Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 240 — ist es der RegierungSpreffe zu verz, ihen, daß sie zur Verbreitung dieser Lüge beigetragen; dem: nicht nur wird sie dmh die Thatsache widerlegt, daß Herr Peixotto die Leitung der Eons ulargeschäite wieder übernommen hat, sondern sie liefert uns auch den deutlichsten Beweis für die Verlegenheiten, in die sie durch das edle Auftreten des Consuls für seine verfolgten Glaubensgenossen sich versetzt fühlt. Feuilleton. Unsichtbare Fesseln. (Fortsetzung.) „Hättest auch gleich einen Freibrief für die arme Bertha besorgen sollen," sagte Deermoore. „Das ist unnöthig," versetzte Stonehill, „jedoch wenn Du eS wünschest, soll cS noch geschehen. Ich Hab« mich aber genau nach den Gesetzen dieses Staates erkundigt und in Erfahrung gebracht, daß jeder Sclav', der von seinem Herrn in diesen Staat gebracht, eine freie Person wird. Von dieser Seite bist Du sicher." „Dann ist es unnöthig, versezte Deermoore, denn ich möchte um Gotteswillen die Geschichte bei dem Kinde nicht nochmals aufrühren. Es ist besser, wir schweigen Alles todt. Dieses Dokument werde ich ihr erst dann übergeben, wenn sie einmal verheirathet ist. „Doch, da ich vom Heirathen spreche, was für einen dummen Streich hat dieser grüne Doctor gemacht, so ohne Vorbereitung durchzubrennen. Das arrie Mädchen gestand mir ihre Liebe zu ihm, kurz vor jenem abscheulichen Hochzeitstage, der heute noch in Houstenstreet vo r sich reden macht, und mir wäre es recht, der Doctor wäre hier geblieben, ich hätte beide gern zusammengegeben, um das liebe Mädchen in Etwas für ihre Leiden zu entschädigen." ' „Hat Bärchen nichts aufgefunxn von ihm?" fragte Stonehill. „Nein, nicht das Geringste. Was mich eben am meisten wundert, ist, daß Bertha noch Niemanden nach Moritz gefragt, als im Anfänge, als sie besser wurde, meine Schwägerin. Diese erklärte ihr, um sie zu schonen, daß der Doctor auf einer Reise begriffen, bald zurückkehren würde! „Störe ich?" rief eben Bertha zur Thüre herein. „Nein, mein liebes Kind, erwiederten Beide gleichzeitig," und Deermoore versteckte das Document in seine Brustlasche. Bertha trat ein und sagte freudig erregt: „Denkt Euch! Onkel Moh und Bärchen sind eben angekommen, sie sind in der Küche; aber es scheint ihnen nicht recht gefallen zu haben im Lande, sie machen recht häßliche Gesichter." „Na! na! das Peddeln ist auch kein großes Plaisir, sagte Stonehill und Deermoore fast zugleich, wir können auch ein Stückchen davon erzählen. Aber, setzte Deermoore hinzu, da schon Chanuka vorüber ist, thun sie besser den Winter hier zu bleiben, wir haben ja genug zu essen für Beide. Nicht wahr, Bertha?" „Ei, freilich!" versetzte Bertha, warum soll man die armen Menschen im Winter draußen uncher laufen lassen, wenn es nicht Nolh rhut." Jetzt kanien auch Moscheh und Bärchen herein und begrüßten die Herren, und das Gespräch wurde bald allgemein, und Bertha verließ das Zimmer. Als Bärchen eine halbe Stunde später auf den Hausflur trat, öffnete sich die Thüre des Parlors, und Bertha winkle niit der Hand. Bärchen eilte auf sie zu, sie führte ihn in den Parlor, und ersuchte ihn, Platz zu nehmen. „Nein," sagte Bärchen, „lassen Sie mich Ihnen erst die Hände drücken über das glückliche Wiedersehen. Unberufen! Fräulein Bertha, Sie sind schöner als je, Gott hat seine Hand über Sie gehalten, ich könnte gleich durch's Feuer für Sie gehen. „Das sollen Sie