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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1873-01-01 · 4. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
4 (1873)
Issue
4. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1873-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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— 220 — am 9. April in seiner Schule stattgchabtr öffentlich« Prüfung Anwesend waren der Generalgouvernenr de» Bilayet von Bagdad, Reouf-Pascha, und der Division»generai Fezy- Pascha, Beide in großer Uniform und von ihren General« stäbe« begleitet; ferner Ihre Hoheiten der Prinz Abbas- Mirza, Bruder de« Schah von Persien, und Prinz Abou- Fezil-Mirza, Beiter de» Schah; der persische und mehrere europäische Eousuln, die hohen städtische» Beamten, der Polizeidirector, der Direktor der Militairschule, der Redakteur der Prooinztalzettting, die europäischen Aerzie, die Ingenieur« he» Mayer, die Rabbinottmitglieder, di« i»raelitischen, muselmännischen und christlichen Rotabeln der Stadt, sowie die Eltern der Schüler. Rach einer kurzen Ansprache de» Herrn Marx über Zweck nnd Mittel der Schule ließ Se. Sxc. Reouf Pascha die Prüfung mit der untersten Klasse beginne» und gab die Prüknng»- gegensläude selbst an. Die Klaffe la» französisch und arabisch und erklärte da» Gelesene in beiden Sprachen. Di« zweite Kl>ffse'1>t» englisch, da» sic in» Französische, und türkisch, da» sie in» Arabische übersetzte; die Zöglinge führten an der Tafel orthographische and arithmetische Aufgaben an», die sie laut erklärten; außerdem wurde die 2 Abtheilung derselben in Geographie, Physik und Geschichte Asien», sowie über die Produkte und die Thierivelt seiner Hauplländer und namentlich der astatischen Türkei und anderer Tbeilr de» ottomanischen Reiche» examintrt. Hierauf kam die Reih« an die erste Abtheilung, welche in der Geschichte Aegypten«, in den Elementen der Mathematik, sowie über den Thermometer und Barometer geprüft wurde. Die Antworten waren größtenlheti» richtig und stellte» Se. Erc. sehr zufrieden. Die Prüfung dauerte drittehalb Stunden »nd schloß mit einem von den Schülern gesprochene» Gebet für den Sultan. Herr Rogier, der Borsteher de» sranzvsischm Consula'« zu Bagdad, theilt noch einige Einzelheiten über diese» Examen mit, da« ihn sehr angenehin überrascht habe. „In allen Abtheilungen antworteten die Schüler auf die an sie gestellten Fragen mit großer Leichtigkeit. Der bieneralgouverneuc der ProÄnz Bagdad, Marschall Räouf-Pascha, ein gebildeter' und de» Französischen sehr kundiger Mann, stellte die Fragen, während Herr Marx dieselben den Schülern miltheilte. Sümmtliche anwesende Personen haben den Stand der Schule und die Methode de» Direktor» augczeichnet gefunden. Da« Prüfungoprogranlm war sehr nmfaffrnd, dennoch gaben die Kinder stet» recht befriedigende Airtwarten und übersetzten, ohne zu stocken, aus dem Türkischen in» Arabische und a « dein Englischen in» Französische. Mit einem Wort«, eS giebt in Bagdad weder bei den Ehri>'en noch bei den Muhametanern eine so wohlorganisirte und solche Resultate aufweiscnde Schule al» diese unter Leitung de« Herrn Marr gestellte Anstalt." Rußland. Petersburg, 3. Juli. (Jüdisches Schulwesen.) Es erisiirt hier ein vor zebn Jahren gegründeter „Verein zur Verbreitung der Bildung unter den Juden", welcher über da» ganze Reich verbreitet ist und gegenwärtig 278 Mitglieder zählt. Wer je dem Bildungszustande des „polnischen" resp. „russischen Inden" auch nur oberflächlich näher getreten ist, wird sich niemals eine» tiefen Bedauerns über den niedrigen Eultursiand dieser Rare haben erwehren können. Der erwähnte Verein ha! wahrlich seine Eristenzberechligniig. um so bedauerlicher ist seine geringe Wirksamkeit, von der sein lctz'er Jahresbericht Rechenschaft giebt. Rur 5450 Rubel hat er zur Verbreitung von Büchern nnd zur Unterstützung von Schulen verwenden können, wobei e» ihm namentlich darum zu t un isi. die Kcnntii'.st der russischen Sprache unter den Juden zu verallgemeinern. Es ist diese Erscheinung aber auch wiedcruin ein neuer Beweis dafür, wie wenig man hier der humanen Pflicht sich bewußt in, die Stellung der Juden innerhalb der übrigen bürgerlichen Gesellschaft zu heben. So lange die Regierung die besonderen „Judengesetze" noch aufrecht erhält, so lange die Gesellschaft