Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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275 — Feuilleton. Unsichtbare Aesiel«. Originalvon I. 91. Lichtraberg in Nrw-ork. (Fortsetzung.) „Gott weißer," versetzte Madame Norman traurig „daß ich nicht Schuld an diesem schrecklichen Betragen deinerseits bin, und ich sage et Dir, wie viele hundertmal früher, Du wirst nie glücklich sein oder einen Mann glücklich mmhen." „Ich bin glücklich, Mama," erwiederte Bellona mit kindlichem Lächeln, „und «eine kleinen Neigungen werden gewiß keine» Man» unglücklich machen, d. h. wenn ich einen find«, der mir gefällt." Die Mutter zuckte die Achseln und schwieg, sie wußte, daß die Grausamkeit ihrer schönen Tochter ihr angeboren war, und konnte da« Mädchen, das die Natur so herrlich ausgestattet, nur bedauern. Sie lenkte deshalb ihre Red« ab und sagte: „Bellona, glaubst Du nicht auch, daß wir Deinen Bater heute oder spätesten« morgen von New-Pork erwarten Annen?" „Ich habe Pumkin« einen tüchtigen Hieb versetzt," erwiederte Bellona, „weil der faule Nigger nicht selbst an di« Landung ging, den» ich erwarte Papa mit Sehnsucht; doch sieh Mama!" unterbrach sie sich, starr zu dem thurmartigen Fenster hinäüSschaüend, „kommen dort nicht zwei Reiter?" Madame Norman schaute und sah wirklich zwei Reiter, die Allee de« Parke« nach dem Hause zu, heraufkommen. „Wahrhaftig," versetzte sie erfreut, „der Eine scheint Dein Later zu fein, während ich den Andern nicht kenne." Beide Frauen eilten auf die Berand«, um die Gäste, die immer näher kamen, zu empfangen. Der ein« der Reiter war wirklich Herr Rorma«, ein «agorer langer Herr, ungefähr in dem Alter seiner Frau, der aber den Typut eine« Franzosen h«tte; kurze« schwarze» Haar, da» aufrecht aus seinem Haupte stand, da er den leichte» Strohhut in der Hand trug, und der lange an beiden Enden gedrehte Schnurrbart, gaben ihm ein militärische« Aussehen. Reben chm jedoch ritt ei» junger Mann, der beiden D«men fremd war, von ungefähr dreißig Jahre», mit bleichem Gesichte, kurz geschnittenem Backen- und Schnurrbane, da» Haar lag hinter de» Ohren gekämmt. Die beiden Reiter hatte« die Rampe erreicht, und wählend der Aeltere, Herr Norman, familiär mit der Hand winkte, zog der jünger« Unbekannte den Hut und verneigte sich vor de» Dame«, beinah« bi» zum Sattelknopfe. Pumpkw» kam wie eia Pfeil au» dem PoNale de« Hause» hervorgeschoffen und mit Beihülse eine» anderen herbeigreitten Reger», half er de« beiden Herren au» dem Sattel Und führte di« Pferd« hinweg. Beide Herren erstiege« die Veranda, und der Herr Norman begrüßte Frau und Tochter herzlich, «ährend der junge Mann, der mit chm gekommen, bescheiden im Hintergründe stehen blieb. Al« die vewiükom«n«g»grüße vorüber waren, winktt Herr üiorman, und stellte den jungen Mann mtt folgenden Dorten vor und zwar französisch: „Hier «eine Krau und meine Tochter Bellona, diese« kst Herr Däkkör Moritz, ein liedenllwürdiger junger Man», de» ich den Damen extra von Rew-Kork importier," setzte er scherzhaft hinzu. Noritz verbeugt« sich galant Mt beide» Damen, von denen die Mgere chu scharf fixirt«. Di« «ioichDdttigleit, «st »elcher Bellona ihre« Knix begonnen, KnauMU sich t» tiefe« Interesse, als sie zufällig auf und in da» Auge de» Doktor» sah. Mit der ihr eigenen Lieben«würdigkett versuchte sie den fremden jungen Mann in ein Gespräch zu verknüpfen. Sie fragte ihn sogle