Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 202 — anstallen deren eigenem Ermesse» überlasten. An den öffentlichen Anstalten ist e» gestattet, die Schüler auf Wunsch der Eltern von den, Religionsunterricht zu entbinden, sofern für ausreichenden Ersatz gesorgt ist." Wie«. Eine von Herrn Hofrath v. Weil als Sprecher geführte Teputation der hiestgen israelitischen Allianz hatte die Ehre, einer Audienz bei Fürst Milan von Serbien, um die Verbesserung der bürgerliche» Verhältnisse der jüdischen Unterthanen de» Fürsten zu befürworte«. Nachdem in eingehender Besprechung die Angelegenheit von beiden Seiten erörtert worden war, gab der Fürst die Versicherung, bei seiner Rückkunft nach Belgrad ein ihm dahin nachzusendende» Memoire der israelitischen Allianz einer ernsten und gründlichen verathung unterziehen zu wollen. Pest. Eine erste Folge d«S EdictS über Gründung eines RabbinerfeniinarS haben wir in dem Wiedererscheinen de» „Traditionellen Judenth." Wenigstens ist in dem Borworte der ursächliche Zusammenhang so dargestellt. Als Redakteur zeichnet wieder „vr. Freund" (--- Ehreittheil alias Hammerschlag ) Ob die ungarischen Echomre hadath, d. h. die Reste der Agitatoren, von denen sich inzwischen fast alle Rabbiner von Ruf offen loSgrsagt haben, sich wirklich wieder de» fraglichen Jndividuuni» bedienen, oder ob rein persönliche Motive (Krach-Verluste) daS Wiedererscheinen de» Blatte» herbeigeführt haben, ob jetzt ein andere» Wesen hinter der MaSke steckt — da- Alles begehre» wir nicht zu wissen. Besancon. Hr. Weil-Picard hat seiner Vaterstadt 50000 FrcS. zur Anlage einer Wasserleitung geschenkt, nachdem er bereit» 30000 FrcS. zur Gründung einer weltlichen Töchterschule gegeben hatte. Aitw. Gegenüber den Berichten über di« Härte bei der Judenausweisung oder Austreibung bringt die „Jüd. Pr." einen Bericht von einem jüdischen Correspondenten au» Rußland, welcher di« Sach« in niildereni Lichte darstellt, stiem sei den Russen «ine heilige Stadt, Sitz der höchsten Geistlichkeit, nur in einzelnen Stadttheilen fei den Juden Niederlassung gestattet; al» diese Erlaubnis überschritten worden, seien die Popen einaeschritten. „Grausamkeiten gegen Personen sind nicht vorgrsallen, und wirkliche Ausweisungen auch nicht, (?!) die Juden sind nur in ihre durch da» Gesetz oorgeschriebene Grenzen verwiesen worden. Durch Extravaganzen deS Chassidismus und offen zur Schau getragenen Hasse» gegen die Christen machen sich leider viele Inden sehr verhaßt, sie würden bestimmt «in ungleich bessere» £oo» haben, wenn sie sich wie in Deutschland, fromm, aber nicht gehässig gegen Andersgläubige zeigten stein Wunder daher, daß da» Bete» auf der Eisenbahn verboten ist, und wenn eS geschieht, ein Absitzen auf der nächsten Station zur Folge hat. Ich bin diese Woche auf dem Dampfer von stiew nach Tscherkassy gefahren, daS Verdeck des Dampfers war voll mit Betenden, die mit Demonstratio» in TalliS und Tefillin dastanden. Jeder, auch der Fronime, aber Einfache, wandte sich mit Abscheu von solcher offenbaren Herausforderung fort. Wenn man nur geduldet ist, wie es leider! hier der Fall, ist eS da Recht, immer ostensiv aufzutrelen?" — Dem gegenüber stehen die Berichte der „stön. H. Z." und anderer Blätter, wonach 3000 ganz arme Jude--, ans stiew ansgetrieben worden, nachdem man sie mit Hc.rte behandelt und gleich Verbrechern «ingesperrt hatte, während allerdings etwa 5000 reiche stausieute, Handwerker u. dergl. bleiben dürfen. Loudo«. Charles Woysey, ein neuerdingS vielgenannter theologischer Schriftsteller, gratulirt in einer an „Jew. World" gerichteten Zuschrift seinen iSrael. Mitbürgern zur Beförderung de» Sir G. Jeffel. Er sagt u. a.: „Solch ein Ereigniß ist ein Abschnitt in unserer neuesten Geschichte, e» ist eine