Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 267 — Feuilleton. Der Empfang -e» Central Eo«ite der n&tl. I-r. Un." bet« Schab vo« H-erften. Sonnabend, den 12. Juli, um l Uhr halte da» Lentral- Lomite der „ÄH. Ur." eine Audienz beim Sch >h von Persien. Malkom Khan, der Minister der auswärtigen Angeiegenhttteu, ftthrte da« Lomite in den Empsang»saai de« Schah. Steden diesen kam der Großvezier Mirza Hussein Khan. In dem Augenblicke, al« Herr Eremieux da» Wort nehmen wollt«, erkannte ihn der Schah und reichte chm huldvoll die Hand. Herr Eremieux begann mit einer Hinweisung aufEyru»; (analog der Adresse in unserer Nr. 2ö) Malkom Khan übersetzt« die« in» Persische, der König glüht mit dem Kopfe, tnvrm er dabei löchelt, und Malkom sagt: „Ich werde alle Ihre Worte treu übersetzen, damit Se. Majestät kein Wort davon verliere. Wollen Sie fort« fahren." Der Schah hört weiter mit gespannter Aufmerksamkeit zu, und Malkom Khan sagt, daß der Fürst »»«gesprochen, er sei durch die von Ihnen in so rührenden Ausdrücken deregten historischen Erinnerungen sehr bewegt. ,.Und dennoch, Sire," spricht Eremieux weiter, „kamen zu un» trostlose Erzählungen über di« Unterdrückung, der die Juden in Ihren Staaten ««»gesetzt find. — (Nein! nein! rusl der Fürst) Sire! wir konnten nicht daran glauben, und mit Freud« hörten wir au« den verschiedenen Ländern, welche Sie bereisten, da» Echo Ihrer Stimme, da» bi» zu un« gelangte, und die edlen und eiiergischen Worte wiederholte, wodurch Ew. Majestät diese Anklagen al» Lüge erklären." Der Fürst, sehr erregt, wendet sich an seinen Minister, welcher seine Worte wicderglbt: „Diese Anklagen sind falsch, äch beschütze all« meine Untenhanen in gleArr Weise, ich könnt« sagen, dag ich denjenigen noch mehr Ausmerk,amkeit schenke, dt« nicht zur muselmännischen Religion gehören. Dir Juden - werden ebenso gut behandelt al» alle meine übrigen Unlerthanen. Alle», wa« man Ihnen gesagt hat, ist falsch. Ich bestätige r»." „Sire", fährt der Redner sehr bewegt sott, „Ihre königlichen Worte dringen bi» in» Jnilerfte unserer Herzen. Ja, Sie sind der Beschützer von 40000 t»r. Persern wie von den Millionen Unlerthanen anderer Lulle, welche Ihr Reich bevölkern. E» ist für un» «ine unendliche Freude, e« von Ihnen gehört zu haben." Der Schah mit der Hand auf den Großvezier deutend, sagt auf Französisch: „Da ist der Großvezier, der au« der Beschützung der Juden eine persönliche Lngetegenheit macht, er ist ein Freund der Juden, um den di« Muielniänner sie beneiden. Der Großvezier verneigt sich lächelnd. Der Schah fragte: „Me viel Jude» gibt e» in Frankreich?" „Sire, 100,000—120,000." „In England?" „Etwa» weniger." „In den übrigen Staaten Europa«?" Herr Albert Lohn antwortet: „Sire, in Deutschland 200,000, in den österreichische» Staaten 1,200,000, in ganz Rußland 2,400,000." Herr Eremieux beginnt wieder: „Wollen Tw. Majestät mir erlanben, eine Bitte an Sie zu richten? Eine günstige Antwort würde von un» al» rin Glück aufgenominen werden." Der Fürst gibt ein Zeichen der Einwilligung. „Sire, die „All. isr.