Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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— 274 — bracht haben wird, der Ruf nach Gerichtsr>.sorm sei voreilig." — Natürlich sprechen die Blätter auch alle ein Wort über das Glaubensbekenntniß des neuen Master, aber so viel wir aus den uns vorliegenden Auszügen ersehen, lediglich mit Anerkennung. Sehr hübsch bemerkt „Standard": ES wird sich wohl ein Ausweg finden, um ihn von einigm besonderlichen Theilen seiner Gerichtsbarkeit zu dispensiren, durch welche er Verwalt--: einiger milden Fonds zur Bekehrung der Juden und Vormund von Israeliten ist, welche dem Glauben ihrer Väter entsagen, Posten, die ein diesem Glauben treu Ergebener nicht gut bekleiden kann." — Seltsam ist, für unsere Begriffe, die Bemerkung der „Times": „wir hatten schon einen israelitischen Premier und einen israelischen Lord-Mayor, aber noch keinen Richter dieses Glaubens." „Times" meinte Disraeli und SalomonS, obgleich des Erstere« Großvater bereits Christ geworden war. Die Engländer sehen aber immer aus die Abstammung. Vermischte und neueste Nachrichten. Stnttgart, d. 20. August. Herr Rabbiner Kirchenrath vr. Josef v. Maier ist gestern Abend im 77. Lebensjahre gestorben. Dauzig. Der „ReichSanzeiger" publicirt die Ernennung d«S Geheimen Coaimerzienraths Goldschmidt in Danzig zum Commerz- und AdmiralitätSrath und Mitglied der dortigen Commerz- und AdmiralitätScollegiumS. Berlin. Ein hübscher Charakterzog Kaiser Wilhelms wird aus EmS der „Tribüne" berichtet. Daselbst giebt eS zwei Gold- und Juwelenhandluugen von hervorragender Bedeutung; die Inhaber dieser beiden Geschäfte sind jüdischer Consession, und zwar ist der eine strenggläubig und hält des Sonnabends sein Geschäft geschloffen, während der andere auch am Sonnabend sein Geschäft geöffnet hält. Der Kaiser pflegt Beiden seine Kundschaft zuzuwendey und kurz vor der Abreise seine Einkäufe zu machen, und da er in diesem Jahre am Sonntag abreiste, ging er schon am Frettag zu dem strenggläubigen Mischen Goldarbeiter, um denselben keine Einbuße erleiden zu lasse«. Berlin. Als ein ganz besonders flagranter Beweis, wie weit die Gewinnsucht und der Börsenschwindel der letzten Zett um sich gegriffen, möge die Thatsoch« dienen, daß ein junger aus Russtsch.Polen stammender jüdischer Mann, welcher hier wiffenschastticheu Studien oblag und die Mittel dazu größtenthrils von hiesigen reichen Wohlthäteru erhalten hatte, sein ganze» Geld in Prämiengeschäften an der Börse verspielt hat. Eise Anzahl junger vörseaner, sog. „BanquierS", mit denen er Bekanntschaft gemacht, hatte es nicht verschmäht, selbst dieses «rschnorrte Kapital a« sich zu ziehen, dürste jedoch zum Ersatz angehalten werden, indem, wie unS mitgethellt wird, mehrere Wohlthäter de» jungen Mannes die Intervention der Gerichte in diesem Falle in Anspruch genommen haben. In der mecklenburgischen Stadt Schwaa« ward vor einiger Zeit von einem Bürger ein Leichenwagen augeschafft und für Beerdigungen zu einem billigen Preise zur Verfügung gepellt. Vor Kurzem wurde dieser Wagen bei der Bestattung tiner jüdischen Frau benutzt. Hievon nahm der Pastor primarius Herr Müffelmann zu Schwaan Anlaß, den Eigenthümer.deS Wagens vor sich zu bescheiden und ihm zu rröffut», daß er, der Pastor, darauf dringen müffe, haß der Leichenwagen künftig nur für christliche Leichen benutzt werde. ^kihzig, 2ß. Juli. Zur rechtlichen Stellung der Juden' schreibt dar „L. Tagebl.": Bei Gelegenheit der in'diesen Tagen hier abgehaltenen