Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 291 — dessen Schulenmcng« durchgehends keinen ander:» europäischen Schulen «achsteht, ignsrirt?;■; Wer da- Land kennt, e» ohne Voruriheil betrachtet, findet, daß hier die Landediprach« in Schule und Ha»tS gepflegt wird. E» will damit nicht gesagt sein, daß kutonu chachomim u. s. w., man findet wohl hier, wie überall sogenannte Orthodoxe; jedoch muß Jedermann gestehen, daß di» hierländisch« Orthodoxie durchaus mit keinru» FanatiSnmt, wie in Polen, Rußland u. d. g. verbunden, ja sogar toleranter ist, als irgendwo und für Schulen nichtsdestoweniger Lust und Lieb« zeigt. Planche haben wohl kein Vertrauen auf Regierungsschule»; allein sür jüdisch-rumänische! Schulen wird nicht nur kein Zetergeschrei erhoben, sondern begrüßen solche jededmal freundlich, und braucht man fie nicht erst aus der Lethargie zu wecken. Di« ursprünglich Brüsseler Lonfereiij ist leider in dieser Beziehung falsch berichtet worden. Wir fragen nur: Sind ihre Berichterstatter so kurzsichtig, daß sie die Schulenmenge in den Städten und Ruralgcmeindeu nicht gesehen; und kann'S uns Jemand i»S Gesicht sagen, ob irgend eine Stadt oder «in Dorsslecken in Rumänien, wo jüdische Familie» wohnen, sich findet, wo nicht jüdische Zöglinge die Schule frequenttren? - - Wäre er mit anderen Dingen hier zu Lande so bestellt wie mit Schulen! — Und ist nicht bereit» in einer Antwort auf den Aufruf vom Wiencr Comire in hebräischer Sprache zur Genüge, zum Theü auch statistisch bewiesen, daß jüdisch« «naben hur zu Land« in Meng« öffentliche Schulen besuchen, der Zweck jüd. Schulen dargestellt, und di« Ursache de« Verfall» derselben angegeben; zugleich constatirt, daß e» fast keine Lehrstlrb« giebt selbst bei Orthodoxen, wo man nicht rumänisch lernt? Und ist'» denn wirklich, daß Mangel an Bildung Ursache der Borenthaltung unserer Rechte wLi«? Ja, wenn dem so wäre, warum giebt man un» keine graduell« Emancipation? Habe« wir denn nicht rigorosirte Doctoren der Rechte, der Medizin, ja eine Menge der Jugend in den Universitäten, in Wien, Berlin, München, Leipzig, Brüssel und Paris? Eine weit größere Menge besucht Gymnasien. Warum wird diese nicht bevorzugt? Wenn wir nun trotz der hier bestehenden Lande»- und zum Theil auch TultuSschulen, letztere doch vervielfältigen müßten, um selbst Orchodoxe hereinznlocken, so erlauben wir uns di« Bemerkung zu »rachen, daß weder wandernd« Prediger, noch die spärlichen Geldmittel, n,it denen da» Wiener Executiv-Eomitö Rumänien uuterstützen möchte, dazu etwa» beitragen könnte; sonder», möge da« löbliche EomilL dahin wirken, daß unser Fürst, vor aller Freiheit und Bonheile, die er unS auf Jahr und Tag zu geben verschiebt, abgesehen von politischen und bürgerlichen Rechten, un» nicht stirsmütterlich behandle, unser Interesse beherzige, und un», wa» bei chm ein Leichte» wäre, und dazu keinen Kammerbischluß braucht, zur Eonsolidirung, von Gnneinden verhelfe. Wir »reinen damit, daß die,. Regierung den Ministerialbeschluß vom Jahre 1883, in jüdische Angelegenheiten sich nicht zu mengen, ausheb«, uu» Gemeindcstalulen bewillige, und daß die Ereirung de» israelitischen Vorstande» von den Behörden Unterstützung find«, den Fond für da» Gemeindebudget bestätige, dann werbe» sich schon fast in jeder Gemeind« Männer finden, die sür da» Wohl ihrer Brüder sich annehmen, für Schule und Bildung interessiren, für Spital und ander« philanthropische Anstalten sorgen werden. — Ist dieser Schritt gethan, dann wird da» Wiener Execuliv Somilä di« Auslage» für wandernde Prediger und Schulunterstützung ersparen und dafür ihre Mühe anderweitig für un» verwenden können, welche gewiß heilbringend