Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 290 — geladen und aus dem Religionsunterricht geholt, mit der Bitte, dem auf dem Wege zur Synagoge sich befindenden Oberprästdenten dieselbe öffnen laffen zu wollen. Bemerkenswertstes ist trotz des Alltagskleioes des den Oberpräsidenten geleitenden Rabbiners laicht zu melden. Oesterretck. B»u der Douuu, I. September. (Or.-Corr.) Unter der anscheinend ruhigen Oberfläche glimmt das Feuer der Zwietracht weiter sorl, aber feit langer Zeit schon wird es von den streilsüchligeu Führern nur künstlich genährt und iminer aufs Reue ailgefacht. Diese Führer des „ullramontaneu" Judenthums in Ungarn, unbekümmert um das allerorten tiefempfundene und laut geäußerte Friedensbedürfniß, schüren den Haß und die Uneinigkeit aus vollen Kräften, weil eS ihnen so ül den Kram paßt, und west sie den Tadel der Uulhätigkeit von sich fernhalren wollen. Was kümmert es sie, daß in Folge ihrer Heinühungen Geschwister einander entfremdet worden sind, Gemeinden unter dem Fluch« der Trennung dahinsiecheu, ohne daß die einander feindlichen Theile klar wüßten, weßwegen sie sich fo unversöhnlich befehden, ja ohne daß iu Wirklichkeit ein wesentlicher Unterschied in der beiderseitigen Denkuitd Handlungsweise vorhanden wäre. Ader eS uinß Zank sein um jeden Preis, und weil nun kein anderes Object sich mehr darbictet, das dem sielen Zwist neue Nahrung böte, weil die Versöhnung aber wol noch nicht an der Zeit ist, so wird denn das Eeminarproject alS Popanz benutzt, um ftiedliebende Gemüt her nur ja nicht zur Ruhe komnitn zu taffem Das würdige Organ der Schomre hadalh, „Echeweß Achim" bemüht sich in letzten Nummern in gar zu auffallender Weise, den nunmehr sanctionirten Plan zur Errichtung einer Rabbinerschule alS einen verderblichen und gotteslästerliche» zu verunglimpfen. Und um feine lendenlahmen Argumeute zu stützen, veröffentlichte eS vor Kurzem eine Resolution des GemeindevorstandeS iu S. a. Ujhely, die zu kritifiren hier nicht der Ort ist, die aber gewiffermaßen als Parteilosung dennoch Beachtung verdient. Wir wollen nicht auf die Verdächtigungen eingehen, die gegen das zu errichtende Seminar als «ine Drillschnle gerichtet werden, wo die Zöglinge nach der Schablone „zugerichlel" würden, wir schweigen über den Hinweis auf die großen Männer des JudenthnmeS in der Vergangenheit und Gegenwart, die „orthodox" genannt zu werden verdienen und doch auch kein Seminar besucht haben. Der Vorstand der Ujhelyet Gemeinde, welche er selbst als «ine der bedeutendstett bezeichnet, verwohn sich in genannter Resolutioit aufs feierlichste und mit „tiefer Entrüstung" für alle Zeilen gegen die Wahl eine- Seniinarzöglings als Rabbiner. Zur Begründung dieses Beschlnffes wird mm zu allermeist die traurige Lage heroorgehoben, welche in Folge der finanziellen Ealamität im ganzen Land« herrscht und durch die in sicherer Aussicht stehende Mißernte noch weit trauriger zu werden drohe. Die Gemeinden seien demnach nicht in der Lage, ihre Institutionen aus eigenen Mitteln zu erhalten, bedürfen besonders zur Pfleg« beS Schulwesens der Unterstützung, und zwar dürfe dieselbe eben nur aus dem Schulfonvs geleistet werden. „Es fo.gt hieraus," sagt die Resolution wörtlich, „daß der der Gefammrjudenheit de« Vaterlandes zur Verfügung stehende Schulfond uitbedingt den volkserziehlichen Zwecken zuzuwrifen wäre, nicht aber denselben zur Erhaltung eines Institutes zu vergeuden, da« nur von Seilen einiger anitSsüchtiger oder auf einen Seminarlehrstuhl reflcclirender Individuen in Anregung gebracht wurde." Das ist also der Grund all des Haders und Streites, daß die Summen zur Begründung des Seminars au» dem beiden Theilen angehörigen Geld« bestritten werden, darum wird di« Religion als gefährdet, der Bestand de» Judenthum» al» untergraben dargestelll. So zeigt e» sich denn vor aller Augen, wa» den Einsichtigen schon lange klar gewesen, daß der Schwerpunkt der