Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 263 — zielen. Und unsere Hoffnung. Der Boden, in den deL Saatkorn gelegt werden soll, ist ein fast unberührter, aber gewiß kein unfruchtbarer. Werden sich nicht auch unter den jiddischen Knaben rin paar begabte, gottbegnadete findend Und dann mal« dir, lieber Leser, selbst die Idee au», daß sich unter diesen Knaben ein Daniel finde — nicht ein Prophet, das ist nicht nöthig — aber ein Jüngling, der unter den Augen der Behörde, welche die Schule nicht unbeachtet lasten wird, sich hervorthue, glänze durch „Misten und Kennt - niß in jedem Buche und jeder Wissenschaft", „vor König« bestehen könne", zu Ansehen gelange, seinen Brüdern di» werde, was Mendelssohn unS gewesen.... Berichte und Correspondenze». Deutschland. Magdeburg, 15. August. Herr Advocat Emil Lehmann, Mitglied de» AuSschufleS des deulsch-iSr. EemeindebundeS und Autor der „Thesen über dir Einordnung des iSr. Religionsunterricht»," sandte mir eine berichtigend« Erwiderung auf meinen Leitartikel in Nr. SS: „DaS Hebräische in der jüdischen ReligionSschule," die schon um der Person und mehr noch um der Sache willen, soweit sie ein allgemeine» Interesse dal, in der „Wochenschrift" eine Stelle finden möge. Die Zuschrift lautet: »In Ihrem Leitartikel: „Da» Hebräische in der jüd. ReligionSschule" machen Sie e» de» „Thesen über Einordnung de» iSr. Religionsunterrichts u. f. w." zum Vorwurf, daß sie diese Frage nicht berührt haben. Ich gestatte mir deShaib auf die These 10 und 11 (S. 6 der Brochüre) hinzuweisen, die allerdings von mir nicht o f f i ci e l l im Romen de» Ausschusses deS deutsch-i»r. Gemeindebunde», aber als meine subjektive Ueberzeugnng ausgestellt wurden. Der Ausschuß hatte sich gegen sie erklärt, nicht aaS Mangel an Uebereinftimmung mit dem Inhalt, sondern aus Furcht, damit bas objectioe Gebiet des Gemeindebuudrs, das Allen ohne Unterschied der Parteinellung Gemeinsame, zu verlassen und einseitiger resormrrender Richtung bezüchligt zu rvrrden. Meine Thesen 10 und 11 lauten: 11». Ter jüd. Religionsunterricht soll nicht in trockenem Gedächtnißwerk, sonder» in lebendiger Einwirkung auf Herz und «Seist bestehm, und mir thunlichster Zeitersparniß da» WissrnSwertheste au» Kitten- und (Glaubenslehre, Bibelkunde, die schönsten Bibelstellen möglichst in der Ursprache, jüdische Geschichte und Literaturkund« einschließlich der Neuzeit, in systematischer Neihenfolge den Schülern einprägen. 11. Ein diesen g«sammten Neligionoschulstoff mit Einschluß hebräischer, auSgewählter Bibelstellen und deutscher, Juden und Judenthum verherrlichender Literaturstücke (in Poesie un» Proa) umfassende», einbändige» Werk, «in jüdische» Hau»-. Schulun» Kolk»« buch im besten Sinne, ist «in dringende» Bedürsnih und ein« danibare, noch ungelöste Ausgabe. In diesen beiden Thesen ist mit absichtlicher Wiede rholung Gewicht auf die möglichste Kenntnißuahine ausgewählter Bibelstiikke in der Ursprache gelegt, damit aber miildestenS der Verfass, r der „Thesen" von dem Vorivurfe frei, daß er sich die jüdische ReligionSschule ohne hebräischen Unterricht gedacht habe.*) Freilich über das Mehr oder Minder läßt sich streiten. Und eben weil die Thesen nur das Minder, nur die ausgewählten Bibelstellen dem Religionsunterricht in der Ursprache zuwiesen, glaubte der Ausschuß sie nicht adoptirrn zu können. Ich meine nun allerdings, daß eS nicht Aufgabe von „Thesen" sein kann, daß Maß des Hebräischen aufzustelleu; daS hängt von örtlichen und sonstigen wechselnden Verhält- *) Ein solcher Vorwurf ist aber in jenem Leitartikel weder dnn Herrn Verf. der Thesen, noch dem verehrt. Ausschuss« de» Seineindebrnde» gemacht worden. Des letzteren Bedenken kann man nur billigen. nisten ab. Die Hauptsache war da» Aussprechen de« Grundsatzes: Die ReligionSschule solle auch der hebräischen Ursprache grtenkcn, soll die Bibel möglichst in der Ursprache lehren."