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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 293 — noch ein Stück Dklfsteak) bt« vom Metzger ßehörig »erklopst worden ist." - 'A; ' ■ ‘ „Um Gott! mal ist Ihnen denn passirt?" fragte Jene weiter. „Ich Hatz« nachgedacht, und diese verfluchle Gewohnheit wird mich wobl noch an den Galgen bringen, denn Sie hat mein Nachdenken um Ihren Bräutigam gebracht, und mich hätte e« bald niein Leben gekostet. Aber meint Medzin habe ich gerettet," setzt Bärchen frohlockend hinzu. Beide begaben sich hinab in die Küche, und nachdem velah ihre Brrwunderung über Bärchen- Aussehen au-gedrückt, beeilte sie sich, ihm kalte Aufschläge auf das zerschlagene Gesicht zu machen, und Bärchen saß den ganzen Abend, wie ein indischer Büßer, da- Gesicht mit einein weißen Tuche bedeckt, da Am nächsten Morgen jedoch begab er sich, mit Instruktionen versehen, in den Hinter-Parlor zn Herrn Deermoore, der sich über Bärchen- Aussehen förmlich entsetzte. „Waist Ihnen denn geschehen?" fragte er nritleidig. „Da haben St« ganz allein die Schuld," sagt« Bärchen mürrisch. „Ich? Wie so da«?" „Na! wißen Sie denn nicht, daß Rabbi Schlomah, der große Zauberarzt von Jerusalem, angekommen ist?" fragte Bärchen. „Ich? Nein, nicht ein Wort, ich Hab« von Luch allen gehört, er kommeaber daß er hier sei, hätte ich mir nicht träumen laßen. Waren Sie bei ihm?" fragte er hastig weiter. „Da habe ich ja eben meine Prügel bekommen," sagte Bärchen mürrisch. „Ist er denn so gefährlich, daß er Sie so zugerichtet?" „Sr gerade nicht, er ist ein feiner alter Mann mit langem Barle, aber er hat einen bösen Geist, den hat er an der Kette liegen, und dem kam ich zu nahe." „Merkwürdig!" murmelte Herr Deermoore, und sagte dann beinah« ungläubig; „Aber ich glaubte, egebe keine bösen Geister mehr." „Wie närrisch! so lange enoch Hexen giebt, die einem einen Frosch in den Leib wünschen können, giebt e« auch noch böse Geister, und wett eben der Rabbt den Seist gefesselt hat, kann er jeden Kischeff*) lösen." „Ja! ja,, Sie mögen Recht haben," sagt« Deermoore nachdenkend; „ti thut mir leid für Sie, daß Sie so iS» dabei weggekommen sind, aber wenn ich gesund werde, kaufe ich Ihnen den größten Pack Waare, den je ein Veddler geschleppt." **) „Schon gut! Herr Deermoore, versetzte Bärchen erfreut, er hat mir versprochen. Sie zu turiren, und kommt vielleicht beute noch, nur hat er eine Bedingung daran grkuüpst, die Sie ihm erst schwören müffen, sonst kommt der Zauber re» gelmäßig wieder." „Ich schwör« Alle«, wa« der Rabbi will, nur soll, er mich von meinem Glend« befreien, und auf Geld, ihn zu belohnen, kommt e« mir auch nicht an." . „Daist e« eben," versetzt« Bärchen, „Geld dürfen Sie ihm keineanbteten, sondern wa- Sie für Ihr« Heilung bestimmen, müffen Sie im Stillen an Arme au->heilen, denn der htabbi ist sehr reich und braucht Ihr Geld nicht. Ferner dürfen Sie nie sagen, wer Eie gesund gemacht, nie seiner erwähnen, oder nur ein« Ahnung kund werden laßen, daß Sie je von ihm gehört." „Gut," antwortete Deermoore erfreut: „Alledawerde ich schwüren." „Schwören Eie e« in meine Hand, ich werde e« in di« sein« schwören, denn so will e» der Rabbi, — und er wird »1 Zauber. **) Si mag vielleicht vielen Lesern unglaublich »ortemmen. daß man vor 2S Jahren noch so stets an böse Geister und Zaubere, glaube» konnte, versaffrr kennt »w«i Fülle, «in« vor S und «inen vor S Lahren, die in jener Gegend uitgthturr« Aussehen erregt, und Houston» street und Nachbarschaft glaubt heut« noch an Hexen und Hexerei«» sowie böse und gut« Geister. 3>. 