Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935020-5935723--1809-5371364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 270 — allerdings, aber bei der Theorie und der Phrase ist eS geblieben. Von den Juden, bereu Gemeinden ihr Selbstbestimmungsrecht nie gutmillig aus der Hand gegeben, die «« stets gewahrt haben, von den verachwten Juden zu lernen, schien zu gering. Nu», wir streiten nicht daftGer, aber wir freuen uns, daß ihr eilblich, spat genug, zur komstlt. Dafür müsien denn auch die Resolutionen sich noch immer mit einer AtchittÄsttsttzch^ bem „-Kft^tnrchlWß^ Itfl tstt „Air* chenhoheit" befaßen; Dinge, die wir nicht kennen und ohsie die wir uns immer ganz wohl befunden haben. Sehnlich verhält es sich mit den Resolutionen über die Livilehe. Auch da hat man endlich, nach langem Sträuben, wenigstenS von Seiten des ProtcstantentagS resoloirt, daß die Kirche, die Religion, auch mit der Civileh« bestehen könne. Ll» diese im Jahre 1847 für die Juden in Preußen verordnet wurde, da hat niemand die Betheiligten gefragt, niemand hat sie zu Rathe gezogen, auch nur vorher einen Wink gegeben, eS kam über uns urplötzlich. Nu», wie haben wir diesen Stoß, der Tausenden unter euch dem ganzen Gebäude den Ruin zu drohen scheint, überstanden? Ganz trefflich, eS hat sich in unsrrm Bau kein Steinchen gelockert. Eine Statistik sieht un« nicht zu Gebote, aber der Augenschein lehrt, daß die Zahl der Ehen unter Juden, die nur bürgerlich, nicht religiös geschloffen sind, verschwindend klein ist, und läßt vian ein paar Städte, wie etwa Königsberg, aus der Rechnung, so kann man sagen, die fragliche Zahl ist fast gleich Null. Also nicht ängstlich, nur nicht solchen gänzlichen Mangel an Vertrauen auf die eigene Kraft der eigenen Religion, al« ob in ihr nicht« durch sich selbst sich halten könne, und alle« durchaus der Stütz« durch Polizei und Geudarmerie bedürfe! Und nun gar diese kläglich« Angst um die Stolgebühren; wer sichert den« solch« unser» Religionsdienern? Ferner wird in beiden Aktenstücken ganz besonder« betont, daß e« Pflicht der Kirche und ihrer Diener sei, den LandeSgesetzen zu gehorchen; in den Resolutionen ist e« bündig ausgesprochen, im Hirtenbriefe de« Weiteren begründet, gerechtfertigt. Dir können wiederum sagen, „spät kommt ihr, doch ihr kommt." Di« StaatSgesetz« find wahrllch mit de» Juden oft gar unglimpflich umgegangen, dies« haben sich aber nie aufgelehnt, nicht bloß well sie nicht konnten, sondern well weltliche und geistlich« Gewalt sich da nie gegenüber standen, well gelehrt ist: „da« StaatSgesetz ist Gotte« Gesetz," und weil all die Sprüche, di« der Hirtenbrief in dieser Beziehung anführt, eben nicht erst christlichen Ursprung« find, sonder» in der helligen Schrift der Juden stehen, nämlich Spr. Sal. 24, 21 und Pred. Sal. 8, 2. Uud so habe» die Juden auch wirkliche Bergewaltiguag über sich ergehen laffen, ihr Schifflein ist von de« Stürmen arg umhergeschleudert worden und doch unversehrt geblieben und immer wieder emporgetaucht; warum den« für die Kirche fürchten, daß der westlich« Ar« sie zertrümmern werde, so fi« nicht gewaltsamen Widerstand leist«? I« de« Hirtenbrieft fteut e« un« dann besonder«, den »rasten Protest de« Judenthum» bestätigt zu sehen. In ruhigen, würdigen, aber ernste» und auf die geschichtlich« Wahrheit gestützte» Worten wird da gesagt, daß der Katholiciämu« mit seiner „Priesterwürde, seinen Stellvertretern Gotte«, seine« Würdencult, Wnndercult und vllderdteust" de» volle, Rück- > fall in da« Heidenthun« darstelle.