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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 36. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 36.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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„12 Zü. - 4. Jahrgang. Isksrkitrsch» ochen-Schrift für die religiösen und soeialm Jnterrffe» des Jndeuthums. ErschrüU jekcn Mittwoch. fJnil «ierttljihrlich 2*2 Vt Groschen. 1 Ittsertto» «gebühr fit w Mfp«IHg< PetitxeUe ob« bntn Raum ‘2 Vgr. il '.. Beraittwocrlicher Redakleur und Heroutg-der Rabbiner vr. X Treuenfels in Stettin. — —*>- Magdeburg, 10. Sept. 1873. Zu bqiettn trnttt alle Buchhandlungen und Poftanjlalteu. Inkrrate«-Auuah»e I» kn j Cfpetition der Israelit. Wochcnsärist in Maßdeburg. « 'Inhalt. Setten»» Plrttkelr Eine neue Spielart de« alten Judenhasses. — »Seelcht, ««» «»rresp»nbe«,e»r Deutschland: Stettin. Hamburg, lsolberg. Nazmi«. — Oesterreich: Bon der Donau. — Rumänien: Jassy. — Vermischte und netteste Rachrtchtenr Hildrsheim Hamburg Berlin. Jutroschin. Loburg. Höxter. Sittinqen. Elsaß-Lothringen. Wien. Pest. Besancon. Niew. London. Jaffa. Australien. — Aenilletonr Unsichtbare Fesseln. Original-Rovell« von I. R. Lichtenberg. — Inserat«. 9ht* neue Spielart des alte« Judenhaffe-. | Er ist eine verbreitete Unsitte, der man in neuerer Zeit besonder» häufig begegnen kann, daß in den Lebensbeschreibungen bedeutender Menschen, wenn sie jüdischen Ursprung» sind, diese Thatsache verschwiegen wird. Man kann da» sehr harmlos finden, man kann darin vielleicht gar eine rücksichtsvolle Zartheit erblicken; e» ist in Wahrheit keine» von beiden. Tie Häufigkeit dieser Erscheinung, die un» dazu manch:.ml an Stellen begegnet,- wo jede Voraussetzung wettgehender Rücksicht für Juden und Judenthum von vornherein ausgeschlossen ist läßt un» bald einen nicht» weniger al» harmlosen Beweggrund dahinter vermuthen. E» dürste mancher über diese Wahrnehmung und ihre Hervorhebung am End« unwirsch werden und mit dem verrosteten Porwurs wieder herauSrücken, man könne den Juden nie Recht thun. So lange nian bei ihrer Nennung den Zusatz Jude mit rührender Achtsamkeit nie vergaß, da waren sie darüber erbittert, nun, da man di« unliebsame Bezeichnung wegläßt, wittern sie ruchlose Absichtlichkeit dahinter. Aber e« ist da wetter nicht» dabei auffällig! ES giebt noch Mittelwege zwischen Streicheln und Stoßen; man kann wohl fordern, daß einem nicht bei jeder Gelegenheit ohne Noth und Veranlassung >«r Jude" vorgerückt werde und daneben auch verlangen, daß inan den Juden nicht da in den Winkel drücke, wo e» sehr nützlich und näthtg wäre, ihn in die volle Beleuchtung zu stellen. In der ausdrücklichen Angabe de« Bekenntnisse», zu den, ein bedeutender Mensch gehört, liegt durchaus nicht, wie man zur Beschönigung möchteglauben nlacheu, ein Rest althergebrachten Vorurthetle«, dessen veibrhattung mir dazu führen inüchte, die Schranken, die von alterSher Mensch vonr Menschen trennten, neu zu befestigen. ES kann im Kegentheile nur vortheilhaft wirken,, wenn durch solche Angaben die Erfahrung sich verbreitet, daß die Religion, in die ein Mensch hinringewachsen ist, ihn nicht unbedingt hindern muß sich frei z« entwickeln und daß au« allen Brkenntnifien hervorragend« Männer hervorgehen können. Man verzichtet daher im Allgeineinen bei eingehenden Darstellungen und ernsten Fcrschungcn gar nicht darauf, di« Religion besondernamtzast zu machen, zu der der Mann gehörte, dessen Leben dargestellt oder durchforscht wird. Ja, man spricht in Deutschland allgemein von dem protestalttischen Eharatter, der der Philosophie, der Literatur durch ihre bedeutendsten Träger und Vertreter sich ausgeprägt habe, wie andererseits die Katholiken sich beschweren, daß man in der Geschichte dieser Wissenschaften den Einfluß allzusehr unterschätze, der von katholischer Sette her sei geübt worden. M>rn sieht also, daß man die Hervorhebung der Religion in dn» Lebenslaufe, der zu schildern ist, auch heute noch durchaus nicht überflüssig fiildet. Nicht gleichgültig, nicht überflüssig^ sondern vollend« nothwendig wird aber die ausdrückliche Nennung der Religion, wenn der g« priesen« Mensch dem Judemhum angehörte. Ich will den Umstand nicht betonen, daß da» Judemhum denn doch mehr als Religion, daß e» entschieden auch Nattonalität ist, und daß t* darum schon zu sagen erforderlich wäre, der und der sei ein Jude, weil man bei keinem Menschen anznmerken vergißt, zu welcher Nationalität er gehöre. Aber da» Judenthum al» Religion hat auch mehr Recht als die andern alle, in bmi« Preise seiner Bekenner mit erwähnt zu sein. Tenn seit jeher ist man nicht niüd« geworden, die Schäden aufzuzählen, die diese» Bekenntniß in den Charakteren anrichte, und alle Fehltritte, die je ein Einzelner sich hat zu Schulden konimen la sen, hat nian mit bereitwilligem Scharfsinn aus der Lehre heran» zu «rklärei» sich abgevlüht. Da sollte man den» füglich auch, wenn man schon den» Bekenntnisse eine so wei - reichende Einwirkung zuschretbt, die alle Aeußcrungen de» thätigen Lebens ergreift und bestimmt, auch die edlen Entschlüsse, die biederen Handlungen eine» Juden aus sein Judemhum zurücksühren oder wenigsten» nicht gerade bet einen» solchen Juden seinen Ursprung verschweigen. Heute, wo selbst angesehene wissenschaftliche Blätter in Deutschland sich nicht entblödcn, ein Zerrbild, eine ekelhafte Fratze als da« Muster de» jschischen Charakter»- auszustellen, da wäre es Pflicht aller Äicdergesini: len, di« Ausnahmen immhaft zu machen und die von diesem angeblicheit Muster abweichenden edlen Erscheinungen als dem Judenthun angehvrig zu verzeichnen. Einige Beispiele «lögen die» zeigen! E« ist bi« zum Urverdruß bekannt, daß man all die

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