8. ■?, heute noch kommen," sagte Bärchen feierlich, wa« feinem blau geschlagnen Gesichte einen komischen Anstrich gab. Bärchen verlieb, ilachdem Deermoore seinen Eid abgelegt, da» Hau« und bega i sich in -in« nahaelegene Wirthfchaft, wo Stonehill ihn erwa :tete, mit dem er lauge sprach. Nachmittag« trat Bärchen wieder bei Herrn Deermoore ein und «rsuchte ihn, sich zu Bette zu legen, da der Herr RcR>t svs leich kommen würde. Drei moore that wie ihm geheißen, und Bärchen deckte ihn mit ciuem großen gewirkten Tuche zu, befahl ihin, sich nicht zu legen und ketnerlei Fragen zu stellen, der Rabbi wolle ihit nicht anseben, aber trotzdem seine Krankheit errathen. Rach einer halben Stunde ängstlichen Warten«, während welcher Z:il Deernzoore wie ein Bär unter der gewirkten Decke schnitzte, erscholl dir« Geräusch von Wagenrädern, welche« vor Deermoore'« Hause plötzlich aufhörte. Der Klopfer ertönte; e wa« später hörte Deermoore da« Oeffnen der Slubenthür«, ind eine fremdartig« Sprach« schlug an sein Ohr, welche er bald für Hebräisch erkannte, ohne jedoch die Worte zu versteh!», da er eben kein großer Gelehrter war. Um so mehr beeuidetr er Bärchen, welche« sich sehr fließend in dieser Sprach« nit der andern Stimm« unterhielt. Obgleich Deermoore vor Aufregung da« Herz klopfte, konnte er der Neugierde nicht widerstehen, sondern schielte unter der Scko de« gewirkte» Tuche« hervor uud sah einen mit prachtvoller orientalischer Kleidung angethanen Mann vor sich stehen. Sin silberweißer Bart floß bi« auf den Gürtel de« Manne« herab. In der einen Hand trug er ein aufgeschlagene« Luch, und mit der anderen überreichte er eben an Bärchen «in gläserne« Gefäß, sowie selben«« Band und Siegellack. „Der Rabbi Schlomolh ist hier, Herr Deermoore I uni Sie von Ihrer langjährigen Krankheit zu bellen," sagte Bärchen feierlich. Sie wollen sich de»halb seinen Anordnungen fügen, dt« ich Ihnen in'« Deutsche übersetzen wer»«." Die Decke bewegt« sich von oben nach unten, zum Zeichen der Zustimmung. „Sie dürfen nicht schauen, di« Augen geschloffen halten und den Stund wett offen, denn jetzt werden die Zauber beginnen." Drei »vor« schloß jetzt wirklich die Augen, und der Angstschweiß trat ihm vor di« Stirn«. Run begann der Rabbi Miet er zu murmeln, dabei erhob sich im Zimmer rin Höllenspektakel, al« ob da« ganz« Hau« zusammenstürzen wollt«. An den Thüren wurde von Außen mit aller Gewalt geklopft, und kreischende quiekende Stimmen verlangten Einlaß; die Feusterscheiben nach dem Hose zu klirrten, wie vom Sturmwinde geschüttelt, und Deermoore hörte eine dieser Scheiben n it hellem Klange springen und die Scherben aa seinem Bette niedrrfallen. Sin Zittern und Schütteln überkam ihn, und er würde um Alle« in der Weit die Augen nicht geöffnet haben. Nachdem Herr Deermoore also gehörig vorbereitet schien, winkt« der vermeintliche Rabbi vlit der Hand, und die Poltergeister, bestehend au» Moscheh, Bertha und Jutta, welche letztere ihre Sache zu gut gemacht und die Fensterscheiben zerschlagen, schlichen sich, lächelnd au« dem Zimmer. Bärch<n aber zog leis« die Zapfen au« der Bettstelle de« Herrn Deermoore, reichte dann dem Rabbi ctnen, an einem Faden gebundenen Frosch, und hob die Decke von Deermoore ab, band ihm jedoch vorher ein Tuch über die Augen, unt schürfte dem Kranken nochmal« ein, ja den Mund recht weit iffen zu halte». Jetzt fühlte Deermoore ein leichte« Krabbeln hrnten im Halse (von Bärchen sehr geschickt durch einen Strohhalm verursacht), dann hatte er ein kalte« weiche« Gesühi auf der Zunge, wie wenn ein Stück Si« darauf her« «zappelte. Da erhielt er «inen tüchtigen Hhlag auf den wohlgenährten Leib. Sin fürchterliche« Krachen und er glaubte i i einen Abgrund zu stürzen, zugleich war di« Binde von feinen S ngrn gerissen, er blickte auf nnv befand fick am Boden. (Fpttsetzung-jolgt.)

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