Ehre für England, welche» jetzt unter den schuldigen Nationen voransteht, üm vergangene Jahrhundert« der Bigoterie und grausame Verfolgungen zu sühnen. . . Mein Herz schlägt, wenn ich an die mögliche» Folgen dieser veränderten Lag« Ihre» Bvlke» denke. Werden sie im Stand« sein, da» Glück «it derselben edlen Stärke zu ertragen, welche fl« 1800 Jahr« lang im Unglück bewiesen haben? Werden fl« dem feinen Gift der Gunst und der Schmeichelet widerstehen können, wie sie den Versuchungen zum Abfall unter Drohungen mit F««er und Schwen widerstanden haben? Die Luft, die wir athmen, ist gesättigt mit Verlockungen, Gott und unser Gewissen für sociale Vortheite zu verrathen.... Ich habe di« festest« Ueberzeugung von der Bestimmung de» jüdischen Volk« und seiner göttlichen Mission in der Welt. Da wir, nach allen Zeichen der Zeit, am Borabend einer großen Umwälzung in den religiösen Ansichten stehen, in welcher der jüdischen Rac« «in hervorragender Antheil znsallen wird, so würde e» da« denkbar größt« Unglück fein, wen« die hervorragendsten und «inflnßreichste» Männer unter ihnen einen Augenblick in ihrem heiligen Glauben schwanken oder auf «in einzige» Flüstern der verrätherischen Sirene lausihe« würden, weiche darauf lauert, sie zu verführen." Woysey ist Christi Sr gehört auch nicht zu den streng orthodoxe» Theologe». Mußten wir nicht wünschen, daß seine vorstehenden Worte in jedem iSrael. Hause gelesen würd«n? Jaffa. Baron Hirsch 'hat der Ackerbauschule 25000 FrcS. geschenkt. Australien. Einem Berichte de» „I. World" au» Melbourne entnehmen wir nachstehende Personaluotizen. „Wir haben drei Juden in diesen Colonieu, „selbstgemachte Männer." Edward Cohen, Minister für Handel und Zölle in dieser Colonie; Saul Samuel, Gtneral-Postmeister von Reu-Südwale», jetzt auf der Reise nach England und An»«rika, um wegen einer neuen Postverbindung zu unterhandeln; Juliu» Vogel, erster Minister für Reu-Seelaud." Letzterer ist 1885 in London geboren, hat sich in Südamerika erst dem kaufmännischen, dann den» Bergsache ge«idv»rt und dann mehrere Blätter in Australien geleitet. I8SS beneidete er da» Amt de« General- Postmeister». >i Feuilleton. U«fiehtda*e Feffelu. Original-Stovea« von I. 1l. Lichteaterg in Rewyort. (Fortsetzung.) Nachdem e» Mittag seit seinem Abgang« von Houstonstreit geworden, fühlte er sich hungrig und durstig und schaute nach einem Erfrischungsorte, der ihm auch bald in Gestalt eine» LagerbterSsalon« freundlich winkte. Bärchen setzt« sich uud bestellte bei der hübschen jungen Wirthin Brod, Käse und Bier, aber währenddem, immer die Hand in der Tasche haltend, versank er in tiefe» Nachdenken und simulirte über seine heutig« Expedition und deren Folgen, so daß er seine» Hunger ganz vergaß und nicht bemerkte, daß sein Essen und Trinken schon für ihn gebracht, und di« schmucke Wirthin mit geöffneter Hand auf Bezahlung «artete. „Er wird vermuthlich die tzand hinter dem Rücken halten," sagteBärcheu für sich und steckte ihm heimlich «inen hinein, und Bärchen zog gedankenvoll die Hand aus der Hosentasche, hielt einen große,. Ochsenfrosch umfaßt und drückt« ihn der Wirthin in die dargereichte Hand. „Lassen Ei« ihn aber nicht fallen," sagte er dazu naiv, und wurde erst durch da» Zetergeschrei de« jungen Weibchen» au» seinen Träumen geweckt, di« den Frosch klatschend auf den Fußboden fallen ließ und bleich und zitternd auf «inen Stuhl sank.- Al» Bertha am Abende auf daS Klopfen Bärchen» ihm die Thür öffnete, schrack sie zurück, von seinem Gesichte war nichts mehr zu bemerken. Die Augen waren fast geschloffen, die Lippe» hatte» da» Dreifach« ihrer gewöhnlichen Dicke, und die Nase sah auS wie ein Kürbis. „Sind Sie e» Bärchen?" fragte Bertha ängstlich. „Das heißt, ich war es," sagte dieser, „jetzt bin ich nur