Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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— 289 — von diesen Sätzen bei; es ist die» wiederum so natürlich, daß wir jüdischen Lesern gar nicht zu sagen brauchen, in welchen. Wir wollen auch nicht weiter dabei veriveile». daß der „Gottmensch", den die Linke oder wohl da» Gros de» Protestaittenverein» »»eint, nicht» mir dem der orthodoxen Christen zu thun hat. Der Jrrlhum, in d«m sich der Herr Korrespondent in der Auffassung unserer Worte befindet (wir sagen Jrrlhum sein er seit», denn wir glauben nicht, baß wir Anlaß dazu gegeben haben) liegt darin, daß er uu» eine Berwechieluitg von positivch r t st i i ch und positivr e i i g i ö » unterlegt. Wir begreifen ja diesen Unterschied vollständig. Aber wir bestreiten seinen Satz, daß ein Adwrnden von dem positio-Lhriftiichen, d. h., also von dem Trinität»dogma eine .Hinwendung zur s. g. Raiurreligion, zum Theismus, d. h. zu der Lehre an drn einig-einzigen Sott bedeute. Da« ist nicht richtig gewesen, aber wer di« Gegenwart kennt, der wird und muß wissen, daß alle diese „Da» heißt" nicht mehr zutreffend Da« Gegentheit de« posiliv-Religiüsen, gleichviel ob Jüdischen, oder Christlichen, ist heutzutage inderRegel die reine Negation alle« Religiösen, ist weder da«, wa» man vormal» Raturreligion zu nennen pflegte, noch Theismu», am wenigsten der Glaub« an drn „Gott Israel»," e» ist oielinehr da» reine Gegentheil von diesem, und wenn wir zwischen einer Stärkung de« positiv-christlichen Element» und der reinen Negation de» Religiösen zu wählen hätten, so gestehen wir, daß un» für unsere Person da« Erstere noch lieber wäre. Indessen, wie gesagt, haben wir von pojitiv- Ehristiichem gar nicht geredet. Wir betrachtete» de» Protestan« lentag und den Altkathoiicismu» nicht an sich, sondern in der Rückwirkung, die sie auf unsere GlaubenSgenoflen üben könnten; wir fanden und finden, daß beide auf eine Belebung religiösen Sinne» und Leben« hinstreben, selbstverständlich nicht tftr orthodoxe Lutheraner oder Gutkathoiische, sondern für die sehr vielen „Gebildeten," welche weder von altem noch neuem, die überhaupt von keinem Glauben, von keinem Gott, keinem Geist, keiner Religion, keiner religiösen Gcme.nde, Handlung u. s. w. etwa» wissen wollen. Davon versprachen und versprechen wir un» Gute» für die auch nicht wenigen Juden, die jenen gleiche», oder doch mir jenen gedankenlos im Llronlt treiben. So hatten wir'» gemeint und glauben, daß die meisten Leser un» auch so verstanden haben. LI Hamburg, 29. August. (Or.-Corr.) Mit Bezug aus die von Ihnen in Nr. 33 Ihrer „Wochenschrift" gewünschten LuSkunst über die Angelegenheit der beiden Söhne de» .<)errn Seckel ist mir die glaubwürdige Mittheilung von Seiten eine» sehr nahen Verwandten de» Herrn Seckel zu Theii geworden, daß die Bescheide, die der Mohel Herr Lipschütz, in Betreff der Kinder erhalten, irrige waren; .es entbehrt nämlich jeder Begründung, daß der Oberrabiner Stern die Brschneidung inhibirt hat. Ein hiesiger Mohel, der einen dritten Knaben des Herrn Carlo» Seckel hier in Hamburg beschnitten, steht dem Oberrabbiner durch seine religiöse Denkungsart sehr nal»e und hätte bestimmt ohne dessen Gutheißen nicht» der Art vorgenommen. Eben derselbe hat sich auch vielsach bemüht, daß auch die beiden ältesten, in Valparaiso geborenen, Kinder hier beschnitten werden möchten; allein die Ausführung scheiterte an der Aengstlichkeit der Eltern; sowie auch die Beschneidung in Gartz in der Abwesenheit und ohne Wissen der Eltern vor sich ging,*) in der Zeit, wo die Kinder dort zum Besuch einer Tante waren. — Von einer Weigerung zur Aufnahme der Knaben in einer jüdischen Schule kann überall nicht die Rede sein, da sie unsere städtische Realschule besuchen und nie das Verlangen zuni Besuch einer jüdischen Schul« gestellt worden ist. Wohl ist e» schon recht häufig vorgetommen, daß die Beschneidnng oder ein anderer jüdisch-ritueller Act von Seiten de» Oberrabbiner», insoweit e» zu dessen Competenz geirrt, erschwert oder gar verweigert wurde, und war Solche» voenehm- *) Die» ist entschiede» nicht der Fall, auch gar nicht denkba:. Der würde da« wagen