welcher Rabbiner Lüwenftein eine dieser Feier angemessene schwungvolle Red« gehalten, in der er da»'Wese», da» Leben und Streb«,, sowie amh da« Wirke» Abraham Kohn» in sehr beredten Worten schilderte. Zu» Schluffe regle der Redner zum Audeaken diese» um den Fortschritt in Galizien im Allgemeinen und in Lemberg iuSbesondere so hochverdiente» Rabbiner» die Bildung eine» Stipendium» unter dem Kamen »Abraham «ozn's Stiftung" an. Diese Idee wurde sehr gut aufgeaomme», und zur Realisirung derselben bildete sich gleich darauf ein llomite, bestehend an» den Herren:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.