sein wird. Jassy, im August 1873. B. Schwarzfeld, Vorsteher und Administrator der t»r. Zentralschule. Vermischte und neueste Nachrichten. Hil»e-Heim, den 1. Sept. Herr De. Jacob Guttmann au» Breslau ist gestern zum Landesrabbiner gewählt worden. (G. hat seine rabbiuische Ausbildung am jüd. thcol. Seminar zu Breslau erhalten.) Hamburg. Der Israelitische /Unterstützung-Verein sür den Einjährig-Freiwilligendienst, welcher e» sich zum Ziel gestellt hat unbemittelten qualifizirten jungen Leuten zum Abdienen itrer Dienstzeit durch Gewährung entsprechender Unterstützungen zu Hülfe zu kommen, hat auch zum bevorstet,enden Ein tellungStermiu, dem 1. Oktober, mehrere Raten zu verlheilen. Derselbe macht bekannt, daß die Meldungen derjenigen, welch« die Hülfe de» Vereine» in Anspruch zu nehjnen wLlschen, demnächst bei den» Vorsitzenden, Herrn Leopold Spiro, geschehen müssen. — Die Firma A. M. Goldschmidt in Altona erhielt von der Jury der Wiener Weltau-stelluag die „Verdienstmedaille " Berlin. Nach Verlauf vo» vollen zwei Jahren sind dir „Verhandlungen der zweiten iSrael. Synode zu Augsburg (nach de, stenographischen Aufzeichnung)" in Druck erschienen. (Bei Gei schel.) Jutroschill. (Provinz Posen.) E» dürfte auch für weitere «reise nicht uninteressant sein, zu erfahren, mit welcher sonderbaien Steuer — trotz de» aus allen Geboten sich zeigenden Fortschritt» — die hiesige jüdische Gemnnde belastet ist. I« früheren Jahren hatte dieselbe an di« katholische Kirckengrnicude ein« Quantität Pulver iu naiuiB zu liefern (jedenfalls behufs der früher üblichen Freudenschiissr am Ostermorgrn.) Der ehemalige jüdische Gemeindeoorjland ließ sich wegen dieser «igenlhümlichen Abgabe in einen Rechtsstreit ein, wurde al>er von dem Friedensgericht Gostyn (d. iL 7. Nov. 1828) abgewiefeu und eine Einigung dahin getroffen, statt de» Pulvers 3 Thlr. 10 Sgr. an die betreffende Kirche zu zahlen. Jetzt darf nicht mehr geschossen werden, und dennoch muß die Gemeinde bezahlen, da es bis jetzt noch nicht gelungen ist, iriefe, wenn auch nicht gerade drückend, doch gewiß höchst nilzeitgemäß« und durch nicht« gerechtfertigte Steuer (über deren Entstehung selbst di« Acten der Rcgieruug nichts enthalten) abzuschüttcla. — Cslmrg. Ein Act der Toleranz wird von hier geuieldet. Die vor Kurzem gebildete israelitische CultuSgemeind« hat von der Statt dir St. Nicolaikirche, welche früher den Katholiken überlassen war, unentgeltlich zu ihren AndachlSildungen eingeräunit erhalten. Bei der jüngsten Recrutirung spielte sich hier eine drollige Scene ab. Auf den Namensaufruf „Elbing" antworte!« ein bebender „Hier!", und vor die Comniission trat ein Grei» von etwa 70 Jahren. Schallendes Gelächter! „War wollen Sie hier?" „Ich habe GestellungSordre erhalten." Unter ungeheurer Heiterkeit klärte sich die Geschichte aus; Elb mg war vor 20 Jahren vom Judenthom zum Christenthum üdergerretcn, unter dem betreffenden Dalum in dar Taufregister eingetragen und figurine nun unter den „Neugeborene t." Höflinge». Der außerordentlich« Professor in der juristischen Focultät, Hr. De. Ferdinand Frensdorfs, ist zum ordentiickrn Professor ernannt worden. (Die Ernennung zum außerordenti. Pros, war noch von König Georg vollzogen und zwar, roitn wir un« recht entsinnen, al» dieser sich iin Juni 1866 vcr dem Tag« von Langensalza in Göttingen uushieit — also eine seiner letzten Regierung-Handlungen.) Ellstz-Lochriüge«. Da» ReichSkanzleramt hat ein Regulativ füi di« höheren Lehranstalten vo» Elsaß-Lothringen er lafftjz. lieber den Religivjr»unterricht wird am Schluß de» allgemeine» ThzU» in 8 13 bestimmt: „Die Behandlung de» Rellgivn»ü«terricht» blÄbt an den nicht öffentlichen Lehr-