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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 288 — finanziellen Mißstände und Verkehrtheiten in der neueren Zeit auf die Juden glanbte zurückführen zu dürfen, und selbst angesehene öffentliche Organ« haven vies« Abgeschmacktheit nachzusprechen keine»Anstand genommen. >l» aber dann ein Jude dreinfuhr und das Halbdunkel jnnkerlich-bitzstter Schmiudelei und adelig-augenverdrehender Gaunerei mit dem blitze seiner manueSmuthigen Beredt samkeit verscheuchte, da haben sie alle zM« chttt Büd gebracht, die gevßtn deutsche» VlÜitet, aber keines hat es für gut befunden, zu sagen, seht doch einmal, der Eduard Laster ist ein Jude. *) Für die ruhige Entwickelung großartiger Pläne, für Ordnung und planmäßiges Vorgehen traut man gemeiniglich den Juden keine Begabung zu und ist ja mit den altersgrauen 'vezeichnungen von jüdischer Wirthschaft, jüdischer Ordnung gern zur Hand. Erscheint aber einmal ein organisatorisches Talent, wie der vielberühmte Sekretär der Wiener Weltausstellung, Julius Hirsch, dann verschweigt man hübsch, wie die Weder'sche Jllustrirte Zeitung, seinen jüdischen Ursprung, der freilich in dem wohlgetroffenen Bildniß des Manne» daselbst sehr deutlich zu lesen ist. Joseph Lehmann, in dem der den Juden eigene koSmo-polltlsch« C'Scift feste Gestalt annahm, und der in dem von ihm gegründeten „Magazin" den Deutschen Herder's und Güthe'S Vermächtniß erfüllte, ihnen Kunde zu bringen von allen Vorgänge» der Weltliteratur, ist in seinem eigenen Blatte nicht als Jude ausdrücklich bezeichnet worden, geschweige, daß dir anderen sein Judenthum verschwiegt«. Die Beispiele ließen leicht sich häufen — ich nenne nur noch Moritz Hartmann und Emanuel Deutsch, die jüngst Heimgegangenen, auf verschiedenen Gebietm so meisterllch bewährten Söhne unseres Stammes —, doch thut die Häufung nicht noch, e» handelt sich um die allgemeine Erscheinung, der einzelne Fall kann daran nicht riel ändern. Man sage nicht, viel Lärm um nichts, die Sache ist denn doch nur gleichgültig, denn, ivenn je ein Verschweigen, so zeigt dieses „den Meister des Sösts", des alten Styls der Judenseindschaft. In solchen Fällen müßten dickere Schriftsteller betonen, der oder jener sei em Jude, denn damit förderten sie die Ausrottung eines Vorurtheils. Und bei einem so blmsaugenden und weitreichenden Vorurtheile, wie der Judenhaß eines ist, handelt eS sich mcht blos darum, die Kanäle deffelben zu verschütten, es müssen auch Wege gebahnt werden, auf denen gesündere Vorstellungen dem Volke vermittelt werden. D—d. K—nn. Berichte und Correspondeuzen. Deutschland. Stettin, 3. September. Unser Leitartikel in Nr. 34 „Zwei Aclenstücke zur Zeitgeschichte", hat einem geschätzten Herrn Correspondenten Anlaß gegeben, uns eine Entgegnung einzusenden. Wir können, aus gleich anzugebendem Grund«, den Artikel nicht vollständig und wörtlich zum Abdruck bringen, theilen jedoch unfern Lesern den Inhalt mit und flechten unsere eigenen Bemerkungen ein. Der Herr Eorrespondent meint zuerst, wir hätten „AltkatholicismuS und Protestantentag mit wohlwollendsten Worten begrüßt und eben die in kleinen Wendungen hervortretenden Schwächen mit fast ängstlicher Behutsamkeit vertuscht. ES thue aber nicht gut, eine munde Stelle zum Zuheilen zu ») Di, „Gartenlaube" hat di« inpm-chen nachgar«,tn. (Sieb.) bringen, ohne vorher alle Eiterstoffe auß ihr entfernt zu haben." — Wir haben jedoch unserm Lettartitel die Bemerkung vorauSgeschickt, daß wir den Hirtenbrief M altkatholischen Bisitos» »ick dt« Nes«luti«n<tz de« >tot«ßnptentager weder »«sich beüuchtrn otier critifAen, »Sch uns durch irgend ein Bot»» in Itnui u»S fremde» .Streit,«sch«n wollten. Noch weniger ist e» uü» in den