Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 262 — trachtet werden oder gar das Segentheil von dem bedeuten, was sie verkünden. Weit besser und bedeutender als die schönen Worte alle sind jedoch die formulirten Zusicherungen, welche di« Alliance Jsr. Uni». in Betreff zu gründender Schulen erhalten hat. Wir werden an Rabbi Jochanan ben Eackai erinnert, der an den Römerfürsten nur die eine Litte richtet: „gieb mir Iabneh und seine Lehrer — laß »ich Schulen gründen!" — Jeder weiß, daß diese Schulen ganz allein Israel vom Untergang errettet haben! — Der Schah wird das in dieser Beziehung gegebene Versprechen halten; die Alliance wird die Schulen eröffnen, und diese wird Schüler finden, auch daran ist nicht zu zweistln; wenn dann Gott „das Scinige thut", so ist Hoffnung für die Zukunft vorhanden und ein kostbares Samenkorn in den Boden Persien« gelegt, welches, langsam wachsend und sorgsam gepflegt, in späteren Tagen die Frucht einer Erlösung für Tausende zeitigen wird lieber die Audienz, welche das pariser Eentral-Comitä der Alliance am 12. Juli beim Schah gehabt, haben (wie in Rr. 31 bereits angedeutet) die Mitglieder ein Protokoll aufgesetzt, für deffen wörtliche Genauigkeit in Beziehung auf Reden und Gegenreden sie bürgen, der Großoezier Huffein hat es durchgelesen und durch Unterschrift bestätigt. Das etwas um angreiche Actenstück wird unfern Lesern recht bald in den Berichten der All. I. U. vorliegen, wir geben daher nur einen kurzen Auszug und die wichtigsten Stellen aus der Rede Cremieux' und den Antworten des Schah. (Im Feuilleton.) Wörtlich aber theilen wir hier den auf die Schulen bezüglichen Schriftwechsel mit. Der Schah hatte nämlich am Schluffe der Audienz zu Cremieux auf ftanzösisch gesagt: concertez-rous avec tnon Grand-vizir pour vous 6coles — („benehmen Sie sich wegen Ihrer Schulen mü meinem Großvezier.") Hierauf richtete Cremieux an Letzteren folgendes Schreiben: „Paris, 14. Juli 1873. Sr. E c. Mirza Huffein Khan, GroßVezier. Der Präsident der All. Jsr. Univ. erlaubt sich hochachtungsvoll Ew. Excel!, die vom Central-Comitd in der heute Morgen stattgehabten Conferenz ausgesprochenen Wünsche in Erinnerung zu dringen: 1) Ew. Excellenz will im Reiche das Königl. Versprechen . des von Sr. Majestät den zu gründenden Schulen zu gewährenden Schutzes belannt machen. 2) Es wird in Teheran eine Schule gegründet werden, de- . ren Director vom ComitL dahin gesendet werden soll. 3) Das Local der Schule wird von der Regierung Sr Majestät gegeben werden. Ein Profeffor der persischen Sprache, in Teheran von der Regierung Sr. Majestät erwählt, wird an der Schule angestellt und deffen Besoldung von der Munificenz Sr. Majestät bestritten werden. Durch Ausstattung unserer ersten Schule mit einem Local und einem persischen Profeffor wird Se. Majestät nasses der religiösen Freiheit und der bürgerlichen Rechte gemacht werde, und er will daher, nach seiner Rückkehr in sein Land, die verschiedene» Punkt«, welch« Eie >u seiner Nenntiliß gebracht haben, in« Luge fassen, um die Lage der jüdischen Gemeinden in Persien, die er immer al« fleißige und loyale Bürger betrachtet, zu verbessern " Man vergleiche damit di« in Rr. 31 mitgrtheilte Antwort an Sir Mose« Montefior«. (Die dort hinzugesügte Bemerkung ist seitdem natürlich hinfällig und Malcom Khan mit Antwortschreiben ziemlich sreigetig geworden.) den deutlichsten Beweis de- Schutzes für unsere Schulen geben. 4) Se. Excellenz wird Befehl geben, drei junge Israeliten, 13^16 Jahre alt, auszuwählen, welche-nach Paris an den Präsidenten des Central-Comitä'S der All. JSr. U. gesendet werden fottcn. Diese drei jungen Israeliten werden so lange in P<aris bleiben, bis sie die Kenntniffe erlangt haben, welch: sie befähigen. Schulen in ihrem Vaterlande zu leiten. Sie werden Erzühung und Unterricht anf Kosten des Comitä erhalten. Da- Central-ComitS bleibt übrigens für alle Kosten verpflichtet, welche in Teheran entstehen werden; und wenn eS später, in Uebereinstim mung mit der Regierung, für gut erachten wird, neue Schulen in Teheran selbst und in andern Städten zu gründen, so wird es auch für die Kosten dieser neuen Institute verhaftet bleiben. Empfangen rc. rc. Ad. Cremieux, Präsident." Hierauf erging folgende Antwort: „Herrn Ad. Cremieux, Vorsitzenden der All. Jsr. Univ. Paris, 18. JuU 1873. Herr Präsident! Ich nehme mit Befriedigung den Vorschlag, den Sie mir im Namen der Gesellschaft „All. Jsr. Univ." machen, entgegen, und die Regierung Se. Majestät des Schah, meines erhabenen Herrn, wird sich b:streben, ihren wohlwollenden Schutz den Schulen zu gewähren, ivelche die genannte Gesellschaft in Persien zum Behuse der sittlichen Entwickelung der israelitische« Bevölkerung einrichten und erhaften wirb. » ' Um die Verwirklichung dieses Vorhabens zu erleichtern, wird die Regierung dem von der All. Jsr. Univ. nach Teheran zu sendenden Director eine zu dem Zwecke geeignete Räumlichkeit zur Verfügung stellen. Um ferner zum befferen Erfolge beizultügen, wird die Regierung für den Unterricht in der persischen Sprache einen befähigten Profeffor anstellen, einen Israeliten, wenn es einen ölchen giebt, oder nöthig««falls einen Muselmann; die Besoldung dieses Profefforder persischen Sprache geht auf Kosten Staats. Sie wollen, Herr Präsident, in diesen Acten unserer Regierung eine Wirkung der edlen Gefühle erkennen, von denen Se. Majestät, unser erhobener Herrscher, in Beziehung a f seine israelitischen Unterthrnen beseelt ist, und deren Ausdruck Sie aus dem Munde Sr. Majestät selbst entgegengenommen haben. Ich habe ferner die Ehre Sie zu benachrichtigen, daß ich Ihr Projekt, in Paris auf Kosten Ihrer Gesellschaft Lehrer für Ihre Glaubensgenoffen in Persien auszubilden, genehmige. Zu diesem Behuse werde ich Sorge ttagen, daß, ihrem Wunsche gemäß und baldmöglichst, drei oder vier junge Jsraelsten von anerkannter Befähigung nach Paris, diesem glänzenden Eentrum der Civllisation, gesendet werden, um sich dort für den Lehrerberuf auszubilden. Wollen Sie, Herr President, dieses Schreiben Ihren geehrten College» mittheilen n. f. w. Hussein." Und so sprechen wir zum Schluffe noch einmal unsere volle Befriedigung und unsere Hoffnung aus. Unsere Befriedigung, daß es der All. Jsr. Un. gelungen ist — gegenüber den wenig bedeutenden, wenn auch vieloersprechenden allgemeinen-Versicherungen — «in greifbares Resultat zu er-