Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 4 (1873)
- Issue
- 4. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1873-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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228 — thum», welche außerhalb der Macht- und Rechtssphäre des Staates liegt." Sraka», ttt. Juli. 5o wäre t» denn den schlauen Polen doch gelungen, da« Programm ec« „Schomer Israel" zu kreu ,cn, und den Keil in die angestrebte Einigkeit hinetnzutreiben. Ter „% % P." wird über die belr. Umtriebe von gut un.errichre.er Leite folgende« von hier geschrieben: Da« hiesige Wahleomite für die „tuten WestgalizieitS har sei» Aktion«-Programm dem Präsidenten der Krakauer i»raeiilischen Eultusgemeinde, lir. Lamuclsohn, überreicht. Da Letz crer bekanntlich auch Mitglied de« wesigalizischen Een ral-Wahlcomite» ist, so sühlte er sich verpstichtel, diese« Eoniite von der Eristenz de» gedach en, seilen« der Krakauer Israeliten ihm eingehändigten Eirculär» m Kennlniß zu setzen. I»r. Zyblikiewtcz, Präsident de« hiesigen Polen-Eomite», stellte in »folge denen da« Begehren, daß da« jüdische Eoinite eine Versammlung von intelligenten jüdischen Wählern ehemöglichst «inberusen möge z»m Zwecke einer Verständigung mit den christlichen Wählern, der anzuwohnen (>r. Zyblikiewicz den Wunsch ausdrück.e. Eine fotd>c Versammlung bat denn auch gestern Nachmitta « im Beitem Zyblikiewicz' stattgefuuten. Ten Laup gegnlstand der Discussion bildete der die,er Tage an den israelitischen Eul tusoorstand gelangte Ausruf und Organisation-plan de» jüdischen Een rai llllahlcomite» zn Lemberg. Mehrere Redner Hoden hervor, daß die Lemberger Israeliten durchaus kein« Berechtigung ('<) hatten, i,r Programm im Rainen sämm licher Israeliten (Rrlizien» zu verössentlichen; daß die Verhältnisse der Juden in Westgalizien — wo rulhenische Einflüße «ich vorhanden — von einem ganz anderen Gesichtspunkte au«, als jene in Ostgalizirn, beurtheilt werden wüsten. Jnsbesonoere könne bei den zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung in Krakau seit Jahreit bestehenden friedlichen Beziehungen «in solcher „separatistischer" Ltandpunkt, wie er im Wahlprogramme der Lemberger Juden sich äußert, von den hiesigen J«racliten nicht eingenommen werden au» dem (Grunde, weil selbst die Krakauer polnische Partei zu den sogenannten „Mäßigen" gehört und sowohl von föderalistischen al« auch resolutionistischen Pelleitätcn frei ist. Die Krakauer Israeliten würden dnrch ein separatistische« Vorgehen bei den nächsten Wahlen unnölhigerweise eine bedauernswerthe Uneinigkeit Hervorrufen, die nur Judenhaß und Intoleranz — die bisher in Krakau viel weniger grassir en als in Lemberg — aber nicht den geringsten lRnoiim für die jüdischen Interessen hcrbcisühren dürsten. Auch l)r. Zyblikiewicz sprach sich in diesem Sinne aui; und nachdem er eine an ihn gestellte Interpellation, ob das westqalizifche Ecntral-Wahlcoinite, besten Präsident er ist, mit der Wall eine» jüdischen Reichsrath«-Abgeordneten au« der Stadt Krakau einverstanden sei, dahin beantwortet hatte, „daß er allerdings vorläufig in dieser Beziehung keine bestimmte Erklärung ii» Namen des Polen Eomitcs — wo dieser Gegenstand noch gar nicht besprochen wurde — abgeben könne, dagegen aber persönlich mit aller Kraft für die Herbeiführung eine« solchen wünschenswerthen und gerechten Kompromisses wirken werde" — beschloß die Versammlung, die Action de« Krakauer Central ZlZableomiieS für die Juden Wcstgalizien» auf Grundlage seines bereits mitgcthciltcn Proqramm« fortzusetzen und sei cn« des hiesigen israelitischen EulluSvon'tandes dem Lembrrgcr israelitische» Ecntral-Wahlcomite ans dessen gedachte» Anfrus die Antwort zu crtheilen, daß die Krakauer Israeliten anläßlich der directen Rcichsrathsmahlen allerdings als Reickssrennde, dabei aber durchaus nicht als Feinde der polnischen christliche» Wähler zum offenbaren Schade» der Ruhe und Sicherheit der Juden in klalizien zur Urne schreiten werden. Die Zeit wird lehren, ob die gntnni tbigen Krakauer Israeliten nicht abernials die Gefoppten sein werden. Frankreicb. Paris (Bericht der All. JSr. Univ. für Juni. Schluß.) Der