ch nach seiner Heimalh, der Zeit seine» Aufenthalte« im Land« u. s. w., und hätte gewiß nicht x«fehlt, auf einen, wenizer in Schwermuth versunkenen jungen 'Mann, einen tiefen Eindruck zu machen^ Al» Bellona, während der Vater sich ange.egentlich mit der Mutter «nterhielt, all« Seiten ihrer Lieber.»würdigkeit ausgespannt hatte und nickt gleich den Erfolg beotachten konnte, der ihr so selten bei ihr>:r Koketterie fehlte, wurde sie einigermaßen mißgestimmt, nahm sich jedoch vor, bei oder nach dem Diner diesen jung:» liebenswürdigen Mann weiter auszuholen. Alle traten in den Salon, und Norman ergriff bii: kleine silberne Glocke, um für Erfrischungen zu sorgen. Die Quadrone Susan tiat augenblicklich ein, noch in ihrem autzetchnittenen Kleide, ängstlich und schüchtern. Ihr Hal» und Rücken war mit kleinen rothen und blauen Streifen förmlich üdersäet, sie fragte mit wohlklingender Stimme nach t«m Begehren der Herrschaft. Bellona, welche mit ihren feurigen jungen schwarzen Augen den jurgen Arzt beobachtete, sah wie dieser oft voll Neugierde sein«! Blicke auf die Quadrone haften ließ, und da sie dem Auge de» Doktor» gefolgt, schrieb sie die Entrüstung desselben — r nd zwar mit Recht — dem geschwollen?» blutrünstigen Nack:n der Sclavin zu, und nahm sich in Gedanken vor, der Quadrone diese» am Abende, wenn st: allein mit ihr sei, doppelt entgelten zu laffen. Sie wandte sich zu Doktor Moritz, und nachdem die Sclavin da» zweit« Mal das Zimmer verlassen, sagte sie: „Herr Doktor! E« kommt ihnen wohl Alle» neu und sonderbar genug hier vor?" „Aus Ehrenwort, Fräulein," erwiederte Moritz französisch. „Ja! Ich bia nicht gewohnt, in meinem Vaterland« ein junge« Frauenzimmer, da« schüchtern und bescheiden zu sein scheint, mit blutig geschlagenen Schultern zu sehen." „Ach I versetzte Bellona, daran werden Sie sich im Süden gegewöhnen müffen und mancher zerschlagen« Rücken wird Ihrer Heilung anvertrarlt werden, wenn Sie Papa'» Plantagen-Arzt sein werden. Uebigen» müffen Sie sich mit dem G«dan'!en vertraut mechen, daß alle diese Geschöpf« keine Measchen find, sondern nur Reger, di« für Schmerz kein Erfühl haben und Prügel gewöhnt sind." Moritz parrte einige Zeit in da» Gesicht der schönen Sprecherin, dann fragte er kurz: „Könner. Sie mir vielleicht sagen, Fräulein, «b jene» Mädchen gelocht, al« Sie so «»menschlich geschlagen wurde r" „Gelackt! nein, da« könnte ich gerade nicht sagen, sie hat geheult, und zwar tüchtig." „Waren Sie denn zugtgen, al» di« grausame «llxekution an dem armen Geschöpfe vollzogt« würde?" Bellona sah den Doktor an, zuckte verächtlich die Amseln und schwieg. „Aber Ihr Lieben, seid wohl neugierig, wie ich Doktor Montz ansgrsischt habe," hnb jetzt Herr Norman laut an, während Roritz leicht erröthete. „Ja Pipa, und mit Srlaubniß de« Herr» Doktor erzähl« nn», wo und wie Du ihn gesunde»." „Geben Sie mir Vollmacht M erzählen? Doktor." „Ganz nach Zhrem velieben l Herr Norman," ersetzt« der An» geredete. Also begann Norman: „Wit batten eine sckstine Zeit in New-Korl, einige alt« Freuude, mtt denen ich früher West Point besuchte, versuchtta, mir da« Leben so anaeaeh« al» möglich zn nach«». Am Abend« nor «einer »Reis« nun, nachdem wir «in tüchtige» Abschiedsfest gefeiert, än welchem auch der Kapitan de« Dampfer» Theil genommen, lud un» dieser anf sei» Schiff ein, um »och einige Flasche» Ehampag» »er mtt ihn zu leere». (Fortsetzung folgt.)