Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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— 246 — da ti laut Uebereinkunst schon seit einer Reihe von Jahren jeder Genieinde im heiligen Lande statutengemäß untersagt ist, nach Holland und Deutschland, gleichviel für welche Zwecke, zu senden, welcher Einrichlung sich daS über palästinische Angelegenheit schon sehr lange genau organistrle Ungarn angeschlossen hat. 2) Eine Sammlung, sprciell für den Bau porlugiesischer Armenrc. -Wohnungen ist aber um so unberechtigter, als die portugiesische Gemeinde einen Antheil an den in Drutschlanv, Holland uno Oesterreich gesammelten Gaben bereits erbauten Armen- und Pilgerwohiiungc» haben, wir bei der in Nisiau dieses Jahres für die Dauer von drei Jahren stattgchabten Verlhciiung von zwanzig Wohnungen, drei derselben an Sepharvim zugetheilt wurden. Wir bitten daher unsere Brüder und Schwestern, ihre edlen Gabe» für den Bau von Armen- und Pilgerwohnungen nicht zu zersplittern uno dadurch die ganze Sache empfindlich zu schwächen, vielmehr dieselben wie bisher zu roncentriren, und oft zu gedenken deS -]27271712? ^'2273 127J7» Amsterdam und Berlin, im TamuS 5633 Das Central-Comite sür den Bau der Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem. Akiba Lehren, vr. I. Hildesheimer. Gust. Hirsch. AaS Württemberg. (Or.-Corr.) Die „Rcckarzeilung" bringt folgenden Bericht aus Wildbad: Auf den Wunsch von Israeliten, deren mehrere Hunderte als Kurgäste alljährlich bier sein mögen, hat ver hiesige Stadtschuliheiß mit größter Bereitwilligkeit eiu geeignetes Lokal zur Abhaltung des jabbathlichen Gottesdienstes unentgeltlich eingeräumt, da ja auch eine englische unv eine katholische Kapelle für die betreffenden Badegäste neben der evangelischen Stadtkirche vorhanden sei. Am jüngsten Sabbath wurde schon ein israelitischer Gottesdienst abgehalten, an Sem etwa 40 Personen theilnahmen. Der anwesende Klausrabbiner von Mannheim hielt eine Predigt mit vielem Beifall. Es ist bereits Einleitung getroffen, eine rituell auf Pergament geschriebene Pentatenchrolle zum Vorlesen der Pericopen anznschaffe«. In ahnlicber Weise entstanden in Karlsbad und Leipzig durch Kur- und Meßfremde isr. Gotteshäuser. In Cannstatt, durch die Bahn nur einige Minuten von Stuttgart entfernt, einem bedeutenden Badeplatze, hat sich eine eigene israelitische Gemeinde, die über fünfzig Familien zählt, gebildet. Dieselbe hat eigenen Gottesdienst, Schule und Lehrer. Bis jetzt war sie Filiale von Stuttgart, nun aber hat sie dieses Adhängigkeitsverhältniß gelöst und bat sich selbstständig gemacht. Tie Besucher des Bades werden also dort alle religiösen, jüdischen Bedürfniffe befriedigen können. — Die neue Synagoge in Ulm ist fertig und wird noch vor Rosch haschrna dem gottesdienstlichen Zwecke übergeben werden. Oesterreich. Wien. Ueber den vor 4 Tagen verstorbenen Baron Moriz Todesco schreibt ein Freund des Verstorbenen in der „R. F. P: „Die so seltene Kunst der Reichen dieser Erde, nicht fort uno fort Millionen auf Millionen zu häufe», wildern das Leben auch zu genießen, leben und leben zu lassen, war dem Verblichenen im vollsten Maße zu Theil. Er überbürdete sich nicht zu sehr mit maß- und ruhelosen Geschäften, und wenn er einmal den Comptoirstaub abgeschüttelt hatte, genoß er nicht allein die Freuden des kurzen Daseins, sondern Iheilte sie auch mit Freunden und Bekannten aus den besten und mannigfachsten Kreisen der Residenz. Er führte — was in Wien schon zu den größten Seltenheiten gehört — -in stets offenes, gastfreundliches Haus und war der artigste, zuvorkommendste Wirth. Minister, Bankiers, hohe Beamte und Militär» gingen da ebenso aus und «in wie Dichter, Künstler, Advocaten und Aerzte. Und für Jeden hatte er durch Jahr und Jahr eine ganz ungeschwächte, ungesuchte Freundlichkeit und Aufmerksamkeit. Aber auch in humanistischer Richtung hatten wir häufig