Board of Delegate« in Rew-Aork gibt Austunfl über eventuell« «»«wandentng rassischer Juden nach Amerika. Oe. Bamberger in Königsberg zeigt an. daß die Fonds de« Hauptgren, Somit,« erschöpft und noch für etwa 80iK> Franc« Verbindlichkeiten vorbanden seien. Er fragt an. ob man sich nicht fortan auf die Waisenerziehung beschränken solle. Da» Sentral-Comit, stellt vorläufig 5000 Fre», welche noch von de» Zeichnungen für die russischen Juden vorhanden sind, zur Verfügung. Der Anh ing enthält ein officielle» Schreiben de« spanischen (Er) Minister» der auswärtigen Angelegenheiten, Eastelar, an Erenicieux, lxireffend di, Tödtung eine« Israeliten, Bensim jon, in Larache. Die Sach« ist vor längerer Zeit geschehen und s. Z berichtet worden. Bensimjon war mit einem Spanier in Streit gcrathen und batte diesem einen Faustschlag versetzt, in Folge besten er gestorben war. Der spanische Eonsul trat nun als Kläger auf, und Bensimjon wurde von der marokkanischen Justiz einer so unbarmherzigen Bastonnade preis gegeben, daß er wieder in Folge derselbe» starb. So stellt sich nämlich nach den von Eastelar gemachten Erhebun gen die Sacke heraus. ES ist sicher, daß Bensimjon nicht di, Absicht hatte, den Spanier zu tödten, daß der Schlag a» sich auch durchaus nicht al« ein löotlicher bezeichnet werden konnte, mithin die Strafe ein« ebenso barbariiche an sich wie ungerechte in Hinsicht auf den specielle» Fall war. Der spanische Minister (eigentlich der Amtsoorgänger Eastelar«, Mario«» war nun von der All. J«r. Univ. ersucht worden, die Sache, insofern spaniiche Eonsulardeamte dabei thätig gewesen, zu untersuchen. Der Eonsul hat aber lediglich ex offleio sich der Lache de» getödteten LandSmanne« bei der einheimischen Behörde angenommen; ist diese Bestrafung de» Ihäler« über das Ziel hinausgegangen, so ist die« nicht die Absicht de« Eonsul« gewesen. Die Sache ist sonach erledigt. (M in weiß freilich, wie die Eiitmischung der Europäischen Eonsule — mag sie auch an sich in den halb rioilisirten Ländern »ölh:g sein — oft zu großer Härte führt. Jeder Eonsul sucht die Macht und Würde seine« Lande» dadurch zu heben, daß er auf recht energische Bestrafung derjenigen, der sich gegen einen seim-r Landsleute vergangen hat, dringt, freut sich, nachher berichten zu können, daß etwa für eine Tracht Schläge, die ein Europäer, vielleicht nicht ganz ohne Schuld, empfangen hat, so und so viele Asiaten gehängt seien. Nachher zuckt man wieder über die Barbaren die Achseln. Dem Bensimjon ist übrigen» anscheinend Maaß für Maaß geworden, man hat auch rb» nicht todtschlagen wollen.) Wir geben nun noch den Bericht über die Prüfungen in den Schulen der Alliance in Adrianopel und »Bagdad. Ucber erstere schreibt der französisch« Eonsul an den Oberlehrer der Anstalt, Herrn Bloch: „Ich wollte nicht zögern. Ihnen mitzntheilen, daß ich von dem Besuche, den ich ihrer Schule gemacht, den besten Eindruck mitgenomnicn habe. E» hat mich gefreut, zu sehen, welch eine praktische und tüchtige Bildung Sie einer Anzahl von 100 Kindern zu geben wisien, die vor Kurzei» noch aller Erziehungsmittel entbehrt hatten. E« ist dies eine von den Ucberraschungcn, au die mir im Orient durchaus nicht ge wöhnt sind. Was mir gleich beim Eintritt in Ihre Schule beionders angenehm auffiel, war da« gute Betragen der Schüler. Hätte» Sic nur die« eine Resultat erreicht, io wäre die« schon viel, aber ich kann außerdem nach den Antworten dieser Kinder aus die verschiedeneir Fragen aus Grammatik, Geschichte, Geographie, Arithmetik und Physik konstatircn, daß ihre Unterrichtsmethode nicht minder wie Ihre Disciplin schöne Erfolge erzielt hat. Mehrere Ihrer Schiller würden, zumal mit Rücksicht auf ihr Aller, unseren besten Elementarschulen Ehre machen. Diese Fortschritte erscheine» besonders merkwürdig, wenn man bedenkt, daß es kauin vier Jahre her ist, seitdem Sie dieses Werk begonnen haben, und daß Sie erst die Sprache dieser Kinder (Spanisch) lernen mußten, ehe Sie sie die Ihrige lehren konnten; überdies weiß ich, aus welche Schwierigkeiten Sie gestoßen sind, und welche Dorurthelle Sie zu überwinde« halten." — $}t\t Director Marx in Bagdad berichtet über die