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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 33. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 33.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 265 — welch« Franz Däak, »der Weise der Nation", in der Reichstagssitzuug am 28. Juni gesprochen hat. Dieselben ^handeln das in ganz Europa zur brennenden Frage gewordene Verhältniß des Staates zur Kirche und hätten demnach für uns kein besonderes ausschließliche» Interesse, außer etwa der Satz, »daß nach dem Princip der Gleichberechtigung die Rabbiner größerer Gemeinven ebenso Sitz und Stimme im Ober- Hause erlangen müßten, wie die Bischöfe die katholischen Diöcesrn vertreten." Was wichtig ist und uns ganz vornehmlich augeht, ist die von D^ak urgirle Forderung, daß die religiösen Genossenschaften ihre Angelegenheiten selbstständig verwalten muffen, ohne Gewissenszwang zu üben, jedem die Freiheit des Belenntniffc» gewährend. Diese schlicht und mit um jo größerer Wirkung ausgesprochenen Worte gelte» ebenso für dir Israeliten Ungarns, wie sie daS allgemeine Gesetz für das religiöse Leben überhaupt bilden. Die seit Längcreut herrschende Erschlaffung auf geistigen! und religiösem Gebiete wird hoffentlich bald eiiiem frischen, schaffensjrohen Wiederaufleben weichen, aber vor einer solchen Lebhaftigkeit, wie sie bis vor Kurzem in stetem Zank und Hader, in Verketzerung» sucht und maßlosen Ausschreitungen sich geäußert hat, möge der Hiuimel uns gnädig bewahren. Es können freUich nicht Alle desselben Sinnes sein, und Meinungsverschiedenheiten ipüffen gerechte Würdigung finden, dafür aber kann gefordert werden, baß sie nicht etwa niedrige persönliche Jnlereffen betreffen, sondern einzig der allseitig erkannten guten Sache sich zuwende». Wir dürfen hoffen, daß die neuerwachende Thätigkeit sich mit Liebe nnd ungetheiltem Eifer, den wichtigen Ausgaben zuwcnden wird, welche den befriedigenden Ausbau unserer Schul- und Gemeindeverhältnisse bedingen. Durch die vor Kurzem erfolgte Genehmigung zur Errichtung einer Rabbi nerschule für Ungarn i-t dem heilsamen, ersprießlichen Zusammenwirken aller Kräfte ein weite» scuchtverheißendes Gebiet geöffnet, und ohne Zweifel werden die Einsichtigen die Gelegenheit wahrnehmen, um für die Zukunft des ungarischen JudenthumS in redlichem Streben bedacht zu sein. Pest. „€e. kais. und königl. Mas. hat mit a. h. Handschreiben vom l. Mai zu gestatten geruht, daß aus den Mitteln de» israelitischen LandeSschulfond» eine Rabbiner-BildnngSanstalt, im Sinne der von der israelit. LandeSkanzlei an daS Kultusministerium gemachten Unterbreitung, in Budapest errichtet iverde." — DaS ist der Wortlaut eines Rescripts, welches bereit» vor einigen Wochen publicirt worden ist. Wenn wir davon nur in Kürze Notiz genommen, so geschah dies, weil wir etwa» Nähere» über das Programm, zunächst über die „Unlerbreituug," also den Statuten-Entwurs, der iSraelit LandeSkanzlei abwarteten. Aber wir warten vergeblich. Zwar haben gewisse Blätter schon Mittheilungen über die Zusai»- nirusctzung des Lehrerkollegiums der projeclirten Hochschule gebracht, aber da» sind vielleicht nicht einmal Gerüchte oder Bermulhungen, sondern schlechthin tendenziöse Ersindungen. Wir würde» auf jeden Fall die Nachricht mit Freude» begrüßen, weil un» die Gründung einer neuen Lehrstätte, wo und wie es immer sei, für rin erfreuliches Ereigniß gilt, denn „der Wetteifer der Lehrer mehrt die Kenntniß" und „je mehr Lehrstätten, desto mehr Weisheit" — aber zwei Umstände lassen gar kein Gefühl der Befriedigung auskomme». Wir erinnern un«, daß vor etwa zwei Jahre» die Gründung eruer jüdisch-theologischen Facultät in Wien allerhöchst verordnet, daß ein Statut vollständig ausgearbeitet, ei» naher Ternli» der Elöffnung in Aussicht genommen war — was ist geschehen? Nicht»! Nicht» ist, in Oesterreich besonder», beständig als der Wechsel — der Ministerien, der Regierungssysteme im Ganze» und im Einzelnen, und nicht allein Aktien und drgl., sondern auch a. h. Edicle sind dort hundertfach geworden, was sie einst gewesen — Papier. Der andere Umstand ist der unvernieidliche Hader, die neu erwachende Erbitterung der Parteien. Der