Sinn gekommen, in diesen Blättern die beiden fraglichen religiösen Richtungen oder Parteien überhorwt zu Heurtyeile«. Wft krüüche« ja »»fern tttztn nicht etst zu sagest, daß Wider bi«. Lehrsätze ProkestaUtenvereinS, noch gar die der Altkatholiken di« unjrigcn sind. Wozu denn Polemik? Wir haben an der un« aufgedrungenen genug, genug an den Angriffen, die abzuwehren wir nicht umhin können, haben genug de»Kampfe» in unserer Mitte und nach außen, wozu Polemik suchend Welchem Leser wäre damit gedient, wer sucht i» diesen Blättern «ine Krüik de» AllkalholicismuS oder de» Protestantentages k» Wir lasten daher den angeteuleten gegen beide Richtungen polewi.- sirenden Theil der Korrespondenz auf sich beruhen. Hat» man denn von dieser Seite un» angegriffen, daß wir un» wehren müßten? Bi» jetzt noch nicht. Bielmehr erheben di« beiden Aktenstücke, welch« wir besprochen haben, ihre Stimme für Frieden, Verträglichkeit zwischen den Eonfcssione», und da» haben wir gern acceplirt und freudig anerkannt. Da» ist nun ei« zweiter Punkt, gegen de« der Herr Eorrespondent sich wendet. Er schreibt, an unsere Worte anknüpfend: „Arge Selbsttäuschung! Die Herren denken nicht an da» Häuflein au» Juda'» Stamm, e» sei denn, um darauf zu hören, wie e» sich zeitgemäß anstellen ließe, erfolgreich zu bekehren. Sprechen sie von Religionen — da» Judenthum meinen sie nicht." — Da» mag bei Einzelnen sehr wobl zutreffen, wir haben un» indeffen an die Aktenstücke gehalten, die sonstigen Absichten und Ansichten oder gar geheimen Nebengedanken der Verfasser kümmerten un» nicht. Von Juden ausdrücklich zu reden, hatten beide Schriften gar keine veranlaffung, sie haben also weder äuSgesprochen, daß sie Frieden nur zwischen de« veöschiedenen christlichen Religionsparteien, noch daß sie ihn a u ch mit den Juden zu halten wünschen. Wir halten un» daher an da» Wort der Versöhnlichkeit, welche» un» zu Gute kommen muß, so lang» man nicht ausdrücklich den Juden au» der Toleranz auSschließt, und da» ist ja mit keiner Silbe geschehen. Hüten wir un» durch unprovocirten Angriff dergleichen hervorzurusen! Etwa» näher müssen wir auf eine andere Bemerkung de» Herrn Eorrespondeiilen eingehen. Wir hatten beide Aktenstücke al» „Kundgebu ngen eine» positiv-religiösen Streben»" freudigst begrüßt. Hiergegen meint der Herr Eorrespondent: „Vergißt man auf gegnerischer Sette allzuoft dem Judenthnme die Beachtung zu gewähren, welch« ihm al» „Mntterreligiou" ziemt, so ist e» doch wahrlich unserersett» an der Zeit, darauf hinzuweisen, was den Religionen fehle, um al» „positive Religion" anerkannt zu. werden vor dem Forum de» Verstände», die den GotteKbegriff verdunkeln. Denn ohne all« Umschweife — eine Belebung de» Glauben» an den „Gottmenschen", sei es in altkatholischer, sei e» in protestantentäglicher Weise, ist uns keine Förderung de» religiösen Bewußtseins. Darin kann man wieder die gebräuchlichen Benennungen nicht gleich auf's Judenthum, wie auf die anderen Confessionen anwenden. Wa» bei un» JndifferentiSmu», Unglauben i. e. Läugnuug der Grundanschaunngen und Grundlagen der Religion ist, da» dürfen wir bei den andern Bekenntnissen nicht ebenso benennen. Dort vielmehr ist dieselbe Erscheinung eines ganz andern Inhalt» voll, dort ist sie Rückkehr zur „Naturreligion", zum „ThetrmuS", wa» für dm Gebildeten nicht» andere» ist, als Glauben an den einig einzigen Gott Israel». Mögen die Eastelar» noq so viel auf Rom schelten. Rom hat nicht» Andere» gethan, al» daß es in seiner Alt- und Reurom gleich eigenen Sonsequenz den Weg verfolgte bi» zu den äußersten Zielen, zu welchen ihm von Anfang an die Direktion gegeben war." Wir stimmen dem Herm Eorrospondentm in mehrerm

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