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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 283 — *mU Ist, seit IS Jahren find zwei Frauen und zwei Männer hier |um Judenthum übergeireteu, aber mehr al« zwölf habe» sich weitrr bet ihm zum Üebertritt gemeldet, zwei- und dreimal dringend gemeldet und sind von ihm abgewiesen worden. Hätten wir di« Thür aufmach«» wollen, wie manchen Proselyten konnten wir haben l Und in ganz Preußen — die Zahl würde in die Hundert« gehen! — Üud wenn wir nur. erst an die tausend« von Pfund Sterling denken, welchr die Judenbekehrungsgesellschaslrn aufwrnde». . . . Wat meinen die Herren, wenn w i r Geld bieten oder auwenden wollten, könnte», wenn wir nur daran dächten!!) Stuttgart. Ueber den verftordenen Kirchrnralh Dr. Jos. v. Rater, geistliches Mitglied der israelitische» Obertircheubehörd«, Rabbiner in Stuttgart, Beisitzer de« Ehcgericht« de« Obertredunats für Ehesachen der Israeliten, Ritter de« Jtron> und Ariedrichsordens, schreibt di« „Ulm. Schnellp.": LI« Kanzelredner hat er in Süddeutschland der jüdischen Homiletik Bah« gebrochen und hat über die Marken de» engeren Vaterlandes hinaus sich Rameu und Geltung errungen. Als Schöpfer der Neuorganisation der israelitische» Kultusangetegeiiheiien hat er viel Anfechtung erfahren, doch gilt von chm da» gesiügelt« Wort: „viel Feind, viel Ehrl" Ais Schriststeller hat er al» Lehrer au der Philantropie in Frankfurt a. M. >tne der ersten biblischen Geschichten für Jsraeliten herausgegeben, wie er auch der Verfasser der von der israelitischen Oberkirchenbehörde herausgrgedenen Religion»-, Spruch-, Gesang-, Eonfirmandenbücher rc. ist. Seinem wissenschaftlichen Standpunkte nach war er Kantianer uud ist seiner re.igiösen und wifienschaftltchen Richtung bis zu seinem Tod« treu geblieben". Die „R. F. P." läßt sich von hier schreiben: In unseren liberalen Kreisen hat sich Baron Pino namhafte Sympathien durch einen neuen Erlaß erworben, de» er am Tage vor seiner Abreise nach Wien in Sachen der hiesigen, in polnischer Beziehung bekanntlich so maßgebenden Judengemeind« an deren Tültusvorstand gelangen ließ. Obgleich seit Dcceniber v. I. die hiesige Judenschaft wieder eine Suilusgcmeinde bildet und sonach nur «inen einzigen Eultusvorstand besitzt, so fanden dennoch die FaiieurS der ehemaligen sogenannten orthodoxen Partei auch weiterhin ungegrüavete Beranlaffungen, das Eullusministerium sowie die kiesige Landesregierung mit ihren Sondergelüst?» und Tendenzen zu behelligen, namentlich mit Bezug auf die Versorgung des ehemaligen orthodoxen Rabbiner». Um nun auch den grundlosesten Vorwänden der separatistischen jüdischen Schwarzen die Spitze abzubrechen, entschloß sich der au» tüchtigen und achtbaren Männern bestehende EulruSvorstand au« eigenem. Antriebe, zu Gunsten der winzigen Minorität in der Judengemrinbe ein materielle« Opfer zu bringen, und unterbreitet« der Landesregierung eine Erklärung, den ehemaligen orthodoxen Rabbiner für die noch übrige Zeit feiner ehemaligen Jnstallirung al« Rabbiner der Gesammt-Eultu«g?meindr deizudehatten und ihn sonach zu besolden. Im Sinne dieser Erklärung ordnet nun der Erlaß de« LandeS-Präsidenlen vom 17. v. Ml». — der auch vom EultuSvorstande öffentlich bekanntgegeben wurde — die RabbinatS- und Schächtcrfrage bi» zur Zustandrbringung eine« neuen Statute« für die hiesige Eultu«gemeinde und schiebt hiemit allen ferneren Separation«-Gelüsten unserer jüdischen Finsterlinge einen festen Riegel vor. Wien. Eine vor kurzer Zeit erschienene Notiz de« Inhalt«, daß wegen Befestigung einer in der Stumpergaffe angestellten jüdischen Lehrern eine den katholischen Standpunkt wahrende Adresse unter den Kindern dieser Schule kvlportirt weide, bestimmt« den Vorsitzenden de» Ort»schulrathe» Erhebungen zu veranlaffe». E« hat sich nur zur Evidenz herau«- gestellt, daß zwei Mitglieder de» katholisch-politischen Kasino'» es unternommen hatten, Kinder, welch« unter