selbst noch ihre Freude daran hat, wird hier der Hebräer immer der abschreckend« „Jude" bleibe», der tm Trüben fishen muß, well ihm da« Licht nicht gestattet ist. — Der U«re,rtchl«minifter hat setnersrit» wohl bei« besten Willen, für de» Shulwesen auch der Juden alle» Mögliche zu thun, allein äußerst beschränkt in den Mitteln, kann er auch nur Geringe« leisten. Roch mehr al« im chrisiltcheu Schulwesen muß er hier die zahlreichen Pri.atschuti-n mit allen ihren Schäden oit etwa» hinnchmrn, wa« doch mmer noch bester ist. al» gar nicht«. Rach osficiellen Angalen bestehen gegenwärtig in europäischen Rußland zwei Rabbinerschule» und 123 voni Staat unterhaltene Unterrichtüansialtes für jüdisch« Ktnder, welche zusammen von 0,700 Zöglingen besucht werde». Dem gegenüber stelle« die Juden zur Eriiehung in ihren Privatsälulen ein Lonttngent von mehr al» 20,0«10 Zöge lingen auf! Dt« öffentliche Meinung in Rußland klagt lang schon darüber, daß sich die orthodox füdischen Elemente von den Staatöscht le» zurückhal en und in ihren zahllcsen Privat unt,rricht»an>'tniten eine Richtung pflege», welche allen relt giör-resormato-ischen wie namentlich auch den national-russischen Tendenzen feindlich gegenüber steht. Uebrigen» ist der llnter richt«minisler eben damit beschäftigt, die beiden b «hörigen Rabbinatsschulen in rein-pädagogische „Lehrer-Seminare" >»mzu gestalten und roa allen übrigen Anstalten 100 zu Elem.mtar tchulen umzusornten. Tie höhere Bildung habt» auch die Jude» au»schließlich auf christlichen -chulen zu suchen. von der russischen Grenze, 4.Juli. (Die Freizügig keit der Juden.) Ein in Rußland bl» in dt« neuest,! Zeit ungerecht de mndelter Theil der Staattangehvrigm sind die Juden. Ai« vor Hunden Jahren unter der Kaiserin Eathartna II. die lneißrussischen Provinzen Rußland einnerb'ibt wur den, wollte sie nicht ihre Einwilligung zur Zulaffung de : In den in die inneren Gouvernement« geben, doch wollte sie die selben auch nicht für schädlich erilären, sondern befahl die Entscheidung in» zu einer anderen Gelegenheit zu vertagen. Seitdem sind nun über hundert Jahre vergangen, oh».« baß es zu einer Entfiheidnng gekommen tfl. Jüdischen Gelehrten und Handwerkern ft freilich durch Specialgesetze die Zulaffung erlaubt, aber diese Specialgefetzc sind meist wieder durck, Berord nungen der verschiedenen Restart« Wirkung»!»« gewortin. Als Grund de» Bwbote» wird die Befürchtung angegeben, daß die handeltreibend, m Juden da« Landvolk ausbeuten. Anöererfei s durften auch früher die Juden bekanntlich nicht in der Nähe der Grenze wohnen, weil man glaubte, daß sie d:m Schmuq gel Vorschub misten würden. Nunnrehr berichten eussische Zeitungen, daß man in höheren Regierungstreisen dcmit umgehe, den Juden vollständige Freizügigkeit im ganzen 9leid)e zu gewähren, weil die ^Verschleppung der Lösung dieser Frage eben so lästig für die Juden selbst, sowie für di« sogenannte Zone „der jüdischen Ansiedelung" ist. „Der Jude ist", hetzt e» in dem betreffenden Bericht de« Ministerium» der Finanzen, „sei ncm Charakter nach und in Folg« historischer Umstände vor zugsweise Händler oder Gewerbetreibender. Da« gewerblich? Element, da» von ihnen aus den Markt gebracht wird, ge währt da eint n bedeutenden Vortheil, wo e» der Hach wage des Markte« entspricht. In Wcstrußland bilden die Juden aber zehn Procent der Bevölkerung. Wcim nun von «eui; Bewol, ncrn einer oh rebln sehr producttven Gegend Einer seinen Un terhalt durch die Berlnittelung zwischen Prodncenten und Eonsumeuten nnd noch dazu unter mancherlei Beschränkungen in dieser Beschäitignng gewinnen soll, ist ibm die Möglichkeit, da« Leben durch gesetzlich erlaubte Mittel zu feisten, geradezu benommen. Die Eoncurrenz hat daher unter dm Juden i» Wesrrußland ine äußerste (9-renze erreicht. Sie 'cibr können sich nicht an« dein Elende beraurarbeilen, und die dortige nichtjüdische Süvölkerung kann sich nicht mit dcn , ewerben beschäftigen, weil die Eoncirrrenz der Juden die durch diese! den z, erzielenden Gewinne auf da« äußerste Min »rum herab gedrückt hat. Dagegen sind in dein größten The le der inneren Eiouvernement«, besonders in dcn ackerbautr.ibenden, die gewebliche Thätigkeit und die speculative Jnitiave sehr schwach entwickelt, deshalb wird daselbst die Einverleibung t>eS indu- #

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