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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 30. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 30.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 239 — erinnern: „Freiheit und Glück wird den Juden von einer andern Seite erwachsen." Frankreich. Pari-. Jul. Franck, Sohn de- Professor Adolph Fr., bisher Generalsekretär einer Präsectur, ist zum Unterpräfecten befördert worden. Bei dem vorwiegend politischen Charakter derartiger Verwaltungsposten ist die Ernennung eine» Israeliten von Wichtigkeit. Die Befürchtung, — welche selbst franz - jüdische Blätter vor einigen Wochen durchschimmcrn ließen, — als ob die jetzige Regierung in der Praxi» Juden vom höheren Verwaltungsdienst fernhalten würde, bestätigt sich also nicht. Es komnit freilich sehr daraus an, welcher politischen Partei der Beförderte angehört. Wir wissen e» nicht, wenn er jedoch der religiöse» Richtung seine» Vaters zugethan ist, so wäre die Sache doppelt dcmerkenSwerth. Religiöser und politischer Radikalismus gehen indessen nicht immer Hand in Hand, und der Professor Franck ist, wenn wir un» nicht irren, sowohl unter Loui» Philipp wie unter Napoleon pvr- 8ona grata gewesen. — Ernst Renan, unveränderlich und unverwüstlich in seiner Abneigung gegen die „semitische Race" und speciell gegen die Juden, hat ein neue» Werk „l'^ntecbriot" h«rau»- gegeben und in demselben den Satz niedergeschrieben: „Die Gewissensfreiheit sollte au» dein römischen Rechte heroorgehen, au» dein Judenthume konnte sie nie hervorgehen. Aus diesem konnte nur die Synagoge oder die Kirche entstehen. Da» Judcnlhum hat nur durch seinen Fanatismus bestanden." Gegen diese Behauptung bat sich der Rabbiner Astruc au» Brüssel in einer in Paris gehaltenen Gast-Predigt erhoben, von der man mit wahrer Begeisterung spricht. Den Wunsch, daß Herr Astruc die Predigt drucken lassen möge, theilen auch wir, obgleich ähnliche Behauptungen auch in Deutschland schon oft ausgestellt und gründlich widerlegt worden sind. Wir erinnern unter Ander,» an die letzte Rede, welche s. Z. von dem CuliuSminister der „neuen Aeia", Herrn v. Bethmann- Hollweg, im Abgeordnetenhause gehalten, und worin er gesagt hat, da« Judenthum kenne keine Toleranz. AehnlicheS ist auch von Herr» v. Senfft - Pilsach mehrmals behauptet worden. Die schönen Geister begegnen sich eben von allen Seiten und von den denkbar-entgegengesetztesten Standpunkten aus. Italien. Berona, am 21. Juni (Orig. Corr.) Die Resultate, welche ich in den Bibliotheken zu Modena, Turin und Mailand gewonnen habe, sind vorzüglich für das Gebiet der Schrift-Exegese als nicht unwesentlich zu bezeichnen. U. A. hebe ich einen Coinmcntar des Jbu Esra zu den Büchern der Chronik hervor, in welchen. Viele» von den Weisen Kahira'S, von Koreisch und Saadia mitgethcilt wird. — Ich bin nunmehr im Begriff, nach einer sech-monatlichen Abwesenheit in die Heimath zurückzukehren und — so mir Gott Leben und Gesundheit schenkt — die Resultate meiner Forschungen, welche meine gehegten Erwartungen bei Weitem tibertroffen haben, einer näheren Bearbeitung zu unterziehen. Eö dürste vielleicht nicht uninteressant erscheinen, wenn ich hier noch die Sammlungen nenne, die kennen zu lernen ich Gelegenheit hatte. E» sind die»: Vaticana, CasanatiS, Angelika, Corsini, Barberini und Propaganda in Rom, Laurentiana und die mit der ehemaligen Maglebechiana vereinigte Razionale in Florenz, die Nazionale in Bologna, und in Modena, die au» den Sammlungen Farnese, de Roffi und Foa bestehende Nazionale in Parnia, die 3 verschiedene Collectionen in sich fassende Nazionale in Turin und endlich die Anbrosiana in Mailand. Ich bin rc. rc. vr. Berliner. Nord-Amerika. New.York. „Jew. Time»" berichtet, daß ein Herr Träger in Montgomery tausend Acre» Land im Staate Mississippi anaeboten