**) Ans einige andere in der „Zuschrift" angeregten, i'echt bcherzigeuswerlyen Punkte gedenke ich gelegentlich noch jiiiückzukonimen. R. g AuS Obrlschlesieu, 4. August. lOr.-Corr.t Wiederum hat da» Judenthum den Verlust eines seiner aufrichtigsten Bekenner, seiner eifrigsten und tüchtigsten Vorkäinpser, Oberschlesien den eines seuier bedeutendsten Männer und die jüdische Gemeinde zu Eoh:au in Oberschlefien den ihres langjährigen hochgefchätz en und verehrten Führer» und Lehrers zu beklcgen. Am Donnerstag den 7. Ab. endete ein Herzschlag in sfreiburg beim Einstigen in den Eisenbahnwagen plötzlich das Leben d«S auf d.-r Heimreise aus dem Bade Salzbrunn begriffenen Rabbiners David Deutsch. Ueberall, wohin die Trauerkunde drinssen wird, und wo noch ein warmes Herz für die Interessen des Judenthums schlägt, wird sie tiefsten Schmerz Hervorrusen. Ter Verklärte, ein Mann von seltener, talmudischer Gelehrsamkeit und bedeutendem profanen Wissen, hat sich schon in seiner Jugend durch seine Uebersetzung und seinen Commentar zu Habokuk in der wissenschaftlichen lVelt einen angesehenen Namen erworben, dem feine später erschienenen Schriften wie die Brochüre „die Orgel in der Synagoge", die nunmehr in zweiter Auslage erscheinende, so außerordentlich gelungene Uebersetzung des Chisuk Emunah, div. wissenschaftliche Abhandlungen im Maggid und in anderen jüdischen Zeitschriften immer weitere Verbreitung schafften. In Gemeinschaft mit seinem unvergeßlichen Bruder, dem damaligen Rabbiner zu Beuthen, Israel Deutsch s. A., trat er in den vierziger Jahren mit großer Gewandtheit und Schärfe und bedeutendem Erfolge den sich damals im Judenthum dreitmachenden destruktiven Tendenzen, namentlich der Ztabbinerversamnüung in Lraunjchweig und dem aus derselben dominirenden Freihestsipostel in der „Rücksprache mit allen Gläubigen des Judenthums", ferner in der Brochüre „zur Würdigung der Brau uschweiger Rabbinerversammlung" entgegen. Sein über allen Zweifel erhabener, biederer und ehrenhafter Charakter, seine Geradheit. und Offenheit gewannen ihm die Achtung selbst seiner erbittertsten Gegner, die in ihm «inen der mächtigsten uuv muthigsten Vertheidiger des von ihnen angegriffenen und in den Staub gezogenen väterlichen Erbtheils sahen. Bedeutend und daher auch sehr beliebt als Kanzelredner, kleidete er in außerordentlich schöner und anziehender Weise jene alte inhalts- und gedankenreiche Art der Derascha in die allen Ansprüchen, auch des gebildetsten und verwöhntesten Publikurns, besriedigende Form einer allen Regeln der Kunst entsprechenden modernen Predigt. Von der hohm Achtung deren sich der Verklärte in ganz Oberschlesien ersr.'Ute, legte die große Zahl der trotz deS Tisclio b’Ow zur Beerdigung aus allen Gemeinden herbeigeellten Freunden >:i» beredtes Zeugniß ab. Was aber die eigene t^erneinde it dem selig Entschlafenen besessen und was sie durch seinen Heimgang verloren, das läßt sich in dem etigen Raume einer Eorr espondenz nicht beschreiben, davon führ« ich nur den einzigen, aber auch sprechendsten Beweis an, daß sich durch die Bcnrühurgen dieses Gerechten die Gemeinde 2ol>rau bis zum heutigen Tage als die frommste Oberschlcsiens und als diejenige erhalten, in der man ächt jüdisches Wesen in reichlicher Fülle heute noch findet. Dem berechtigten Schmerze über den großen Verlust gaben denn auch der Bruder des Verstorbenen, Herr Rabbinats- Assessor Abraham Deutsch ausGleiwitz, in der Synagoge und auf dem Früdhofe Herr Rabbiner vr. Roscuthal aus Beuthen, der Sohi des Verblichenen, Herr vr. Immanuel Deutsch, Hörer ves jüdisch-theologischen Seminars zu Bre» * *) „Auch" — „möglichst" da» war'», dem ich durch meinen Leitartikel rntgegentreter zu müsien glaubte. Nicht „auch", sondern „in erster Reihe," nicht „möglichst" sondern „gtößtentheUS."