nicht, Bärchen, versetzte Bertha. Nur eine Frage sollen Eie mir beantworten, die ich für Sie ganz allein aufbewahrt, bis Sie zurückkamen." „Doch fetzen Sie sich vorher." Bärchen that wie ihm geheißen, und Bertha rückte ihren Sessel dicht an feine Seite. „Lieber Freund! sagte sie, und ihre Stimme begann zu vibriren, lagen Sie mir, wo er ist, denn ich ertrage die Ungewißheit nicht länger. Alle» im Hause schweigt von ihm, und ich hatte den Muth nicht zu fragen. Ist er todt, vielleicht um meinetwillen gestorben? so sagen Sie es mir, verheimlichen Sie mir nicht» von Allem, wa» Sie wissen," und Bertha trocknete sich die Thränen, die ihren schönen Augen entquollen. „Nein, mein Fräulein, sagte Bärchen gerührt. Er ist nicht todt, und Sie brauche» die Hoffnung nicht aufzugeben, ihn wiederzusehen. Er ist verreist. „Bärchen, um Gottesimllen, achten Eie niich wenigstens genug, mich nicht zu belügen, dasselbe hat mir Tante Jutta auch gesagt, aber es ist nicht wahr. Sie wissen eS besser." „Es ist wahr, liebes Fräulein, so wahr sollen wir miteinander viel Freud' erleben, versetzte Bärchen, er ist abgereist, nur ist da der kleine Unterschied, daß wir alle nicht wissen, wo er hinging." „Bärchen, Sie verheimlichen mir etwas Schlimmes, sagen Sie mir, daß er todt sei, und ich werde ihn beweinen," versetzte Bertha bebend. „Nein, mein liebes Kind, sagte Bärchen, ich habe Beweise, daß er fortging und sage Ihnen deshalb: Hoffen Sie! Moritz wird sicher eines Tages zurückkcnimcir." „Ihre Beweise! lassen Sie ihre Beweise sehen!" verlangte Bertha. Bärchen zog aus seiner Brieftasche die kurze Notiz, welche er in des Doctors Pult gesunden und überreichte sie Bertha. „Hoffen Sie, sagte er, er wird gewiß wiederkommen, der Gott, der Sie wunderbar errettet, wird nicht wollen, daß Sie Beide, die so gute Menschen sind, immer unglücklich sein werden." „Ja, ich will hoffen, versetzte Bertha, hoffen, denn der Herr hat mich nicht verlassen in schlimmerer Gefahr, und wird es mich jetzt nicht thun. O, mein Gottoertrauen ist groß, mein lieber Freund, sehr groß, seit mich Seine Hand so wunderbar errettet. Darum will ich mich auch nicht dem Schmerze hingeben, denn Gott wird mich gewiß nicht verlassen, und verlangt er dieses Opfer für meine Rettung, nun gut; mit blutenden! Herze» werde ich es dem Herrn bringen." „Amen!" iagte Bärchen, der die Dame verwundert anschaute. Die ist mal fromm geworden, dachte er bei sich. Ja, so ein bischen zausen und rupfen am Menschen, thut ihm manchmal sehr gut. Da er fühlte, daß Bertha allein sein wolle, verabschiedete er sich mit warmem Händedrucke und ging. (Ende des Cap.) Das Aionslicd Iehuda Katevi's*). Metrisch übertrag«n von H. Klüger. Willst, Zion, denn nicht liebend einmal fragen. Rach deiner Heerde Rest, ach, weit versprengt, Die deinethalb noch heut muß Fesseln tragen,') Und dennoch dein in heißer Lieb« denkt?! *) Dieses „Zionslied" ist bereits mehrsach in metrischer Uebersetzvng erschienen; in Geigers „Divan des Castiliers Abu'l Hassan Juda Halevi" <S. 67), und von Lubw. A. Frankl im „Ben Ehananja" II. V6V. Di« obige Uebersetzung zeichnet sich besonders durch ziemlich genaue Wiedergabe des hebr. Tertes und Berücksichtigung der Verbesserungen desselben von Luzzatto „Divan" 1. Hest sLyck, 1864) aus; wir werdkn auf die wesentlichsten in den Anmerk. Hinweisen. <R—r.) I) ~p“TBK „die deinethalben Gefesselten" richtiger als bei Seiger „den Flüchtlingen."