t! Zugegen war Herr 6. allerdings nicht, er war zu ängstlich, da« verargt man ihm nicht. (Sieb.) llch bet Prosrlhtinnen*) oder deren Kindern, deren Uebertritt zum Iudenthume in neuester Zeft vielfach vom Prediger vr. Jona« befördert wurde; weil hier der Gedanke nahe liegt, daß nicht Liebe zum Judntthum, sondern ganz andere Interessen die Betreffenden bei der Bekehrung getestet haben; solche grauen wohl a ch durihschnittlick sich nicht sehr strenge an die Satzungen ihrer neuen Religion zu halten pflegen. — Die Stotuten für den Synagogrnverlxuld in unserer Gemeinde sind ent lieh zum Abschlüsse gekommen — das Erzeug niß einer b'/, (ihrigen Arbeit —, haben am 23. August die Bestätigung unserer höchsten Behörde erhalten und werden in kurzer Zest in Wirksamkeit treten. Etwa» Ausführliches hierüber betalt« ich mir für da» nächste Mal vor. G. Colberx, den 29. August. (Or.-Corr.) Ihr geschätzte» Blatt brachte im December vor. Jahre» bte Nachricht von der Konstituirunz «ine» Comite» zum Bau eine« jüdischen KurhoSpital» iin Lool- und Seebade Colberg, und e« dürfte vielleicht für manchen Ihrer Leser nickt ohne Interesse sein, zu erfahren, mit welchen Erfolgen da» Comite seitdem für seinen Humanitären Zweck gearbeitet hat. Nach eingeholter staatlicher Genehmigung veranstaltete da» Conlite Sammlungen in Pomniern, Berlin, Posen »nd Breilau, deren Ertrag nach dem Berichte, der in der am 20. Juli c. Hierselbst abgehaltenen Generalfitzung de» Comite» erstattet wurde, sich auf 4000 Thlr. belief. Seitdem find wiederum mehrere 100 Thlr. an freiwilligen Spenden eingelaufen, und in der letzten Woche hat rin edler Menschei.frennd tu Berlin, der seine» Name» nicht genannt wissen will, 2400 Thlr. der projectirten Anstalt zur Stiftung von 2 Kurbetten überwiesen, so daß da» Vermögen de» Corrite« für die Anstatt sich bereit» auf 7000 Thlr. beläuft. Unter solchen Umständen rückt die Vollendung des projectirten Dierke» immer näher und näher, und wenn die auf Wunsch te» großherzigen, ungenannt bleiben wollenden Menschenfreunde» au»gesprocheue Absicht der Comite-Mitgiieder sich erfüllt, so dürfte unser KurhoSpital schon im nächsten Sommer seine Pforten den armen Kranken öffnen. Er wäre dringend zu wünschen, daß die großherzige Thar Nackahmer findet, sowie daß die mit lleueni Eifer fortgesetzten Sammlungen von ncht häufigem Erfolge gekrönt werden. Gotte- Hilfe war sichtbar mit dem beabsichtigten Werke edler Menschenliebe, und wird ihn» sicherlich auch ferner nicht kehlen! a Ikozmiu, 24. August. (Or.-Corr.) In UI-,.rer Kreisstadt Krotoschn ist die jüd. Gemeinde in einem auf Beschluß der Repräsentanten mit Unterschrift de» Corporationüvorstande» gezeichneten Artikel in der Posrner Zeitung mannhaft gegen eine juoenfeindliche Predigt des dortigen Pastor» Füllkrug aufgetreten. (S. vor. Nr ) Wa» un» dabei al» ein Zeichen der Zeit erscheint, ist die Fülle von Adressen und znstimmenden Zuschriften, die der Gemeinde von andern und jüd. Privatpersonen zugehen. Ja, der Jude ist feig geworden im Drucke de» Mittelalter», besonderder Kstche gegenüber. Jedes uiannhaste Auftreten gegen deren unberechtigte Prätensionen erfreut ihn nun um so mehr, als er anfangs eine» leisen iSchreckens sich nicht erwehren kann. Auch wir freuen uns te» Auftretens der Krotojchiner Gemeinde, halten eS aber für selbstverständlich und haben nur den Wunsch, daß sie vorkcmmende» Fall» Nachahmer finden. Hierorts hat der Besuch des Oberprästdenten dem Bürgermeister Gtlegenhett gegeben, zu zeigen, daß trotz de» neuen Maß- und CiewichtssystemS e» der städtischen Obrigkeit doch noch möglich ist, mit verschiedenem Maße zu messen. Der evang. Pastor war zum Empfange eingeladen worden, der kathol. Probst (der nicht erschienen, ob er eisigeladen worden war, konnte Referent nicht ermitteln) wurde mindesten» eine Stunde vorher benachtrichtigt. daß der Herr Oberpräsident die Kirche besuchen werde. Der Rabbiner wurde nicht eiu- *•) Eben weil wir Herrn Oberrabbiner Stern hierin nicht tadeln können, hatten wir in der Anmerkung, für den Sachkundigen deutlich genug, zu verliehen gegeben, daß wir im vorliegenden Fall« kmien Grund z» einer Weigerung entdecken könnten. (Red.)