habe, u« jüdische Au«wanderer au» Rumänien und Rußland dort ansässig z,t machen. Er erbietet sich auch, sobald eine Colonie sich dort angesiedelt haben wird, eine Synagoge zu erbauen und den Colonisten überhaupt in jeglicher Weise Beistand zu gewähren. LaS Blatt befürwortet da» in dieser Art zu gründende Werk auf dat Wärmste. Durch Einrichtung einer solchen Ackerdau-Colonie werde die rumänische Judenfrage gelöst werden. Man wert»' nicht länger nöthig haben, arme russische oder rumänisch: Juden in den großen Städten durch Almosen zu unterstützen, Re Alliance mit allen ihren Zweig- und Bundesvereinen solle die« Werk in die Hand mhmen, um e» in großartigem Maßstabe zu fördern. — Wir brauchen nicht erst zu wiederholen, daß Jew. Tim. un» gan; und gar au» der Seele redet. Vermischte und neueste Nachrichten. Lemberg, 17. Juli. Seit gestern finden hier zwischen dem Obmann de» israelitischen Central-Wahlcomi es, I)r. Julius Kol sicher, and dem hiesigen Polen-Wahlcomiteü Berathungen in Angel« grnheit der projectirten Berstäudizung beider Wahlcamite» statt. — Lemberg, 18. Juli. Die Ausgleichs-Unterhandlungen zwischen dem Präsidenten de» jüdischen Central-L omite» und den Vertretern de- Polen-Wahlcomite» haben bisher, in Folge von divergirenden Ansichten, zu keinem Resultate geführt. — Lemberg, 19. Juli. Selbst der „Slowo" gesteht bei Besprechung der polnisch-jüdischen Eompromißvers iche Die unumgängliche Nothwendigkeit de» Zusammengehei.» der Nuthenen mit den Juden im Interesse der Versassrng ein. Krakau. Das Interesse an der Wahlben-egung wird durch die Cholerafurcht in den Hintergrund gedrängt. Die i.i dieser Beziehung hieher gelangenden Berichte rnd sehr betrübender Na ur. Unleugbar ist die im Lande herrschende HungerSnotb, die einzige Ursache der Krankheit. E» ist aber auch sehr traurig, daß zur Milderung diese» wachsenden Nebel» so wenig bis jetzt geschehen ist. Sehr lobenswert h sind daher die seitens der Krakauer israelitischen CultuSgeweind,! bereit» getroffenen Vorkehrungen zur Abhilfe der auch in der hiesigen jüdischen Bevilkerung herrschenden HungerSnoth. In der letzten Sitzung de» israelitischen CultuSvorstandeS wardc die Bildung eine» Armenfonds beschlossen; die Anwes:nden haben au» freien Stücken sogleich die Summe von 800 fl. gezeichnet. Hierauf wurde zum Behuf« der Sammlung milder Beiträge ein Comite v»n 30 Mitgliedern eingesetzt, welches bereit» 2000 fl. zusainmengebracht hat; ein Betrag, an welchem die hiesige Industrie-, flarcellirungS- und Bau-Bank zusammen 400 fl. und die hie ige Filiale der Lemberger Hypothekenbank mit 100 fl. betheiligt sind. London. Da» Parlamentsmitglied für Greenwich, Alderinan Sir David Salomo»», Sohn de» Versicherungs-Agenten Levy SalominS und der Frau desselben, Matilda de Metz au» Leyden, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Sir David war her erste israelitische Sheriff und Friedensrichter in England und spielte eine bedeutende Rolle iir dem EmancipationSstreit der Juden auf den britischen Inseln. Zu.n Baronet wurde er im Jahre 1869 erhöbe,». Sir David ist Verfasser me zrerer finanzwissenschaftlicher und vclkSwirthschaftlicher Werke. Lukar-It. Die Nachricht von der Deputation, die Fürst Karl in Wien in der Juden - Angelegenheit ernpfangen, hat hier abermaS nicht verfehlt, den Israeliten einige angenehme Tilelchen eiuzutragen, wa» aber von der „Opposition", die al« Judenfresserin bekannt ist, nicht Wunder nimmt. Da» ist ein unverzeihlicher Fehler der Regierungsorgane, weil letztere einsehe» müssen, baß dieser F-age endlich eine Lösung im Sinne unsere« Jahrhundert» gegeben werde» muß. Ebensowenig darf man sich wundern, daß die Oi>position»presse di« Fabel non der Abberufung de» amerikanischen General- Consul» L. F. Peixotto in Umlauf gebracht, und ebensowenig

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