öffentlichen juristischen Prüfungen gab einer der Examinatoren, Profeffor vr. Friedberg, ein beachtenSwerthe» Votum über die rechtlich« Stellung der Juden, und insbesondere der jüdischen Richter im deutschen Reiche ab. Friedberg erklärte, wie er eS gesetzlich als gar nicht zweifelhaft halt«, daß ein jüdischer Richter die Berechtigung haben müffe, den Christen Eid: abzunehmcn, da diese Berechtigung lediglich in der Richtrr-Oualification ruhe. Bekanntlich wurde noch vor etwa Jahresfrist einem am hiesigen Bezirksgerichte angkstcllten israelitischen Referendar vom k. Justizministerium in Dresden das genannte Recht abgesprochen, weshalb der betreffende Beamt« aus dem sächsischen Staatsdienste schied. Zürich. Herr Philip Jakobi, Herausgeber der zu S. Francisco in Kalifornien erscheinenden jüdischen Zeitschrift, „the Hebrew“, der von der dorttgen deutschen Schützengesellschast al» Delegirter zu den Schützenfesten der Schweiz gesandt worden ist, hat dort große Triumph« gefeiert. Am 14. Juli wurde er in Zürich Schützenkönig. Ein Oberst der eidgenössischen Armee, der ihm die in Zosingen errungenen Preis« überreicht«, hob eS rühnrnd hervor, daß Herr Jakobi der erste Fremde sei, den: es gelungen, die Schweizer Schützen in ihrer eigenen Heimcth zu übertreffen. (Jakobi ist a»S Lauenburg in Pommern gsbvtig.) Pest. Der bekannte ungarische Rational-Oeconom, Reichstagsabgeordneter Ld. Horn, wurde zum Profeffor der politischen Wissenschaften au der Pefter Universität gewählt. Horn wird der erst« jüdische Lehrer an der bislang „rein" ätholischen Universität sein. Ein katholischer Geistlicher, der sich durch seinen Freisinn de« Oeflern schon heroorgethan, hat zu Gunsten Horn'» den Ausschlag gegeben. In Koroptez (Galizien) habe« die Richter den Beschluß gefaßt, keinen Juden in tun Ort zu lassen, und denjenigen, der gar einen Juden übernachten läßt, mit 40 fl. zu bestrafen. Jetzt drohen viel« Polen, mit den Juden so umzygehen, wenn sie bei deu Wahlen nicht mit ihnen halten werden. (Pefter Jüd. Zeit.) Pari-. Ein Decket!x» Präsidenten der Republik ernennt Abrab. Säe, Bankier in Colmar, zum Ritter der Ehrenlegion für finanzielle Dienste. — Nachdem Henri V, da» „Wunderkind" auf einmal wieder ganz in den Vordergrund der politische» Bühne getreten, hatte eS unS bald geahnt, daß die jetzt so große Zahl der französischen judenfeindlichr» Blätter die Gelegenheit nicht verpaffen würde, um wieder einmal an den „Juden" Dreux. den Berräther der Herzogin von Berry, zu erinnern. Richtig! wir haben unS nicht getäuscht; der „Rappel" citirt daS Gespenst. Herr Durlacher würdigt di« Thorheit einer Anlwott und erinnert 'daran, daß D. zu jener Zeit schon lange getauft gewesen. Trirst. „Corr. JSr." meldet den Tod seine« langjährigen Mitarbeiter« und Förderer«, de» vr. med. Saulle Fwmiggini. Wir haben unseren Äsern s. Z. von seiner hebr. Uebersetzung deS Dante'fchen Inferno berichtet. ' i . - ... i... Chicago. Ein besonderer Unstern waltet über den Synagogen der Stadt. Die nach dem großen Brand« von 1871, der fast all« Gotteshäuser zerstört hat, nüt großen Opfern wiedererbaute Synagoge der Rodef-Tcholem Gemeinde ist am 22. Juni durch «inen furchtbaren Orcan innerhalb 10 Minuten vollständig zertrümmere worden. Wieder «olle» die Männer da» Gotteshaus barer, haben wieder ein Capital bereits gesammelt, wenden sich nun aber doch hüiserufend an ihre GlaubenSbrüder, da sie sie) doch nicht mehr allein heksöü könne,. > . ' i.'.fv-"-r •' . . . m r-f .'■■■ * :>!- . •' ^_. J*,' '«.».-1» ’ - -t .