*) Da« hat Israel von je — still opponirend und durch sein Dasein zeugend — behauptet, und nun verkündet e« ein Bischof, verkündet zugleich, „daß die Entartung heut schlimme» sei al« zu Christi ^jtit." Wieder »kn« glänzende Rechtfertigung de« JudenthumS, dosest gänzliche Persitkikenheit zur Zeft der Entstehung dc« LüristenthumS man sonst nicht schwarz genug malen zu können Midi. Fteilich lst dä allch Ui „jüdischem Cereinchtienöieüstt" de Rede, da« stört un« aber nicht. ES ist in dem Zusammenhang so gemeint, daß eS zur Christi Zeit unter den Juden Scheinheilige, Frömmler u. dergl. gegeben habe; da« setzt der Talmud auch, und wem sollte e« «infallen, cS zu lüugne»? Solche hat e« gegeben, und gibt «» noch, unter Juden und Nichtjuden. — Auch die Behauptung, „Nächstenliebe ist Religion und zwar sie Religion Christi" alterirt un» nicht, wir sind an dergleichen längst gewöhnt, und wenn sie nur in der That geübt wird, so wollen wir un« gern damit begnügen, daß wir für un« wißen, di« Nächstenliebe sei 3 Mos. IS, 18 gelehrt und von den Weisen J»röel« lange v. Ehr. al» „Inbegriff Ixt Religion" bezeichnet. Sehr wichtig finden wir dann wieder »en Satz, daß der RomantSmu« lehre: „eine Todsünde begehe , wer Andere» hör« oder lese, al» da« von den römischen Priestern Dargebotene. Die Losung ist: „Prüfet nicht«!" Darin finden ja auch wir einen wesentlichsten Gegensatz zum Judrnchum, welche« immer wieder seinen Bekenner» zuruft: leset, lernet, forschet selbst! Ganz au« der Seele ist un« die Behauptung aufgestellt, „daß der kirchlich« MaterialiSma« und JudifferriitiSnlu« beide gezeugt und grobgezogen seien von dem verderblichen RomaniSmu«." Wir haben auch in diesen Blättern schon oft dargethan, daß wir in der Gleichgültigkeit gegen Religion, die auch im Judenthum grasfirt, für ftemde Sünden büßen. Zum Schluffe kehren wir zu der ersten Bemerkung zurück. Beid« Aktenstücke betonen, daß sie Bereinigung der confeffionell Getrennten anbahne» «ollen, die Resolutionen sprechen noch bestimmter von Aufrichtung einer freien deutschen Bolttkirche, von der nothwendigea religiösen Wiedervereinigung de« deutschen Volk«. Dem Wunsch« stimmen wir voa Herzen zu; auf di« Zeit, da rin Hirt und «in« Heerde sei» w«rde, hat J«rael von je gehofft. Wir erinnern un» aber, daß beim Luftauchea der Deutschkatholik»!» und fteie« Gemeinden dasselbe Programm verkündet wurtu, und daß damal» auch manche Jude» glaubten, e« sei jetzt Zell zu einer Fusion, zu «ine« Uedertritl auch der Jude» zu tan Freireligiösen. E« bezeichnet einen Fortschritt in der Eckeunvüß von dem Werth und der Würde de« Judenthum«, daß jetzt von einer solchen Fusion nicht wieder die Red« sein wird. C« hat sich unter »»« di« Ueberzeuguag Bahn gebrochen, daß e» die Grundlehren de« Judenthum« find, welch« Semeingut werden und die Getrennten vereinige« solle«. Wll haben da« uw» anvertraute Gut zu wahren, noch stehe« di« Feiuoe der Wahrhell, der Geiste«- freiheit und de« Friedeu« sehr mächtig auf dem Plan; Altkatholikea und fteie Protestanten finb un« werth« Genoffen, aber wir find e« nicht, die ihrer bedürfe«! ») <« ist »emeestmümettz, »atz «4 Hk «WÜtzckt» «asttta, da s««» IM**» «• Italic chßifch «fer taMOH Kmw tot Mtr MlchiWM».h«N 9* .«eachBchti „da» ist in Sb« «ystatiet, rin «ich» Mstl« woeden."