der Leitung dieser Lehrerin standen, zu solche» Unterschriften zu verleiten, und es ergab sich der weitere gravtrende Umstand, daß ein •. Kolporteur dieser Adresse mst eine» »westen Herrn bei diesen Kinder» erschienen war, der als ein „Beamter de« Magistrats" »»«gegeben wurde, welche au« dem Anlässe und gewissermaßeit zur Bestätigung mitgekommen sei, „daß di« Adresse um terschrieoen werden müsse." Der Ortsschulrath hat beschlossen, den Akt an das Strafgericht zu letten. Au» Inbtea. (Farbige Juden.) Ja der Stadt Eotochin in Hiudostan und ihrer Nachbarschaft wohnen nahezu 3000 farbig« Juden. Sie sind nicht von so dunkler Haut. a>« die ätiäopischen Neger. Sie find J«racliten in jeder Hinsicht unk oerehren getreu den Gott ihrer Väter. Ihrer eigenen Erz thlung nach fand ihr Ursprung in dieser Weise statt. Die Eroberung eine» Theile« Ostindien« durch die Europäer eröffnete der Handel«welt die Thore grenzenloser Wohlfahrt, und die Aussicht, reich zu werden, lixfte Viele von Nah ur.b Fern nach diesem Platze. Unter der Menge befanden sich viele junge Jtraeliten au« Bagdad, Baffora «. Atmen, dikamen, um ihr Glück zu suchen. Nachdem sie sich rtablirt, kauften sie weibliche Sklaven von den Negern, und viele derselben heiratheten dann, nachdem sie zum Judenthume übergetrrten, ihre Herren, und von ihnen stammt diese Bevölkerung ab. Aber n Folge ihrer Farbe ruht auf ihr der Bann; weder die Israeliten von Bagdad noch die weißen Juden ihre« eigenen Orte« wollen sich mit ihr durch Hcirath vermengen oder überhaupt mit ihr verkehren. 9leto>f )rä. „Jew. Tim." gibt von einer neuen Erfindung Nachricht, welche da« jüdisch-religiös« Leben berührt. Es sei gelungen, au» Rindstalg durch verschiedene »äher beschriebene Operationen künftllche Butter herzustellen, welch« sich von der natürlichen durch nichts unterscheiden lasse. Da« genannte Blatt melde t die«, in seiner Weise, mit Hohn über die Verlegenheiten, in die die neue Erfindung, sobald sie im Große« angewendrt sein werde, die Beobachter der Sprisegesetze bringen müsse. — Wenn sich di« Sache bewahrheite» sollte, so würde der Red. d. Bl. wohl «uter de» Erste« in der Lage sein, etwa« darüber zu erfahren und mstzutheile». Ganz so wie, beiläufig gesagt, die im „J«rael." oder der „Jüd. Pr." vor etwa einem halben Jahr gemachte Mittheilung über ame »ikan. Schn-alz, welche» in steigendem Maaße di« Butter bei Bäckern n. s. w. ganz verdrängt hat, hier in Stettin schon vor zwölf Jahren bekannt «>ar und beachtet wurde. Daß in Amerika ar.« gepreßtem Speck „Baumöl" hergestellt wird, ist kürzlich im „Hamaggid" besprochen; es «ar «n« schon vor vielen Jahren bekannt, jedoch haben unsere Erkundigungen noch nicht auf eine Jmportirung dieses „Baumöls" direct nach Deutschland geführt. Daß da« aus dem südlichen Europa bezogene Baum- resp. Provencerül dort mit dem fragl. Fette gemlfcht werde, ist nicht wahrscheinlich, llebrigen« haben die gewöhnlich hier zu Land« gebrauchten ordinären Speiseöle weder mit Baumnoch mir Epecköl viel zu thun, sondern sind au« allerlei Surrogaten bereitet. (Um jedoch allen Mißverständnissen und Uebeldeutungen vorzubeugen, fügen wir hinzu, daß wir hier nicht« gesagt haben al« ein vm K^). Boston. Am 18. Juli starb hier Rabbiner Dr. Aron G'iinzburg. Er war, ehe er nach Amerika kam, lllabbiner in Libochowitz in Böhmen und gab in Prag ein We:k „dogmatisch-histor. Beleuchtung de« alten Judenthumt" heraus. (1846) Er war der erste oder einer der erstea deutschen Rabbiner, »er nach Amerika kam, fungirte erst 1L Jahre in Baltimore, dann in Rochester und zuletzt bei de, polnischen Gemeind« in Boston. Wegen seiner bedeutenden klassischen Bildung war ihm eine Professur am Harward College zugedacht, al» rr erkrankte und starb. Dir jüd. Blätter aller Farben widmen ihm ehrende Rachrufe und zwar in Ausdrücken, welche deutlichft bezeugen, daß die Anerkennung nicht bloß dem Tobten gilt.

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