jahrelangen Uneinigkeit nur „nach Gold« drängt, am Golde hängt." Mit bewunderungswürdiger Kunst wird die öffentliche Meinung zu Mitleid für die arme« Gemeinden gestimmt, die doch so gern ihr Schulwesen, in ihrem Sinne, aus öffentlich:» Mitteln erhalten möchten, und dann uiit recht geschickter Wendung auf da» Eeminarproject hingewiesen, daS in facrilegischer Weise all diese frommen Pläne zu nichte machen würde. Darum allein, das kann keim Ehrlicher in Abrede stellen, werden alle Mächte aufgeboten, um die Verwirklichung des Planes zu Hintertreiben, denn die religiösen Bedenken allein würden eingestandenermaßen keinen genügenden Anhaltspunkt zur Bekämpfung des Seminar» darbieten. Unter solchen Vrrhältniffen ist es unabweisbare Pflicht, das endlich genchuiigte Statut zur Errichtung der Rabbinerschule ohne Zandern zu realisiren. Hier gilt eS, Thatkraft und feste Beharrlichkeit zu bekunden. Lauheit und Schwäche können den gegenwärtigen unerquicklichen Zustaud zu eiuem fortdauernden gestalten, während kräftige» Einschreiten ihm ein rascheerfreuliches Eude bereiten würde. E» gft jetzt mehr al» je, au» dem mühsam gepflegten Plaue eine Thatsache zu schaffen; mit der je früher« Verwirklichung desselben schwindet die Ursache des für alle Theile des öffeuUichen Lebens so verderblichen Bruderzwistes. (Diese Hoffnung vermögen wir nicht zu theilen; da aber oer Zwist auch ahne Seminar-Errichtung besteht, so möge da» Gute immerhin darum nicht unterbleiben. Der Vorschlag des Ujhclyer Vorstände» ist ein geschickt gebotenes Paroli, aber di« Finanz- und Ernte-Ealamitäten sind vorübergehend, und di« Vertheilung des Schnlfond» an einzelne Gemeinden würde erst recht zu endlosen ärgerlichen und dem»- ralisirenden Streitigkeiten führen. R«d.> 9tumi»ieu, Jassy. Wtr entnehmen dem Lemberger „J»r." nachstehend« Correspondenz. Wir übernehmen natürlich für die Richtigkeit der Schilderung rumänisch-jüdischer BilduugSzustäude keine Verantwortung (ebenforaenig wie für den Styl der Eorrefp.!) beachtenSwerch ist aber die Stimm« jedenfalls, und schon da» eine Beispiel de» Herrn Rabb. Taube» zeigt, daß die rumänischen Orthodoxen nicht absolut bildung-feindlich sind. „Wnn wir einerseits un» glücklich fühlen, humane Verwendung, menschenfreundliche Aufopferung, von nah und fern hervorgerufen durch die Brüffeler Eonferenz und das daran» entstandene Wiener Executio-Eomite, Geld, Zeit Und Mühe opfern zu sehen, um dei» JSraelste» Rumänien» hilfreich beizustehen; bedauern wir andererseits, daß e» beim besten Willen die Ausgabe bei Weitem nicht richtig aufgefaßt habe. Will ein Arzt seinen Patienten radikal curlren, so muß er, bevor er die Mixturen aufschreibt, diesen erst gehörig untersuchen. Ebenso verhält eS sich mit unferm Wohllhäter, dem Wiener Exccutiv-Comite. Wenn wir freudenvoll aus dem Sitzungsberichte vom 1. Juli l. I. entnehmen, wie fysteuurtifch Herr vr. Kurant« unferm Fürsten die Berhältalffe Rumäniens, und wie w:it da» Land durch die Judenverfolgungen leidet, dargestellt; können wir dennoch iricht umhin, zu sage», daß Herr vr. LazaruS in den Jrrlhum verfallen sei, daß der Mangel an Cultur bei den rumänischen Juden, die Ursache der Unterdrückungen wäre/ und um diesem Uebel abzuhelfen, Gründung von Schulen als Aufgabe stillt«/ und für solche oft plädlrt; ferner, daß wandernde Prediger da» Land durchkreuze» solle,», um für Schulen nnd Ausbildung der Jugend zu predigen. Ter Redacteur de: „Neuzeit" geht noch wester und glaubt, selbst wenn man Schulen gründen sollte, wären Hierland» kein« Lehrer zu finde»; ja, wenn solche verschafft werden sollten, möchten die Schulbänke leer sein. Uuv um dem Mangel an Schulen abtuhelfen, glaubt da» hochherzige Wiener Executio-Eomite, daß e» mit spärlichen pekuniären Mitteln, mit denen e» di« israelitisch rumänischen Schulen zu unterstützen Willen» ist, solche zu realisiren im Stande wäre? Ist e» nicht ärgerlich genug, wenn man ein solche» Land,