Gelegenheit, den regen WohllhätigkeitSsinn des Verstorbenen zu beobachten. Moriz Todesco war seit der Gründung der Oesterreichischen patriotischen HilsSoereinS eines der cifervcllsten und opferbereitesten Mitglieder desselben. Oft geschah eS während und nach den drei Kriegsepochen seit dem Jahre 1859, daß ein Kranker, Verwundeter oder sonst Verunglückter, weil er nicht in den Rahmen der Statuten einzureihen war, von dem HilfSverein auch keine Unterstützung erhalten kannte. Stets wendete sich dann Todesco in aller Stille an den betreffenden Referenten, um nähere Auskunft über den Unglücklichen zu erhalten, und betheilte aus Eigenem den Bittsteller in der edelsten und geräuschlosesten Weise. „Geben ist nichts, die Art zu geben. Alles." sagt Leising. Auch persönlich inlervenirte Todesco häufig bei den Verwundeten und Kranken in den verschiedenen Kriegsjahren. Namentlich war dies der Fall im Jahre 1866, wo seiner Villa gegenüber „aus der Mauer" ein Choleraspital für Oesterreicher und Sachsen errichtet war. Hier theilte er Tag sür Tag Erfrischungen und Labemittel ans und nahm sich überhaupt des Spitaler, das vom patriotischen Hiissverein seiner Ucbcrwachung anverlraul war, in der liebevollsten und furchtlosesten Art und Weise an. Der so menschenfreundliche, im besten ManneSilter Verstorbene kannte — wie er mir oft im Gespräche mittheilte — nur Eine Furcht, es war die, scheintodt begraben zu werden. Und die ersten Zeilen seines Testaments, in dem viele Acte der Wohlthätigkeil verzeichnet sind, ordnen in der Thal seine Obduction an. Aus Krakau wird unS der Wortlaut des Schreibens milgetheilt, in welchem der Vorstand der dortigen Jsraeliten- Gemeinve den Anschluß an daS Central-Wahlcomite der Juden in Lemberg ablchnt. Mit dieser Antwort habe» die Krakauer Juden sich völlig unter das Joch der polnischen Schlachta gebeugt, die nicht verfehlen wird, aus derselben gegen die reichstreuen Bestrebungen des Leinbeiger ComiteS Kapital zu schlagen. Immer noch, wenn die galtzischen Juden unter dem Terrorismus und den Gewaltthaten der Pole» zu leidcn hatten, wendete» sie sich hilfesuchend an das Reich; nun sie Gelegenheit haben, sich des Reichsschutzes dauernd zu versichern, findet ein Theil derselben den Mnth nicht, den polnischen Versprechungen und Drohungen Widerstand zu leisten, denn an das „Ideal konfessioneller Toleranz", das sie im Vereine mit den „edelsten Geistern der polnischen Ration" verwirklichen wollen, glauben wohl die Krakauer Juden selbst nicht. Solche Ideale pflegen von der polnischen Jugend in den galizischen Städten gleichzeitig mit den Fenstern ihrer israelitischen Mitbürger zertrümmert zu werden. Wir geben nur den Schluß des charakteristischen Schreibens: „Wir glauben demnach, im Namen der gesammte» (?!) Glaubensgcnoffen im Lande die Ueberzeugung aussprechen zu können, daß wir auf dem Wege einträchtigen Zusammenwirkens mit unseren polnisch-christlichen Mitbürgern alle jene Ziele erreichen werden, welch: Jbrem Central-Wahlcomite vorgeschwebl haben, und namentlich, laß auch die Juden Galiziens eine entsprechende Vertretung in dem Reichsralhe finden werden (ohne ihr Zmhun? Red.), da eS in dem gemeinsamen Zntereffe der ganzen Nation liegen wird, daß aas unserer Milte Abgeordnete in den Reichsrath entsendet werden, welche vor aller Welt bezeugen können, daß wir mit unseren polnisch-christlichen Mitbürgern einig sind in dem Bestreben, unser inniggeliebtes gemeinsames Vaterland einer glücklichen Zukunft enigegenzuführen. Wir sind demnach nicht in der Lage, Ihrer Einladung zu entsprechen, und hoffen (?) dagegen, daß Sie in Würdigung der von unS entwickelten Anschauungen auch Ihrerseits Ihre Bestrebungen bei den direkten Reichsraths wählen mit denen Ihrer polnisch-christlichen Mitbürger vereinigen werden. Der Vorstand der israelitischen CultuSgemeinde: Dr. Simon Samelsohn, Präsident: Salomon Deiches, Bice- Präsident."