Landesschulfonds, aus blutigem Schweiß und Thränen erwachsen, «ine Drachensaat des Parteizwifte« von je di» heut, soll nun — zunächst oder definitiv — einer Partei zu Gute kommen. So scheint es, und so kann die Erbitterung nicht fehlen. So ist die üble Fo'ge sicher, irgend ein erfreuliches Resultat jenes Rescripts dagegen sehr problematisch. Kraukreich. Paris. (Bericht der All. JSr. Unio. für Juli). Neue Mitglieder siad angerleldet 434, darunter au» Deutschland 303, aus Rom 86. I» früheren Berichten ist von mehreren Corresponden'en ausgeführt worden, daß durch Gründung eines Alliance-Eomite in Rom eine Neugestaltung der seit dem September 1870 der Zerrüttung verfallenen israelitischen Gemeinde daselbst herbeigeführt werden könne. Möge sich diese Hoffnung erfüllen, und die älteste und in mancher B ziehung so merkwürdige Gemeinde wieder ihren Platz würdig auefülleir. Es ist nämlich durch da» Ende der päpstlichen Herischast die alte Gemeint everfaffung hinfällig geworden; die alt.'n eingesessenen Juden und die neu zugezogenen haben keinen Vereinigungspunkl finden könenn — der Uedergang war allzuschroff. — Es ist ein richtiger Gedanke, daß die zu: Alliance Zusammentretenden den Kern einer neuen Gemeind« bilden können; in sehr vielen Städten Deutschlands und Amerikas haben sich ebenso in alter und neuer Zeit freie Vereine (Chebroth) zu G.meinden entfaltet. Den wJentlichsten Inhalt de» Monatsberichts bilden Referate und Verhandlungen über die Schulen im Orient. Herr Netter lenkt die Aufmerksamkeit de» C E. auf die Gemeinde in Antiochien Eie ist sehr arm, besitzt keine eigme Synagoge, bezahlt für ein durch das letzie Erdbeben halbzerstörte» Local eine hohe Miethe, die Schule zählt 60 Schüler, der Lehrer ist ganz ungenügend besoldet. Die Alliance wird einen Lehrer dahin senden, sobald sie einen findet. Ueber die Schule in Adrianopel liegen günstige Berichte vor. Der Direktor, Herr Bloch, hat 25 ganz arme Wiijeu in seine Knabenschule ausgenommen, er hofft dadurch sein lange angestrebtes Ziel, die Bereinigung der Gemeindeichule, Talmud Tora, welche 800 Kinder zählt, mit der Schule der Alliance zu erreichen. Herr Marx, Direcior der Schule in Bagdad, regt die Giündnng einer Gewerbeschule (äcolo d’arts etmdti&rs) daselost an und macht genauere Angaben über Einrichtung und Kostenanschlag. Die Möglichkeit eines solchen Instituts steht gewiß nicht in Frage, die Vorschläge de» Herrn Marx scheinen wohl erwogen, nur die Einrichtung eine» Internat» erschien uns überflüssig. Wir sehen, daß das C.'Nlr. Eom. diese ansere Ansicht «heilt. Der Beschluß über da» ganze Projekt ist von weiteren Ermittelungen abhängig gemacht. In Bezug auf die zu Bagdad abgehaltene Prüfung (vgl. den vor. Monatsbericht in unserer Nr. 29) hatten wir die Bemerkung gemacht, daß un» im Erlernen sremder Sprachen allzuviel githan zu werden scheine. Hierauf bezieht sich folgende Not« deS Bericht»: „Das Comite verkennt nicht den Werth der ihm gemachten Bemerkungen, aber eS hält es für unerläßlich, im Orient mehrere Sprachen zu lehren. Uederall, wo in diesen Gegenden Schulen existiren, verlangte die Bevölkerung, daß in mehreren Sprachen Unterricht ertaeill werde, und das macht die Schul«-» in jenen Landein so theuer. In Bagdad z. B. will man englisch, französisch nnd arabisch lernen, dann anderswo französisch, spanisch, türkisch und (neu-) griechisch. Ein so comp.icirler Unterricht ist nolywendig ei» wenig ober'lächlich, aber er h»r nur practiiche Z.v cke im Auge, leine wissenschaf'licheu. (Das Halle» wir auch nicht anders begehrt; wir halte» nur gemeint, es werde zu sehr darnach getrachtet, mit den Schule» zu glänzen, und wen» unter den besonderen Berhältnissen des Orient auch Solche» sehr gereäitfertigt, und ein wenig Schein, ja Hualbug, unerläßlich und nützlich sein wird, so hallen wir gefuechiei, eS geschehe auf Kosten der Schüler) Der Orientale ist ferner mil außerorde arlicher Fassungrkrafl für fremde Sprachen begabt. Es würd: ohne Zweifel besser sei», diesen Theil de» Programme» den höheren Schulen zuzuweijen, aber bis jetzt ging da« nicht an." — Wir erklären uns mit dieser E.öc-

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