Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 34. -1873. •i. Iahra«n„. Wochenschrift fit die religiöse» u«d socialen Jatereffen des J«deuth«ms. Erscheint jeden rNittnwch. Prei» ltterttljiheUch -*2'/, »»loidK«. I»fertt»»««ed»tzr ftr Mt dreispaltige Pttitstl« »der deren Raum 2 ®flt. BerantWocrlicher Stedakleur und Herautgeder Rabbiner vr. 2i. Trerrnfel» in Stettin. -♦- Magdeburg, 27. August H873. Ju Ocziepai ouctc alle Buchhandlungen und Poftaustalren. Insernten»Annahme i» der Expedition der Jtraelit. Wochenslkrift in Magdeburg. Inhal«. Leitende Artikelr Zwei »ktensiücke ,ur Zeitgeschichte — veeichte nm» «neresponvenzen, Deutschland: Magdeburg. Kinigtderg. Stargard. Leipzig. Leipzig. Aue Württemberg. Stuttgart. — Oesterreich: Pest.— Frankreich: Parti. — Grohbritanien: London. — Vermischte unb nette»* -tnchrtchtenr Stuttgart. Danzig. Berlin. Berlin. Schwaan. Leipzig. Zürich. Pest, »oropiez. Pari«. Irrest. Chicago — Aenilletonr Unsichtbare Fesseln. — Inserat«. Zwei Aktenstücke zur Zeitgeschichte. Die Aktenstücke, welche wir besprechen wollen, sind: der Hirtenbrief deS neuerwShlten altkatholischen Bischofs und die Resolutionen deS (leipziger) deutschen Protestantentages Wir wollen sie weder an sich beleuchten oder critisiren, »oh uns durch irgend eia Votum in eilten Streit mischen, der nicht der unsrige ist; aber wir wollen die Gedanken anssprechen, die sich uns, als Juden, beiai Lesen derselben aufbrängten, wollen unsere Bemerkungen an dieselben knüpfen. Da» kann nkcht zwecklo» sein. Denn' e» mag dahingestellt bleiben, ob jene Aktenstücke dereinst historische sein, d. h. als Marksteine der Entwickelung bleibende Bedeutung besitzen werden — der TageSgeschichie gehören sie jet>enfalls an und zwar der religiösen; dir religiösen Bewrgunge!, gehen aber im Judenthum und Christenthum' so Hand in Hand, daß wichtige Vorgänge und Kundgebungen in letzten« das erster« fast unmittelbar mtt berühren. Wir haben guten Grund,'beideAktenstücke als erfreuliche Erscheinungen zu bezeichnen. Wohlthsiend ist schm da» Streben nach Versöhnung, welche»' sie durchzieht, das Hervorheben de» den Religionen Gemetnsanieh der Liebe- und Eintracht; der Jude hat einen, wir möchten sagen natürlichen, angeborenen iderwilleis gegen Hader, namentlich religiöseit er hört nicht»-lieber all» Botschaftde» Frieden», Mahnung, im Namen de» Einen Gotte» und Vater» brüderlich einander die Hand zu reichen."'Seit' den Tagen de» Propheten (3er. 28, 7) ist uns eingeprägt: 'Ödetet für den Frieden - der Stadt u. f. w., denn in ihrem'Fristen habt 'auch ihr Frieden" — und tausendjährige grausame Erfahrungen haben die Wahrheit diese» Satze» durch seinen' Geg'ensatz bestätigt. Weiter begrüßen "tvtr -hielr freudig Kundgebung..»« eines stäfitiv-religiösen"Sireben»?-'"Golche sind heutzutage selten. Denn an Denjenigen/ 'welche - als sülche gelten «ollen und nur blinde Gläubigkeit und Glauben»haß, kirchliche und poliüsche Reactwn, Hierapchie, Zuzietzrochh. ja R<ljgiow»krieg fordern und . stader»,- haben «tr-.kein «ehl^salstn^-iDie tn. Rede stehestml' 'Aktniftttckesind vo^GEsett StBchuAyeu^ens, wollen aber auch, nicht dlo» verneinen, Mhf äNÄtelßüi, 'stnderu' anfbauen; sie. | wenden sich an Diejenigen, denen Religion nicht ein Ueberwundenes und gänzlich AbzutbuendeS ist, sie fetzen Personen und Gemeind-n voraus, welche am religiösen Leben sesthalten und es von Nencm kräftigen wollen. Wenn solche Verkündigung und Mahnung nur einigen Erfolg hat und toi einem Theilc de» Volke« Wiederhall findet, so muß sie auä» auf die Juden einen heilsamem Einstuß üben. Noch wichtiger ist aber für uns die hohe Anerkennung, die in beiden für dar Judenthum liegt. Sie ist um so beachtenSwer.her, da sie durchaus nicht beabsichtigt, auch nicht einmal als solche erkannt und daher auch nicht ausgesprochen ist. Sie liegt aber nicht« destoweniger in tor Sache. Da ist zuerst in beiden der Grundgedanke, daß es nicht einer Neuschöpsung bedürfe, sondern einer läuternden Rückkehr zu dem rechten, nur im Lause der Zeit getrübten und gefälschte«. Men und Ursprünglichen. Das ist es ja, was im Judenthum — wenn gleich in der Neuzeit auch öfter vertannt und verfälscht — im Ganzen unerschütterter Grundsatz gewesen ist: Nicht die Religion kann oder soll resormirt werden, sondern die Menscher; das Gegebene, (Stoffentarte, ist ewige Wahrheit, es gilt nur, immer wieder dahin zurückzukehren; der Versuch, in der Relijiou Neues aus dem Menschengeist toraus zu schaffen, ist eitel, bringt nur Dinge zu Stande, „die in einer Nacht entstein« und in einer Nacht vergehen". Wie das Judenthum lehrt: „Gott ändert seine Lehre nicht", so wird hier, in ähnlicher Weite, auf da« Urchristenthum, seine Lehre und Verfassung, zurückgewiesen und zurückgegaugeu. Wenden wir uns zu Einzelnem Der Protestailtentag will vor Allem bu« Recht der Gemeinde wieder hergestellt wissen, ihr soll bei Besetzung der Psarreien die entscheidende Stimme zustehe». Da» also ist das unter so viel Wehen geborene Kind, das zu beschließen (warum nicht gar zu entdecken?) hat es solcher Anstrengungen bedurft. Ist es nicht im Judenthum von altershet so gewesen,' und steht'eS Nicht so vor euren Augen? SttojTijtan lwf euch gelehrt, das Prinzip der allgemeinen Prie- ' sterkünnts Ilb ble Neuerung, 'welche erst mü dem Ehrtstenchum in' vis Äeb gekomnien sei,.'"währenddes toi der Gründung ^baelS''Äckünvet^ würbe.""'^2. Mos. 1K/S.) Dann soll'die Rkfäntiatlor die» Prinzip ttfibet chergestellt haben; theoretlsih