“ will, daß Ihre isr. llnterthanen ihre Pflichten, ihre Berdindiichkeitrn, die ne gegen ihr Balcrland und gegen ihren König zu erfüllen haben, gut verstehen. Ria« muß unter ihnen von der frühsten Kindheit die Wohlthaten de» Unterricht» verbreiten. Wir haben vor. Schulen an verschiedene« Punkten Ihre» Reiche« zu gründen, wie wir e» bereit» in einer großen Anzahl bedeutender Städte de» Orient» gethnn haben, die vo« Lehrern «nkerer Wahl geleitet werden sollen, wird dieser Gedanke Ihr» Genehmigung erlang'»?" „Ja," «rwidert der Schah auf Französisch, „iih werde Ihre Schuleii protegiren, Herr Sreiniei'k, beuehmr« Sir sich mit dem Großvezier, ich gebe mein« Genehmigung." Al» hte.auf Herr Eremieux sich zurückziehe» wollte, sagt der Fürst auf Persisch: „Ich bin zufrieden mit Ihrem Besuch. Sie lürsen beruhigt sein über da« Schicksal Ihrer persische» GaubenSgenoffeii. Uebrigen» werden sie Ihnen gewiß selbst schreiben, daß sie nicht Ursache zur Klage haben." In französischer Sprache wendet er sich hierauf noch ein Mai an Herrn Ereulieux: „Setzen Sie sich we^en Ihrer Schulen mit meinem Großvezier in Verbindung." Unsichtbare Keffeln. Orl-inal-Rovtlle von I. N. Lichtender, in R»«p«rk. (Fortsetzung.) Al» die Herrin unter freundlichem Geplauder .hre Borbereituug voilenoet, setzte st« sich aufrecht und sagte freundlich: „Komm, mein Kind, lege dein Gesicht tu meinen Schoß." „Liebe! gute, schöne Herrin! schlagen Sie mich nicht," begann jetzt da« Mädchen weinend, „schlagen Sie mich nicht, ich will gewiß gut sein und Ihnen alle» thun, war ich an Ihren Augen absehen kann." „Närrchen!" versetzte die Dame, „Du wirst doch Deiner Herrin ei» Vergnügen nicht mißgönnen? Halte still, e» thut ja gar nicht jo wehe, diese» ist ja nur rrne neue Peitsche, nleine eigene Erfindung, die ich probiren will." Ihr Auge nahm den Ausdruck einer Tigertatze an, ste ergriff die Sclavln bei den Locken, uild da da» herabgedrückle Kleid ihr gleichsam di« Arme an den Leib gefesselt halten, so beugte di« Herrin ten willenlosen Oberkörper auf die Kniee, di« Peitsch« sauste durch die Lust, und da» gequälte Mädchen stieß ein leise» Wimmern au», und auf ihrem Stacken zeigten sich rothe fadeudick« Slreisen Sie targt nicht«, niurmelte die junge Dame, die Peitsch« meine.id. ste schreit nicht einmal, und ließ nun mit vermehrter Kraft auf di« entblößten Schuiteru de» Mädchen» fallen, die jetzt ei» durch den Schooß der Herrin gidämpsle» Schmerzrnsgeichrei ausstieß. 'Noch «in Schlag und noch einer, und in der Extase ihre« Schnierze« riß die Sclaoin sich lo» und wälzte sich am Boden. Bon der Thüre hei rief jetzt eine sonor« Frauenstimme vorwurfsvoll: „Bellona!" Sogleich erhob sich die Dame, legte die Peitsche auf den Tisch, und strich sich die blonden Locken au» dem erhitzten Gesichte. Die Silavin richtete sich auf, befühlte weinend den blutunterlaufener Nacken und entfernte sich auf die Wort« der eingetretenen Dame: „Geh', Susanna, und sei nächste» Mal gehorsamer gegen Deine Herrin!„ Die rb;u «ingelretene Dam« war eine Frau von ungefähr vierzig Jahren, die in ihrer Jugend fear schön gewe>«n sein mußte. Sie war die Müller de» jungen, wunterschünen, grausamen Mädchens und die Gattin de» Herrn Norman, Besitzer« der Plantage. Die genannte Dame hatte ein sehr gulmülhige» Vertrauen erweckende» Gesicht. In Ueoereinstiminung mit diesein Gesichte, sagte sie auch zu den» jungen Mädchen, nachdem die unglnckiiche weiße Sclavin sich rntiernt: „AVer Bellona! wirst Du denn nie ein weioliche» Herz bekommen? Wie kannst Du nur so grausam sein?" „Wa« Anderen Schmerz bereitet, lieb« Mama, verschafft mir Belgnügen," versetzte die junge Schöne mit liebenswürdigem Mun,verziehen. (Forts, folgt.)